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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Auf Ferdas Einladung hin verweilte der Graf an ihrem Lagerfeuer, während die Sonne unterging und die Marketenderinnen, angespornt von Istas königlicher Anwesenheit, ein überraschend aufwendiges Mahl bereiteten. Ista hatte bisher nicht gewusst, dass man Brot in einer Pfanne über dem offenen Feuer backen konnte. Es duftete nach Kräutern, Knoblauch und Zwiebeln. Arhys aß nichts und ließ sie wissen, dass er bereits etwas zu sich genommen hatte. Doch er nahm einen Becher mit verdünntem Wein entgegen — besser gesagt, ein wenig Wasser, das mit einem Spritzer Wein eingefärbt war.

Schon früh entschuldigte er sich. Ista sah Kerzenlicht aus seinem Zelt schimmern, während er an einem Reiseschreibpult, das seine Bediensteten auf derartigen Unternehmungen mitführen mochten, saß und schrieb. Er nahm die Listen der Toten und Verwundeten entgegen, schickte Befehle und Berichte und Briefe ab, die von schnellen Reitern durch die Dunkelheit getragen wurden. Ista beobachtete, wie einer der gefangenen Aufsichtsbeamten aus Jokona zu einer eingehenden Befragung in sein Zelt geführt wurde.

Schließlich zog sie sich in ihr eigenes requiriertes Zelt zurück, wo inzwischen sämtliche Ausrüstungsstücke des ursprünglichen Besitzers fortgeschafft und überall würzige Kräuter verstreut worden waren. Zu diesem Zeitpunkt schimmerte immer noch Licht durch Arhys Zeltplanen, und es strahlte die ganze Nacht hindurch wie eine Laterne.

Ihre Abreise am nächsten Morgen verzögerte sich — zum einen, weil Arhys noch Angelegenheiten seiner Truppe zu klären hatte, zum anderen, weil Abordnungen aus der Stadt zu empfangen waren, wohin er die Gefangenen aus Jokona geschickt hatte. Ista erkannte, wie sehr er sich über die Verspätung ärgerte; schließlich aber wurden die Zelte zusammengepackt. Sie erhielt ein ausgeruhtes Pferd aus den Beständen des Grafen, einen hübschen weißen Wallach, dazu ihren eigenen Sattel und das Zaumzeug. Der junge Soldat, der das Pferd brachte, war ihr früher am Morgen bereits aufgefallen, als er mit dem Tier über die Wiese geritten war. Vermutlich hatte er dafür sorgen sollen, dass es schon ein wenig müde und nicht mehr so übermütig war, wenn Ista es bekam. Vielleicht hatte er auch sicherstellen müssen, dass das Tier für eine Dame überhaupt geeignet war. Für eine müde, ältere Dame. Ista hätte gern eine Trittbank gehabt, um in den Sattel zu steigen; so aber nahm sie mit der schüchternen, ja ängstlichen Unterstützung des Soldaten vorlieb.

»Ich hoffe, Ihr kommt mit ihm zurecht«, sagte der junge Mann und senkte den Kopf. »Hab ihn selbst ausgesucht. Leider fehlt uns unser Rittmeister. Er ist krank geworden, und seither versucht mein Lord dy Lutez, die Arbeit zweier Männer zu tun. Aber es wird alles einfacher, wenn wir erst mal wieder in Porifors sind.«

»Da bin ich mir sicher.«

Es war ein langer Zug, der bald darauf aus dem Flusstal stieg und das trockene Umland durchquerte. Vierzig Reiter in den grauen Wappenröcken von Porifors ritten vorneweg, in Kettenrüstung und gut bewaffnet. Dahinter folgte Ista mit Ferdas geschrumpfter Schar. Dann kam ein langer Tross mit Packtieren und Dienern, und schließlich folgten weitere zwanzig Krieger als Nachhut.

Sie stießen auf einen Weg und dann auf eine größere Straße nach Norden. Ständig ritten Kundschafter aus oder kehrten zurück und machten Meldung bei Arhys’ wachsamen Offizieren; es waren knappe Botschaften, aber anscheinend beruhigend.

Schließlich zog die Kolonne in gemächlichem Schritt durch den warmen Morgen. Irgendwann konnte Arhys sich den ständigen Anforderungen seines Kommandos für eine Weile entziehen. Er ließ sich zurückfallen und ritt ein Stück an Istas Seite.

Nun, da seine kleine Streitmacht endlich in der richtigen Richtung unterwegs war, grüßte er sie gut gelaunt: »Majestät! Ich hoffe, Ihr habt gut geschlafen und findet diesen abschließenden Ritt erträglich?«

»O ja. Obwohl ich glaube, dass ich meutern würde, sollten wir in Trab fallen.«

Er lachte in sich hinein. »Dann wird das auch niemand von Euch verlangen. Wir werden gegen Mittag eine Zeit lang rasten, dann sind wir gerade rechtzeitig zum Abendessen in Porifors — ein noch besseres Abendessen, als ich Euch gestern anbieten konnte.«

»Das muss dann aber ein ganz hervorragendes Mahl sein. Ich freue mich schon darauf.« All diese Höflichkeiten kamen ihr wie von selbst über die Lippen. Doch sie spürte die Anspannung hinter seinem Lächeln und wusste, er wollte mehr als einen Austausch höflicher Floskeln.

»Ich glaube, ich muss mich entschuldigen, dass ich Euch gestern nicht erkannt habe«, fuhr er fort. »Der Kurier aus Tolnoxo, der uns vor dem Heerzug warnte, erzählte uns eine wirre Geschichte darüber, dass auch Ihr unter den Gefangenen wärt.

Aber alle seine Berichte waren arg durcheinander. Als ich dann aber sah, wie die Offiziere aus Jokona eine Frau davonschleppen, dachte ich schon, es könne etwas dran sein. Dann hat Euer Inkognito mich von neuem verwirrt.«

»Ihr schuldet mir keine Entschuldigung. Ich war übertrieben vorsichtig, wie sich herausgestellt hat.«

»Keineswegs! Ich … hätte niemals erwartet, Euch tatsächlich zu begegnen. In Fleisch und Blut.«

»Nun, ich bin sehr glücklich darüber. Sonst wäre ich heute Morgen wohl an irgendeinem unangenehmen Ort in Jokona aufgewacht.«

Er lächelte und warf einen Blick auf Ferda, der auf Istas anderer Seite ritt und zufrieden den freundlichen Worten lauschte, die gewechselt wurden. Neugier und Furcht fochten einen kurzen Kampf in Istas Innerem, und die Neugier trug den Sieg davon. Sie ging auf Arhys Andeutung ein und beorderte Ferda außer Hörweite. »Mein werter Ritter«, sagte sie, »lasst uns doch bitte einen Augenblick allein.« Mit enttäuschtem Blick zog Ferda die Zügel an und ließ sich zurückfallen. Dann waren Ista und Arhys allein, ritten Seite an Seite, ein perlweißes und ein holzkohlengraues Pferd — ein schmucker Anblick und die beste Verbindung von Vertraulichkeit und Anstand, die sie vermutlich erreichen konnten. Ista dachte an Liss und spürte eine plötzliche Anwandlung von Einsamkeit. Besorgt fragte sie sich, wo das Mädchen sein mochte.

Arhys betrachtete sie unter leicht gesenkten Augenlidern, als würde er über Rätseln brüten. »Ich hätte Euch gleich erkennen müssen. Ich habe Eure Gegenwart vom ersten Moment an gespürt, da ich Euch sah. Und trotzdem — Ihr habt nicht so ausgesehen, wie ich mir die strahlende Ista vorgestellt hatte.«

Wenn das der Anfang irgendeiner höflichen Schäkerei sein sollte, war Ista zu müde, um sich darauf einzulassen. Wenn es etwas anderes war … dann war sie erst recht zu müde. Schließlich brachte sie hervor: »Wie habt Ihr Euch mich denn vorgestellt?«

Er macht eine unbestimmte Handbewegung. »Größer. Die Augen von tieferem Blau. Helleres Haar — gülden wie sie Sonne und süß wie Honig, sagen die Poeten bei Hofe.«

»Die Poeten bei Hofe werden für schmeichlerische Lügen bezahlt. Aber es stimmt, mein Haar war heller in meiner Jugend. Die Augen aber sind dieselben geblieben, nur dass sie inzwischen vielleicht mehr sehen.«

»Ich habe mir jedenfalls keine Augen in der Farbe eines Winterregens vorgestellt, und auch kein Haar im Farbton winterlicher Felder. Ich habe mich gefragt, ob Eure lange Trauer Euch in diese trostlose Jahreszeit raten ließ.«

»Nein. Irgendwie war ich schon immer ein fader Tropf«, erwiderte sie. Er lachte nicht. Das hätte einiges leichter gemacht. »Ich versichere Euch, das Alter hat nur meinem Verstand gut getan.« Und selbst der wird von vielen angezweifelt.

»Falls Ihr Euch dem gewachsen fühlt, Majestät, könnt Ihr mir etwas über meinen Vater erzählen?«

O weh, ich fürchte, sein Interesse galt nicht nur meinen regenfarbenen, traurigen Augen.

»Was gibt es zu sagen, das nicht schon jeder weiß? Arvol dy Lutez verstand sich auf den Umgang mit Schwert und Pferd, Musik und Dichtkunst, Kriegführung und Regierungsgeschäften … wenn er unter all seinen Begabungen eine Schwäche hatte, war es die Vielzahl seiner Talente, die ihn allzu oft um den Ertrag einer Anstrengung brachte …« Sie hielt inne, doch der Gedanke lief von allein weiter. Aus der Entfernung betrachtet wurde ihr klar, dass dy Lutez’ viele Dinge schwungvoll begonnen hatte, aber nur Weniges war von Erfolg gekrönt. Duftende Blüten, aus denen unreife oder faulige Früchte geworden waren …

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