Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Im Rücken, zwei Werst von Mikulino, dort, wo der Wald dicht an den Weg herantrat, waren sechs Kosaken zurückgelassen, die sogleich Meldung bringen sollten, falls sich neue französische Kolonnen zeigten.
Vor Schamschewo sollte in derselben Weise Dolochow den Weg rekognoszieren, damit man wisse, in welcher Entfernung sich noch andere französische Truppen befänden. Bei dem Transport vermutete man fünfzehnhundert Mann. Denisow hatte zweihundert Mann, und Dolochow mochte ebensoviel haben. Aber durch diese numerische Überlegenheit ließ Denisow sich nicht abschrecken. Nur eines mußte er noch wissen: was für Truppen es eigentlich waren; und zu diesem Zweck mußte Denisow eine »Zunge« fangen, d.h. einen Mann von der feindlichen Kolonne. Bei dem Überfall am Morgen auf die Trainwagen war alles so eilig zugegangen, daß sie die bei den Wagen befindlichen Franzosen alle niedergemacht und nur einen wegen Erschöpfung hinter der Kolonne zurückgebliebenen Knaben, einen Tambour, gefangengenommen hatten, der aber nichts Zuverlässiges darüber aussagen konnte, aus was für Truppen die Kolonne bestehe.
Noch einen zweiten Überfall zu unternehmen, hielt Denisow für gefährlich, um nicht die ganze Kolonne zu alarmieren, und darum hatte er einen bei seiner Freischar befindlichen Bauer Tichon Schtscherbaty abgesandt, der, wenn es möglich wäre, wenigstens einen der vorausgeschickten französischen Quartiermeister wegfangen sollte.
IV
Es war ein warmer, regnerischer Herbsttag. Himmel und Horizont hatten ein und dieselbe Farbe, die Farbe trüben Wassers. Bald war es, als senkte sich ein Nebel herab, bald auf einmal fiel ein schräger, kräftiger Regen.
Auf einem mageren Vollblut mit eingefallenen Weichen ritt Denisow, in Filzmantel und Schaffellmütze, von denen das Wasser herunterlief. Ebenso wie das Pferd, das den Kopf schief hielt und die Ohren andrückte, kniff auch er bei dem schrägen Regen das Gesicht zusammen und spähte aufmerksam nach vorn. Sein mager gewordenes, von einem dichten, kurzen, schwarzen Bart bedecktes Gesicht trug einen ärgerlichen Ausdruck.
Neben ihm ritt, gleichfalls in Filzmantel und Schaffellmütze, auf einem wohlgenährten, kräftigen donischen Pferd ein Kosaken-Jesaul1, Denisows Gehilfe.
Der Jesaul Lowaiski war ein langer, blonder Mensch, flach wie ein Brett, mit weißem Gesicht, schmalen, hellen Augen und ruhigem, selbstbewußtem Ausdruck in Gesicht und Haltung. Obgleich man nicht sagen konnte, worin eigentlich die Besonderheit des Pferdes und des Reiters bestand, so wurde einem doch beim ersten Blick auf den Jesaul und Denisow klar, daß Denisow sich naß und unbehaglich fühlte und ein Mensch war, der auf einem Pferd saß, daß dagegen der Jesaul sich in so ruhiger, gemächlicher Stimmung befand wie immer und nicht ein Mensch war, der auf einem Pferd saß, sondern ein Mensch, der mit dem Pferd zusammen ein einziges Wesen von verdoppelter Kraft bildete.
Ein wenig vor ihnen ging ein Bauer, der ihnen als Wegweiser diente, in einem grauen Kaftan und mit einer weißen Zipfelmütze, völlig durchnäßt.
Nahe hinter ihnen ritt auf einem mageren, schlanken Kirgisenpferdchen mit langem Schweif und gewaltiger Mähne und mit blutig gerissenem Maul ein junger Offizier in einem blauen französischen Mantel.
Neben ihm ritt ein Husar, der hinter sich auf der Kruppe des Pferdes einen Knaben, in einer zerrissenen französischen Uniform und mit einer blauen Mütze, sitzen hatte. Der Knabe hielt sich mit seinen vor Kälte roten Händen an dem Husaren fest, schlenkerte mit seinen nackten Füßen, um sie zu erwärmen, und blickte mit hochgezogenen Brauen erstaunt um sich. Dies war der am Morgen gefangengenommene französische Tambour.
Dahinter folgten in langem Zug, je drei oder vier nebeneinander, auf dem schmalen, ausgefahrenen Waldweg Husaren und dann Kosaken, teils in Filzmänteln, teils in französischen Mänteln, teils in Pferdedecken, die sie sich über den Kopf geworfen hatten. Die Pferde, Füchse sowohl wie Braune, sahen von dem Regenwasser, das an ihnen herablief, sämtlich wie Rappen aus. Die Hälse der Pferde erschienen infolge der durchnäßten Mähnen auffällig schlank. Ein dichter Dampf stieg von den Pferden in die Höhe. Die Kleidung und die Sättel und die Zügel, alles war naß, schlüpfrig und weich, ebenso wie auch der Erdboden und die abgefallenen Blätter, mit denen der Weg bedeckt war. Die Menschen saßen zusammengekauert da, darauf bedacht, sich nicht zu bewegen, um das Wasser, das bis auf den Körper durchgedrungen war und sich unter dem Gesäß, an den Knien und am Hals gesammelt hatte, zu wärmen und kein neues, kaltes hineinzulassen. In der Mitte zwischen den langen Reihen der Kosaken polterten die beiden Trainwagen mit ihren französischen Pferden und vorgespannten gesattelten Kosakenpferden über die Baumstümpfe und Äste weg und plätscherten in dem Wasser, das die Geleise füllte.
Denisows Pferd geriet, beim Umgehen einer Pfütze auf dem Weg, zu weit zur Seite und quetschte ihm das Knie gegen einen Baum.
»Ha, du Satan!« rief Denisow grimmig und schlug zähnefletschend das Pferd dreimal mit der Peitsche, wobei er sich und seine Kameraden mit Schmutz bespritzte.
Denisow war übler Laune, sowohl wegen des Regens, als auch vor Hunger (seit dem Morgen hatte niemand von ihnen etwas gegessen), namentlich aber weil von Dolochow immer noch keine Nachrichten da waren und weil der Mann, den er abgesandt hatte, um eine »Zunge« zu fangen, nicht zurückgekehrt war.
»Eine solche Gelegenheit, einen Transport zu überfallen, kommt so leicht nicht wieder. Den Überfall allein auszuführen ist zu riskant, und schiebe ich die Sache auf einen andern Tag auf, so nimmt mir eines der größeren Freikorps die Beute vor der Nase weg«, dachte Denisow und blickte unausgesetzt nach vorn, in der Hoffnung, den erwarteten Boten von Dolochow zu erblicken.
Als sie auf einen Durchhau gekommen waren, durch den man weit nach rechts sehen konnte, hielt Denisow an.
»Da kommt jemand geritten«, sagte er.
Der Jesaul sah nach der Richtung hin, nach welcher Denisow zeigte.
»Es sind zwei, ein Offizier und ein Kosak. Aber es ist nicht mutmaßlich, daß es der Oberstleutnant selbst ist«, sagte der Jesaul, der gern Worte gebrauchte, die den Kosaken nicht mundgerecht sind.
Die Reiter, die einen Abhang herunterritten, verschwanden ihnen aus den Augen und wurden erst nach einigen Minuten wieder sichtbar. Voran ritt in müdem Galopp, das Pferd mit der Peitsche antreibend, ein Offizier, mit zerzaustem Haar, durch und durch naß; die Hose hatte sich ihm bis über die Knie hinaufgeschoben. Hinter ihm trabte, in den Steigbügeln stehend, ein Kosak. Der Offizier, ein ganz junges Bürschchen, mit breitem Gesicht von frischer, gesunder Farbe und mit lebhaften, fröhlichen Augen, sprengte zu Denisow heran und überreichte ihm einen durchnäßten Brief.
»Vom General«, sagte der Offizier. »Verzeihen Sie, daß der Brief nicht ganz trocken ist.«
Denisow nahm mit finsterem Gesicht den Brief in Empfang und brach ihn auf.
»Da haben nun alle gesagt, es sei gefährlich, sehr gefährlich«, sagte der Offizier, zu dem Jesaul gewandt, während Denisow den ihm überbrachten Brief las. »Übrigens hatten wir, ich und Komarow« (er zeigte auf den Kosaken), »unsere Vorbereitungen getroffen. Wir haben jeder zwei Pistolen … Aber was ist denn das?« fragte er, als er den französischen Tambour erblickte. »Ein Gefangener? Sind Sie denn schon in einem Kampf gewesen? Darf ich mit ihm reden?«