Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Krieg und Frieden - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
1 ... 414 415 416 417 418 419 420 421 422 ... 458
Перейти на страницу:

Nur wenn sie beide allein waren, schmerzte und verletzte sie nichts. Sie sprachen nur wenig miteinander, und wenn sie sich unterhielten, redeten sie nur von nebensächlichen Dingen. Beide vermieden in gleicher Weise, etwas zu erwähnen, das irgendwie mit der Zukunft in Zusammenhang stand.

Anzuerkennen, daß für sie eine Zukunft überhaupt noch möglich war, schien ihnen eine Verletzung seines Gedächtnisses.

Aber noch behutsamer vermieden sie in ihren Gesprächen alles, was auf den Verstorbenen selber Bezug haben konnte. Sie hatten die Empfindung, als ob das, was sie durchlebt und durchfühlt hatten, in Worten nicht ausgedrückt werden könne. Es kam ihnen vor, als ob jedes Erinnern durch Worte an die Einzelheiten seines Lebens die Größe und Heiligkeit des Mysteriums, das sich vor ihren Augen vollzogen hatte, verletzen müsse.

Und gerade dadurch, daß sie beständig ihre Worte zurückhalten mußten und ununterbrochen bemüht waren, alles zu umgehen, was das Gespräch auf ihn hätte lenken können, gerade dadurch, daß sie in der Unterhaltung an verschiedenen Stellen immer an der Grenze dessen haltmachen mußten, was nicht ausgesprochen werden durfte, trat das, was sie fühlten, noch reiner und klarer vor ihre eigne Seele.

Doch reine, ungemischte Trauer ist ebenso unmöglich wie reine, ungemischte Freude. Prinzessin Marja wurde infolge ihrer Stellung als alleinige, unabhängige Herrin ihres Schicksals, als Vormund und Erzieherin ihres Neffen, zuerst vom Leben zurückgerufen aus jener Welt der Trauer, in der sie die ersten beiden Wochen zugebracht hatte. Sie erhielt von Verwandten Briefe, die beantwortet werden mußten; das Zimmer, wo Nikoluschka untergebracht worden war, war feucht, und er fing an zu husten; Alpatytsch kam nach Jaroslawl mit geschäftlichen Abrechnungen, schlug vor und riet, nach Moskau in das Haus an der Wosdwishenka überzusiedeln, das unversehrt geblieben war und nur geringer Wiederherstellungsarbeiten bedurfte. Das Leben machte nicht halt, und leben mußte man. Wie schwer es Prinzessin Marja auch fiel, sich aus der Welt der einsamen Betrachtungen, in der sie bisher gelebt hatte, herauszureißen, wie leid es ihr auch tat und wie sie sich fast schämte, Natascha allein zu lassen – die Sorgen des Lebens forderten ihre Teilnahme, und unwillkürlich gab sie sich ihnen hin. Sie rechnete mit Alpatytsch ab, beriet mit Dessalles über ihren Neffen und traf Anordnungen und Vorbereitungen für ihre Übersiedlung nach Moskau.

Natascha blieb allein und mied von dem Augenblick an, als sich Prinzessin Marja mit den Vorbereitungen zu ihrer Übersiedlung nach Moskau zu beschäftigen anfing, auch diese.

Prinzessin Marja machte der Gräfin den Vorschlag, Natascha mit nach Moskau fahren zu lassen, und Vater und Mutter stimmten diesem Anerbieten freudig zu, da sie bemerkt hatten wie die körperlichen Kräfte ihrer Tochter von Tag zu Tag abnahmen, so daß sie einen Ortswechsel und die Hilfe Moskauer Ärzte für nötig hielten.

»Ich reise nirgends hin«, gab Natascha zur Antwort, als man ihr diesen Vorschlag unterbreitete. »Laßt mich nur, bitte«, sagte sie und lief aus dem Zimmer, indem sie nur mit Mühe die Tränen nicht sowohl des Kummers als des Ärgers und der Erbitterung zurückhielt.

Nachdem sich Natascha von Prinzessin Marja verlassen gesehen hatte und allein in ihrem Kummer zurückgeblieben war, saß sie die meiste Zeit für sich allein in ihrem Zimmer, in einer Sofaecke zusammengekauert, zerriß oder zerknüllte etwas mit ihren feinen, nervösen Fingern und hielt den starren, unbeweglichen Blick auf irgend etwas geheftet, worauf ihr Auge gerade gefallen war. Diese Einsamkeit quälte und ermattete sie, war ihr aber doch unentbehrlich. Sobald jemand zu ihr ins Zimmer trat, stand sie jäh auf, änderte die Richtung und den Ausdruck ihres Blickes, nahm ein Buch oder eine Näherei zur Hand und wartete sichtlich mit Ungeduld darauf, daß derjenige, der sie gestört hatte, wieder gehen sollte.

Immer hatte sie das Gefühl, als müsse sie das, worauf ihr geistiges Auge mit furchtbarer, ihre Kräfte übersteigender Anstrengung fragend gerichtet war, nun gleich, gleich verstehen und durchdringen.

Ende Dezember saß Natascha einmal im schwarzen Wollkleid, den Zopf nachlässig zu einem Knoten hochgesteckt, mager und blaß in der Sofaecke zusammengekauert, spielte nervös mit den Enden ihres Gürtels und starrte nach einem Winkel der Tür.

Sie schaute dahin, wohin er gegangen war, nach dem Leben im Jenseits. Und dieses jenseitige Leben, an das sie sonst nie gedacht hatte, das ihr früher so fern, so unwahrscheinlich erschienen war, kam ihr jetzt näher, vertrauter, verständlicher vor als das diesseitige Leben, wo alles nur Öde und Zerstörung oder Kummer und Kränkung war.

Sie schaute dahin, wo, wie sie wußte, er war, aber sie konnte ihn nicht anders sehen als so, wie er hier gewesen war. Sie sah ihn wieder ebenso, wie sie ihn in Mytischtschi, in Troiza und in Jaroslawl gesehen hatte.

Sie sah sein Gesicht, hörte seine Stimme, wiederholte seine Worte und das, was sie selber zu ihm gesagt hatte, und dachte sich manchmal für sich und für ihn neue Worte aus, die sie sich gegenseitig hätten sagen können.

Da liegt er in seinem seidenen Pelz auf dem Lehnstuhl, den Kopf auf die magere weiße Hand gestützt. Seine Brust ist furchtbar eingesunken, seine Schultern sind hochgezogen. Die Lippen sind eng zusammengepreßt, seine Augen leuchten, und auf der bleichen Stirn bildet sich eine Falte und verschwindet wieder. Das eine Bein zittert kaum merklich. Natascha weiß, daß er mit einem quälenden Schmerz kämpft. Was ist dieser Schmerz? Wozu ist dieser Schmerz da? Was fühlt er? Wie tut es ihm weh? denkt Natascha. Er fühlt ihre Aufmerksamkeit, hebt die Augen auf und fängt, ohne zu lächeln, zu reden an.

»Eines ist furchtbar«, sagt er, »sich auf Lebenszeit mit einem leidenden Menschen zu verbinden. Das ist eine ewige Qual.« Und er sieht sie mit prüfenden Blicken an. Natascha antwortet wie immer, ohne sich Zeit zu lassen, ihre Antwort zu überdenken, und sagt: »Das kann doch nicht immer so bleiben, das wird es nicht. Sie werden gesund werden, ganz gesund werden.«

Jetzt sah sie das alles wieder vor sich und durchlebte noch einmal von Anfang an alles, was sie damals dabei empfunden hatte. Sie erinnerte sich an den langen, schwermütigen, ernsten Blick, den er bei diesen Worten auf sie gerichtet hatte, und begriff die Bedeutung des Vorwurfs und der Verzweiflung in diesem langen Blick.

Ich gab zu, sagte sich Natascha jetzt, daß es schrecklich wäre, wenn er immer leidend bliebe. Aber ich sagte ihm das damals nur von dem Gedanken aus, daß es für ihn schrecklich wäre, er aber hat es anders aufgefaßt. Er dachte, für mich wäre es schrecklich. Damals wollte er noch leben und fürchtete sich vor dem Tod. Und ich gab ihm eine so plumpe, so dumme Antwort. Das lag meinen Gedanken ganz fern. Ich meinte es ganz anders. Hätte ich so gesprochen, wie ich wirklich dachte, so hätte ich gesagt: Und wenn er auch sterbenskrank bliebe, ein ganzes Leben lang vor meinen Augen dahinsiechte, so wäre ich dennoch glücklicher im Vergleich mit dem, was ich jetzt bin. Jetzt … ist nichts, niemand mehr. Hat er das gewußt? Nein. Er wußte es nicht und wird es nun nie mehr erfahren. Und jetzt kann ich das nie, nie wieder gutmachen. Und noch einmal sagte er zu ihr dieselben Worte, jetzt aber gab ihm Natascha im Geist eine andere Antwort. Sie unterbrach ihn und sagte: Schrecklich für Sie, aber nicht für mich. Sie wissen, daß es ohne Sie für mich kein Leben gibt, und mit Ihnen zu leiden ist mir das höchste Glück. Und er ergriff ihre Hand und drückte sie so wie damals an jenem schrecklichen Abend, vier Tage vor seinem Tod. Und im Geist sagte sie ihm jetzt noch andere zärtliche, liebevolle Worte, die sie ihm alle damals hätte sagen können. Ich liebe dich! … Liebe … dich, dich … sagte sie, drückte krampfhaft die Hände zusammen und preßte die Zähne mit grausamer Anstrengung aufeinander.

1 ... 414 415 416 417 418 419 420 421 422 ... 458
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)