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Das Haus der verlorenen Herzen

Электронная книга - «Das Haus der verlorenen Herzen». Краткое содержание книги:

In Sonne, Wind und Wellen will der deutsche Herzchirurg Dr. Heinz Volkmar einen erholsamen Urlaub am Mittelmeer verbringen. Doch alles kommt anders: Von Sardinien nach Sizilien entführt, muß der Arzt erkennen, daß er einem jener berüchtigten Mafia-Bosse in die Hände gefallen ist, die dort ihr geheimes Schreckensregiment ausüben.
Mit den raffiniertesten Mitteln wird Dr. Volkmar die Flucht unmöglich gemacht; er verliert seine Identität und gilt zu Hause in München als tot. Denn Dr. Eugenio Soriano, sein immer höflicher Entführer, braucht seine Dienste. Doch welcher Art die sind, begreift Dr. Volkmar erst ganz allmählich…
In einen goldenen Käfig eingesperrt, leidenschaftlich in Sorianos Tochter, die schöne Loretta, verliebt, wehrt sich Dr. Volkmar mit allen Kräften dagegen, an einem abscheulichen Verbrechen mitschuldig zu werden. Denn Soriano, der in Palermo als Menschenfreund gilt, benötigt die ärztliche Kunst seines Gefangenen, um sich und die >Ehrenwerte Gesellschaft auf grauenvolle Weise zu bereichern.
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In den folgenden Tagen überwachte er das Sortieren und Archivieren der eingehenden Prospekte und Angebote und reiste dann mit einer dicken Aktentasche voller Kataloge zurück nach Sizilien. In Rom blieben zwei verstörte junge Menschen zurück, die ein wunderschönes Gehalt dafür bekamen, Prospekte zu bewachen, anfragende Firmen hinzuhalten und mindestens jeden Tag einmal aufeinander zu liegen.

«Sehr gut«, sagte Dr. Soriano, als Gallezzo seine Aktentasche ausleerte. Die Prospekte sah er nicht an — sie waren als Spielzeug für Dr. Volkmar gedacht. Die Architekten, die in Tag- und Nachtschichten das große Kinderheim in den Bergen von Camporeale erbauen ließen, hatten längst mit den besten Klinikausstattern Kontakt aufgenommen und den unter der Erde liegenden chirurgischen Teil des großen Baues nach den Ratschlägen der Fachleute umgestaltet, vor allem die bakterienfreien Schleusen zwischen OP und Krankenzimmern, die Röntgenabteilung und die Entkeimungsanlagen. Kurzum: die totale Sterilität, die Dr. Volkmar in seinen medizinischen Veröffentlichungen gefordert hatte, wurde erreicht. Was Gallezzo da in Rom aufgezogen hatte, war nur optischer Natur, gleichsam eine psychologische Angel, an der Volkmar zappeln sollte. Wenn er zu arbeiten begann, sollte er das Gefühl haben, die Klinik sei allein sein Werk. Und es stärkte Sorianos Position: Ein Wunsch, von Volkmar geäußert, wurde umgehend erfüllt, obwohl man sonst wochenlange Wartezeiten einkalkulierte. Das war eine Demonstration von Sorianos Stärke — daß alles längst auf Abruf in den Kellern lagerte, brauchte keiner zu wissen. Auch Dr. Nardo nicht.

Es war also ein Freitag, als Anna das Schlafzimmer Lorettas aufräumte und dabei auf einen der kleinen zum Park hinaus gelegenen Balkone trat. Unter ihr lag der Teil des großen Besitzes, auf dem Soriano einen Neun-Löcher-Golfplatz angelegt hatte. Er benutzte ihn wenig, aber er wurde gepflegt, wie ein Golfplatz gepflegt werden muß. Ein sattgrüner Rasenteppich erstreckte sich bis zu einem kleinen künstlichen See, und über diesen Grasteppich schritt zufrieden, in Hemdsärmeln, einen fahrbaren Golfköcher hinter sich herziehend, Paolo Gallezzo. Er trug eine runde, weiche Mütze mit einem langen Plastikschirm, blieb am Anfang der Spielbahn stehen, überblickte die Hindernisse und die Lochflaggen und wählte dann, nachdem er den Golfball plaziert hatte, aus dem Köcher den nach seiner Ansicht günstigsten Driver.

Anna umklammerte das kunstvoll geschmiedete Eisengitter des Balkons und starrte hinunter in den Park. Sie erkannte den Mann, der Luigi aufgeschlitzt hatte, sofort wieder. Einen solchen Menschen vergißt man nicht.

«Es ist soweit«, sagte sie leise.»Maria, hilf mir!«

Sie ging zurück ins Haus, betrat den großen Salon Lorettas und sah sich um. Drei Madonnen, Gemälde von Tintoretto und anderen berühmten Malern, hingen an den Wänden. Sie suchte sich die Madonna aus, die am gütigsten blickte, am mütterlichsten, am ver-zeihendsten, bekreuzigte sich und kniete vor ihr nieder. Sie betete stumm, senkte den Kopf tief und beichtete ebenso stumm, alles was nach der Ansicht des Pfarrers von Sorgono des Beichtens würdig war. Die sündigen Gedanken an Enrico gehörten dazu, ihre Sehnsucht nach seiner Umarmung, das Kopfkissen, das sie sich manchmal nachts zwischen die Schenkel klemmte, wenn ihr Drang zu übermächtig wurde, die Lauscherposten, an denen sie ihre freien Stunden verbrachte, nur um einen Blick auf Dr. Volkmar werfen zu können. alles breitete sie aus und kam sich hinterher so leicht vor und zugleich so fremd vor sich selbst, daß sie in einen Spiegel blickte, um zu sehen, ob sie noch Anna Talana war.

Sie ging in ihr Zimmer unter dem heißen Dach des Hauses, wühlte unter der Matratze ihres Bettes das zweiseitig geschliffene Messer heraus und steckte es in ihre Bluse. Der kalte Stahl lag auf ihren Brüsten, und diesen Druck empfand sie geradezu wollüstig, er pflanzte sich fort durch den ganzen Körper, ihre Brustwarzen steiften sich, die Innenseiten der Schenkel vibrierten, ein betörendes Ziehen durchzuckte ihren Unterleib, sie lehnte sich an die Wand und atmete heftig, als käme sie gerade aus den Armen Enricos, lustvoll gefoltert durch seine Männlichkeit.

Paolo Gallezzo blieb verblüfft stehen und starrte auf das Hindernis, das mit einem Golfplatz nichts zu tun hatte. Dann schnaufte er durch die Nase und fragte sich, ob er weiterspielen sollte oder sich der neuen Situation anpassen: Vor ihm, am Eingang einer Zypressenhecke, die einen Rosengarten umrandete, streckte sich ein blanker Mädchenhintern in die Sonne. Schlanke Beine, kräftige Schenkel, ein rundes Gesäß, zusammengekniffen, aber doch einen Busch schwarzer Locken verratend. Das Mädchen schien nicht zu merken, daß es beobachtet wurde — es blieb tief nach vorn gebückt und pflückte die Blumen, die wild in der Hecke wuchsen.

Gallezzo spürte ein Jucken auf der Kopfhaut, warf seinen Driver hin, leckte sich über die Lippen und schwenkte vom Golfplatz weg zum Rosengarten. Im gleichen Moment richtete sich das Mädchen auf und ging mit wiegenden Hüften durch den Eingang der Hecke. Die war in zwei Meter Höhe beschnitten, und was dahinter geschah, sahen nur Himmel und Sonne.

«Bleib stehen!«rief Gallezzo und begann zu laufen. Das Blut klopfte in seinen Schläfen, und wie immer, wenn er an bestimmte Dinge dachte, ärgerte er sich über die eng geschnittenen Hosen.»Nur einen Moment.«

Das Mädchen drehte sich nicht um, aber es schüttelte den Kopf und verschwand hinter der Hecke. So ein kleines, geiles Aas, dachte Gallezzo und stampfte über das Gras. Sie wußte genau, daß sie nicht allein war! Und sie hat mir ihren Hintern hingestreckt wie eine Einladungskarte. Ich nehme die Partie an, mein schwarzes Kätzchen! Du sollst satt werden bis zum Platzen.

Er riß die Mütze von seinem Kopf und knöpfte beim Laufen sein Hemd auf. Als er die Hecke erreichte, hörte er sie auf der anderen Seite kichern. Das steigerte ihn in einen Erwartungsrausch hinein, der alle Vernunft umnebelte. Er schleuderte sich fast um die Hecke herum, sah das Mädchen vor sich stehen, mit aufgerissener Bluse, mit bloßen, strotzenden Brüsten, aber er sah auch ihre schwarzen, kalten, tierhaften Augen — und erkannte sie wieder.

Der Stoß des Messers traf ihn genau in diesem Erkennen. Die lange Klinge fuhr in seinen Hals, unterhalb des Kehlkopfes, zerschnitt jeden Laut, tötete jede Reaktion, vernichtete seinen Willen. Er blieb einen Augenblick stehen, als Anna das Messer wieder aus seiner Kehle riß, knickte dann in den Knien ein und fiel nach hinten auf den Rasenstreifen zwischen Hecke und Rosenbeetweg. Ein Blutstrom überflutete ihn, der ganze Körper begann zu zucken, aber er starb nicht sofort. Mit weit aufgerissenen Augen sah er Anna, wie sie sich über ihn beugte und ihn anblickte, als sei er ein halb zertretenes Rieseninsekt.

«Wie war es bei Luigi?«sagte sie ganz ruhig.»Wir haben ihn gewaschen und die Wunden gezählt. Neunzehn Stiche! Neunzehn! Ich habe noch achtzehn gut! Aber ich glaube, du kannst sie nicht mehr mitzählen. «Sie kniete sich neben Gallezzo hin und knöpfte die Bluse zu.»Du stirbst langsam. Aber Luigi ist noch langsamer gestorben. Neunzehn Stiche! Du kannst dich nicht beklagen!«

Sie umfaßte den Messergriff mit beiden Händen und stieß dann mit aller Kraft zu, legte ihr ganzes Gewicht in den Stoß. Die Schneide zerteilte Gallezzos Herz. Er starb, ohne das heiße Brennen in seiner Brust noch wahrnehmen zu können.

Im Haus stellte sich Anna unter die Dusche und ließ das Wasser erst heiß, dann eiskalt über sich prasseln. Sie zog sich um, legte die Hausmädchenkleidung an und ging noch einmal in den Salon, um vor dem Gemälde der Madonna niederzuknien und sich zu bekreuzigen. Dann setzte sie ihre Arbeit fort und räumte Lorettas Schlafzimmer weiter auf.

An diesem Tag erlebte Dr. Volkmar, was es heißt, wenn in Sorianos Haus Alarm ausgelöst wird.

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