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Das Haus der verlorenen Herzen

Электронная книга - «Das Haus der verlorenen Herzen». Краткое содержание книги:

In Sonne, Wind und Wellen will der deutsche Herzchirurg Dr. Heinz Volkmar einen erholsamen Urlaub am Mittelmeer verbringen. Doch alles kommt anders: Von Sardinien nach Sizilien entführt, muß der Arzt erkennen, daß er einem jener berüchtigten Mafia-Bosse in die Hände gefallen ist, die dort ihr geheimes Schreckensregiment ausüben.
Mit den raffiniertesten Mitteln wird Dr. Volkmar die Flucht unmöglich gemacht; er verliert seine Identität und gilt zu Hause in München als tot. Denn Dr. Eugenio Soriano, sein immer höflicher Entführer, braucht seine Dienste. Doch welcher Art die sind, begreift Dr. Volkmar erst ganz allmählich…
In einen goldenen Käfig eingesperrt, leidenschaftlich in Sorianos Tochter, die schöne Loretta, verliebt, wehrt sich Dr. Volkmar mit allen Kräften dagegen, an einem abscheulichen Verbrechen mitschuldig zu werden. Denn Soriano, der in Palermo als Menschenfreund gilt, benötigt die ärztliche Kunst seines Gefangenen, um sich und die >Ehrenwerte Gesellschaft auf grauenvolle Weise zu bereichern.
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Sie knirschte mit den Zähnen, wenn Loretta mit Enrico eng umschlungen tanzte, und sie biß sich in ihre Fäuste, wenn er sie nach einem Tennismatch an sich zog und küßte.

Natürlich liebt sie ihn, dachte Anna. Sie muß ihn lieben. Wer könnte Enrico nicht lieben? Und so schön, wie sie ist — wer kann es Enrico übelnehmen, wenn er ihr nicht ausweicht? Aber das wird sich ändern, wenn er mich sieht! Mich hat er zuerst geküßt, in unserer Steinhütte auf dem Gennargentu. Und auch ich bin hübsch, auch wenn du es nicht bemerkst, Signorina Loretta!

Sie begann, mit ihrem Schminkkasten zu üben, tuschte die Lider, legte Lidschatten auf, umzog die Augen mit einem Strich, daß sie mandelförmig aussahen, zog die Umrisse ihrer roten Lippen mit einem Konturstift nach und verrieb Make-up auf ihrem Gesicht, damit es nicht so glänzte, sondern so vornehm samtig wirkte wie bei der Signorina.

Loretta fiel das am fünften Tage auf.

«Bist du verliebt?«fragte sie beiläufig, als Anna ihr das Haar bürstete.

«Ja, Signorina.«

«Das ist schön!«Loretta lächelte und dachte an Volkmar.»Ist man da nicht gleich ein anderer Mensch?«

«Ein ganz anderer, Signorina.«

«Leider hast du wenig Freizeit, nicht wahr?«

«Es reicht, Signorina. Es ist so schön bei Ihnen.«

«Wenn du einen besonderen freien Tag haben willst — sag es mir ruhig, Anna.«

«Danke, Signorina. Ich bin glücklich, wenn ich hier sein kann.«

Und dann lag sie wieder auf dem Flachdach, sah Volkmar beim Schwimmen zu, und an einem frühen Morgen sah sie ihn sogar nackt aus dem Wasser kommen und ein paarmal um den Pool laufen. Im Haus schlief noch alles.

Von da an träumte sie von diesem Anblick: Der nackte Männerkörper, der beim Laufen jeden Muskel spielen ließ und eine wilde Kraft verriet.

Nur den Mann, der Luigi aufgeschlitzt hatte, sah sie nicht.

Paolo Gallezzo war auf dem Festland, um feinmechanische Maschinen aufzukaufen, mit denen man Gefäßnahtmaschinen auf Klammerbasis herstellen konnte.

Im Tierkeller des Trakts III des >Altersheimes< gingen die Transplantationsversuche weiter. Affen, Schweine, Hunde, Katzen und gemästete Ratten lagen auf den Steintischen und bekamen fremde Herzen eingepflanzt.

Dr. Nardo und sein Team arbeiteten jetzt nach den Methoden Dr. Volkmars, aber es war deutlich, daß Dr. Nardo damit überfordert war. Die technischen Voraussetzungen waren vorhanden, man hatte die Methoden genau studiert, die Publikationen Volkmars immer wieder gelesen und durchgesprochen. Aber was ist die beste Theorie wert, wenn nicht ein Könner sie in die Praxis umsetzt!

Am längsten überlebten die Ratten und Kaninchen. Ihre Herzen waren leicht genug, um an den Gefäßen zu hängen, bis auch hier die Nähte nach einiger Zeit rissen und die Tiere, wie damals der Mensch Melata, nach innen verbluteten. Zu Abstoßungserscheinungen kam es erst gar nicht; die Gefäßwände kapitulierten früher.

Dr. Nardo erschien nach neun Tagen bei Dr. Soriano im Stadtbüro, also in der Anwaltskanzlei, und gab seine Berichte ab. Tagebücher, Filme, Fotos, Röntgenaufnahmen und Tonbänder, auf die alle Beobachtungen gesprochen worden waren.

«Es ist unmöglich!«sagte Dr. Nardo nach seinem Vortrag zu Dr.

Soriano.»Trotz Teflon und anderen prothetischen Hilfen. Dr. Volkmars Gegner haben recht: So kann man kein Herz transplantieren! Unmöglich! Die Gefäßwände müssen immer einreißen! Es gibt nur die Möglichkeit, die bisher am weitesten im Experiment fortgeschritten ist: die Teilverpflanzung. Da haben wir festes Muskelfleisch, da halten die Nähte! Hier ist unsere Grenze allein nur gezogen durch die Immunreaktion. Aber das ist kein chirurgisches Problem, sondern ein biochemisches. Chirurgisch können wir partielle Herztransplantationen vornehmen, die sitzen wie eine Zahnprothese! Das ist nur Technik, Don Eugenio. Wir müssen auf den Mann warten, der es fertigbringt, die Koagulationsnekrose aufzuhalten! Dr. Volkmars Operationstraum bleibt ein Traum.«

«Für Sie, Pietro!«Dr. Soriano legte beide Hände auf den Stapel der Forschungsberichte.»Ich glaube an Dr. Volkmar, und ich irre mich da nicht. Ich habe mich bisher noch nie geirrt, so eingebildet das auch klingen mag!«

«Bringen Sie Dr. Volkmar an den OP-Tisch, Don Eugenio. Sie werden dann auch seine Niederlagen akzeptieren müssen. Bei Melata.«

«Der Fall war von Beginn an aussichtslos. Das wissen wir doch alle. Wir wollten doch bloß sehen, wie Dr. Volkmar ein solches Problem angeht! Wir haben ihn überrumpelt, und er hat uns gezeigt, wie mutig er sein kann, wenn er ein Skalpell in der Hand hält.«

«Er ist bis an die natürliche Grenze gegangen. Weiter kann er nicht kommen!«

«Grenzen! Wer hat vor ein paar Jahren daran gedacht, daß man Satelliten in den Weltraum schießen kann?! Wer hat geglaubt, daß es jemals möglich sein wird, einen Lichtstrahl so zu bündeln wie den Laserstrahl, daß er Panzerplatten schmelzen kann?! Und da soll der Mensch vor seinem eigenen Herzen kapitulieren?! Alles ist nur eine Frage der Zeit.«

«Und Sie haben Zeit, Don Eugenio?«

«Ja, ich habe sie!«sagte Dr. Soriano laut.»Und Dr. Volkmar auch! Weihnachten weihen wir das Kinderkrankenhaus in Camporeale ein. Ein Kardinal wird den Segen des Heiligen Vaters überbringen. Schon im Januar wird Dr. Volkmar mit seiner Herztransplantation beginnen. Nicht am Tier. Von Mensch zu Mensch!«

«Weiß er das schon?«

«Nein.«

«Er wird nicht wollen.«

Dr. Soriano schüttelte langsam den Kopf.»Er wird! Bis dahin sind es noch fünf Monate. Sie trauen mir doch zu, Dr. Nardo, in fünf Monaten einen Menschen umzuwandeln, der meine Tochter liebt?«

Vierzehn Tage nach der mißglückten Herztransplantation bei Arrigo Melata weigerte sich Dr. Volkmar, zu frühstücken.

Wie immer hatte Worthlow den Tisch auf der Terrasse vor der Säulenhalle gedeckt, doch überspannte jetzt eine Art Sonnensegel aus orangefarbenem Stoff den Sitzplatz. Die Augustsonne brannte aus dem wolkenlosen, blaßblauen Himmel, und auch die unmittelbare Nähe des Meeres bot keine Kühlung mehr. Sizilien im Hochsommer kann eine Bratpfanne sein. Volkmar lief deshalb auch meistens nur in Badehose und einem dünnen Frotteehemd herum, schwamm im Pool oder stellte sich unter die kalte Dusche und trank — entgegen aller ärztlichen Erkenntnis — eimerweise eiskaltes Mineralwasser, ab und zu mit etwas Wein vermischt.

In den Schränken seines Ankleidezimmers hingen die modernsten Maßanzüge der besten Schneider aus Palermo, weiße Smokingjacken und Seidenjacketts, und auch bei den Schuhen hatten die Herrenausstatter darauf geachtet, daß dank feinster Farbunterschiede die Fußbekleidung stets mit der Oberbekleidung harmonierte. Wenn Volkmar sich am Abend in einen der Anzüge warf, wobei ihn Worth-low bei der Wahl der Hemden und Krawatten wortlos beriet, war er wirklich einer der elegantesten Männer, die er je gesehen hatte. Auch Loretta fand das. Sie sagte:»Man könnte immer nur dasitzen und dich ansehen…«Und er antwortete:»Das alles gehört mir doch gar nicht!«

Dr. Soriano saß schon unter dem Sonnensegel. Als Volkmar durch den Säulengang auf die Terrasse kam, erhob er sich sofort. Volkmar winkte ab, als Worthlow mit dem Kaffee an den Tisch trat, und lehnte sich gegen eine der Marmorsäulen.

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