Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Browning legte die Stirn in Falten, preßte die Lippen zu einem dünnen, ärgerlichen Strich zusammen und atmete hörbar ein.»Ich glaube kaum, daß wir die Gesellschaft eines Verrückten und seines Kindermädchens brauchen.«
«Da bin ich anderer Meinung«, widersprach Indiana. Für einen Moment tauchte das Gesicht Mabel Rosenfelds vor seinem inneren Auge auf, wie er es gestern abend gesehen hatte, besorgt und mit einem flüchtigen, aber echten Lächeln. Eigentlich hatte er van Hes-ling nur erwähnt, um Browning zu ärgern, aber mit einem Mal hatte er das Gefühl, es Dr. Rosenfeld schuldig zu sein, wenn er auf ihrer Teilnahme an diesem Gespräch bestand.»Immerhin haben Sie selbst oft genug betont, wie wichtig es ist, daß van Hesling uns begleitet«, fügte er hinzu.
Browning starrte ihn finster an, aber in diesem Moment erhielt Indiana Hilfe von unerwarteter Seite.»Ich finde, Doktor Jones hat durchaus recht«, sagte Morton.
In Brownings Augen blitzte es ärgerlich auf.»Wieso?«schnappte er.
«Nun, was van Hesling angeht, dürfte die Antwort auf der Hand liegen«, antwortete Morton.»Ich weiß selbst am besten, daß er nicht ganz zurechnungsfähig ist. Aber so wenig er uns auch sagen kann: Er ist der einzige, der uns überhaupt etwas sagen kann. Und Doktor Rosenfeld…«Er zuckte mit den Schultern und legte eine Kunstpause ein.»Sie wird kaum damit einverstanden sein, daß wir ihren Patienten verhören, ohne daß sie dabei ist.«
«Was für ein Unsinn«, sagte Browning.
Von Ludolf räusperte sich hörbar. Alle Aufmerksamkeit richtete sich auf ihn.
«Ja?«fragte Browning.
«Wenn ich Doktor Jones und Herrn Morton recht verstanden habe«, begann der deutsche Major umständlich,»dann schlagen Sie vor, daß diese jü… diese Ärztin als aktives Mitglied an unserer Expedition teilnimmt.«
Indiana blickte ihn mit kaum verhohlener Wut an. Weder ihm noch einem der anderen Anwesenden war entgangen, was von Ludolf eigentlich hatte sagen wollen.
«Und?«fragte er lauernd.»Was spricht dagegen?«
Von Ludolf starrte ihn fast empört an.»Eine ganze Menge!«antwortete er.»Zum Beispiel der Umstand, daß sie — «
«Einen jüdischen Namen trägt?«fiel ihm Morton ins Wort.
Von Ludolf funkelte ihn böse über den Tisch hinweg an, antwortete aber nicht, und auch in Brownings Blick schien irgend etwas zu Eis zu erstarren. Aber es dauerte noch einen Moment, bis Indiana begriff, daß sie diesmal ausnahmsweise auf der selben Seite standen, denn ganz plötzlich und völlig unerwartet sagte Browning:»Ich glaube, Doktor Jones hat doch recht. Wir werden Professor van Hesling brauchen. Und damit auch Doktor Rosenfeld. Ob es uns nun gefällt oder nicht.«
«Wenn Sie das tun«, sagte von Ludolf eisig,»dann weigere ich mich, weiterhin an dieser Expedition teilzunehmen.«
Browning zuckte nur mit den Achseln.»Das liegt völlig in Ihrem Ermessen, Herr Major. Wir sind zwar knapp in der Zeit, aber ich bin sicher, daß Colonel Lestrade einen kleinen Umweg in Kauf nimmt, um Sie in Anchorage abzusetzen. Von dort aus bekommen Sie jederzeit ein Flugzeug, das Sie zurück nach New York bringt.«
Von Ludolf starrte ihn an, ballte abermals in stummer Wut die Fäuste und sagte gar nichts mehr.
Für lange Augenblicke kehrte vollkommene Stille ein. Schließlich wandte Browning sich an Bates und machte eine auffordernde Geste.»Bitte, seien Sie so freundlich und holen Sie Professor van Hesling und Doktor Rosenfeld. Ich werde solange warten.«
Bates stand wortlos auf und ging, und wieder breitete sich dieses unangenehme, fast aggressive Schweigen aus. Browning und von Ludolf lieferten sich stille Blickduelle, während die beiden Dänen wieder einmal eher amüsiert zu sein schienen. Colonel Lestrades Gesichtsausdruck blieb undurchschaubar.
Es vergingen nur wenige Minuten, bis Bates in Begleitung des deutschen Wissenschaftlers und Doktor Rosenfelds zurückkam. Die Neurologin machte einen verstörten, gleichzeitig aber durchaus kampflustigen Eindruck: Wie am Tag zuvor führte sie van Hesling wie ein zu groß geratenes Kind an der Hand neben sich her, und wie gestern ließ sich der schwachsinnige Riese von ihr gehorsam führen. Doktor Rosenfeld bugsierte ihn auf einen freien Stuhl, setzte sich neben ihn und wandte sich mit einem fragenden Blick an Browning.
«Nun«, begann der Regierungsbeauftragte von neuem.»Jetzt, da wir endlich alle hier sind, kann ich ja vielleicht anfangen. In groben Zügen wurden Sie ja alle bereits über den Sinn dieses Fluges informiert.«
«Ich nicht«, sagte Dr. Rosenfeld.
Browning ignorierte sie, beugte sich vor und öffnete eine schmale Aktenmappe, die vor ihm auf dem Tisch lag. Er entnahm ihr einige engbeschriebene Schriftstücke sowie eine Anzahl großformatiger Schwarzweiß-Fotos, die er aber ganz bewußt so hielt, daß keiner der Anwesenden erkennen konnte, was darauf zu sehen war.
«Wie Ihnen Kapitän Morton bereits erzählt hat«, begann er,»ist er mit seinem Schiff auf seiner letzten Fahrt in der Nähe Grönlands auf einen schwimmenden Eisberg gestoßen. Wir haben diesen Eisberg Odinsland getauft. Und das nicht ohne Grund. «Er legte eine kleine, genau bemessene Pause ein und deckte dann eines der Fotos auf.
Nicht nur Indiana beugte sich neugierig vor. Das Bild war offensichtlich eine Amateuraufnahme: nicht besonders scharf und mit einer falschen Belichtungszeit aufgenommen, so daß die Umrisse der Eisinsel leicht verschwommen erschienen. Und trotzdem war das, was es zeigte, beeindruckend. Das Foto war offensichtlich von Bord eines Schiffes aufgenommen worden, denn am unteren Rand war ein Stück der Reling zu erkennen. Das Meer war mit Eisschollen bedeckt, und die gesamte hintere Hälfte der Fotografie wurde von einem wahrhaft riesigen treibenden Eisberg eingenommen: Odinsland.
«Mein Gott!«flüsterte Bates.»Das Ding ist ja gigantisch.«
«An die drei Meilen im Durchmesser«, sagte Morton.»Und fast eine viertel Meile hoch. Jedenfalls war er das, als wir ihn das letzte Mal gesehen haben.«
«Was soll das heißen«, fragte Indiana,»war?«
Browning warf Morton einen raschen, aber eindeutig warnenden Blick zu und antwortete an seiner Stelle:»Wenn der Berg seinen damaligen Kurs beibehalten hat, dann dürfte er mittlerweile weit genug nach Süden abgetrieben sein, um zu schmelzen.«
«Quatsch!«
Alle Blicke wandten sich Erikson zu. Soweit Indiana sich erinnern konnte, war es das erste Mal, daß er den Dänen überhaupt reden hörte.
«Eisberge schmelzen nicht einfach so«, fuhr Erikson fort.»Auch nicht, wenn sie weiter nach Süden abgetrieben werden. Bis ein solcher Koloß schmilzt«, er deutete mit dem Zeigefinger auf den gigantischen Eisberg auf dem Foto,»dauert es Monate, wenn nicht Jahre. Haben Sie eine Ahnung, wieviel Eis in einem solchen Berg steckt?«
Mortons Lächeln wirkte plötzlich ein wenig gequält.»Das habe ich«, sagte er.»Jedenfalls normalerweise.«
Erikson blickte verwirrt zu ihm auf, und Browning hob die Hand zu einer begütigenden Geste.»Vielleicht ist es am einfachsten«, sagte er,»wenn Sie Kapitän Morton und mich erst einmal berichten lassen und wir hinterher diskutieren.«
Erikson widersprach nicht mehr, aber sein Gesichtsausdruck machte deutlich, was er von Brownings Worten hielt: nämlich nichts.
«Ich muß ein wenig weiter ausholen«, begann Browning.»Wie bereits gesagt, schickte die deutsche Wehrmacht vor ziemlich genau neun Monaten ein Forschungsschiff in die arktischen Gewässer, um die Strömungs- und Wetterverhältnisse dort zu untersuchen. Vor siebeneinhalb Monaten nun verschwand dieses Schiff, und zwar spurlos und ohne daß auch nur ein einziger Notruf aufgefangen wurde. Das Schicksal dieser Expedition ist bis heute nicht geklärt. Aber das Schiff, oder zumindest ein Rettungsboot, muß den Kurs von Odinsland gekreuzt haben. Auch wenn das«- er warf einen raschen, warnenden Blick auf die beiden Deutschen, den von Ludolf eisig erwiderte —»eigentlich nicht möglich ist, wenn man den Kurs bedenkt, den der Eisberg genommen haben muß. Und den, den das Forschungsschiff gefahren ist.«