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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Wenn Sie noch auf die Abendsuppe gerechnet haben, kommen Sie zu spät«, sagte mit verhaltenem Lachen eine Stimme hinter dem Feuer.

Dolochow erwiderte, sie seien satt und müßten noch in der Nacht weiterreiten.

Er gab die Pferde dem Soldaten, der im Kessel umgerührt hatte, und kauerte am Wachtfeuer neben dem Offizier mit dem langen Hals nieder. Dieser verwandte kein Auge von Dolochow und fragte ihn noch einmal, von welchem Regiment er sei. Dolochow gab keine Antwort, als habe er die Frage gar nicht gehört, zog eine kurze französische Pfeife aus der Tasche, fing an zu rauchen und fragte die Offiziere, ob der Weg vor ihnen vor Kosaken sicher sei.

»Dieses Raubgesindel ist überall«, erwiderte einer der Offiziere hinter dem Wachtfeuer.

Dolochow entgegnete, die Kosaken seien nur für solche Zurückgebliebene wie er und sein Kamerad zu fürchten. Größere Abteilungen würden sie wohl nicht anzugreifen wagen, fügte er fragend hinzu. Niemand gab eine Antwort.

Na, jetzt wird er doch wieder gehen, dachte Petja jeden Augenblick, während er am Wachtfeuer stand und der Unterhaltung zuhörte.

Aber Dolochow fing das abgebrochene Gespräch wieder an und fragte geradeheraus, wieviel Mann sie noch beim Bataillon hätten, wieviel Bataillone es seien, und ob sie viele Gefangene mit sich führten. Als er nach den Gefangenen, die bei ihnen waren, gefragt hatte, fügte er hinzu: »Eine widerliche Sache, diese Leichen hinter sich her zu schleppen. Man sollte doch diese Canaillen einfach erschießen.« Und er brach in ein lautes, so eigentümliches Gelächter aus, daß Petja, der glaubte, die Franzosen müßten sofort den Betrug merken, unwillkürlich einen Schritt vom Feuer zurücktrat.

Niemand gab auf Dolochows Worte und Lachen eine Antwort, und ein französischer Offizier, der vorher nicht sichtbar gewesen war – er hatte, in seinen Mantel gehüllt, auf der Erde gelegen –, erhob sich und flüsterte einem Kameraden etwas zu. Dolochow stand auf und rief den Soldaten mit den Pferden.

Wird man uns die Pferde geben oder nicht? dachte Petja und trat unwillkürlich näher an Dolochow heran.

Die Pferde wurden gebracht.

»Leben Sie wohl, meine Herren«, sagte Dolochow.

Petja wollte auch guten Abend sagen, konnte aber kein Wort hervorbringen. Die Offiziere flüsterten einander etwas zu. Dolochow brauchte längere Zeit, um sein Pferd zu besteigen, da es nicht stillstehen wollte, dann ritt er im Schritt aus dem Tor. Petja ritt neben ihm und hätte sich gern einmal umgeschaut, um zu sehen, ob die Franzosen hinter ihnen herkamen oder nicht, aber er wagte es nicht.

Als sie auf die Straße hinauskamen, ritt Dolochow nicht nach dem Feld zurück, sondern weiter im Dorf entlang. An einer Stelle hielt er an und lauschte.

»Hörst du?« sagte er.

Petja vernahm den Klang russischer Stimmen und sah bei den Feuern die schwarzen Gestalten der russischen Gefangenen. Die beiden Reiter begaben sich zur Brücke hinunter, wieder an dem Posten vorbei, der, ohne ein Wort zu sagen, finster dort auf und ab ging, und erreichten dann das Tal, wo die Kosaken warteten.

»So, nun lebe wohl! Sage Denissow: ›Beim Morgengrauen auf den ersten Schuß‹«, sagte Dolochow und wollte weiterreiten, aber Petja faßte seine Hand.

»Nein!« rief er. »Sie sind ein solcher Held! Ach wie schön, wie herrlich war das! Wie ich Sie liebe!«

»Schon gut, schon gut«, entgegnete Dolochow.

Aber Petja ließ seine Hand nicht los, und Dolochow sah in der Dunkelheit, daß er sich zu ihm hinneigte. Er wollte ihn küssen. Dolochow küßte ihn, lachte, wandte sein Pferd und verschwand in der Finsternis.

10

Petja kehrte zum Wächterhäuschen zurück und fand Denissow im Flur. Er hatte in Aufregung und Unruhe auf Petja gewartet und bereut, daß er ihn fortgelassen hatte.

»Gott sei Dank!« rief er aus. »Na, Gott sei Dank!« sagte er dann noch einmal, nachdem er Petjas begeisterten Bericht angehört hatte. »Hol dich der Teufel, deinetwegen habe ich kein Auge zutun können!« brummte er. »Na, aber Gott sei Dank, jetzt kann ich mich ruhig hinlegen. Bis zum Morgen können wir noch einmal herumschlafen.«

»Ja … nein«, erwiderte Petja. »Ich möchte noch nicht schlafen. Denn ich kenne mich: wenn ich jetzt einschlafe, ist alles aus. Und dann bin ich auch gewohnt, vor einer Schlacht niemals zu schlafen.«

Petja saß noch eine Zeitlang in der Hütte, rief sich in glückseliger Erinnerung alle Einzelheiten seines Rittes ins Gedächtnis zurück und malte sich lebhaft aus, was morgen alles kommen werde. Als er aber dann merkte, daß Denissow eingeschlafen war, stand er auf und ging auf den Hof.

Draußen war es noch ganz dunkel. Es regnete nicht mehr, nur von den Bäumen fielen noch einige Tropfen. In nächster Nähe des Wächterhäuschens sah man die schwarzen Umrisse der von den Kosaken gebauten Reisighütten und ihrer zusammengekoppelten Pferde. Hinter dem Häuschen standen wie eine schwarze Masse die beiden Fuhrwerke, neben ihnen ebenfalls Pferde, und von der Schlucht her schimmerte rot das verglimmende Feuer. Nicht alle Kosaken und Husaren schliefen: hier und da hörte man zwischen dem Aufklatschen der fallenden Tropfen und dem Geräusch der fressenden Pferde flüsternde Stimmen.

Petja trat aus dem Flur, sah sich in der Dunkelheit um und ging auf die Fuhren zu. Unter den Wagen schnarchte jemand, und um sie herum standen die gesattelten Pferde, ihren Hafer kauend. Trotz der Dunkelheit erkannte Petja sein Pferd, das er Karabach genannt hatte, obwohl es ein kleinrussisches Tier war[225]. Er ging zu ihm hin.

»Na, Karabach, morgen wollen wir beide brav unsere Pflicht tun«, sagte er, näherte sein Gesicht den Nüstern des Tieres und küßte es.

»Schlafen denn der Herr nicht?« fragte ein Kosak, der unter dem Wagen saß.

»Nein. Bist du nicht Lidiatschow? Ich bin ja eben erst zurückgekommen. Wir waren bei den Franzosen.«

Und ausführlich erzählte Petja dem Kosaken nicht nur von seinem Ritt, sondern auch, warum er hingeritten sei und warum er es für besser halte, sein eignes Leben aufs Spiel zu setzen, als so ins Blaue hinein anzugreifen.

»So, so, aber schlafen sollten Sie doch«, sagte der Kosak.

»Nein, ich bin es so gewöhnt«, erwiderte Petja. »Sind auch die Feuersteine an euren Pistolen noch ganz? Ich habe eine Menge bei mir. Braucht ihr welche? Du kannst dir welche nehmen.«

Der Kosak kroch unter dem Wagen vor, um sich Petja näher anzusehen.

»Weißt du, ich bin gewohnt, alles gewissenhaft zu tun«, sagte Petja, »Manche machen alles so, wie es gerade kommt, bedenken nichts im voraus, und dann bereuen sie es. Das kann ich nicht leiden.«

»Das ist richtig«, meinte der Kosak.

»Ach ja, und dann noch eins, mein Lieber, schleife mir doch bitte meinen Säbel, er ist so ab …« Petja scheute sich zu lügen, denn der Säbel war noch gar nicht geschliffen. »Kannst du das machen?«

»Warum nicht? Das geht schon.«

Lichatschow stand auf, suchte etwas in einem Bündel, und gleich darauf hörte Petja den kriegerischen Klang von Stahl und Wetzstein. Er kletterte auf das Fuhrwerk und setzte sich auf dessen Rand. Der Kosak unter dem Wagen schliff den Säbel.

»Hör mal, schlafen denn die Leute alle?« fragte Petja.

»Manche schlafen, manche auch nicht.«

»Und was macht der Junge?«

»Der Wessenni? Der hat sich in den Flur gelegt. Ist vor Angst eingeschlafen. Der war aber froh.«

Dann schwieg Petja lange still und lauschte dem Klang des Schleifens. Durch die Dunkelheit hörte er Schritte, und eine schwarze Gestalt tauchte auf.

»Was schleifst du denn da?« fragte ein Mann und trat an den Wagen.

»Ich schleife den Säbel für den jungen Herrn.«

»Ein nützliches Geschäft«, antwortete der Mann, den Petja für einen Husaren hielt. »Gibt’s hier noch einen Becher?«

»Ja, dort beim Rad.«

Der Husar nahm den Becher.

»Nun wird’s bald hell«, sagte er, gähnte und ging wieder weg.

Petja wußte nicht, daß er sich bei Denissows Freischar

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225

Karabach, obwohl es ein kleinrussisches Tier war: eine nach dem Khanat Karabagh in Transkaukasien genannte Pferderasse, Petjas Pferd aber stammte aus ukrainischer Zucht.

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