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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Zwei Sätze haben Sie auffallend häufig gesprochen«, sagte sie mit weicher Stimme und ließ dann lange Pausen zwischen den Worten:»>Ich weiß nicht<… >Ich wollte, ich wüßte das<. Und als Sie längere Zeit etwas Imaginäres anstarrten, habe ich gefragt: Was ist denn? Was tun Sie jetzt? Und dann haben Sie es wieder gesagt: >Ich wollte, ich wüßte es.< Mein Gott, was Sie durchgemacht haben… Was Sie jetzt noch durchmachen.«

«Nach all dem, was ich Ihnen angetan habe, wie können Sie da überhaupt an das denken, was mir widerfahren ist?

«Wundern Sie sich nun«, sagte sie geistesabwesend und runzelte die Stirn. Nach einer Weile fuhr sie fort:»Auf der Löwenstraße, ehe wir zu Chernaks Wohnung hinaufgingen, habe ich Sie gebeten, mich nicht zu zwingen mitzukommen. Ich war überzeugt, daß Sie mich töten würden, wenn ich noch mehr erfahre. Und da haben Sie etwas sehr Seltsames gesagt: >Was Sie gehört haben, gibt für mich ebensowenig Sinn ab wie für Sie. Vielleicht noch weniger…< Da dachte ich, Sie wären verrückt.«

«Was ich habe, ist auch eine Art der Verrücktheit. Eine geistig gesunde Person kann sich erinnern — ich nicht.«

«Warum haben Sie mir nicht erzählt, daß Chernak versucht hat, Sie zu töten?«

«Dafür war keine Zeit. Außerdem hielt ich es nicht für wichtig.«

«Das war es in diesem Augenblick für Sie auch nicht. Für mich aber schon.«

«Warum?«

«Weil ich mich an der unsinnigen Hoffnung festklammerte, daß Sie nur auf jemanden schießen würden, der bereits versucht hatte, Sie zu töten.«

«Aber das hat er doch. Ich bin verwundet worden.«

«Ich kannte die Reihenfolge nicht; das hatten Sie mir nicht gesagt.«

«Das verstehe ich nicht.«

Marie zündete sich eine Zigarette an.»Das ist schwer zu erklären. In der ganzen Zeit, in der Sie mich als Geisel festhielten, selbst als Sie mich schlugen und mich gewaltsam mitzerrten und mir die Pistole an den Kopf hielten — weiß Gott, ich hatte Angst —, dachte ich immer, ich sähe etwas in Ihren Augen. Nennen Sie es Widerwillen; mir fällt nichts Besseres ein.«

«Das reicht schon. Worauf wollen Sie hinaus?«

«Ich weiß nicht genau. Vielleicht bezieht es sich auf etwas, was Sie in der Nische im >Drei Alpenhäuser< sagten. Als der dicke Mann zu uns herüberkam, gaben Sie mir den Rat, ich solle mich an die Wand lehnen und mein Gesicht beschirmen. >Zu Ihrem Nutzem, sagten Sie. >Er braucht Sie nicht unbedingt wiederzuerkennen<.«

«Das brauchte er auch nicht.«

«>Zu Ihren Nutzem — so denkt kein skrupelloser Mörder. Ich glaube, an dieser Vorstellung hielt ich mich fest — vielleicht um den Verstand zu behalten — und an dem Ausdruck Ihrer Augen.«

«Ich begreife immer noch nicht.«

«Der Mann mit der goldgeränderten Brille, der mich überzeugt hat, daß er Polizist wäre, sagte, Sie wären ein brutaler Mörder, den man fassen müsse, ehe er wieder mordete. Wenn Chernak nicht gewesen wäre, hätte ich ihm kein Wort geglaubt. Die Polizei, die ich bisher gekannt hatte, verhält sich nicht so; sie hätte sicher nicht so hemmungslos herumgeballert. Und Sie waren ein Mann, der um sein Leben rannte, der immer noch um sein Leben rennt — aber Sie sind kein Mörder.«

Borowski hob die Hand,»Entschuldigen Sie, das kommt mir wie ein Urteil vor, das auf falscher Dankbarkeit basiert. Sie sagen, Sie würden sich an Fakten halten — dann schauen Sie sich sie auch an. Ich wiederhole: Sie haben gehört, was die gesagt haben — unabhängig von dem, was Sie glauben, gefühlt oder gesehen zu haben. Man hat Umschläge mit Geld gefüllt und sie mir ausgehändigt, damit ich gewisse Pflichten erfülle.

Ich würde sagen, daß diese Pflichten ziemlich klar waren und ich sie angenommen habe. Ich hatte ein Nummernkonto bei der Gemeinschaftsbank, auf dem etwa fünf Millionen Dollar gutgeschrieben waren. Woher habe ich sie? Woher bekommt ein Mann wie ich — mit meinen Talenten — so viel Geld?«Jason starrte zur Decke. Jetzt kam der Schmerz wieder und gleichzeitig das Gefühl der Nutzlosigkeit.»Das sind die Fakten, Doktor St. Jacques. Es ist Zeit, daß Sie gehen.«

Marie erhob sich aus ihrem Stuhl und drückte die Zigarette aus.

Dann nahm sie die Pistole und trat an das Bett.»Sie sind sehr darauf erpicht, sich selbst zu verurteilen, nicht wahr?«

«Ich respektiere Fakten.«

«Wenn das stimmt, was Sie sagen, habe ich auch eine Verpflichtung. Als gesetzestreues Mitglied unserer Gesellschaft muß ich die Züricher Polizei anrufen und ihr sagen, wo Sie sind.«

Borowski sah sie an.»Ich dachte…«

«Warum nicht?«unterbrach sie ihn.»Sie sind ein verurteilter Mann, der es hinter sich bringen will, nicht wahr? Sie sprechen mit solcher Endgültigkeit und, verzeihen Sie mir, mit einer hübschen Portion Selbstmitleid, mit der Sie wahrscheinlich an meine — wie haben Sie das genannt? — falsche Dankbarkeit appellieren wollen. Nun, ich glaube, Sie sollten besser begreifen, daß ich nicht dumm bin. Wenn ich nur einen Augenblick überzeugt wäre, Sie wären ein abgefeimter Killer, dann wäre ich nicht hier und Sie auch nicht. Tatsachen, die nicht belegt werden können, sind keine Tatsachen. Sie aber haben keine Fakten genannt, sondern Sie haben Schlüsse gezogen, die auf Aussagen von Männern beruhen, von denen Sie wissen, daß sie nichts taugen.«

«Und ein ominöses Bankkonto mit fünf Millionen Dollar. Vergessen Sie das nicht.«

«Wie könnte ich? Geld ist schließlich mein Beruf. Vielleicht läßt sich dieses Konto nicht auf für Sie angenehme Art erklären, aber immerhin ist mit dem Konto eine Vorschrift verbunden, die es einigermaßen legitim erscheinen läßt. Jedermann, der sich als Direktor einer Firma ausweisen kann, die Soundso Seventy-One heißt, hat das Recht, Einsicht zu nehmen und Geld abzuheben. Das läßt noch lange nicht auf einen gedungenen Mörder schließen.«

«Erst muß die Firma genannt werden; sie ist aber nirgendwo

verzeichnet.«

«In einem Telefonbuch? Sie sind naiv. Kommen wir nun schnell zum Ausgangspunkt. Soll ich wirklich die Polizei anrufen?«

«Sie kennen meine Antwort. Ich kann Sie nicht hindern, aber ich will nicht, daß Sie das tun.«

Marie senkte die Waffe.»Keine Angst, ich habe es mir längst anders überlegt: Aus dem gleichen Grund, aus dem Sie es nicht wollen. Ich glaube Ihren Worten nämlich ebensowenig wie Sie.«

«Und wenn Sie unrecht haben?«

«Dann mache ich einen schrecklichen Fehler.«

«Danke. Wo ist das Geld?«

«Auf der Kommode. In Ihrem Paß und in Ihrer Brieftasche. Dort liegt auch der Zettel mit dem Namen des Arztes und die Quittung für das Zimmer.«

«Kann ich bitte den Paß haben? Da hatte ich die Schweizer Banknoten reingelegt.«

«Ich weiß. «Marie holte den Paß.»Ich habe dem Concierge dreihundert Franken für das Zimmer und zweihundert für die Adresse des Arztes gegeben. Der Arzt hat vierhundertfünfzig Franken verlangt, und ich habe dann noch hundertfünfzig daraufgelegt. Insgesamt habe ich elfhundert Franken ausgegeben.«

«Sie brauchen nicht abzurechnen«, sagte er.

«Sie sollten es aber wissen. Was werden Sie tun?«

«Ihnen Geld geben, damit Sie nach Kanada zurückfliegen können.«

«Ich meine, nachher.«

«Sehen, wie ich mich fühle. Vielleicht bezahle ich den Conderge dafür, daß er mir Kleider kauft. Ich komme schon zurecht. «Er holte ein paar große Scheine heraus und hielt sie ihr hin.

«Das sind mehr als fünfzigtausend Franken. Sie haben meinetwegen eine Menge durchgemacht.«

Marie St. Jacques sah das Geld an, dann die Pistole, die sie in der linken Hand hielt.»Ich will Ihr Geld nicht«, sagte sie und legte die Waffe auf das Tischchen neben dem Bett.

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