Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Zwischen Mabel Rosenfelds Augen entstand eine steile, tief eingegrabene Falte.»Trotzdem?«
Indiana lächelte unsicher.»Ich dachte, Sie…«
«…können mich nicht leiden?«führte Dr. Rosenfeld den Satz zu Ende.
Indiana zuckte mit den Schultern und zog es vor, nicht zu antworten.
«Das ändert nichts daran, daß Sie krank sind«, betonte Doktor Rosenfeld.»Und ich bin Ärztin. Ich behandle Patienten nicht nach Sympathie oder Antipathie.«
«Das wollte ich damit auch nicht sagen«, beteuerte Indiana hastig.»Es ist nur…«Er brach verwirrt ab. Offensichtlich hatte sich der Sturm nicht nur auf seinen Magen ausgewirkt, sondern auch auf seinen Verstand. Er begann Unsinn zu reden.
Dr. Rosenfeld sah ihn eine ganze Weile schweigend und mit undeutbarem Gesichtsausdruck an, dann beugte sie sich hinab und nahm eine kleine schwarze Arzttasche vom Boden. Sie klappte sie auf, griff hinein und zog ein Glasfläschchen heraus, aus dem sie drei winzige weiße Tabletten auf ihre Handfläche schüttete.
«Ich lasse Ihnen etwas hier, falls die Beschwerden noch zunehmen sollten«, sagte sie.»Aber seien Sie vorsichtig damit. Es ist ein ziemlich starkes Beruhigungsmittel. Nehmen Sie immer nur eine, wenn überhaupt.«
Indiana nickte dankbar, nahm die drei Tabletten aus Dr. Rosenfelds Hand und schluckte eine gleich auf der Stelle hinunter, was die Neurologin zu einem abermaligen mißbilligenden Stirnrunzeln veranlaß-te. Aber sie enthielt sich jedes Kommentars, klappte ihre Tasche wieder zu und stand auf. Obwohl der Boden immer noch wild hin und her wankte und sich die ganze Kabine samt des Luftschiffs um Indiana Jones drehte, stand sie völlig ruhig da.»Kann ich Sie alleine lassen?«
Indiana nickte schwach. Dr. Rosenfeld zögerte noch einen Moment, wandte sich dann um und ging zur Tür, aber Indiana rief sie noch einmal zurück.
«Doktor Rosenfeld?«
Sie blieb stehen, drehte sich zu ihm herum und sah ihn fragend an.
«Das von heute morgen tut mir leid«, sagte Indiana.»Ich meine die Sache im Hilton.«
Dr. Rosenfeld lächelte. Und zum ersten Mal, seit Indiana sie kennengelernt hatte, kam ihm dieses Lächeln echt und weder geschauspielert noch schadenfroh vor.
«Schon gut«, sagte sie.»Ich glaube, ich habe auch etwas übertrieben reagiert. Ich würde einfach sagen, wir sind quitt. Einverstanden?«
Irgendwo über Kanada
27. März 1939
Der Sturm tobte die ganze Nacht. Es gelang Lestrade zwar, die Dragon aus dem Schlimmsten herauszuhalten, aber das Luftschiff — und somit auch seine Besatzung — wurde trotzdem stundenlang durchgeschüttelt, und Indiana verbrachte die schrecklichsten sieben oder acht Stunden seines Lebens. Entgegen Dr. Rosenfelds Rat nahm er auch die beiden übrigen Tabletten und fiel wenigstens für die letzten Stunden der Nacht in einen unruhigen, von Alpträumen und Übelkeitsanfällen gestörten Schlaf, aus dem er mit fieberheißer Stirn und hämmernden Kopfschmerzen erwachte. Genauer gesagt: wachgerüttelt wurde.
Es war Bates, der ihn weckte. Das gewohnte spöttische Glitzern war aus seinen Augen verschwunden, und der Ausdruck darin war jetzt ebenso besorgt wie vorher der in Dr. Rosenfelds Augen, als er auf Indiana herabblickte.
«Was ist denn?«nuschelte Indiana undeutlich und versuchte die Hand beiseite zu stoßen, die unbarmherzig weiter an seiner Schulter rüttelte.
«Also, erstens ist es neun Uhr morgens und damit schon längst Zeit aufzustehen«, antwortete Bates.»Und zweitens wartet Doktor Browning auf Sie.«
Indiana gab es endlich auf, sich gegen den Quälgeist wehren zu wollen, und stemmte sich mühsam von seinem Lager hoch.
«Fühlen Sie sich in der Lage dazu?«fragte Bates.
Indiana fühlte sich ganz und gar nicht in der Lage, weder dazu, noch zu irgend etwas anderem. Aber der Gedanke, vor Browning — und erst recht Lestrade! — zuzugeben, daß ihm nicht nur speiübel, sondern so schlecht wie niemals zuvor im Leben war, weckte seinen Trotz. Sehr vorsichtig, um das Schwindelgefühl in seinem Kopf nicht zu einer neuen Attacke zu reizen, richtete er sich ganz auf, tastete sich blind zu dem kleinen Waschbecken, das neben seinem Bett an der Wand angeschraubt war, und goß Wasser hinein.
Es half. Er hatte zwar das Gefühl, bei lebendigem Leib tiefgekühlt zu werden, als er sich das eiskalte Wasser ins Gesicht und in den Nacken schöpfte, aber sein Kopf klärte sich ein wenig. Und als er sich nach wenigen Augenblicken aufrichtete, da bemerkte er zum erstenmal, daß sich der Boden unter seinen Füßen nicht mehr bewegte. Das scheinbare Schwanken und Drehen des Schiffes kam aus seinem Kopf.
«Ist der Sturm vorüber?«fragte er.
Bates nickte.»Schon seit Stunden«, antwortete er. Seine Stimme nahm einen besorgten Klang an.»Sie sahen nicht gut aus, Doktor Jones.«
«Ich fühle mich auch nicht gut«, antwortete Indiana.
«Wenn Sie sich so fühlen, wie Sie aussehen, muß es Ihnen entsetzlich schlecht gehen«, sagte Bates trocken.
Indiana schenkte ihm einen bösen Blick, tastete blind nach dem Handtuch und griff dreimal daneben, bevor Bates ihm die Arbeit abnahm und ihm das Tuch reichte.
Aber das kalte Wasser schien Wunder gewirkt zu haben. Er fühlte sich zwar immer noch reichlich benommen — was wahrscheinlich eher an Dr. Rosenfelds Tabletten als an irgend etwas anderem lag —, aber sein Kopf klärte sich zusehends, während er hinter Bates die Kabine verließ und dem Flieger in den Aufenthaltsraum der Dragon folgte.
Er war nicht der einzige, den Browning zu sich zitiert hatte. Außer den beiden Dänen, Loben, von Ludolf und Morton waren auch Lestrade und zwei weitere, Indiana noch unbekannte Offiziere der Dragon anwesend.
Und alle blickten Indiana auf eine Art und Weise an, die ihm klarmachte, daß Bates Worte keineswegs übertrieben gewesen waren.
Indiana lächelte gequält, bewegte sich mit kleinen, unsicheren Schritten auf den Tisch zu, an dem Brownings ad hoc einberufene Beratung stattfand, und blieb vor einem der großen Fenster stehen, um hinauszublicken. Der Himmel hatte wieder diesen kräftigen strahlend blauen Farbton angenommen, und von den dunklen Gewitterwolken war nicht mehr die allergeringste Spur zu sehen. Unter ihnen, unendlich tief unter ihnen, wie es schien, erstreckte sich ein verwirrendes Muster aus Weiß und Grün und Braun, in dem hier und da das silberne Band eines Flusses glitzerte.
«Wo sind wir?«fragte Indiana.
«Über Kanada«, antwortete Browning. Seine Stimme klang ungeduldig. Er war der einzige, der noch nicht Platz genommen hatte, sondern am Kopfende des längen Tisches stand und offensichtlich voller Ungeduld darauf wartete, daß auch Indiana sich setzte.
«Und wenn Sie jetzt freundlicherweise die Güte hätten, Platz zu nehmen, Doktor Jones«, fuhr er fort,»dann könnten wir vielleicht endlich beginnen. Nachdem wir alle darauf gewartet haben, daß Sie ausgeschlafen haben«, fügte er spitz hinzu.
Jones schenkte ihm den wütendsten Blick, zu dem er im Moment fähig war — was nicht besonders viel sein konnte —, ging absichtlich langsam zum Tisch und setzte sich. Bates ließ sich auf den freien Stuhl neben ihm fallen, und auch Browning nahm endlich Platz.
Er räusperte sich übertrieben.»Da jetzt alle Teilnehmer unserer Expedition versammelt sind…«, begann er.
«Nicht alle«, unterbrach ihn Indiana. Browning sah auf. Er wirkte mehr als nur ein wenig verärgert, beherrschte sich aber noch.»Wie meinen Sie das?«fragte er.
Indiana blickte demonstrativ in die Runde, ehe er antwortete:»Professor van Hesling fehlt. Und Doktor Rosenfeld.«