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Das Haus der verlorenen Herzen

Электронная книга - «Das Haus der verlorenen Herzen». Краткое содержание книги:

In Sonne, Wind und Wellen will der deutsche Herzchirurg Dr. Heinz Volkmar einen erholsamen Urlaub am Mittelmeer verbringen. Doch alles kommt anders: Von Sardinien nach Sizilien entführt, muß der Arzt erkennen, daß er einem jener berüchtigten Mafia-Bosse in die Hände gefallen ist, die dort ihr geheimes Schreckensregiment ausüben.
Mit den raffiniertesten Mitteln wird Dr. Volkmar die Flucht unmöglich gemacht; er verliert seine Identität und gilt zu Hause in München als tot. Denn Dr. Eugenio Soriano, sein immer höflicher Entführer, braucht seine Dienste. Doch welcher Art die sind, begreift Dr. Volkmar erst ganz allmählich…
In einen goldenen Käfig eingesperrt, leidenschaftlich in Sorianos Tochter, die schöne Loretta, verliebt, wehrt sich Dr. Volkmar mit allen Kräften dagegen, an einem abscheulichen Verbrechen mitschuldig zu werden. Denn Soriano, der in Palermo als Menschenfreund gilt, benötigt die ärztliche Kunst seines Gefangenen, um sich und die >Ehrenwerte Gesellschaft auf grauenvolle Weise zu bereichern.
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Ganz klar war der Obduktionsbefund: Tod durch Ertrinken. In seinen Lungen befand sich Wasser. Medizinisch gesehen gab es keine Rätsel mehr.

Angela Blüthgen war nicht zu überzeugen. Sie war nie eine gute Schwimmerin gewesen, auf keinen Fall war sie so versiert wie Dr. Volkmar, und sie hatte genau an der Stelle gebadet und war im Meer geschwommen, wo Dr. Volkmar ertrunken sein sollte. Es war fast unmöglich!

«Ein Schwächeanfall!«sagte der Staatsanwalt, der sich notgedrungen mit dem Fall befassen mußte.

«Nicht bei Dr. Volkmar!«sagte Angela stur.

«Jeder Mensch hat Schwächeanfälle! Auch ein so gesunder Mann wie der Dottore. Oder hatte er ein Herz aus Stahl?«

«Das bestimmt nicht.«, sagte Angela leise.»Nein!«

«Und auch keinen Kreislauf wie eine Kühlschlange. Vielleicht hat er Fisch gegessen, Calamaris, Muscheln, Garnelen, was weiß ich… und plötzlich wurde ihm schlecht. Gerade, als er im Meer schwamm.«

«Der Mageninhalt!«

«Signora, Sie wissen, daß der Körper. «Der Staatsanwalt suchte nach Worten, um auszudrücken, daß die Schiffsschraube den Leib so zerrissen hatte, daß man keine Eingeweide mehr gefunden hatte. Dr. Blüthgen nickte.

«Ich weiß.«

«Außerdem: wenn Dr. Volkmar ermordet wurde — sprechen wir es brutal aus, Signora —, haben wir zwar die Arbeit, den Mörder zu finden, aber er bleibt ja tot! Das kann man nun wirklich nicht mehr ändern! Die Art seines Todes sollte zweitrangig sein.«

«Für mich nicht. Ich will wissen, wer der Mörder ist!«

«Was haben Sie davon?«

«Ich weiß es nicht. «Sie saß auf dem harten Stuhl vor dem Schreibtisch des Staatsanwaltes und blickte ins Leere. Ja, was habe ich davon? Ich werde einen Mann oder mehrere Männer ansehen und wissen, daß sie Heinz getötet haben. Dann fahre ich wieder zurück nach München und muß damit fertig werden. Wie Millionen anderer Witwen. Denn ich fühle mich als seine Witwe, so absurd das ist nach dem >nur biologischen Verhältnis<, das wir miteinander hatten. Bleiben wird immer das Rätsel, das alle Hinterbliebenen mit sich herumtragen: Warum mußte das sein?! Es hat daraufnoch nie eine befriedigende Antwort gegeben. Als Ärztin hatte sie hundertemal auf diese Fragen antworten müssen, und wenn sie dann gesagt hatte:»Ihr Mann hatte Krebs!«oder:»Ihre Frau war nicht mehr zu retten. Die Urämie war nicht aufzuhalten.«, dann folgte immer wieder die Gegenfrage:»Warum gerade sie? In diesem Alter?! Sie war doch immer ein so fröhlicher Mensch.«

Das ewige Rätsel um Leben und Sterben. Die große Angst, die schon mit der Geburt beginnt.

Während man in Cagliari auf das Gebißfoto wartete, blieben die mit der Polizei befreundeten Reporter nicht untätig. Eine Agentur verbreitete die Meldung von der Auffindung der Leiche, eine italienische Illustrierte interviewte Dr. Blüthgen in ihrem Hotelzimmer. Der Journalist verfuhr dabei raffiniert, stellte sich als Angestellter des Überführungsunternehmens vor, brachte einen Rosenstrauß zur Tröstung mit und quetschte in einem Gespräch so viel aus Angela heraus, daß es für einen schönen runden Artikel reichte: Der Tod eines medizinischen Genies.

Vierundzwanzig Zeitungen und Journale übernahmen diesen Bericht, auch zwei deutsche Blätter. Das regte an, sich noch einmal näher mit Dr. Heinz Volkmar zu beschäftigen. Genies sterben nicht alle Tage. Und nur höchst selten ertrinken sie.

Professor Dr. Hatzport gab ein Interview, sehr verhalten, sehr väterlich, sehr fachkundig. Als ehemaliger Chef des Toten lobte er dessen Forschungen, beschrieb die Versuchsreihen der Transplantation, noch einmal wurde Volkmar als große Hoffnung gepriesen, die nun jäh vernichtet war. Man flocht ihm einen goldenen Lorbeerkranz, den er zu Lebzeiten nie bekommen hätte. Der medizinische Expertenstreit hätte das nie zugelassen, zumal gerade Professor Hatzport die Herztransplantation als modernen Schnickschnack abgetan hatte, als Modetorheit, als Spielerei mit Utopien.

Aber man sprach eine Zeitlang von Dr. Volkmar. Utopien sind ein gutes Thema.

Nach vier Tagen hatte man in Cagliari Klarheit. Das Gebißfoto war eingetroffen. Zwei Zahnärzte, unter Aufsicht des Staatsanwaltes, verglichen alles in dem schrecklich zugerichteten Kopf. Dann lötete man den Zinksarg endgültig zu. Der Beweis war da: Das Gebiß stimmte bis zur letzten Plombe, bis zum letzten Bohrloch überein mit dem Bericht aus München.

«Haben Sie noch Anträge, Signora?«fragte der Staatsanwalt nach diesem Protokoll. Angela schüttelte den Kopf.

«Nein. Es ist Dr. Volkmar. Können wir jetzt abreisen?«

«Es steht dem nichts mehr im Wege.«

«Wir fliegen zurück. Ich möchte so schnell wie möglich von Sardinien weg. Ich möchte Sardinien nie wiedersehen.«

Man verstand das, auch wenn es den Nationalstolz verdroß. Was kann Sardinien dafür, wenn jemand an seiner Küste ertrinkt?!

Mit einem Flugzeug der Alitalia kehrten Dr. Angela Blüthgen und im Frachtraum, in einer Ecke, auch das, was von Dr. Volkmar geblieben war, nach Deutschland zurück.

Es war eine ruhige Zeit, die Dr. Volkmar in der riesigen Villa bei den Ruinen von Solunto verlebte. Dr. Soriano ließ ihn in Frieden, bis auf die gesellschaftlichen Verpflichtungen, von denen er gesprochen hatte. Man stellte Volkmar als Dr. Ettore Monteleone vor, und Loretta sorgte durch ihr Verhalten dafür, daß man sich nicht gewundert hätte, bald von einer Verlobung zu hören.

Abgesehen von diesen recht theatralisch verlaufenden Abenden, hatte Volkmar viel Zeit. Soriano holte ihn nicht in die Klinik, auch Dr. Nardo meldete sich nicht. Meistens schwamm Volkmar in dem riesigen Pool, spielte mit Loretta oder dem schnaufenden Gallez-zo Tennis, besichtigte endlich auch die Löwen, die in einem Innenhof herumliefen, der arabischen Löwenhöfen nachgebildet war, und er dachte daran, daß der eine Jimmy und der andere Al Sacco gefressen hatte. Die beiden anderen Löwen trugen unverdächtige Namen: Kibu und Simbaze. Dr. Soriano erklärte, diese Namen kämen aus einem afrikanischen Dialekt, den er auch nicht kenne. Die Löwen hätten diese Namen mitgebracht.

Die Krokodile besuchte Volkmar nicht mehr. Die Menschenknochen am schlammigen Ufer des künstlichen Sees hatten ihm genügt. Dr. Soriano bot ihm auch nie mehr an, bei Fütterungen zuzusehen.

Sechs Tage nach jener Übertragung eines ganzen Herzens kam Dr. Soriano mit leuchtender Miene in Volkmars Gästehaus und legte ihm einen Packen Zeitungen auf den Frühstückstisch. Blätter aus aller Welt, von Los Angeles bis Hamburg. Sie alle enthielten Artikel über den >Tod eines medizinischen Genies<. Die deutschen Zeitungen und Illustrierten brachten auch das Interview mit Professor Hatzport.

Volkmar überflog einen Artikel, dann schob er die Zeitungen zur Seite. Sie fielen vom Tisch auf den Marmorboden.»Das ist Ihr Sieg, Don Eugenio!«sagte er hart.»Vollendet! Einfach perfekt! Damit gibt es mich nicht mehr. Es wird jetzt sehr kompliziert — falls mir je der Ausbruch gelingen sollte.«

«Wollen Sie Loretta zurücklassen, Enrico?«Dr. Soriano setzte sich Volkmar gegenüber an den Tisch. Worthlow holte noch ein Gedeck. Offensichtlich hatte Soriano die Absicht, mit Volkmar zu frühstücken. Loretta schwamm noch im großen Gartenpool; das tat sie immer, bevor sie zum >Petit dejeuner< ging. Mit langen, nassen, glänzenden Haaren saß sie dann am Tisch neben Volkmar, meistens in einem Bikini oder einem kurzen Frotteestrandkleidchen, das die betörenden Linien ihres Körpers nur partiell unterbrach. Ihr Körper war dazu geschaffen, entblößt von der Sonne vergoldet zu werden. Soriano duldete schweigend diese morgendlichen Zusammenkünfte; er wußte, daß die Leidenschaft zwischen Loretta und Dr. Volkmar sich bislang nur in Blicken und einem gelegentlichen Streicheln der Hände geäußert hatte. Aber wie lange würde es so bleiben?

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