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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Mit der reservierten und etwas selbstgefälligen Besorgnis, die man den Tragödien anderer Leute zuteil werden lässt, lauschte sie der Aufzählung jener Gemälde, die der Zerstörung anheim gefallen waren. Die Erwähnung von Baumlandschaft bei Le Havre ließ sie aufschrecken.

Die genaue Bedeutung dessen, was die Ansagerin gesagt hatte, wurde ihr erst im nächsten Moment klar. Sie schaltete das Radio aus und ließ sich lange Zeit von der Stille überfluten.

Dann sagte sie probeweise:»Du bist eine Diebin, Mary Gardner«, und wiederholte nach einer Weile:»O ja, du bist eine Diebin. «Es machte ihr jedoch überhaupt nichts aus. So etwas Ungeheuerliches hatte noch nie jemand über sie gesagt, nicht einmal sie selbst.

Ihr Abendessen nahm sie vor dem Gemälde sitzend vom Tablett ein und genehmigte sich dazu eine Flasche französischen Wein. In dieser Nacht ging sie oft von ihrem Bett zur Wohnzimmertür, bis es ihr so vorkam, als hätte sie vor lauter Aufwachen kaum geschlafen. Endlich schlief sie dann doch ein.

Das erste Morgenlicht fiel jedoch ebenso früh auf Marys Gewissen wie auf das Gemälde. Nach einem kurzen Besuch im Wohnzimmer machte sie mit der Sorgfalt einer jungen Nonne, die sich der Beharrlichkeit des Teufels wohl bewusst ist, einen Plan. Sie kleidete sich strenger, als es sonst ihre Art war, brauchte Fischgrat zur Stärkung des Rückgrats — die lächerliche Wendung ging ihr beim Frühstück andauernd durch den Kopf. Als sie abschließend ihre Erscheinung im Flurspiegel musterte, fand sie, sie sähe aus wie die Rektorin einer englischen Mädchenschule, was ihr für die bevorstehende Aufgabe passend erschien.

Kurz bevor sie die Wohnung verließ, verweilte sie einen letzten Augenblick allein vor dem Monet. Danach, wo oder wie auch immer das Institut das Bild zu hängen gedachte, würde sie hoffentlich das Gefühl haben, dass ein kleiner Teil davon für immer ihr gehöre.

Auf der Straße kaufte sie sich eine Zeitung und sah Baumlandschaft bei Le Havre auf der Liste bestätigt. Trotz der Zerstörung des Gebäudeflügels hatte man zahlreiche Gemälde über den Korridor im zweiten Stock in Sicherheit bringen können.

Als sie am Institut ankam, war ein Teil der Straße davor immer noch abgeriegelt, wodurch sich der morgendliche Verkehrsstrom staute. Die Dienst habenden Polizisten waren nicht minder abweisend als diejenigen, denen Mary am Vortag begegnet war. Plötzlich überkam sie der Impuls, ihr Vorhaben zu verschieben — eine fast unwiderstehliche Versuchung, besonders als ihr das Betreten des Museum verwehrt wurde, falls sie keinen Ausweis vorzeigen konnte, wie er allen befugten Personen ausgestellt worden war.

«Selbstverständlich bin ich nicht befugt«, rief sie aus.

«Sonst wäre ich ja nicht hier draußen.« Der Polizist führte sie zum Sergeant, der die Dienstaufsicht hatte. Der stritt sich in diesem Moment mit dem Vertreter der Feuerversicherung darüber, welcher Straßenabschnitt denn nun für die Aufräumarbeiten genutzt werden konnte.»Das Geschäft auf dieser Straße sind die Geschäfte«, sagte der Sergeant,»und das ist mein Geschäft.« Mary wartete, bis der Versicherungsmensch ins Gebäude stolziert war. Er brauchte keinen Ausweis, bemerkte sie.

«Verzeihung, Officer, ich habe da ein Gemälde — « «Liebe Frau …«Er machte einen tiefen Atemzug, um Geduld zu schöpfen.»Ja, Madam?« «Bei dem Feuer gestern wurde angeblich ein Gemälde zerstört — ein entzückender kleiner Monet mit dem Titel –

« «Ach, tatsächlich!«, unterbrach sie der Officer.

Entzückende kleine Monets gingen ihm wirklich zu Herzen.

Unwillkürlich wurde Mary nervös.»Es ist in der Morgenzeitung von heute als zerstört gelistet. Aber das stimmt nicht. Ich habe es zu Hause.« Der Polizist musterte sie zum ersten Mal mit einem gewissem Mitgefühl.»Bestimmt an Ihrer Wohnzimmerwand, ja?«, sagte er mit tiefer Klugheit.

«Ehrlich gesagt — ja.« Er nahm sie sanft, aber fest beim Arm.»Dann sag ich Ihnen jetzt, was Sie machen. Sie gehen zum Polizeihauptquartier in der Fifty-seventh Street. Wo das ist, wissen Sie ja, oder? Und denen erzählen Sie dann alles schön brav der Reihe nach. «Er wirbelte sie in die Menge und ließ sie dort los. Dann hob er die Stimme:

«Weitergehen! Kommt alles später im Fernsehen.« Mary hatte nicht die Absicht, zum Polizeihauptquartier zu gehen, wo vermutlich Männer, die sich mit bewaffnetem Raubüberfall, Körperverletzung und noch Schlimmerem befassten, die Feinheiten ihres Problems noch viel weniger verstehen würden. Sie ging ins Büro und versuchte im Laufe des Vormittags in regelmäßigen Abständen immer wieder, das Büro des Museumskurators telefonisch zu erreichen. Bei jedem ihrer Anrufe war entweder die Vermittlung überlastet oder seine Leitung länger besetzt, als sie warten konnte.

Schließlich kam ihr die Idee, nach der PR-Abteilung des Instituts zu fragen, wo sie einer offenkundig abgelenkten Person — Mary konnte hören, dass dort dreierlei Gespräche gleichzeitig geführt wurden — erklärte, wie sie während des Brandes Monets Baumlandschaft bei Le Havre gerettet hatte.

«Bei was, Madam?«, fragte die Stimme.

«Le Havre. «Mary buchstabierte es.»Von Monet«, fügte sie hinzu.

«Schreibt man das getrennt oder zusammen?«, wollte die Stimme wissen.

«Verbinden Sie mich bitte mit dem Büro des Kurators«, sagte Mary und fuhr mit den Fingern am Revers ihre Fischgratkostüms auf und ab.

Mary erachtete es als kluge Vorsichtsmaßnahme, sich mit dem Vertreter des Instituts im Foyer ihres Wohngebäudes zu treffen, wo sie zunächst bat, seinen Ausweis sehen zu dürfen. Er wies sich als der Mann aus, dem sie am Telefon ihren Namen und ihre Adresse genannt hatte. Mary ließ den Aufzug kommen und dachte über seinen Ausweis nach: Robert Attlebury III. Sie hatte seinen Namen auf der Mitarbeiterliste des Museums schon einmal gesehen: Kurator für …, sie konnte sich nicht mehr erinnern.

Er sah genauso aus, wie man sich einen Kurator vorstellte; aufrecht und abweisend stand er da, während der Aufzug sie langsam nach oben beförderte. Ein Kurator vielleicht, als Kenner hätte sie ihn jedoch nicht bezeichnet.

Einer mit seinem Gesicht und seinem Auftreten würde immer erst probieren und dann ausspucken, dachte sie. Sie konnte sich seine Verachtung gegenüber Dingen vorstellen, die ihm zuwider waren, und instinktiv wusste sie, dass sie ihm zuwider war.

Nicht, dass es wirklich eine Rolle gespielt hätte, was er ihr gegenüber empfand. Sie war ein Niemand. Wie aber musste sich ein junger unbekannter Künstler vorkommen, der sich und sein Werk mit solcher Herablassung konfrontiert sah? Oder trat er gegenüber Leuten seines eigenen Schlages anders auf? In dem Fall hätte sie für den winzigsten Höflichkeitsbeweis seinerseits eine Menge gegeben.

«Das alles kommt mir so merkwürdig vor — im Nachhinein betrachtet«, sagte Mary, um das Schweigen während der schier endlos scheinenden Auffahrt zu brechen.

«Was für ein Glück für Sie«, versetzte er, und Mary dachte, vielleicht war es das auch.

Als sie ihre Wohnungstür erreichten, hielt sie inne, bevor sie den Schlüssel im Schloss umdrehte.»Hätten Sie denn keinen Museumswärter mitbringen müssen — oder sonst jemanden?« Er blickte wie vom Olymp auf sie herab.»Ich bin jemand.« Mary beschloss, nichts mehr zu sagen. Sie schloss die Tür auf und ließ sie offen stehen. Er ging ihr voran quer durch den Flur ins Wohnzimmer und blieb vor dem Monet stehen. Seine unhöfliche Direktheit fand sie merkwürdigerweise beruhigend: Malerei war ihm also doch wichtig. Sie sollte Männer nicht nach ihrer eigenen beschränkten Erfahrung beurteilen, dachte sie.

Er starrte einige Augenblicke auf den Monet und neigte dann den Kopf unmerklich von einer Seite zur anderen.

Marys Herz begann ungleichmäßig zu pochen. Seit Monaten wünschte sie sich schon, mit jemandem, der sich wirklich damit auskannte, ihre Theorie über das, was in Baumlandschaft bei Le Havre Spiegelung und was Realität war, zu diskutieren. Doch jetzt, wo sich die Gelegenheit dazu bot, fand sie nicht die richtigen Worte.

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