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Das Haus der verlorenen Herzen

Электронная книга - «Das Haus der verlorenen Herzen». Краткое содержание книги:

In Sonne, Wind und Wellen will der deutsche Herzchirurg Dr. Heinz Volkmar einen erholsamen Urlaub am Mittelmeer verbringen. Doch alles kommt anders: Von Sardinien nach Sizilien entführt, muß der Arzt erkennen, daß er einem jener berüchtigten Mafia-Bosse in die Hände gefallen ist, die dort ihr geheimes Schreckensregiment ausüben.
Mit den raffiniertesten Mitteln wird Dr. Volkmar die Flucht unmöglich gemacht; er verliert seine Identität und gilt zu Hause in München als tot. Denn Dr. Eugenio Soriano, sein immer höflicher Entführer, braucht seine Dienste. Doch welcher Art die sind, begreift Dr. Volkmar erst ganz allmählich…
In einen goldenen Käfig eingesperrt, leidenschaftlich in Sorianos Tochter, die schöne Loretta, verliebt, wehrt sich Dr. Volkmar mit allen Kräften dagegen, an einem abscheulichen Verbrechen mitschuldig zu werden. Denn Soriano, der in Palermo als Menschenfreund gilt, benötigt die ärztliche Kunst seines Gefangenen, um sich und die >Ehrenwerte Gesellschaft auf grauenvolle Weise zu bereichern.
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«Ist die neue Klinik nicht ein imponierender Bau, Sir? Sie sollen Sie nach Ihrem Willen einrichten.«

«Du lieber Himmel, davon habe ich doch gar keine Ahnung!«Volkmar ging hinaus auf den Dachgarten. Worthlow folgte ihm mit der Salatschüssel.»Ich bin Chirurg. Ich habe mich um Technik nie gekümmert, sie nur benutzt! Ich weiß, was ich im OP brauche, ich weiß, was im Labor vorhanden sein muß. Aber eine Klinik einrichten?! Dafür gibt es doch Fachfirmen.«

«Die Angebote dieser Firmen liegen auf Ihrem Schreibtisch, Sir. Aus den USA erwarten wir noch einige Sendungen. Eine Reihe von Firmenvertretern haben sich schon angesagt. Bei Millionenaufträgen werden alle munter. - Salat, Sir?«

«Nein!«

«Entspricht die Klinik Ihren Vorstellungen, Sir?«

«Dr. Soriano hat alles eingebaut, was man bisher, rein theoretisch, für eine Herzverpflanzung braucht. Wer hat ihm eigentlich die Idee mit den Sterilzellen vermittelt?«

«Sie, Sir! Vor fünf Monaten schrieben Sie darüber in der Zeitschrift >Herzchirurgie heute<. Jede Ihrer irgendwo niedergelegten Ideen, auch die kleinste, wird von Dr. Soriano verwirklicht. Was kann sich ein Arzt noch mehr wünschen?«

Am Abend ließ man Volkmar allein. Selbst Worthlow zog sich zurück und bat, ihn zu rufen, wenn man ihn brauchen sollte. Volkmar saß in seiner Bibliothek hinter dem Schreibtisch und starrte auf den Haufen Prospekte. Das ist doch Irrsinn, dachte er. So stellt sich der kleine Moritz die Einrichtung eines Krankenhauses vor. Der gute, große Onkel Doktor weiß alles, tut alles, kann alles. Der Gott im weißen Kittel! Daß ein so kluger Mann wie Soriano eine so simple Einstellung zeigte, enttäuschte Volkmar sogar ein wenig.

Er blätterte in den Prospekten, betrachtete die Abbildung der Neukonstruktion eines Oszillographen und warf die Prospekte zurück auf den Schreibtisch.

Gegen elf Uhr abends besuchte ihn Dr. Soriano. Er trug einen Anzug mit weiter Jacke. Als er sich in den tiefen Gartensessel auf der Dachterrasse setzte, klaffte sie etwas auf. Volkmar sah deutlich die Lederträger und das Schulterhalfter mit der langläufigen Pistole. Soriano gab sich keine Mühe, das zu verbergen.

«Ich komme von Loretta. Es geht ihr gut«, sagte er.»Grüße soll ich auch bestellen. Und einen Kuß. Sie küssen meine Tochter?«

«Bisher nur auf die Wangen, Don Eugenio.«

«Warum lügen Sie, Enrico?! Jeder, auch der Kurzsichtigste, erkennt, was mit Ihnen los ist, wenn Sie mit meiner Tochter zusammen sind. Vor einer Stunde hat mir Loretta selbst gesagt: >Ich liebe ihn!< — Sie wollte unbedingt wieder nach Hause. Zu Ihnen.«

«Und was haben Sie geantwortet?«

«Zunächst nein, was die Rückkehr betrifft. Und dann: >Wenn du Enrico wirklich liebst, mußt du einen Dr. Ettore Monteleone lieben! Und ob das möglich ist, müssen wir Dr. Monteleone fragen!< — Ich frage Sie also, Enrico: Wollen Sie für immer Monteleone sein?«

«Wollen? Sie haben einen bitteren Humor, Don Eugenio. Ich muß ja wohl!«

«Überlegen Sie, was Sie jetzt sagen, Dottore. «Dr. Soriano war sehr ernst. Auch seine Stimme hatte nicht mehr den väterlichen Klang. Jetzt sprach er im Ton des Anwalts, der ein Plädoyer hält.»Es geht um Loretta! Und was mir meine Tochter bedeutet, das wissen Sie genau! Sie haben einmal gesagt: >Über Ihre Tochter werde ich Sie vernichten!< Und ich habe Ihnen geantwortet: >Das gelingt Ihnen nie! Ich würde Sie und mein ganzes Vermögen opfern, um Loretta glücklich zu machen!< Erinnern Sie sich des Gesprächs?«

«Genau, Dr. Soriano.«

«Und nun? Sie haben es fertiggebracht, Lorettas Herz zu öffnen. Sie liebt Sie! Sind Sie wirklich so ein Schwein, diese Liebe als Rache mir gegenüber zu benutzen?«

«Es ist eine merkwürdige Situation. «Dr. Volkmar lehnte sich gegen die schlanke Säule, die den Baldachin des Dachgartens trug. Er blickte auf Sorianos Schulterhalfter und war überwältigt von der Verrücktheit seines Schicksals.»Da sitzen Sie, der Vater des Mädchens, das ich ehrlich liebe, tragen eine Pistole unter der linken Achsel, sind der größte und gefährlichste Gangster im ganzen europäischen Raum, wie ich annehmen muß, nennen mich ein Schwein, halten mich als Ihren Gefangenen, haben mich zu einem Toten gemacht, der auf dem Münchener Waldfriedhof begraben liegt, wollen mich zwingen, in Ihrer heimlichen Klinik Herzen zu transplantieren — pro Herz eine Million Dollar, liege ich da richtig? — Sie sind das größte Untier, das man sich nur erdenken kann — und doch der Vater der schönsten Frau, die ich je gesehen habe. Und diese Frau liebe ich! Wie soll ich das diesem Vater sagen und wie soll ich diesen Vater hinnehmen? Ist das nicht ein auswegloses Problem?!«

«Sie haben alles gesagt, was nötig ist, Enrico. Nun sage ich Ihnen etwas: Wenn ich zulasse — als Vater —, daß sich meine Tochter mit Ihnen verbindet, dann kann ich erwarten, daß Sie in meiner Klinik operieren.«

«Loretta als Tauschobjekt! Man sollte es ihr sagen!«

«Das können Sie! Sie wartet in der Halle.«

Dr. Volkmar wollte ins Haus laufen, aber Soriano war schneller und riß ihn an den Schultern zurück, bevor er die Tür erreicht hatte.

«Enrico — «, sagte er gedämpft.»Ich lasse alles zusammenbrechen, mich eingeschlossen, wenn Sie Loretta unglücklich machen. Begreifen Sie, was das heißt?«

«Wenn Sie mich für so ein Rindvieh halten, warum machen Sie mich dann zum Chef Ihrer verdammten Klinik?!«

Soriano nickte und gab den Weg frei. Volkmar rannte durch seine Wohnung und stürzte in die große Eingangshalle. Hier stand Loretta in einem einfachen Reisekostüm, sie hatte in einer Ecke den Tisch gedeckt. Worthlows große Salatschüssel, neu dazu eine Platte mit kaltem Braten und ausgelöstem Geflügel. In den Gläsern leuchtete tiefroter Wein.

«Loretta!«sagte Volkmar heiser. Er umarmte sie, zog sie an sich, und als sie den Kopf gegen seine Schulter preßte und seinen Hals küßte, als er den Druck ihrer Brüste spürte und das Hindrängen ihres Körpers zu ihm, wußte er, daß man ihn besiegt hatte.

Sie hörten nicht, wie Soriano leise an ihnen vorbeischlich und das Gästehaus verließ. Sie hatten sich so fest umschlungen, als habe die Hitze ihrer Körper sie miteinander verschweißt.

In dieser Nacht blieb Loretta bei ihm. Keiner bat den anderen darum, es war wie selbstverständlich, daß sie zusammen ins Schlafzimmer gingen. Sie schenkte ihm ihre Jungfräulichkeit, und er nahm sie mit einer vorsichtigen Zärtlichkeit an, bis sie später von selbst den Vulkan in sich entdeckte und ihn mit ihrer Leidenschaft beglückte.

Danach weinte sie ein wenig, kroch wie ein Kind an seine Seite und drückte sich ganz fest an ihn. Ihr Schoß brannte, aber es war ein seliger Schmerz, und als sie über seinen Körper streichelte, gruben sich ihre Fingernägel, ohne ihm weh zu tun, in sein Fleisch.

«Sind wir noch auf der Erde?«sagte sie leise.»Oder schon im Paradies, Enrico?«

«Ettore — «, antwortete Volkmar. Seine Kehle verkrampfte sich.»Wir müssen uns daran gewöhnen, daß ich Ettore Monteleone bin.«

Dr. Ettore Monteleone. Der Chef der Mafia-Klinik!

Er zog Loretta auf sich, küßte sie und nahm sie dann so, wie ein starker Mann eine leidenschaftliche Frau zu nehmen hat.

Am übernächsten Tag nahm Dr. Volkmar seine Forschungen zur Transplantation von Herzen wieder auf.

Die Klinik im Altersheim, die bisher Dr. Nardo geleitet hatte, war besser eingerichtet als die Forschungsstellen in München. Vor allem gab es keinen Chef wie Professor Hatzport, der wöchentlich zweimal zu Volkmar sagte:»Mein Lieber, Sie rennen gegen meterdicke Mauern! Natürlich ist eine Herztransplantation rein theoretisch kein Problem. Aber die Immunschranke überspringen auch Sie nicht! Hier spielt die Natur nicht mehr mit, und sie wird es nie tun! Das ist die Tragik in der Medizin. Vor einem simplen Hindernis müssen wir kapitulieren! Hier ist es das Eiweiß! Lächerlich, aber wahr!«

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