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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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«Wer weiß, vielleicht komme ich darauf zurück. Den müsstest du mal sehen!« Wir ließen das Thema fallen, doch es ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Hinter den Vorhängen meines Ladens hervor konnte ich die beiden sehen, und so oft ich hinausschaute, schien mir, als sähe ich dort die schmallippige, stumme Frau, die jeden Heller zusammenkratzte, und dort den fetten Mann, der sie mit heimlicher Genugtuung im fahlen Gesicht von seiner Tür auf der anderen Straßenseite aus beobachtete.

Schließlich machte mir das Ganze nervlich zu schaffen, und wenn das passiert, muss ich mit jemandem reden — ich kann einfach nicht anders.

Mit jemandem aus unserer Straße zu klatschen traute ich mich nicht, erwähnte die Geschichte jedoch einer Kundin gegenüber, einer gewissen Mrs. Märten, die ich besonders gern mochte — seit sie damals hereingekommen war und nach dem ersten Kleid gefragt hatte, das ich je im Schaufenster gehabt hatte. Ich schneiderte fast ihre gesamte Garderobe, und sie hatte mich auch ein paar anderen Damen aus dem Stadtteil empfohlen, in dem sie wohnte, oben in Hampstead, sehr hübsch und weit weg von Soho. Eines Tages, als sie gerade zur Anprobe da war, sagte sie etwas über Männer und zu was für würdelosem Verhalten sie fähig seien, wenn man sie in ihrem Stolz verletzte, und bevor ich mich versah, hatte ich die Geschichte, die Louise mir erzählt hatte, schon ausgeplaudert. Ich erwähnte natürlich keine Namen, hatte aber vielleicht durchblicken lassen, dass sich alles in dieser Straße zugetragen hatte. Mrs. Märten, eine nette, sanfte kleine Person mit einem süßen Gesichtchen, war schockiert.

«Aber das ist ja schrecklich«, sagte sie immer wieder, «das ist ja einfach schrecklich! Das Geld vor ihrer Nase zu verbrennen, nachdem sie so dafür geschuftet hat. Der muss ja völlig verrückt sein. Und gefährlich.« «Ach, na ja«, versuchte ich abzuwiegeln,»wenn er es macht, ist es schließlich sein Geld, und ich kann mir eigentlich nicht denken, dass er viel davon vernichtet. Nur so viel, dass meine Freundin sich aufregt. «Ich bereute, etwas gesagt zu haben. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Mrs. Märten so schockiert reagieren würde.

«Da sieht man mal, wie andere Leute leben«, meinte ich abschließend und hoffte, sie würde das Thema fallen lassen. Das tat sie jedoch nicht. Die Vorstellung faszinierte sie anscheinend noch mehr als mich. Ich konnte sie nicht davon abbringen, während der ganzen Anprobe redete sie darüber. Dann, als sie schon ihren Hut aufsetzte und gehen wollte, meinte sie plötzlich:»Da fällt mir etwas ein, Miss Kaye. Mein Schwager ist Stellvertretender Polizeipräsident bei Scotland Yard. Vielleicht hat er eine Idee, wie man diesen furchtbaren Kerl davon abbringen kann, die arme kleine Frau so zu quälen, von der Sie mir erzählt haben. Soll ich es ihm sagen?« «O nein! Bitte nicht!«, rief ich aus.»Das wird sie mir nie verzeihen. Die Polizei kann doch auch nichts tun, um ihr zu helfen. Ich hoffe sehr, Sie verzeihen mir, wenn ich das sage, Madam, aber ich hoffe wirklich, dass Sie nichts dergleichen tun.« Sie schien ziemlich verletzt, gab mir jedoch ihr Wort.

Ich traute der Sache natürlich nicht. Sobald eine Frau mit dem Gedanken spielt, über etwas zu reden, ist es schon so gut wie passiert. Ein paar Tage lang war, ich ziemlich aufgeregt, denn das Letzte, was ich wollte, war, mich einzumischen. Dann geschah aber nichts weiter, und ich wollte schon erleichtert aufatmen, als ich zu Vaughan’s musste, das Großhandelskaufhaus für Kurzwaren und Posamenten hinter der Regent’s Street. Ich kam gerade mit meinen Einkäufen heraus, als ein Mann auf mich zutrat.

Ich wusste, dass er Detektiv war: Er sah genauso aus, mit sehr kurzen Haaren, einem braunen Regenmantel und diesem Gesichtsausdruck von einem, der in einem etablierten Job ist und doch nichts Bestimmtes verfolgt. Er bat mich, mit in sein Büro zu kommen, was ich schlecht ablehnen konnte. Mir wurde klar, dass er mir gefolgt war, bis ich weit genug von der Adelaide Street entfernt war, dass niemand bemerkte, wie er sich mir näherte.

Er brachte mich zu seinem Vorgesetzten, der auf seine Art ein recht netter alter Kerl war — und auf niemandes Seite stand, nur auf seiner eigenen, wie es bei der Polizei eben ist. Doch gewann ich den Eindruck, dass er ganz in Ordnung war, was man nicht von jedem behaupten kann.

Er stellte sich als Detective Inspector Cumberland vor, bat mich, Platz zu nehmen, und ließ mir eine Tasse Tee kommen. Dann fragte er mich nach Louise.

Ich geriet in Panik, denn wenn man in der Adelaide Street ein Geschäft betreibt, dann betreibt man ein Geschäft, und das Letzte, was man sich leisten kann, ist Ärger mit den Nachbarn. Ich stritt natürlich alles ab und beharrte darauf, dass ich die Frau kaum kannte.

Das ließ Cumberland aber nicht gelten. Ich muss schon sagen, er wusste, wie er mit mir umzugehen hatte. Wieder und immer wieder ließ er mich von meinen eigenen Angelegenheiten erzählen, bis ich schließlich froh war, über etwas anderes reden zu dürfen. Am Ende gab ich nach, denn soweit ich sehen konnte, tat niemand etwas Ungesetzliches. Ich erzählte ihm alles, was ich wusste, ließ es mir nach und nach entlocken, und als ich fertig war, lachte er mich an und musterte mich mit kleinen hellen Augen unter Brauen, die so dicht waren wie das Fell eines Silberfuchses.

«Nun«, sagte er,»was ist an dem Ganzen denn so schrecklich?« «Nichts«, meinte ich verdrossen. Er hatte es fertig gebracht, dass ich mir wie eine Idiotin vorkam.

Seufzend lehnte er sich in seinem Sessel zurück.

«Na, dann laufen Sie mal, und vergessen Sie diese kleine Unterredung«, sagte er zu mir.»Damit Sie aber jetzt nicht anfangen, sich wer weiß was auszudenken, will ich Sie mal auf Folgendes hinweisen. Auch die Polizei betreibt in gewissem Sinn ein Geschäft. Ihr eigenes Geschäft nämlich, und wenn ein Beamter in meiner Position eine Anfrage von weiter oben kriegt, hat er zu ermitteln, stimmt’s? Er mag der Ansicht sein, dass die Vernichtung von Geld — ›Entwertung gesetzlicher Zahlungsmittel‹ wie wir das nennen — kein sehr schlimmes Vergehen ist im Vergleich zu anderen Dingen, mit denen er sich auseinander setzen muss. Trotzdem muss er, wenn er dazu aufgefordert wird, sich irgendwie rühren und irgendeinen Bericht einschicken. Und dann kann das alles … äh … abgelegt und vergessen werden, stimmt’s?« «Ja«, stimmte ich erleichtert zu.»Ja, so ist es wohl.« Ich wurde hinausbegleitet, und damit schien die Sache abgeschlossen. Doch ich hatte meine Lektion gelernt und hielt zu dem Thema anderen Leuten gegenüber den Mund.

Der Kontakt zu Louise war mir danach ziemlich verleidet, und eine Zeit lang ging ich ihr aus dem Weg. Ich erfand Ausreden und ging nicht zum Essen zu ihr hinüber, konnte aber weiter durchs Fenster sehen, wie sie an ihrem Kassiertischchen saß, und auch Adelbert sah ich, der von seiner Tür aus gierig zu ihr hinüberspähte.

Ein, zwei Monate lang ging alles ruhig seinen Gang.

Dann erfuhr ich, dass Violettas Jüngling vom Restaurantgewerbe genug und oben im Norden eine Arbeit angenommen hatte. Dem Mädchen hatte er die Chance geboten, zu heiraten und mitzugehen, und sie waren weggegangen, ohne sich richtig zu verabschieden. Es tat mir Leid für Louise, dass sie so allein gelassen wurde, also musste ich hingehen und sie besuchen.

Sie kam damit recht gut zurecht — eigentlich hatte sie ziemlich Glück, denn sie hatte fast umgehend einen neuen Kellner gefunden, und ihre erste Küchenhilfe hatte ihr die Stange gehalten, so dass sie es sehr gut schafften.

Allerdings war Louise sehr einsam, und so gewöhnte ich mir bald wieder an, einmal die Woche bei ihr zu essen. Ich bezahlte natürlich dafür, doch sie gesellte sich zu mir, und wir aßen gemeinsam.

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