Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»Ja, ich habe welche gesehen«, antwortete einer der Soldaten.
»Wie viele?«, fragte Ista eindringlich.
»Ich weiß nicht genau, Herrin — einige von ihnen sind im Lager.« Mit einer Kopfbewegung deutete er flussaufwärts.
»Gleich werdet Ihr wieder bei ihnen sein und könnt Euch in aller Ruhe anhören, was sie von den Ereignissen am Morgen zu berichten haben«, beruhigte sie ihr Retter. Seine Männer salutierten und ritten davon.
»Zu wem gehören diese hervorragenden Krieger?«, wollte Ista wissen.
»Zu mir, glücklicherweise«, erwiderte er. »Ich muss mich entschuldigen. In der Eile habe ich versäumt, mich mit vollem Namen vorzustellen: Arhys dy Lutez, Graf von Porifors, zu Euren Diensten. Burg Porifors schützt die gesamte Spitze von Chalion, die zwischen Jokona und Ibra hineinragt, und die Männer von Porifors sind die geschärfte Schneide dieser Klinge. Den fünf Göttern sei Dank, die Aufgabe ist einfacher geworden, seit Ibra friedlich in den Armen von Königin Iselle ruht.«
Ista erstarrte in seinem sanften Griff. »Dy Lutez?«, wiederholte sie entsetzt. »Seid Ihr verwandt mit …?«
Seine fröhliche Liebenswürdigkeit schwand, obwohl seine Stimme immer noch beiläufig klang: »Mit dem großen Kanzler und Verräter, Arvol dy Lutez? Er war mein Vater.«
Er war keiner der beiden hauptsächlichen Erben dy Lutez’, der Söhne aus der ersten Ehe des Kanzlers, die ihm bereits zu Istas Zeit an den Hof gefolgt waren. Die drei anerkannten unehelichen Kinder des berühmten Höflings waren allesamt Mädchen gewesen, die bereits vor langer Zeit durch einträgliche Heiraten versorgt worden waren. Dy Lutez war schon zweimal verwitwet gewesen, als Ista ihm das erste Mal begegnet war, und seine zweite Frau war schon zehn Jahre tot. Dieser Arhys musste also ein Sohn dieser zweiten Frau sein. Der, den dy Lutez auf den ländlichen Besitztümern seiner Frau zurückgelassen hatte, damit er in der Blüte seiner Jahre ungehindert bei Hofe und zu Felde hinter Ias herlaufen konnte, die eine Erbin aus dem Norden gewesen war, soviel wusste Ista noch.
Seine Stimme wurde ein wenig harsch: »Wundert es Euch, dass der Sohn eines Verräters Chalion gute Dienste leistet?«
»In keiner Weise.« Sie hob den Blick und nahm seine Gesichtszüge, die so dicht vor ihr waren, genauer in Augenschein. Das schmale Kinn und die gerade Nase musste er von seiner Mutter haben, die geballte Energie von dy Lutez. »Er war ein großer Mann. Ihr seht ihm irgendwie ähnlich.«
Er runzelte die Stirn und wandte den Kopf, um sie anzusehen — auf ganz andere Weise als zuvor, mit einer unterdrückten, aber begierigen Eindringlichkeit. Ista hatte nicht bemerkt, wie reserviert er war, bis er die Maske nicht mehr aufrechterhalten konnte: »Wirklich? Ihr seid ihm begegnet? Habt ihn gesehen?«
»Ihr etwa nicht?«
»Ich erinnere mich jedenfalls nicht daran. Meine Mutter hatte ein Gemälde von ihm, aber das war nicht besonders gelungen.« Sein Blick wurde nachdenklich. »Ich war fast alt genug, ihm an den Hof von Cardegoss zu folgen, als er starb. Ich war alt genug. Aber … vielleicht war es besser so.« Seine Begeisterung schwand wieder, kroch zurück in ihre verborgene Zuflucht, und sein Lächeln zeigte eine Spur von Verlegenheit — ein reifer Mann von vierzig, der vorgab, dass der Kummer eines Zwanzigjährigen ihn nicht mehr berührte.
Ista erkannte, dass sie wohl doch nicht so abgestumpft war, wie sie angenommen hatte. Dieser unerwartete Einblick in sein Inneres, den er ihr unachtsam gewährt hatte, wühlte wie ein Messer in ihr.
Sie gelangten an eine Flussbiegung, die an eine waldumstandene Wiese grenzte. Das Gras war niedergetrampelt und mit den Überresten eines halb abgebrochenen Lagers bedeckt, mit erloschenen Feuern und verstreut umherliegender Ausrüstung. In einiger Entfernung waren Seile für die Pferde zwischen den Bäumen gespannt, und mehrere Männer sattelten gerade ihre Reittiere oder beluden die Mulis. Die einen packten, die anderen saßen herum, wieder andere schliefen auf Decken oder dem kahlen Erdboden. Mehrere Zelte für die Offiziere standen geschützt im Schatten eines Wäldchens am gegenüberliegenden Ende der Wiese.
Ein Dutzend Männer stürmten auf dy Lutez zu, kaum dass er in Sicht kam. Sie jubelten, riefen Grüße und Fragen, ließen Neuigkeiten auf ihn einprasseln und verlangen neue Befehle. Eine vertraute Gestalt in Blau kam steifbeinig hinter ihnen her.
»Ah! Sie ist gerettet!«, rief Ferda dy Gura voller Freude. »Wir sind gerettet!«
Er sah aus, als hätte man ihn eine Meile weit rücklings durch Dornengestrüpp gezerrt, schmutzig, müde und blass vor Erschöpfung, aber unverletzt: Keine Verbände waren zu sehen, kein Blut, und er hinkte nicht so schlimm, als dass man es nicht mit harmlosen Abschürfungen und ein paar Kratzern erklären konnte. Istas Herz hüpfte vor Erleichterung.
»Majestät«, stieß er hervor. »Ich danke den Göttern, allen fünfen und jedem einzelnen! Gelobt sei die Frühlingstochter! Ich war sicher, dass die Jokoner Euch am Ende doch noch fortgeschafft haben. Ich habe alle, die noch reiten können, mit den Männern des Grafen von Porifors ausgeschickt, um nach Euch zu suchen …«
»Eure Begleiter, Ferda — wurde jemand verwundet?« Ista richtete sich auf, eine Hand auf den Arm des Grafen gestützt, während Ferda sich durch die Menge drängte und an die Schulter des gescheckten Pferdes trat.
Er fuhr sich mit der Hand durchs verschwitzte und wirre Haar. »Einer hat einen Armbrustbolzen in den Oberschenkel bekommen, von den Leuten des Grafen. Ein Missgeschick. Ein anderer hat sich das Bein gebrochen, als sein Pferd darauf fiel. Ich habe zwei Mann beauftragt, sich um sie zu kümmern, bis die Heiler mit den schlimmer verletzten Männern fertig sind. Den anderen geht es so gut, wie man erwarten kann. Auch mir — jetzt, wo die Angst um Euch mir nicht mehr das Herz zerfrisst.«
Arhys dy Lutez hinter ihr war erstarrt und saß reglos da wie ein Stein. »Majestät?«, wiederholte er schließlich. »Das ist die Königinwitwe Ista?«
Lächelnd schaute Ferda zu ihm hoch. »Ja, Herr? Wenn Ihr sie gerettet habt, küsse ich Euch Hände und Füße! Wir haben Todesqualen ausgestanden, als wir die weiblichen Gefangenen gezählt und festgestellt haben, dass sie verschwunden ist.«
Der Graf starrte Ista an, als hätte sie sich vor seinen Augen in irgendeine erschreckende Sagenkreatur verwandelt. Und vielleicht habe ich das ja auch. Welche der zahlreichen Geschichten, die über den Tod seines Vaters durch die Hand des Königs in Umlauf waren, hatte er gehört? Und welche Lüge hielt er für die Wahrheit?
»Ich entschuldige mich, Graf«, bemerkte Ista mit einer Reserviertheit, die sie gar nicht empfand. »Sera dy Ajelo war der Tarnname, unter dem ich gereist bin. Anfangs, um Demut und Frömmigkeit auf meiner Pilgerfahrt zu wahren, später um der Sicherheit willen.« Nicht, dass es geholfen hätte. »Doch da ich nun durch Eure Tapferkeit gerettet wurde, kann ich es wieder wagen, Ista dy Chalion zu sein.«
»Gut«, sagte er. »Dy Tolnoxo hat zumindest nicht in jeder Hinsicht übertrieben. Wer hätte das gedacht.«
Sie blickte zu ihm auf. Jetzt trug er seine Maske wieder. Der Graf ließ sie behutsam in Ferdas hilfreiche Hände gleiten.
9
Ista klammerte sich an Ferdas Ellbogen. Er geleitete sie über die niedergetrampelte Wiese und erzählte aufgeregt von der Schlacht im Morgengrauen, die er ein Stück weiter vorn in der Kolonne erlebt hatte. Sie bekam nicht einmal jeden dritten Satz mit, erkannte allerdings rasch, wie sehr er von der Kriegskunst Arhys dy Lutez’ angetan war. Die Wiese schien vor ihr zu schwanken, in ihrem Kopf hämmerte es, ihre Augen pochten, und ihre Beine …
»Ferda«, unterbrach sie sanft seinen Redefluss.
»Ja, Majestät?«
»Ich möchte … ein Stück Brot und einen Platz, um mich hinzulegen.«
»Dieses unwirtliche Lager ist nicht der geeignete Ort zum Ausruhen für Euch.«