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Das Haus der verlorenen Herzen

Электронная книга - «Das Haus der verlorenen Herzen». Краткое содержание книги:

In Sonne, Wind und Wellen will der deutsche Herzchirurg Dr. Heinz Volkmar einen erholsamen Urlaub am Mittelmeer verbringen. Doch alles kommt anders: Von Sardinien nach Sizilien entführt, muß der Arzt erkennen, daß er einem jener berüchtigten Mafia-Bosse in die Hände gefallen ist, die dort ihr geheimes Schreckensregiment ausüben.
Mit den raffiniertesten Mitteln wird Dr. Volkmar die Flucht unmöglich gemacht; er verliert seine Identität und gilt zu Hause in München als tot. Denn Dr. Eugenio Soriano, sein immer höflicher Entführer, braucht seine Dienste. Doch welcher Art die sind, begreift Dr. Volkmar erst ganz allmählich…
In einen goldenen Käfig eingesperrt, leidenschaftlich in Sorianos Tochter, die schöne Loretta, verliebt, wehrt sich Dr. Volkmar mit allen Kräften dagegen, an einem abscheulichen Verbrechen mitschuldig zu werden. Denn Soriano, der in Palermo als Menschenfreund gilt, benötigt die ärztliche Kunst seines Gefangenen, um sich und die >Ehrenwerte Gesellschaft auf grauenvolle Weise zu bereichern.
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Nur einmal ertönte eine helle Sirene — aber dann wurde aus dem Haus eine Festung. Von seinem Dachgarten aus sah Volkmar verblüfft, wie Männer mit entsicherten Maschinenpistolen herumliefen und den weiten Park durchkämmten, jenseits der Mauer erschienen Bewaffnete mit Spürhunden an langen Leinen und sperrten das ganze Gelände ab.

Volkmar rannte zurück in seine Wohnung und versuchte, über das Haustelefon Worthlow zu erreichen. Aber niemand meldete sich. Als er aber seine Wohnung verlassen wollte, war die Ausgangstür verriegelt. Er rüttelte daran, trat gegen das dicke, geschnitzte Holz und lief dann zurück auf den Dachgarten.

Über eine Stunde blieb Dr. Volkmar eingeschlossen, bis Dr. Soriano selbst erschien und sich in der Halle in einen der tiefen Sessel fallen ließ.

«Sie werden sich wundern«, sagte er.

«Allerdings!«

«Ich muß Sie zunächst als Hausherr um Verzeihung bitten, daß Sie von dem Lärm belästigt und eingeschlossen wurden. Es war nur eine Sicherheitsmaßnahme. «Soriano blickte auf seine schönen schmalen Hände.»Gallezzo ist ermordet worden.«

«Ermordet?«Volkmar sah Soriano entgeistert an.»Hier im Haus?«

«Im Rosengarten. Hinter der Hecke. Mit zwei ungeheuren Stichen: Einer in den Hals, einer direkt ins Herz. Sie werden ihn sich gleich ansehen können und mir sagen, wie ein Mörder beschaffen sein muß, um mit einer solchen Kraft einen Bullen wie Gallezzo erstechen zu können. Es gibt im Haus, unter dem Personal, unter meinen Leuten, die hier stationiert sind, keinen Mann, der das fertiggebracht hätte. Keinen! Sie ahnen, was das bedeutet?«

«Jemand von draußen? Unmöglich! Bei diesen Sicherungen.«

«Es muß eine Lücke geben. Sehen Sie sich Gallezzo an, und Sie müssen mir recht geben. Ich habe Loretta und ihre Zofe sofort wegschaffen lassen, an einen Ort, den nur ich und mein Fahrer kennen. «Er faltete die Hände und legte das Kinn darauf.»Mir ist das alles noch ein Rätsel, Enrico. Sie sind der einzige, der mich so ratlos sieht. Einer meiner Gärtner fand Gallezzo; er muß schon mindestens zwei oder drei Stunden tot gewesen sein. Das können Sie doch feststellen, Enrico? Jeder Polizeiarzt kann das.«

«Ich wollte gerade vorschlagen, diesen Kollegen rufen zu lassen.«

«Ich bin jetzt nicht zu Späßen aufgelegt, Dottore, wirklich nicht. «Dr. Soriano lehnte sich zurück und drückte die gefalteten Hände vor seine Brust.»Ich mache mir Sorgen. Wer wollte mich durch diesen Mord warnen?«

«Ihre Feinde.«

«Ich habe keine Feinde. Ich werde geliebt, geachtet oder gefürchtet. Aber Feinde habe ich nicht. Das ist es, was ich nicht verstehe. Man ermordet Gallezzo — und meint mich!«

«Das nehmen Sie an.«

«Wissen Sie eine andere Erklärung?«

«Bei Gallezzo fällt mir vieles ein. Wenn es einen Menschen ohne Mitleid und Skrupel gab, dann war er es!«

«Das war sein Beruf.«

«Also sind seine Feinde unzählbar.«

«Draußen vielleicht. Aber nicht innerhalb meines Hauses! Gallezzo spielte Golf, als er ermordet wurde.«

«Ich denke, er lag im Rosengarten?«

«Der Rosengarten begrenzt eine Seite des Golfplatzes.«

«Was macht ein Golfspieler in einem Rosengarten, wenn er mitten im Spiel ist? Oder war Gallezzo ein so miserabler Spieler, daß er den Ball wild durch die Gegend feuerte und ihn in den Rosen suchen mußte?«

«Enrico! Sie zünden ein Lämpchen an! Da ist ein Lichtblick! Natürlich! Wie kommt ein guter Golfspieler wie Gallezzo in den Rosengarten?!«Dr. Soriano sprang auf.»Er muß weggelockt worden sein!«

«Also doch ein Täter, der von draußen gekommen ist!«Volkmar griff nach seinem Hemd, das über einer Sessellehne lag, und zog es über.»Ich sehe mir Gallezzo an.«

«Ich bin Ihnen sehr dankbar.«

«Ich mache mir allein Sorgen um Loretta! Sie haben doch Feinde, Don Eugenio. «Volkmar holte aus der Gartenschaukel seine weißen Jeans und streifte sie über. Dr. Soriano ging unruhig in der großen Halle hin und her, als er aus dem Schlafzimmer zurückkam.»Sie sehen: So sicher ist nichts! Das hier ist noch lange nicht Fort Knox! Wo ist Loretta?«

«An einem geheimen Ort, ich sagte es schon. Auch Sie brauchen es nicht zu wissen! Ihre Zofe, ein nettes Bauernmädchen, treu und ergeben, ist bei ihr. Loretta hält viel von ihrer Anna.«

Dr. Volkmar nahm den Namen hin, ohne irgendeine gedankliche Verbindung herzustellen. Diesen Allerweltsnamen in Zusammenhang zu bringen mit der Anna aus den sardischen Bergen von Gennar-gentu war so absurd, daß daran gar nicht gedacht werden konnte.

Paolo Gallezzo hatte man im Keller aufgebahrt. Er lag auf einem alten, zerschlissenen Billardtisch. Man hatte ihn gewaschen, und so sah er nicht mehr ganz so schrecklich aus wie vor einer Stunde, als der Gärtner ihn an der Hecke gefunden hatte. Die beiden Wunden waren auf der auch im Tode noch bräunlichen, aber fahlen Haut mit einem Blick zu erkennen… zwei blutverkrustete Spalten, zwei saubere Schnitte. Dr. Soriano trat an den Toten heran und deckte ein Handtuch über den Kopf. Das Weiße der Augen unter den halbgeschlossenen Lidern störte ihn. Soriano war ein Ästhet.

«Ein beidseitig scharf geschliffenes Messer«, sagte er zu Volkmar, der sich über die Einstiche beugte.»Nennen wir es laienhaft: Ein Profimesser. Mit einer sechs Zentimeter breiten Klinge.«

Volkmar erfaßte einen Arm Gallezzos. Die Totenstarre war längst eingetreten, ein grober Anhaltspunkt.

«Er ist seit mindestens vier Stunden tot«, sagte Volkmar.»Um genauer zu sein, müßte ich ihn obduzieren. «Er betrachtete den Halsstich und die Wunde genau über dem Herzen und schüttelte den Kopf. Dr. Soriano sah ihn fragend an.»Was fällt Ihnen auf, Enrico?«

«Der Herzstich war sofort tödlich, das wird die Obduktion zeigen. Warum dann noch der Halsstich?«

«Und umgekehrt?«

«Wenn erst der Halsstich war, der nach grober Beurteilung zu einem Verblutungstod geführt hätte, und hinterher erst der tödliche Herzstich, dann haben Sie einen ungemein kaltblütigen, gnadenlosen, eiskalten Feind in Ihrer Nähe, Don Eugenio. Ein Profi, wie Sie schon sagten.«

Dr. Volkmar trat vom Billardtisch zurück. Einer der Diener breitete ein Bettuch über den nackten Körper. Von draußen, aus dem riesigen Park, hörte man durch das vergitterte Kellerfenster das Bellen der Spürhunde. Sie hatten eine Spur aufgenommen, aber sie endete an dem kleinen Teich am Golfplatz. Hier hatte der Mörder etwas Kluges getan: Er war durch das Wasser gelaufen und hatte damit seinen Geruch vernichtet. Die Hunde liefen winselnd um den Teich herum und nahmen kein Gespür mehr auf.

«Gehen wir«, sagte Dr. Soriano.»Ich lasse Gallezzo ins Altersheim bringen. Wir fahren gleich hinterher. «Sie stiegen hinauf in die weite Zentralhalle mit den maurischen Säulen und Wänden und trafen dort Worthlow, der auf sie wartete, ein Tablett mit Kognakgläsern auf der flachen Hand. Soriano und Volkmar tranken ein Glas und atmeten danach tief auf.

«Tote erschüttern mich immer, ist das nicht merkwürdig?«sagte Soriano.»Ich kann mich an ihren Anblick nie gewöhnen, ganz gleich, wer es auch ist. Ich habe meine Frau sehr geliebt — ich erzählte es Ihnen schon —, aber als sie starb und ich an ihrem Sarg saß, habe ich wie im Schüttelfrost gezittert. «Er blieb stehen und griff noch einmal zu dem Tablett, mit dem Worthlow ihnen nachgegangen war. Nach dem zweiten Kognak schien Soriano ruhiger zu werden.»Ist es nicht merkwürdig, Enrico, daß ich Sie nur an den OP-Tisch bekomme, wenn schon alles verloren ist?«

«Fangen Sie schon wieder davon an?«Sie traten auf die Terrasse unter den Säulenvorbau, und Volkmar zog sein Hemd über den Kopf und hängte es über seinen Arm. Die Hitze war fast unerträglich. Selbst der sonst immer vom Meer her wehende leichte Wind war völlig eingeschlafen. Sizilien briet in der Sonne.»Sie wollen keine Polizei einschalten?«

«Nein.«

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