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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Die Gründe, warum die Leute von allen Seiten nach Moskau strömten, nachdem man die Stadt von Feinden gesäubert hatte, waren verschiedener, persönlicher und in der ersten Zeit meistens wilder und tierischer Art. Nur ein Grund war allen gemeinsam: sie strebten dorthin, an jenen Ort, der früher Moskau geheißen hatte, um dort zu wirken und zu schaffen.

Nach acht Tagen hatte die Stadt bereits wieder fünfzehntausend Einwohner, nach vierzehn Tagen fünfundzwanzigtausend und so weiter. In stetem Wachsen erreichte diese Ziffer im Herbst 1813 eine Höhe, die über die Einwohnerzahl des Jahres 1812 hinausging.

Die ersten Russen, die wieder in Moskau einzogen, waren die Kosaken des Korps Wintzingerode, Bauern aus den benachbarten Dörfern und Flüchtlinge, die sich in der Umgebung versteckt gehalten hatten. Als die in das zerstörte Moskau einziehenden Russen die Stadt ausgeraubt fanden, fingen sie ebenfalls an zu plündern. Sie setzten das fort, was die Franzosen angefangen hatten. Bauern kamen mit Zügen von Fuhrwerken herbei, um alles auf die Dörfer hinauszuschleppen, was in den zerstörten Moskauer Häusern und auf den Straßen herumlag. Die Kosaken trugen, soviel sie nur konnten, in ihre Standquartiere fort, und die Hausbesitzer rafften alles zusammen, was sie in anderen Häusern fanden, und brachten es zu sich unter dem Vorwand, daß es ihr Eigentum sei.

Und auf die ersten Plünderer folgten andere und wieder andere, aber das Plündern wurde mit jedem Tag, je größer die Zahl der Plünderer wurde, immer mühevoller und schwieriger und nahm immer bestimmtere Formen an.

Die Franzosen hatten Moskau zwar leer, aber mit allen Formen einer nach organischen Gesetzen lebenden Stadt vorgefunden, mit ihren verschiedenen Einrichtungen des Handels, des Handwerks, des Luxuslebens, der Staatsverwaltung und der Religion. Diese Formen waren zwar abgestorben, aber doch noch vorhanden. Es gab Budenreihen, Läden, Magazine, Niederlagen, Basare, fast alle mit Waren gefüllt; es gab Fabriken, Werkstätten für Handwerker, Paläste und reiche Häuser, die mit allen Luxusgegenständen versehen waren; es gab Krankenhäuser, Gefängnisse, Amtsgebäude, Kirchen und Dome. Doch je länger die Franzosen in Moskau blieben, um so mehr gingen all diese Formen des städtischen Lebens zugrunde, und letzten Endes verschmolz alles zu einem ungeteilten, leblosen Plünderungsfeld.

Je länger die Räubereien der Franzosen anhielten, um so mehr zerstörten sie sowohl den Reichtum Moskaus als auch die Kräfte der Plünderer. Die Räubereien der Russen dagegen, mit denen ihre Wiedereinnähme der Stadt begann, stellten den Reichtum Moskaus und das geregelte Leben in der Stadt um so schneller wieder her, je länger sie andauerten und je mehr Leute sich daran beteiligten.

Außer den Plünderern strömten die verschiedenartigsten Leute: Hausbesitzer, Geistliche, hohe und niedere Beamte, Handelsleute, Handwerker, Bauern, die einen aus Neugier, die anderen wegen der Dienstpflicht und wieder andere aus Berechnung, von allen Seiten nach Moskau zurück, wie das Blut nach dem Herzen.

Nach acht Tagen wurden bereits die Bauern, die mit leeren Fuhrwerken in die Stadt gekommen waren, um Sachen fortzuschleppen, von der Obrigkeit angehalten und gezwungen, die Toten aus der Stadt zu fahren. Die anderen Bauern hörten vom Mißerfolg ihrer Kameraden, kamen nun mit Getreide, Hafer und Heu und unterboten einander, so daß die Preise niedriger waren als früher. Arbeitergenossenschaften von Zimmerleuten trafen in der Hoffnung auf großen Verdienst täglich in der Stadt ein, und überall wurden denn nun auch neue Häuser errichtet und alte, abgebrannte wieder gesäubert und aufgebaut. Die Kaufleute in den Buden eröffneten wieder den Handel. Speisehäuser und Herbergen wurden in halbverbrannten Häusern eröffnet. Die Geistlichkeit hielt in vielen unversehrt gebliebenen Kirchen wieder Gottesdienste ab. Opferbereite Menschen trugen für die geraubten Kirchengegenstände andere herbei. Die Beamten in ihren kleinen Stuben breiteten über ihre Tische Tuch und ordneten ihre Akten in den Schränken. Die oberste Behörde und die Polizei ließen das von den Franzosen hinterlassene Gut verteilen. Die Besitzer jener Häuser, in denen viele aus anderen Gebäuden zusammengetragene Sachen zurückgeblieben waren, beklagten sich über die Ungerechtigkeit, alle diese Gegenstände im Facettenpalast abgeben zu müssen, während andere wieder diese Anordnung guthießen und behaupteten, es sei ungerecht, einen Hauswirt alle Sachen, die bei ihm gefunden würden, zu lassen, da doch die Franzosen die Gegenstände aus verschiedenen Häusern immer an einen Ort zusammengetragen hätten. Man schimpfte auf die Polizei, bestach sie, stellte über verbranntes Staatseigentum Kostenanschläge zum zehnfachen Wert auf und verlangte Unterstützungen. Graf Rastoptschin schrieb seine Proklamationen.

16

Ende Januar kam Pierre nach Moskau und stieg in einem unversehrt gebliebenen Flügel seines Hauses ab. Er besuchte den Grafen Rastoptschin und verschiedene andere Bekannte, die nach Moskau zurückgekehrt waren, und schickte sich am dritten Tag an, nach Petersburg weiterzufahren. Alles feierte den Sieg; überall in der zerstörten und wiederauflebenden Hauptstadt schäumte neues Leben. Alle freuten sich über Pierre, alle wollten ihn sehen, und alle befragten ihn über das, was er erlebt und gesehen hatte. Pierre fühlte sich jetzt gegen alle Leute, mit denen er zusammenkam, besonders freundlich gesinnt, aber unwillkürlich zeigte er sich gegen alle ein wenig vorsichtiger, um sich durch nichts zu binden. Auf alle Fragen, die man an ihn richtete, wichtige oder höchst unbedeutende: wo er wohnen werde? ob er bauen wolle? wann er nach Petersburg reise? ob er ein Köfferchen mitnehmen wolle? antwortete er immer nur: »Ja, vielleicht« oder: »Ich denke« oder dergleichen.

Von den Rostows hörte er, daß sie in Kostroma waren, und an Natascha dachte er selten. Kam ihm einmal der Gedanke an sie, so war er ihm nur eine angenehme Erinnerung an etwas, das längst vergangen war. Er fühlte sich nicht nur frei von allen weltlichen Fesseln, sondern auch von diesem Gefühl, das er, wie ihm schien, absichtlich auf sich losgelassen hatte.

Am dritten Tag nach seiner Ankunft in Moskau erfuhr er von den Drubezkojs, daß Prinzessin Marja in Moskau war. Der Tod, die Leiden und letzten Tage des Fürsten Andrej hatten Pierres Gedanken oft beschäftigt und kamen ihm jetzt mit neuer Lebendigkeit in den Sinn. Nachdem er bei Tisch erfahren hatte, daß Prinzessin Marja in der Stadt war und in ihrem vom Feuer verschonten Haus in der Wosdwishenka wohnte, fuhr er noch am selben Abend zu ihr.

Auf dem Weg zu Prinzessin Marja dachte er immer nur an den Fürsten Andrej, an seine Freundschaft und die verschiedenen Begegnungen mit ihm, besonders aber an das letzte Zusammensein in Borodino.

Ist er wirklich in jener feindseligen Stimmung gestorben, in der er sich damals befand? Sollte sich ihm die Offenbarung des Lebens nicht vor dem Tod erschlossen haben? dachte Pierre. Ihm fiel Karatajew ein, sein Tod, und unwillkürlich verglich er diese beiden Menschen miteinander, die so verschieden und doch auch wieder so ähnlich waren, weil er sie beide geliebt hatte, und weil beide gelebt hatten und gestorben waren.

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