Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
«Was haben Sie?«fragte Bates im Flüsterton.
Indiana hob hastig die Hand und winkte ab — was angesichts der Dunkelheit ziemlich sinnlos war —, aber Bates schien die Bewegung zu spüren, denn er verstummte.
Indiana lauschte angespannt. Im ersten Moment hörte er weiter nichts, aber dann glaubte er ein leises schleifendes Geräusch in der Dunkelheit links von sich wahrzunehmen. Vorsichtig drehte er den Kopf, schloß die Augen, zählte in Gedanken langsam bis zehn und hob die Lider dann wieder. Er sah jetzt wenigstens Umrisse.
In der Dunkelheit wirkte das Schiff noch größer und unheimlicher als bei Tageslicht. Eine riesige fliegende Halle, in der sich formlose Umrisse und Schatten aneinanderdrängten und deren Enden in beiden Richtungen nicht auszumachen waren. Dicht vor sich konnte er Bates’ geduckten Schatten erkennen, der, wie er, mitten in der Bewegung erstarrt war und offensichtlich ebenfalls lauschte — und dahinter einen Umriß, der ganz und gar nicht hierher gehörte.
«Vorsicht!«
Seine Warnung kam keine Sekunde zu früh. Der Schatten hinter Bates erwachte plötzlich zu lautloser, aber entsetzlich schneller Bewegung, und unmittelbar danach hörte Indiana einen dumpfen, klatschenden Schlag, gefolgt von Bates’ Stöhnen und einem zweiten, etwas lauteren Poltern, als der Marineflieger zu Boden stürzte.
Indiana stieß sich mit aller Kraft ab und sprang mit ausgebreiteten Armen auf den unsichtbaren Angreifer zu. Aber er hatte den Mann unterschätzt. Der andere schien seine Bewegung vorausgeahnt zu haben, denn er wich im letzten Moment zur Seite, streckte blitzschnell das Bein vor und versetzte Indiana einen wuchtigen Fausthieb in den Nacken, der ihn unmittelbar neben Bates zu Boden fallen ließ.
Sofort rappelte er sich wieder hoch, hob schützend den linken Arm vor das Gesicht und ballte die andere Hand zur Faust, während er sich wild nach dem Angreifer umsah. Aber der Mann verzichtete darauf, seinen momentanen Vorteil auszunutzen, sondern verschwand mit weit ausgreifenden Schritten in der Dunkelheit. Schon nach wenigen Augenblicken konnte Indiana ihn nicht mehr sehen, aber seine Schritte polterten hörbar auf dem schmalen Laufweg.
Jones fuhr herum, setzte dazu an, die Verfolgung aufzunehmen, und blieb dann mitten in der Bewegung stehen, um sich zu Bates hinab-zubeugen.»Sind Sie okay?«fragte er.
Bates stöhnte leise, stemmte sich auf Knie und Hände hoch und schüttelte den Kopf.»Der Kerl hat einen Faustschlag wie ein Ochse«, meinte er.»Aber es geht schon. Schnappen Sie sich den Kerl!«
Indiana zögerte, aber schließlich nickte er.»Rufen Sie die anderen!«sagte er. Dann fuhr er herum und stürmte hinter dem Mann her.
Indiana war dem Schatten dicht auf den Fersen, aber der andere mußte entweder über das Orientierungsvermögen einer Fledermaus verfügen oder sich schlicht und einfach besser hier auskennen, denn während Indiana unentwegt über irgendwelche jäh aus dem Dunkel auftauchenden Hindernisse stolperte, bewegte der andere sich mit fast tänzerischer Leichtigkeit. Sein Vorsprung wuchs. Indiana war noch nicht ganz klar, wohin er überhaupt wollte — das Luftschiff war zwar groß, aber selbst der größte Raum ist irgendwo zu Ende.
Und dann war der Mann plötzlich verschwunden.
Indiana stolperte noch ein paar Schritte weiter, ehe er überrascht stehenblieb und sich verwirrt umsah. Er hatte den Bug der Dragon fast erreicht. Vor ihm, kaum noch ein Dutzend Schritte entfernt, endete die Laufplanke an einem nur hüfthohen metallenen Geländer, und dahinter war nichts als das grazile Metallskelett des Luftschiffs und die silberne Hülle, die sich darüber spannte.
Aber das war doch unmöglich! Der Kerl konnte sich doch nicht in Luft aufgelöst haben.
«Jones! Über Ihnen!«
Indianas Kopf flog mit einem Ruck in den Nacken — und tatsächlich: Die Gestalt befand sich schon gut fünf, sechs Meter über ihm. Wie eine riesige, vierbeinige Spinne kletterte sie geschickt und beinahe lautlos an der dünnen Metalleiter hinauf, die in die oberen Bereiche der Dragon führte.
Sofort setzte Indiana zur Verfolgung an. Aber auch diesmal war der andere schneller. Indiana kletterte, so rasch er konnte, und mehr als einmal ahnte er die dünnen Sprossen in der Dunkelheit mehr, als er sie wirklich sah. Trotzdem entfernte sich der andere immer weiter von ihm, und Indiana hatte kaum die Hälfte der Leiter hinter sich gebracht, als die Gestalt über ihm verschwand. Augenblicke später hörte er hastige Schritte auf dem Metall eines zweiten, noch schmaleren Laufstegs, der sich über ihm entlangzog.
Ein eisiger Luftzug traf ihn, als er Augenblicke später schnaubend auf den Steg hinauskletterte. Er sah den Schatten jetzt etwa dreißig, wenn nicht vierzig Schritte vor sich, eine gebückte, massige Gestalt, die sich mit weit ausgreifenden Schritten von ihm entfernte. Aber obwohl er jetzt viel weiter weg war, konnte er ihn trotzdem deutlicher erkennen, denn seine Gestalt hob sich als scharf umrissener Schatten vor einem grauen Schimmer ab, der das Schiff plötzlich erfüllte.
Die Hülle! schoß es Indiana durch den Kopf. Jemand hatte ein Loch in die Hülle des Luftschiffs geschnitten!
«Stehenbleiben!«brüllte Indiana. Natürlich reagierte die Gestalt auch jetzt nicht darauf, aber immerhin wandte sie mitten im Lauf den Blick und sah kurz zu ihm her. Das Licht war zu schlecht, als daß er ihr Gesicht erkennen konnte, aber er sah zumindest, daß es niemand von der Besatzung war. Der Mann trug nicht die blaue Borduniform der Marine, sondern einen einfachen dunklen Anzug, den er sich offensichtlich aus einem einzigen Grund angezogen hatte: um sich in der hier oben herrschenden Dunkelheit verbergen zu können. Und Indiana sah noch etwas: In seiner rechten Hand blitzte es kurz und silbern auf — ein Messer!
«Bleiben Sie stehen, verdammt noch mal!«rief Indiana.»Sie haben ja doch keine Chance!«
Der andere schien da etwas anderer Meinung zu sein. Statt aufzugeben, beschleunigte er seine Schritte noch mehr und näherte sich rasch dem großen, ausgefransten Loch, das in der Seitenwand der Dragon klaffte.
Der eisige Wind peitschte Indiana heftiger ins Gesicht. Mit ihm trieben Regenschleier ins Innere des Luftschiffs, die das glatte Metall unter seinen Füßen noch schlüpfriger und unsicherer machten. Er hatte Mühe, sich überhaupt noch auf den Füßen zu halten, während der andere mit schon beinahe unverschämter Sicherheit vor ihm herraste.
Er sah die Falle, einen Sekundenbruchteil, bevor er wirklich hineinlaufen konnte.
Der Mann war nämlich nicht allein. Er blieb plötzlich stehen und drehte sich um, und im gleichen Moment sah Indiana einen zweiten gedrungenen Schatten, der hinter ihm wie aus dem Nichts auftauchte. Und noch eine dritte dunkle Gestalt, die sich auf dem Boden zwischen den beiden krümmte. Ein leises Stöhnen drang an sein Ohr.
Indiana blieb ebenfalls stehen, löste seine Peitsche vom Gürtel und warf sich instinktiv zur Seite, als einer der Schatten eine Bewegung machte und er das flüchtige Blitzen von Metall wahrnahm.
Das Messer verfehlte ihn um Haaresbreite und prallte irgendwo weit hinter ihm klappernd gegen den Steg. Aber die plötzliche Bewegung hatte Indiana aus dem Gleichgewicht gebracht. Hart und schmerzhaft prallte er mit der Hüfte gegen das Eisengeländer des Stegs, spürte, wie er das Gleichgewicht zu verlieren drohte, und streckte instinktiv die Arme aus, als er nach hinten kippte. Seine Hände klammerten sich mit verzweifelter Kraft um das dünne Metallrohr.
Er sah, wie eine der schattenhaften Gestalten sich auf ihn zuzubewegen begann, versuchte sich in die Höhe zu ziehen und verlor dabei fast vollends den Halt.
Seine baumelnden Füße streiften etwas Weiches, Nachgiebiges. Indiana sah nach unten und erkannte, daß er genau über einer der riesigen Gaskammern des Luftschiffs hing. Sie hatte die Form eines prall aufgeblasenen, gut fünfzehn Meter durchmessenden Luftballons, und selbst wenn ihre Oberfläche stabil genug gewesen wäre, sein Gewicht zu tragen — woran er zweifelte —, gab es nichts, woran er sich festhalten konnte. Wenn er den Halt am Geländer verlor, dann würde er unweigerlich von diesem riesigen Luftballon abrutschen und sich fünfzehn Meter tiefer den Hals brechen.