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Das Haus der verlorenen Herzen

Электронная книга - «Das Haus der verlorenen Herzen». Краткое содержание книги:

In Sonne, Wind und Wellen will der deutsche Herzchirurg Dr. Heinz Volkmar einen erholsamen Urlaub am Mittelmeer verbringen. Doch alles kommt anders: Von Sardinien nach Sizilien entführt, muß der Arzt erkennen, daß er einem jener berüchtigten Mafia-Bosse in die Hände gefallen ist, die dort ihr geheimes Schreckensregiment ausüben.
Mit den raffiniertesten Mitteln wird Dr. Volkmar die Flucht unmöglich gemacht; er verliert seine Identität und gilt zu Hause in München als tot. Denn Dr. Eugenio Soriano, sein immer höflicher Entführer, braucht seine Dienste. Doch welcher Art die sind, begreift Dr. Volkmar erst ganz allmählich…
In einen goldenen Käfig eingesperrt, leidenschaftlich in Sorianos Tochter, die schöne Loretta, verliebt, wehrt sich Dr. Volkmar mit allen Kräften dagegen, an einem abscheulichen Verbrechen mitschuldig zu werden. Denn Soriano, der in Palermo als Menschenfreund gilt, benötigt die ärztliche Kunst seines Gefangenen, um sich und die >Ehrenwerte Gesellschaft auf grauenvolle Weise zu bereichern.
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«Sie sollten die Berichte nicht einfach wegwerfen, Dottore!«sagte er, während Worthlow mit der Eröffnung des Frühstücks begann, Soriano pflegte als erstes ein Glas frischer Milch zu sich zu nehmen.»Nicht nur Ihr einwandfreier Tod und die hundertprozentige Identifizierung Ihres Leichnams stehen darin, nicht nur Lobgesänge Ihrer Kollegen, die Sie vom Druck Ihrer Überlegenheit befreit haben und die nun herzzerbrechend weinen, aber im Inneren jubilieren — nein, da findet sich auch eine Menge Information, die mich geradezu begeistert. Und einiges, was mich nachdenklich macht.«

Er trank seine Milch und betrachtete wohlgefällig das Stück Weißbrot mit Ziegenkäse, das Worthlow servierte. Außerhalb seiner Feste lebte Dr. Soriano bescheidener als ein Reisbauer. Aber es gehört Snobismus dazu, eine halbe Tomate auf einem alten venezianischen Silberteller noch einmal durchzuschneiden und mit Salz und Pfeffer zu bestreuen.

«Wo soll ich anfangen?«fragte er.

«Überhaupt nicht. Ich möchte in Ruhe frühstücken!«antwortete Volkmar unhöflich.

«Da Ärzte keinen Ekel kennen und beim Anblick einer Eiterwunde Kekse essen können, vor allem die Chirurgen — gut, sprechen wir über die Klinik. Die Obduzierung von Melata hat ergeben, daß tatsächlich drei Nähte der großen Gefäße gerissen sind und er nach innen verblutet ist. Wie Sie voraussagten, Dr. Nardos Bericht liegt vor.«

«Er soll ihn auf den Lokus hängen!«sagte Volkmar grob.

«Sie haben mir etwas verschwiegen, Dottore, was dem ganzen Bild vielleicht ein anderes Aussehen gegeben hätte: Sie haben eine neue Gefäßnahtmaschine erfunden.«

«Nein!«

«Doch! Eine Maschine, die Gefäße nicht mehr näht, sondern zusammenklammert. So wie Büroklammern Papierbögen zusammenheften, laienhaft ausgedrückt.«

«Diese Erfindung kommt aus Rußland, aus der Klinik von Professor Demichow, nicht von mir.«

«Aber Sie haben sie verfeinert. Sie haben die Gefäßklammermaschine so fortentwickelt, daß man mit ihr die feinsten Nähte bombensicher machen kann.«

«Es gibt in der Chirurgie nie etwas Bombensicheres! Man kann an einem dummen Panaritium sterben.«

«Sie weichen aus, Enrico! Sie haben die Gefäßklammermaschine verfeinert. In vier deutschen Zeitungen steht es. Professor Hatzport hat es auch im Interview gesagt. «Dr. Soriano aß mit zierlichen Bewegungen die halbe Tomate. Ihn speisen zu sehen, war ein ästhetischer Genuß. Selbst wenn er nur in ein Stück Brot biß, wirkte das elegant.

«Wir werden diese Nahtmaschine bis zur Perfektion ausbauen, Dot-tore! Geld spielt keine Rolle, das wissen Sie! Mit dieser Nahtmaschine und Ihren Teflonprothesen muß es Ihnen doch gelingen, die Herztransplantation gleich vom Beginn an praktisch risikolos werden zu lassen. Ich weiß — die Immunschranke. Aber auch das bekommen Sie hin!«

«Nur ein Mann mit Ihrem Geld kann so optimistisch sein!«

Worthlow servierte Volkmar eine halbe, gezuckerte Grapefruit, angerichtet mit einem Schuß Portwein.

«Wäre Melata auch gestorben, wenn Sie Ihre Gefäßnahtmaschine hier gehabt hätten?«

«Ja.«

«Eine klare Antwort. «Soriano schielte nach dem Ziegenkäse. Sofort brachte Worthlow das Käsetablett.»Wollen Sie morgen einen Schimpansen operieren? Wir haben Teflon in allen Größen da!«

«Nein.«

«Gut. Dann wird sich Dr. Nardo damit beschäftigen. Kommen wir zum anderen Thema. «Dr. Soriano sah sich um. Loretta kam noch nicht. Er konnte sie jetzt auch nicht gebrauchen.

«Wer ist Dr. Angela Blüthgen?«

Volkmar ließ den Löffel, mit dem er die Grapefruit ausschabte, sinken. Fassungslos starrte er Soriano an.»Don Eugenio — «, sagte er dann mit belegter Stimme,»lassen Sie jetzt bloß Angela in Ruhe!«

«Sie interessiert mich nur privat. Als Vater einer Tochter, die Sie liebt. Wer ist Angela Blüthgen?«

«Eine Ärztin. Internistin. Wir kennen uns seit dem Studium.«

«Sie haben mit ihr geschlafen?«

«Das geht Sie nichts an!«

«Also ja! Sie haben! Lieben Sie Angela Blüthgen?«

«Ich wollte sie heiraten.«

«Und warum haben Sie's nicht getan?«

«Sie lehnte es ab! Sie ist stolz auf ihre Emanzipation.«

«Dann hat sie sich selbst geradezu irrsinnig belogen. Angela Blüth-gen liebt Sie, Enrico. Sie war auf Sardinien und hat Ihre sterblichen Überreste abgeholt. Sie hat der Polizei in Cabras und Cagliari gründlich eingeheizt. «Soriano zeigte auf den Zeitungspacken auf dem Marmorboden.»Wollen Sie nicht ihr Interview lesen? So, wie sie sich benommen hat, das, was sie gesagt hat… das kann nur eine Frau, die über den Tod hinaus liebt.«

«Das habe ich nie gewußt. Nicht einmal geahnt«, sagte Volkmar leise.»Don Eugenio, lassen Sie die Zeitungen vernichten. Ich möchte nichts darüber lesen.«

Worthlow servierte den heißen, starken Kaffee in kleinen Tassen, die innen vergoldet waren. Angela. Sie ist nach Sardinien geflogen, sie hat das, was sie für meine Leiche hält, zurück nach Deutschland geholt. Sie wird den fremden Körper begraben, Blumen auf den Erdhügel legen, vielleicht ab und zu auf den Friedhof gehen und die Blumen erneuern; sie wird einige Erinnerungen haben an die Wochenend-Nächte und meine Worte hören:»Warum heiraten wir nicht? Mein Gott, wir lieben uns doch!«

«Wir vereinigen uns sporadisch!«hatte sie dann geantwortet.»Das ist etwas anderes!«

Das war nun alles gelogen, wie sich zeigte. Sie hatte geliebt mit allem, was in einer Frau zur Liebe fähig ist. Aber sie hatte es nicht gestehen wollen und war in die Lüge geflüchtet. Und belogen wurde sie jetzt, im letzten Akt dieser verworrenen Liebe, auch noch: Sie beweinte und holte einen Toten heim, der nicht Dr. Volkmar war. Sie begrub einen Mann, dessen Name vielleicht nur Don Eugenio kannte, oder selbst er nicht, weil er sich mit solchen Kleinigkeiten nicht abgab.

Dr. Soriano hatte seinen weißen Ziegenkäse gegessen und tauchte die Fingerspitzen in eine Kristallschale mit Zitronenwasser. Worth-low reichte ein kleines Handtuch, das sogar parfümiert war.

«Reminiszenzen?«fragte Soriano.»Sie sollten Loretta von Angela erzählen.«

«Was hätte sie davon?«

«Sie weiß dann, daß sie gegen einen Schatten kämpfen muß.«

«Sie würde dann auch wissen, daß ihr Vater einen fremden Toten mit meinem Gebiß, meiner Badehose und meinem Ring geliefert hat. Ich nehme an, sie würde dann harte Fragen stellen.«

«Da haben Sie recht, Dottore!«Soriano winkte dankend zu Volkmar hinüber.»Ich habe eben wieder nur als Vater gedacht. Ein Fehler, ich gebe es zu. Man soll nie das große Ziel vergessen, das wir anstreben.«

«Das Sie anstreben, Don Eugenio!«

«Es ist Ihres wie meines, Dottore. Wir sind jetzt beide in einem Anzug. Wer aus ihm aussteigt, steht nackt da!«In der Halle hinter ihnen klappte eine Tür. Worthlow, der Perfekte, trug das dritte Gedeck zum Tisch.»Aha. Loretta kommt!«Soriano blickte Volkmar fragend an.»Lieben Sie meine Tochter mehr als diese Angela?«

«Darauf gebe ich Ihnen keine Antwort.«

«Wenn Sie's nicht tun, bringe ich Sie trotz aller Pläne um. «Soriano erhob sich.»Das schwöre ich Ihnen!«

Dann ging er Loretta entgegen, mit ausgebreiteten Armen, und sagte mit aller väterlichen Zärtlichkeit:»Guten Morgen, mein Engelchen. Jetzt hat der Tag für mich erst begonnen!«

Sie trug wieder ihren goldenen Bikini, über dem ihr schwarzes Haar wie eine lange Stola lag.

Sie sah hinreißend aus.

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