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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Trotzdem, sie musste etwas sagen — etwas … Lockeres.

«Der Rahmen ist von mir«, sagte sie,»Sie können ihn zum Schutz des Bildes aber mitnehmen. Ich kann ihn ja holen, wenn ich das nächste Mal im Museum bin.«

Überraschenderweise lachte er.»Der ist womöglich sogar das Beste daran«, sagte er.

«Wie bitte?« Nun sah er sie tatsächlich an.»Ihre Geschichte ist ja raffiniert ausgedacht, Madam, was aber wohl der Situation zuzuschreiben ist.« «Ich verstehe wirklich nicht, was Sie sagen wollen«, sagte Mary.

«Ich habe schon bessere Kopien gesehen als diese hier«, sagte er.

«Nur schade, dass Ihnen bei Ihrer Raffinesse keine bessere Imitation gelungen ist.« Mary war so verdattert, dass es ihr die Sprache verschlug. Er wandte sich zum Gehen.»Es ist aber … signiert«, stieß Mary hervor und machte den schwachen Versuch, seine Aufmerksamkeit auf den Namen in der oberen Ecke zu lenken.

«Was es zu einer Fälschung macht, nicht wahr?«, sagte er fast besorgt.

Seine Knappheit, seine Unbeirrbarkeit angesichts des Schrecklichen, was er da sagte, verlieh ihrem Albtraum Konturen.

«Das ist nicht mein Problem!«, rief Mary und sprach damit Worte aus, die sie nicht so meinte, übte quasi Verrat an dem Gemälde, das sie doch so liebte.

«O doch. Das ist es tatsächlich, und, wenn ich das mal so sagen darf, ein ernstes Problem, wenn ich es weiterverfolgen sollte.« «Dann verfolgen Sie es doch bitte weiter!«, rief Mary.

Wieder lächelte er fast unmerklich.»Es ist nicht die Art, wie das Institut mit derartigen Dingen umgeht.« «Sie mögen Monet eben einfach nicht«, forderte Mary ihn voller Verzweifelung heraus, denn er ging bereits auf die Tür zu.

«Das tut hier ja wohl nichts zur Sache, oder?« «Sie kennen Monet nicht. Das kann gar nicht sein!

Unmöglich!« «Wie sollte ich ihn nicht mögen, wenn ich ihn gar nicht kenne? Jetzt will ich Ihnen mal was über Monet sagen.« Er wandte sich wieder dem Bild zu und fuhr mit dem Finger über eine lebhaft farbige Fläche.»Bei Monet ist das Purpurrot alles.« «Das Purpurrot?«, sagte Mary.

«Jetzt fangen Sie an, es auch zu sehen, nicht wahr?« Sein Tonfall grenzte ans Pädagogische.

Mary schloss die Augen und sagte:»Ich weiß bloß, wie dieses Gemälde hierher gelangt ist.« «Ich ziehe es doch sehr vor, in dieser Angelegenheit von Ihnen nicht ins Vertrauen gezogen zu werden«, sagte er.

«Und jetzt muss ich mich um wichtigere Angelegenheiten kümmern. «Wieder wollte er auf die Tür zusteuern.

Hastig verstellte Mary ihm den Weg.»Es ist egal, was Sie von Monet halten, oder von mir oder von sonst irgendwas. Sie müssen dieses Gemälde ins Museum zurückbringen.« «Und mich zum allgemeinen Gespött machen, wenn der Schwindel auffliegt?«Er hielt den Arm stocksteif wie eine Messingstange zwischen sie und verließ die Wohnung.

Mary war inzwischen ziemlich außer sich und ging ihm bis zum Aufzug nach.»Ich gehe damit zur Presse!«, schrie sie.

«Ich glaube, das werden Sie bereuen.« «Jetzt wird mir alles klar. Ich verstehe!«Mary sah, wie sich die Aufzugtür öffnete.»Sie wollten glauben, der Monet sei im Feuer zerstört worden.« «Barbarin!«, sagte er.

Dann ging die Tür zwischen ihnen zu.

Nach einiger Zeit überredete Mary — was gar nicht so einfach war — gewisse Experten, sogar einen Kunstkritiker, zu ihr zu kommen und» ihren «Monet zu untersuchen. Das Unterfangen war kostspieliger, als sie es sich leisten konnte — offenbar rechneten alle mit Erfrischungen, inklusive teurer Spirituosen. Ihre Freundinnen und Freunde spielten bei» Marys Schwindel« mit, wie sie ihre Geschichte bald nannten, und in stetig wachsenden und immer esoterischer werdenden Kreisen wurde sie wegen ihres unerschütterlichen Beharrens auf der Version, wie sie in den Besitz eines» echten Monet« gekommen war, sehr bewundert. Trotz der Tugend der Schlichtheit, die sie seit Kindertagen besaß, merkte sie, wie sie auf einmal Wörter in symbolischen Kombinationen verwandte — die Sprache der Leute, in deren Gesellschaft sie sich nun befand —, so dass weit klügere Leute als sie manchmal zu ihr sagten:»Wie scharfsinnig!«oder» Was für eine Beobachtungsgabe!«, um sich sodann wieder einen Drink einzuschenken.

Eines Tages kam ihr Arbeitgeber, der große Mann höchstselbst, der vor ihrer» Akquisition «keine Ahnung gehabt hatte, ob sie nun in schlampigen oder geordneten Verhältnissen lebte, zur Cocktailzeit zu ihr in die Wohnung und brachte einen berühmten Kunsthistoriker mit.

Während der Experte glücklich lächelnd vor seinem zweiten Scotch saß, erzählte Mary erneut die Geschichte von dem Brand im Institut und wie sie mit dem Gemälde einfach nach Hause gegangen war, weil sie keinen gefunden hatte, dem sie es hätte geben können. Während sie redete, wanderte sein wissender Blick von ihrem Gesicht zu dem Gemälde, zu seinem Glas, zu dem Gemälde und wieder zurück zu ihrem Gesicht.

«O, das kann ich mir vorstellen«, sagte er, als sie geendet hatte.

«Das ist genau die Art von verrücktem Abenteuer, die sich tatsächlich zutragen könnte. «Er stellte sein Glas behutsam da ab, wo sie sehen konnte, dass es leer war.

«Ich nehme an, Sie wissen, dass es nie eine offizielle Gesamtaufstellung von Monets Werken gegeben hat?« «Nein«, erwiderte sie und schenkte ihm nach.

«So ist es aber leider. Und die traurige Wahrheit ist, dass ziemlich viele Museen heutzutage Gemälde unter seinem Namen zeigen, deren Echtheit nicht wirklich beglaubigt ist.« «Und meins?«, sagte Mary, wobei sie das Kinn reckte und vergeblich zu vermeiden suchte, dass es bebte.

Ihr Gast lächelte.»Müssen Sie das unbedingt wissen?« Danach vermied Mary es einige Zeit, den Monet anzuschauen. Es lag nicht daran, dass er ihr weniger gefiel, sondern dass sie sich selbst in seiner Gesellschaft jetzt weniger gefiel. Was geschehen war, stellte sie fest, war Folgendes: Wie die Experten sah sie jetzt nicht das Gemälde, sondern sich selbst.

Es war ein außergewöhnliches Stück Selbstentdeckung für eine Frau, die sich nie ernsthaft mit der eigenen Psyche hatte auseinander setzen müssen. Bisher hatte, jedenfalls nach Marys Meinung, die Hauptfunktion eines Spiegels darin bestanden, den Winkel zu bestimmen, in dem man den Hut aufsetzen wollte. Doch die Entdeckung eines Makels bewirkt nicht von sich aus Heilung, sondern verschlimmert den Zustand oft noch. So verhielt es sich mit Mary.

Sie verbrachte immer weniger Zeit zu Hause, und ihren neu gewonnenen Freunden und Freundinnen musste man immerhin lassen, dass sie es nur fair fanden, die bei einer so mysteriös cleveren Gastgeberin genossene Gastfreundschaft zu erwidern. Wie oft war ihr als kleines Mädchen von Eltern und Lehrern geraten worden, doch etwas zu unternehmen, mehr unter Leute zu gehen. Nun, endlich ging Mary mehr unter die Leute. Und zu Hause bei denen, die sich erlaubt hatten, ihr Heim und ihre persönlichen Sachen zu kommentieren, erlaubte nun sie sich die Kommentare. Je seltsamer ihr Kommentar war – je gehässiger, hätte sie es früher genannt —, umso beliebter wurde sie. O ja, Mary ging mehr unter Leute, viel mehr unter Leute.

Ihr Versicherungsmakler — der sonst die Angewohnheit hatte, zum Eintreiben seiner vierteljährlichen Beiträge einfach unangemeldet vorbeizukommen — musste eines Samstagmorgens doch tatsächlich früh aufstehen, um sie überhaupt zu Hause anzutreffen.

Es war ein klarer, frischer Tag, und just zu dieser Stunde leuchtete der Monet am hellsten. Der Mann saß da und starrte ihn fasziniert an. Mary war belustigt, denn sie erinnerte sich, wie beleidigt er immer reagiert hatte, dass seine Kunden es versäumten, den Firmenkalender an prominenter Stelle aufzuhängen. Als sie hinausging, um ihr Scheckheft zu holen, stand er auf und berührte die Oberfläche des Gemäldes.

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