Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
«Das weiß ich nicht«, gestand Browning ruhig.»Aber schließlich haben wir ja einen Spezialisten für solche Fälle bei uns, nicht wahr?«
Doktor Rosenfeld schenkte ihm einen giftigen Blick.
«Wenn nicht Professor van Hesling«, sagte Indiana,»dann können uns vielleicht die Herren Offiziere weiterhelfen. «Er wandte sich an Loben und von Ludolf und machte eine rasche erklärende Geste auf van Hesling.»Welchem Zweck diente die Expedition, an der der bedauernswerte Professor teilnahm, wirklich?«
Von Ludolf musterte ihn kalt. In den wenigen Augenblicken, die vergangen waren, hatte er seine gewohnte Selbstbeherrschung zurückgefunden.»Diese Frage wurde bereits mehrmals beantwortet«, erwiderte er kühl.»Es war ein rein wissenschaftliches Unternehmen. Das Schiff sollte die Strömungsverhältnisse im Arktischen Meer erforschen.«
«Vermutlich«, sagte Bates,»damit Ihre Unterseeboote dort besser navigieren können.«
Falls diese Worte den Versuch darstellen sollten, den deutschen Major aus der Reserve zu locken, so schlug er fehl. Von Ludolf machte sich nicht einmal die Mühe, den Marineflieger anzusehen, sondern fuhr, an Indiana gewandt, fort:»Ich kenne Ihren Ruf, Doktor Jones, und ich weiß, daß Sie dem Deutschen Reich nicht unbedingt wohlgesonnen sind. Aber was immer Sie in diese Sache hineinzuge-heimnissen versuchen, es ist falsch. Allein die Tatsache, daß unsere Regierung zugestimmt hat, die Vereinigten Staaten an diesem Rettungsunternehmen teilnehmen zu lassen, sollte Ihnen beweisen, daß wir nichts zu verbergen haben.«
«Teilnehmen?«wiederholte Indiana ungläubig. Er lachte ohne die mindeste Spur von Humor.»Es kann ja sein, daß ich mich täusche«, sagte er.»Aber für mich sieht es so aus, als hätten wir zugestimmt, Sie mitzunehmen, Herr Major.«
«Haarspaltereien!«antwortete von Ludolf.»Immerhin war es ein deutscher Staatsbürger, der den Eisberg, den Ihr etwas übereifriger Kollege auf den Namen Odinsland getauft hat, als erster betrat. Strenggenommen handelt es sich bei dieser Insel also um deutsches Hoheitsgebiet.«
«Ich dachte, die Kolonialzeiten wären vorbei«, grinste Indiana spöttisch.
«Ich verbitte mir Ihre Unverschämtheiten!«zischte von Ludolf. Er wandte sich an Browning.»Muß ich mir das als Gast auf diesem Schiff wirklich gefallen lassen?«
Browning blickte Indiana Jones sekundenlang beinahe betrübt an, ehe er den Kopf schüttelte.»Nein, Herr Major, das müssen Sie nicht«, antwortete er.»Aber Sie müssen auf der anderen Seite auch Doktor Jones verstehen. Schließlich kann uns schon die winzigste Information weiterhelfen.«
«Sie haben ein komplettes Dossier über die verschollene Expedition Professor van Heslings von der Reichsregierung in Berlin erhalten!«sagte von Ludolf. Mit einer ärgerlichen Bewegung stand er auf, und auch sein Assistent erhob sich.»Aber ich sehe schon, es ist völlig sinnlos weiterzureden.«
Browning hob besänftigend die Hand.»Herr Major — «
«Wenn Sie dem Ehrenwort eines deutschen Offiziers nicht mehr glauben«, fuhr von Ludolf ungerührt und in eisigem Tonfall fort,»dann frage ich mich, ob es überhaupt noch Sinn hat, daß wir an diesem Unternehmen teilnehmen. «Damit nahm er seinen Hut vom Tisch, setzte ihn mit einer zackigen Bewegung auf und verließ in Begleitung seines Assistenten Loben die Kabine.
Indiana Jones blickte ihm stirnrunzelnd nach. Er war jetzt sicher, daß Morton und Browning nicht die einzigen waren, die ihm etwas verschwiegen. Offensichtlich verheimlichte auf dieser Expedition jeder etwas vor jedem. Und er war auch ebenso sicher, daß er mit den beiden Wehrmachtsoffizieren nicht zum letztenmal aneinandergeraten war.
Und auch damit sollte er recht behalten.
Indiana schlief auch in der folgenden Nacht nicht besonders gut. Das Wetter verschlechterte sich zwar nicht mehr, so daß der Flug auf seine gewohnt ruhige Art weiterging, aber der Streit vom Morgen wirkte noch während des ganzen Tages nach. An Bord herrschte eine niedergeschlagene und gleichzeitig gereizte Stimmung, in der jeder nur darauf zu warten schien, daß irgend jemand etwas sagte oder tat, was ihm nicht paßte. Selbst Bates, zu dem Indiana bisher noch das beste Verhältnis gehabt zu haben glaubte, schien ihm aus dem Weg zu gehen.
So verbrachte er den größten Teil des Tages im Laderaum, in dem Quinn und die Hunde untergebracht waren. Jeder von ihnen hatte schon von Browning einen Satz der Fotografien erhalten, die er ihnen am Morgen gezeigt hatte, sowie eine Kopie der wenigen schriftlichen Aufzeichnungen, die es über Mortons Abenteuer auf Odinsland gab. Und natürlich hatte es sich auch Indiana Jones nicht nehmen lassen, die wenigen Dinge, die Morton von dort mitgebracht hatte, selbst in Augenschein zu nehmen. Aber obwohl sie unzweifelhaft echt und ebenso unzweifelhaft sehr alt waren, stellten sie im Grunde doch nichts Besonderes dar: ein Mantel, aus grobem Leder gefertigte Stiefel, ein rostiges Kettenhemd und ein germanisches Griffzungenschwert nebst einem fast einen halben Zentner schweren, wuchtigen Hörnerhelm. Die typische Kleidung eines hochgestellten Wikingers eben. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Indiana und die beiden Dänen untersuchten die Dinge, die Browning ihnen bereitwillig zeigte, sehr gründlich, und sie fachsimpelten fast eine Stunde darüber. Aber sie kamen alle drei zu dem Schluß, daß diese Funde zwar erstaunlich, keineswegs aber ein Beweis für Mortons Behauptungen waren. So wenig wie die Fotos. Erikson hatte im Laufe des Tages nicht mehr so vehement an der Echtheit der Bilder gezweifelt wie am frühen Morgen, aber er hatte Indiana auf eine ganze Reihe von Besonderheiten hingewiesen, die dieses Boot aufwies und die ganz eindeutig nicht mit dem übereinstimmten, was man bisher über Wikingerboote zu wissen glaubte.
Alles in allem hatte das Gespräch am Morgen außer einem ausgewachsenen Streit nichts gebracht; keine Aufklärung, sondern nur zahllose neue Fragen. Und nicht nur in Indiana Jones hatte es das Gefühl erzeugt, sich auf etwas eingelassen zu haben, das vielleicht ganz anders enden würde, als es jetzt aussah.
Er schlief schlecht in dieser Nacht, obwohl er erst lange nach Sonnenuntergang in seine Kabine gegangen war und sich vorher an der kleinen, aber gutbestückten Bar der Dragon gleich vier doppelte Whiskys genehmigt hatte, um seinen revoltierenden Magen gewissermaßen schon im voraus zu beruhigen. Dr. Rosenfeld hatte seine Bitte, ihm noch einige ihrer Wunderpillen zu geben, rundheraus abgelehnt. Und sie hatte auch jeden seiner Versuche, ein Gespräch mit ihr zu beginnen, bereits im Ansatz erstickt. Auch wenn sie sich am Morgen Mühe gegeben hatte, es sich nicht zu deutlich anmerken zu lassen, war sie doch sehr verärgert, jetzt, als sie das wirkliche Ziel ihrer Reise erfahren hatte.
Und Indiana verstand sie sogar: Er war zwar kein Psychologe, aber selbst ihm war klar, daß van Heslings Reaktionen, wenn er zurück zu Odinsland kam und vielleicht wirklich dieses Schiff dort sah, schlichtweg nicht vorauszusehen waren. Es war möglich, daß es der heilsame Schock sein konnte, den sein Geist brauchte, um das Gleichgewicht wiederzufinden. Genausogut möglich war aber auch, daß ihn die Erinnerung an das, was er in den Monaten auf dem Eis mitgemacht hatte, vollends zerbrechen würde.
So war es kein Wunder, daß Indiana — lange nach Mitternacht, aber noch sehr viel länger vor Sonnenaufgang — aus einem unruhigen, von Alpträumen geplagten Schlaf hochschreckte. Er war noch immer müde, und in seinem Magen war schon wieder ein ungutes Gefühl. Der Boden unter ihm wiegte sich sanft auf und ab. Das Wetter schien während der Nacht wieder schlechter geworden zu sein. Eine Zeitlang wälzte er sich unruhig auf seinem schmalen Lager, dann sah er ein, daß er doch nicht wieder würde einschlafen können, und stand auf.
Er verließ die Kabine. Es war sehr still an Bord des Schiffes. Ganz leise, und wie aus sehr, sehr weiter Entfernung, hörte er das Heulen des Windes, der an der Hülle des Luftschiffs zerrte, und selbst das beständige Dröhnen und Rumoren der Propellermotoren schien leiser geworden zu sein. Aber aus dem Aufenthaltsraum drang Licht, und als er sich der Tür näherte, hörte er gedämpfte Stimmen. Er betrat den Raum und erkannte Bates und Morton, die an einem kleinen Tisch neben einem der großen Fenster saßen und sich unterhielten. Morton drehte ihm den Rücken zu, aber Bates sah auf, runzelte für einen Moment überrascht die Stirn und winkte ihn dann mit einer Geste herbei.