Das Haus der verlorenen Herzen
- Автор: Конзалик Хайнц
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Das Haus der verlorenen Herzen». Краткое содержание книги:
Mit den raffiniertesten Mitteln wird Dr. Volkmar die Flucht unmöglich gemacht; er verliert seine Identität und gilt zu Hause in München als tot. Denn Dr. Eugenio Soriano, sein immer höflicher Entführer, braucht seine Dienste. Doch welcher Art die sind, begreift Dr. Volkmar erst ganz allmählich…
In einen goldenen Käfig eingesperrt, leidenschaftlich in Sorianos Tochter, die schöne Loretta, verliebt, wehrt sich Dr. Volkmar mit allen Kräften dagegen, an einem abscheulichen Verbrechen mitschuldig zu werden. Denn Soriano, der in Palermo als Menschenfreund gilt, benötigt die ärztliche Kunst seines Gefangenen, um sich und die >Ehrenwerte Gesellschaft auf grauenvolle Weise zu bereichern.
«Und Gallezzo?«
«Wird in einer Ecke des Parks begraben. Für seine Familie wird gesorgt werden.«
«Er hat Familie?«
«Eine Frau und drei Kinder. Sie werden keine Sorgen haben.«
«Und wenn sie reden?«
Soriano lächelte müde.»Dottore, es gibt ungeschriebene Gesetze, die mit größerer Akribie befolgt werden als die geschriebenen. Gallezzo ist nicht mehr da. Warum also sollte man reden?«
Zwei Stunden später stand Dr. Volkmar im Keller des Altersheims vor dem Seziertisch und öffnete den Körper Gallezzos. Man hatte den Toten auf den Tisch gelegt, auf dem sonst die Hunde und Affen lagen, an denen Dr. Nardo experimentierte. Eine letzte Station, die Gallezzo sich nicht hätte träumen lassen.
Kapitel 11
Auf der Rückfahrt fiel es Volkmar erst nach einer Weile auf, daß sie nicht nach Palermo fuhren, sondern weiter ins Land hinein. Über holprige Straßen ging es, zum Teil über Feldwege, und immer bergauf. Staub umwirbelte sie, das Land sah wie verbrannt aus, die Dörfer, durch die sie fuhren, waren wie ausgestorben. In dem großen amerikanischen Wagen Sorianos war es angenehm kühl, die Klimaanlage arbeitete vorzüglich.
«Was haben Sie vor?«fragte Volkmar.»Wohin fahren wir?«
«Lassen Sie sich überraschen, Dottore.«»Zu Loretta?«
«Bestimmt nicht. Ich will Ihnen etwas zeigen.«
«Hier? In dieser Wildnis?«
«Wir kommen gleich in zivilisiertere Gebiete. Das hier ist nur eine Abkürzung des Weges. «Er klappte aus der Rückenlehne des Fahrers ein Tablett heraus. Dahinter standen zwei Gläser und eine Flasche mit Rotwein.»Einen Schluck, Enrico?«
«Danke, Don Eugenio.«
«Ich habe Ihnen doch von dem Kindererholungsheim erzählt, das ich gestiftet habe und das im Bau ist?«
«Ja. Beiläufig. Ein Kardinal wird es segnen und auch gleich den päpstlichen Segen mitbringen.«
«Richtig!«Soriano lächelte breit.»Und ich habe Ihnen erzählt, daß ich dort für Sie die modernste Herzklinik der Welt baue.«
«Das habe ich für einen Ihrer zynischen Scherze gehalten.«
«Das Kinderheim ist nur die Fassade, das Alibi. Natürlich werden sich dort dreihundert Kinder das ganze Jahr über, jedes vier Wochen lang, erholen können. Es wird ein Kinderparadies werden mit Schwimmbecken und Turnhalle, Sportplätzen und Spielzentren, Liegewiesen und Liegeterrassen, verglast für den Winter. Die neuesten Erkenntnisse über die Aktiverholung werden hier verwertet. Aber.«
«Auf dieses Aber habe ich gewartet«, sagte Volkmar mit belegter Stimme.
«Parallel dazu entsteht auch eine ebenso moderne chirurgische Klinik, die völlig anonym ist. Auf drei Kellerebenen verteilt sich ein Herzzentrum, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Bei der Einweihung des Kinderheimes wird man da nicht hinuntersteigen, weil die Eingänge noch zugemauert sind. Aber sofort nach den Feierlichkeiten beginnt auch in diesem unbekannten Teil des Hauses die Arbeit. Für die Patienten, bei denen die akute Gefahr vorbei ist, haben wir in einem Nebentrakt zehn sonnige Zimmer mit Balkon und dem Service eines Luxushotels.«
«Die Mafia-Klinik?«
«Sie sollten solche Worte nicht gebrauchen, Dottore. «Soriano goß
Rotwein in die Gläser. Der schwere Wagen hatte die holprigen Wege verlassen und rollte jetzt lautlos über eine asphaltierte Straße. Sie befanden sich auf einer Hochebene mit Olivengärten und Pinienhainen. Hier schien es Wasser genug zu geben. Auf einer Anhöhe vor ihnen erhob sich ein bereits verputzter, grellweiß leuchtender siebenstöckiger Bau, in verschiedene Flügel gegliedert, die wie Strahlen eines Sternes von einem runden Mittelteil ausgingen. Riesenkräne reckten ihre Stahlgerippe in den heißen Himmel, Planierraupen und ein kleines Heer von Lastwagen arbeiteten an einer Umgestaltung der Landschaft.
Soriano tippte dem Fahrer auf die Schulter. Der Wagen hielt.
«Ihre Klinik, Dottore!«sagte er und machte eine umfassende Handbewegung.»Ist sie nicht herrlich?«
«Der ganze Baukomplex erinnert mich an ein Zuchthaus«, sagte Volkmar dumpf.»Ein runder Mittelteil, davon abgehend die Zellentrakte. Hat da Ihr Trauma mitgebaut, Don Eugenio?«
«Sie haben Phantasie, tatsächlich. «Dr. Soriano lachte etwas gezwungen. Erst jetzt, wo es Volkmar sagte, fiel ihm die Ähnlichkeit mit traditionellen Zuchthausbauten auf. Er hatte es bisher immer anders gesehen: als einen Stern, als ein Symbol dafür, daß hier eine andere, schönere Welt war. In diesem Sinne hatte er auch seine Eröffnungsrede halten wollen. Sie kam ihm plötzlich sehr dumm vor.»Ich werde das im Laufe der Zeit ändern«, sagte er.
«Sie können die Gebäude doch nicht hin und her schieben.«
«Ich werde sie durch Glasterrassen verbinden und auflockern. Schwebende Gärten wie die der Semiramis von Babylon.«
«Aber die Grundform bleibt: Ein Luxuszuchthaus! Ihr Unterbewußtsein hat bei der Wahl der Entwürfe fabelhaft gearbeitet, Don Eugenio.«
Sie erreichten die breite Zufahrtsstraße und hielten vor dem Haupteingang des Kinderheims. Der Bau war bereits verglast, die Innenarbeiten hatten begonnen. Einer der Bauleiter stürzte zu Sorianos Wagen und riß die Tür auf.
Soriano winkte ab, wartete, bis auch Volkmar ausgestiegen war, und ging dann um den Wagen herum zu ihm.
«Reizt es Sie nicht, Ihre Klinik zu besichtigen?«fragte er.
«Ich werde hier nie arbeiten!«Volkmar umfaßte mit seinen Blicken den Riesenbau. Er schätzte die Kosten und begann zu ahnen, was ein neues Herz bei Soriano kosten würde, und überlegte, wer es sich leisten könnte. Trotzdem war es eine Rechnung, die nie aufgehen würde: Allein die Baukosten würden nie hereinkommen. Soriano schien Volkmars Gedanken zu erraten.
«Das Kindererholungsheim ist eine Stiftung«, sagte er.»Aber für jede Belegung bekommen wir vom Staat einen Zuschuß. Außerdem wird ein Zeichnungs-Fonds aufgelegt: Förderer des Kinderheimes Camporeale. Es sind steuerabzugsfähige Zahlungen. Nach den ersten Berechnungen trägt sich so der ganze Betrieb selbst. Sollte es zu Überschüssen kommen, werden sie wieder im Heim angelegt.«
«Und die Einnahmen der heimlichen Herzklinik gehören ganz allein der Ehrenwerten Gesellschaft.«
«Sie sagen es, Enrico. Geben Sie zu: Das ist ein einmaliges Modell!«
«Wenn es funktioniert!«
«Es wird. Mit Ihnen als Chefarzt.«
«Warum sind Sie bloß so sicher?«
«Weil Sie nicht für mich, sondern für die Kranken arbeiten, Dottore. Vor Ihnen werden Todgeweihte stehen, die um Ihre Hilfe flehen. Ich möchte den Arzt sehen, der dann ein kaltes Nein sagt! Sie können es nie!«
«Ich weiß, daß Sie ein Satan sind!«sagte Volkmar dumpf.
«Denken Sie nur als Arzt! Denken Sie an die Kranken! Alles andere ist nicht Ihre Welt! Wie lange pflegen Sie schon Ihren Hungerstreik?«
«Es ist der dritte Tag.«
«Brechen Sie ab, Enrico! Öffnen Sie Ihrer Vernunft das Tor! Nur weil der Besitzer der Klinik ein >Kuratorium Palermo< ist und kein Schwesternorden >Vom himmlischen Blut Mariä< oder eine städtische oder staatliche Verwaltungsstelle, wollen Sie Schwerkranke zum
Tode verurteilen? Das kann Ihr Gewissen nicht verkraften. Das weiß ich!«
Volkmar antwortete nicht, aber er machte den ersten Schritt auf den Eingang zu. Dr. Soriano blies die Luft hörbar durch die Nase. Gewonnen, dachte er. Er betritt das Gebäude. Er wird sich alles ansehen. Gewonnen… gewonnen.
Als er wieder sein goldenes Gefängnis betrat, fand Volkmar auf dem Schreibtisch seiner Bibliothek den Stapel von Prospekten der Einrichtungsfirmen für Klinikbedarf.
Worthlow erwartete ihn bereits mit einer großen Salatschüssel. Eine wahre Köstlichkeit, mit Kräutersoße angemacht. Er versuchte es immer wieder, den dritten Tag nun schon, Volkmar zum Essen zu verleiten.
«Danke«, sagte Volkmar und warf einen Blick auf die Prospekte.»Was soll das, Worthlow?«