Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
1 ... 428 429 430 431 432 433 434 435 436 ... 458
Перейти на страницу:

In ernstester Gemütsstimmung fuhr Pierre vor dem Haus des alten Fürsten vor. Das Gebäude war verschont geblieben. Man sah an ihm wohl Spuren von Zerstörung, aber der Gesamteindruck war unverändert. Ein alter Diener, der Pierre mit strengem Gesicht entgegenkam, als wolle er den Gast fühlen lassen, daß die Ordnung im Haus durch den Tod des Fürsten nicht gelitten habe, sagte, die Prinzessin habe geruht, sich in ihre Gemächer zu begeben, und empfange nur sonntags Besuche.

»Melde mich trotzdem, vielleicht werde ich doch angenommen«, sagte Pierre.

»Zu Befehl«, erwiderte der Diener. »Bitte treten Sie ins Porträtzimmer ein.«

Einige Augenblicke später kehrte der Diener mit Dessalles zurück. Dessalles teilte Pierre im Namen der Prinzessin mit, daß sie sich sehr freue, ihn zu sehen, und ihn bitte, wenn er ihr diesen wenig förmlichen Empfang nicht übelnehmen wolle, doch nach oben in ihr Zimmer zu kommen.

In einem niedrigen kleinen Zimmer, das nur von einer einzigen Kerze beleuchtet war, saß die Prinzessin und neben ihr noch ein anderes weibliches Wesen im schwarzen Kleid. Pierre erinnerte sich, daß Prinzessin Marja immer Gesellschafterinnen gehabt hatte, wer aber und wie diese Gesellschafterinnen gewesen waren, das wußte er nicht und konnte sich auch nicht mehr darauf besinnen. Wahrscheinlich eine ihrer Gesellschafterinnen, dachte er, als er einen Blick auf die Dame im schwarzen Kleid warf.

Die Prinzessin stand schnell auf und streckte ihm die Hand entgegen.

»Ja«, sagte sie, nachdem er ihr die Hand geküßt hatte, und blickte in sein verändertes Gesicht, »so sehen wir uns wieder. Er hat auch noch in der letzten Zeit oft von Ihnen gesprochen«, fuhr sie fort und ließ ihre Augen verlegen von Pierre zu der Gesellschafterin hinüberschweifen, worüber sich Pierre einen Augenblick wunderte.

»Ich war so glücklich, als ich von Ihrer Befreiung hörte. Das war die einzige frohe Botschaft, die wir seit langer Zeit erhalten haben.«

Wieder warf die Prinzessin einen noch unruhigeren Blick auf die Gesellschafterin und wollte etwas sagen, aber Pierre unterbrach sie.

»Stellen Sie sich vor, ich wußte nichts von ihm«, sagte er. »Ich hielt ihn für gefallen. Alles, was ich erfuhr, erfuhr ich bloß durch andere, aus dritter Quelle. Ich weiß nur, daß er zufällig zu den Rostows kam … Welch eine Schicksalsfügung!«

Pierre sprach schnell und lebhaft. Er warf einen flüchtigen Blick auf das Gesicht der Gesellschafterin, bemerkte den aufmerksam freundlichen, forschenden Blick, den diese auf ihn gerichtet hatte, und fühlte, wie das während eines Gespräches oft der Fall zu sein pflegt, aus irgendeinem Grund, daß diese Dame im schwarzen Kleid ein liebes, gutes, prächtiges Geschöpf sein mußte, das sein vertrauliches Gespräch mit Prinzessin Marja nicht stören werde.

Doch als er seine letzten Worte über die Rostows ausgesprochen hatte, trat die Verlegenheit auf dem Gesicht der Prinzessin Marja noch deutlicher hervor. Wieder ließ sie ihre Augen von Pierres Gesicht auf das der Dame im schwarzen Kleide schweifen und sagte: »Sie erkennen sie wohl nicht?«

Pierre schaute noch einmal auf das blasse, feine Gesicht der Gesellschafterin mit den schwarzen Augen und dem seltsamen Mund. Etwas Heimatliches, längst Vergessenes und mehr als Liebes blickte ihm aus diesen aufmerksamen Augen entgegen.

Aber nein, das kann doch nicht sein, dachte er. Dieses ernste, magere, blasse, gealterte Gesicht! Es ist nur etwas, das an sie erinnert.

Doch in diesem Augenblick sagte Prinzessin Marja: »Natascha.« Und das Gesicht mit den aufmerksamen Augen fing mühsam und mit Anstrengung, wie eine verrostete Tür sich öffnet, zu lächeln an, und aus dieser sich öffnenden Tür wehte ihm plötzlich ein längst vergessenes Glück entgegen, an das er, besonders in diesem Augenblick, gar nicht gedacht hatte. Es wehte ihm entgegen, umfing ihn und nahm ihn ganz gefangen. Von dem Augenblick an, da sie lächelte, war kein Zweifel mehr möglich: es war Natascha, und er liebte sie.

Und dieses Geheimnis, das Pierre selber gar nicht kannte, verriet er im ersten Augenblick unwillkürlich ihr, Prinzessin Marja und vor allem sich selber. Er errötete vor Freude, Gram und Schmerz. Er wollte seine Erregung verbergen, aber je mehr er sie zu verbergen suchte, um so deutlicher – deutlicher als mit den bestimmtesten Worten – sagte er sich, ihr und Prinzessin Marja, daß er sie liebe.

Nein, nein, das kommt nur von der Überraschung, dachte Pierre. Doch als er in seinem angefangenen Gespräch mit Prinzessin Marja fortfahren wollte, mußte er Natascha wieder ansehen, und eine noch stärkere Röte bedeckte sein Gesicht, und eine noch heftigere frohe und ängstliche Erregung ergriff ihn. Er verwirrte sich in seinen Worten und blieb mitten in seiner Rede stecken.

Pierre hatte Natascha nicht bemerkt, weil er keineswegs erwartet hatte, sie hier zu sehen, und erkannt hatte er sie deshalb nicht, weil die Veränderung, die, während er sie nicht gesehen hatte, mit ihr vorgegangen war, ganz gewaltig schien. Sie war sehr mager und blaß geworden. Aber nicht das war es, was sie unkenntlich machte: er hatte sie im ersten Augenblick, als er eintrat, nicht erkennen können, weil in diesem Gesicht, aus dessen Augen früher immer ein geheimes Lächeln der Lebensfreude geleuchtet hatte, jetzt, als er eingetreten und sie zum erstenmal angesehen hatte, nicht eine Spur dieses Lächelns mehr vorhanden gewesen war, sondern nur die aufmerksamen, guten und traurig fragenden Augen.

Pierres Verwirrung rief in Natascha nicht die gleiche Verlegenheit hervor, sondern nur ein stilles Glücksgefühl, das kaum merklich ihr Gesicht erhellte.

17

»Sie ist bei mir zu Besuch«, sagte Prinzessin Marja. »Der Graf und die Gräfin kommen auch dieser Tage. Die Gräfin ist in einer entsetzlichen Verfassung. Aber Natascha mußte selber einen Arzt befragen. Man hat sie nur mit Gewalt mit mir hergeschickt.«

»Gibt es. wohl eine Familie, die jetzt nicht ihr Leid zu tragen hätte?« sagte Pierre zu Natascha gewandt. »Sie wissen, daß es an demselben Tag geschah, an dem wir befreit wurden. Ich habe ihn gesehen. Was für ein prächtiger Junge das war!«

Natascha sah ihn an, und als Antwort auf seine Worte wurden ihre Augen nur noch größer und glänzender.

»Was könnte man zum Trost denken oder sagen?« fuhr Pierre fort. »Nichts. Wozu mußte ein so prächtiger, lebensfroher Junge sterben?«

»Ja, in unserer Zeit wäre es schwer zu leben ohne den Glauben …« ergänzte Prinzessin Marja.

»Ja, gewiß. Das ist eine reine Wahrheit«, fiel Pierre schnell ein.

»Warum?« fragte Natascha und sah Pierre aufmerksam an.

»Warum?« wiederholte Prinzessin Marja. »Weil nur der Gedanke an das, was uns dort erwartet …«

Natascha hörte ihr nicht bis zu Ende zu und sah wieder Pierre fragend an.

»Und auch deshalb«, fuhr Pierre fort, »weil nur ein Mensch, der daran glaubt, daß es einen Gott gibt, der uns lenkt und leitet, einen solchen Verlust ertragen kann wie den der Prinzessin Marja und … den Ihrigen.«

Natascha öffnete schon die Lippen und wollte etwas sagen, hielt aber plötzlich inne. Pierre drehte sich hastig von ihr ab, wandte sich an Prinzessin Marja und fragte nach den letzten Lebenstagen seines Freundes.

Seine Verwirrung war fast ganz vorbei. Aber statt dessen fühlte er, daß seine ganze frühere Freiheit verschwunden war. Er hatte die Empfindung, als sei für jedes seiner Worte, für jede seiner Handlungen jetzt ein Richter da, dessen Urteil ihm teurer war als das aller Menschen auf der ganzen Welt. Wenn er jetzt sprach, stellte er sich bei allen seinen Worten immer den Eindruck vor, den diese auf Natascha ausüben würden. Nicht daß er absichtlich das gesagt hätte, was ihr gefallen mußte, aber er beurteilte alles, was er sagte, nur unter diesem Gesichtspunkt.

Ungern wie immer fing Prinzessin Marja an, von dem Zustand zu erzählen, in dem sie den Fürsten Andrej vorgefunden hatte. Aber Pierres Fragen, sein lebhafter, unruhiger Blick und sein vor Erregung zitterndes Gesicht veranlaßten sie, allmählich auf alle Einzelheiten einzugehen, an die sich zu erinnern sie selbst in Gedanken immer ängstlich vermieden hatte.

1 ... 428 429 430 431 432 433 434 435 436 ... 458
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)