Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
«Aber das ist völlig unmöglich!«rief Baldurson. Er deutete mit einer fast wütenden Geste auf das Foto.»Entweder dieses Foto ist schlicht und einfach gefälscht, oder jemand hat sich einen schlechten Scherz erlaubt.«
«Das wäre der aufwendigste schlechte Scherz, von dem ich je gehört hätte«, sagte Bates.
Baldurson warf ihm einen schrägen Blick zu und fuhr mit einem überzeugten Nicken fort:»Das mag sein. Aber ich kann Ihnen auf Anhieb ein halbes Dutzend Details an diesem Boot zeigen, die nicht stimmen. Das Ding sieht vielleicht auf den ersten Blick wie ein Wikingerschiff aus, aber es ist keins.«
«Auch das ist uns klar«, sagte Browning. Er lächelte beinahe entschuldigend in Baldursons Richtung.»Auch wir haben Spezialisten, wissen Sie? Aber echt oder nicht — dieses Schiff ist da. Und wenn auch nur die allergeringste Chance besteht, daß es sich um ein echtes Wikingerboot aus der Zeit um fünfhundert oder auch tausend nach Christus handelt, dann ist dies hier der bedeutendste Fund seit der Wiederentdeckung Trojas.«
Und genau das war es nicht. Indiana spürte es. Erikson und Baldur-son mußten es wissen, und auch die anderen blickten Browning eher mißtrauisch denn verwirrt an. Indiana bezweifelte in diesem Moment nicht einmal die Echtheit dieses Schiffs; aber er spürte ebenso deutlich wie die anderen, daß da noch mehr sein mußte. Ein echtes Wikingerschiff wäre natürlich eine archäologische Sensation. Sogar eine ganz gewaltige Sensation. Aber all das hätte nicht diesen Aufwand gerechtfertigt. Und da war noch etwas, von dem nur er und Browning wußten: Alle Wikingerschiffe der Welt zusammen wären wohl kaum Grund genug für den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewesen, seine besten Leute, ein bisher streng geheimgehaltenes Versuchsschiff der US-Navy und Doktor Browning, seinen Mann für ganz besondere Fälle, auf eine Reise um die halbe Welt zu schicken. Von Indiana Jones und den anderen einmal ganz abgesehen.
«Ich glaube das nicht«, beharrte Erikson.»Irgend etwas stimmt an dieser Sache nicht.«
«Und um genau das herauszufinden, sind wir hier«, sagte Browning.
«Und wozu dann all die Geheimniskrämerei?«erkundigte sich Bal-durson.
Browning zuckte nur ganz leicht zusammen, aber das änderte nichts daran, daß Indiana Jones es registrierte.»Nun«, begann er langsam.»Sie können sich vielleicht vorstellen, welches Aufsehen eine solche Entdeckung in der Fachwelt hervorrufen wird. Und leider nicht nur in der Fachwelt. Ich muß Ihnen nicht sagen, was geschehen wäre, hätten wir Kapitän Mortons Entdeckung vorschnell publik gemacht. Nicht nur sämtliche Wissenschaftler der Welt, sondern auch alle Abenteurer, Schatzsucher und Verrückten hätten sich einen Wettlauf nach Grönland geliefert. Und ganz davon abgesehen, daß der Schaden, wenn dieses Schiff von einem unqualifizierten Team gefunden und etwa aus dem Eis herausgebrochen würde, nicht abzusehen wäre, sind die Gewässer dort gefährlich, selbst für so erfahrene Seeleute wie Kapitän Morton oder den Kapitän des Forschungsschiffes, auf dem Professor van Hesling war. Möchten Sie die Verantwortung für Dutzende, wenn nicht Hunderte von Menschenleben übernehmen, die dabei aufs Spiel gesetzt würden?«
Erikson antwortete nicht, aber nun griff von Ludolf nach dem Foto und drehte es nachdenklich in den Händen. Schließlich blickte er zu Morton auf.»Ich will einmal ganz dahingestellt lassen, mein lieber Kapitän«, sagte er,»ob dieses Bild echt, gefälscht oder einfach ein übler Scherz ist, dem Sie aufgesessen sind. Aber ich nehme doch an, daß Sie diesen Eisberg hinterher gründlich untersucht haben.«
Morton schwieg. Aber auf seinem Gesicht erschien plötzlich ein betroffener Ausdruck.
«Das ist doch so?«vergewisserte sich von Ludolf.
Morton druckste eine Weile herum, dann schüttelte er den Kopf.»Nein«, gestand er.»Dazu war keine Gelegenheit mehr.«
Von Ludolf legte das Foto aus der Hand und starrte den Kapitän an.»Wie bitte?«
«Wir haben Professor van Hesling an Bord der POSEIDON genommen und sind sofort wieder auf Westkurs gegangen«, sagte Mor-ton.
«Ohne nach weiteren Überlebenden zu suchen?«fragte von Ludolf empört.
«Das war nicht möglich«, sagte Browning an Mortons Stelle.
Von Ludolf wandte mit einem Ruck den Kopf und starrte ihn eisig an.»Was soll das heißen?«
«Sie müssen die Situation verstehen, in der wir waren«, sagte Mor-ton.»Professor van Hesling hat nicht nur meinen Ersten Offizier, sondern auch ein weiteres Besatzungsmitglied getötet. Außerdem zog ein Sturm auf. Ich konnte es nicht riskieren, das Schiff länger in der Nähe dieses Eisbergs zu lassen.«
«Und Sie haben eventuelle Überlebende einfach ihrem Schicksal überlassen?«empörte sich von Ludolf.
«Mir blieb keine Wahl!«verteidigte sich Morton.»Ich hatte die Verantwortung für mein Schiff und meine Besatzung.«
«Das ist… unglaublich!«sagte von Ludolf. Zornig deutete er auf das zweite Foto, das das Zelt und die zertrümmerte Punkanlage zeigte.»Van Hesling war mit Sicherheit nicht allein auf diesem Berg. Sie haben die Männer einfach ihrem Schicksal überlassen!«
«Bitte!«meinte Browning beschwörend.»Ich gebe Ihnen mein Wort, Herr Major, daß wir auch diesen Aspekt gründlich geprüft haben. So wie die Dinge lagen, hatte Kapitän Morton keine andere Wahl, als sein Schiff aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Gäbe es daran irgendeinen Zweifel, dann wäre er jetzt nicht hier, sondern müßte sich vor einem Seegericht verantworten.«
«Humbug!«widersprach von Ludolf.»Der Mann war schlicht und einfach feige!«
«Das reicht!«mischte sich Lestrade ein. Er hatte nicht einmal besonders laut gesprochen, aber seine Stimme war so schneidend, daß selbst von Ludolf für einen Moment verstummte und ihn nur verwirrt und ein wenig verunsichert ansah. Dann schürzte er kampflustig die Lippen und beugte sich vor, aber auch diesmal kam ihm Lestrade zuvor:
«Kapitän Morton ist Mitglied der US-Navy, Herr Major«, sagte er kalt.»Ich lasse nicht zu, daß einer unserer Offiziere in meiner Gegenwart beleidigt wird.«
«Offizier! Der Mann ist kein Offizier. Er ist schlichtweg verrückt. Oder ein Betrüger!«
Lestrade setzte zu einer zornigen Antwort an, aber wieder unterbrach ihn Browning, der offenbar endlich begriff, daß die ganze Situation ihm aus den Händen zu gleiten drohte.»Bitte, meine Herren«, rief er.»Ich beschwöre Sie! Ich verstehe ja, daß Sie alle von dem, was ich Ihnen gerade berichtet habe, auf die eine oder andere Weise überrascht wurden. Aber ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß wir Ihnen nichts verheimlicht und auch nichts hinzugefügt haben.«
«Überdies«, fügte Morton hinzu,»werden Sie alle in wenigen Tagen Gelegenheit haben, das Schiff mit eigenen Augen zu sehen.«
Von Ludolf sagte nichts mehr, aber die Blicke, mit denen er Morton maß, sprachen Bände. Die beiden Dänen steckten weiter die Köpfe zusammen und unterhielten sich leise und offensichtlich sehr erregt in ihrer Muttersprache, während sie immer wieder auf die Fotos von Odinsland und dem darin eingeschlossenen Wikingerschiff deuteten.
Schließlich war es Indiana Jones, der das immer unangenehmer werdende Schweigen brach:»Vielleicht können Sie uns ja weiterhelfen, Professor«, sagte er, an van Hesling gewandt. Er sah den deutschen Wissenschaftler dabei zwar an, aber die Frage galt eher Dr. Rosenfeld, und sie war es auch, die antwortete.
«Ich glaube nicht, daß das eine gute Idee ist«, sagte sie.»Ebensowenig wie ich es für eine gute Idee halte, Professor van Hesling zurück auf diesen Eisberg zu bringen. «Sie schenkte Browning einen vorwurfsvollen Blick.»Sie hätten mir sagen müssen, wohin diese Reise geht, Doktor Browning.«
«Ich habe Sie nicht gerade aufgefordert, uns zu begleiten«, erinnerte Browning unfreundlich.
«Das stimmt«, erwiderte Doktor Rosenfeld.»Und wenn Sie es getan hätten, dann hätte ich es abgelehnt. Was, glauben Sie, passiert, wenn Professor van Hesling zurück an den Ort gebracht wird, der seine Krankheit verursacht hat?«