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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Williams, ein Witwer, der vierundzwanzig Jahre älter war als ich, um meine Hand anhielt. Ich nahm das Ehegelöbnis sehr ernst.

Ich hatte vor, ihn zu ehren und zu achten, und tat es auch.

Aber das Haus, in dem wir wohnten! Die Wände hätten nicht schmutziger sein können, wenn sie mit Ruß verschmiert gewesen wären, und die sanitären Einrichtungen taten gerade das, was ihnen passte. Mein linker Fuß war ständig wund, weil ich dem Rohr unter dem Spülbecken einen Tritt verpassen musste, damit Wasser durchkam.

Dann wurde Mr. Williams krank und musste seinen Schusterladen aufgeben, den er ganz allein betrieb. Er hatte ein kleines Sparkonto, ein paar von diesen Regierungsanleihen zu fünfundzwanzig Dollar und bekam auch eine geringe Invalidenrente, bis die Versicherung nach ungefähr einem halben Jahr auslief.

Ich bemühte mich nach Kräften, es ihm schön bequem zu machen und ihn aufzuheitern. Obwohl ich die Wäsche selber machte, bekam er alle drei Tage frische Bettwäsche und einen frischen Schlafanzug, und ich glaube, es gelang mir durch pure Willenskraft, in dem dunklen Hinterzimmer, in dem Mr. Williams lag, eine Begonie zum Blühen zu bringen. Ich bekniete sogar seine beiden Töchter, ihrem Vater doch zu schreiben und ihm gute Besserung zu wünschen, was sie ein paar Mal auch taten.

Ab und zu, wenn einmal ein paar Cent übrig waren, kaufte ich Karten und kritzelte Unterschriften darauf, die niemand entziffern könnte, und schickte sie an Mr. Williams, damit er glaubte, einige seiner früheren Kunden erinnerten sich an ihn und wünschten ihm alles Gute.

Als Mr. Williams starb, standen seine Töchter natürlich sofort auf der Matte, um auch ja ihren Anteil an dem bisschen Geld zu kriegen, das das baufällige Haus einbrachte. Ich missgönnte es ihnen nicht — ich gehöre nicht zu denen, die sich der menschlichen Natur widersetzen.

Ich denke ungern an das Elend zurück, das mir nach Mr. Williams’ Tod widerfuhr. Am schlimmsten war es, einen Schlafplatz zu finden; am Ende ging es immer darum, eine Bleibe zu haben. Denn irgendwie schafft man es ja immer, nicht zu verhungern. Es gibt Mülltonnen, aus denen man sich was holen kann — erstaunlich, wie verschwenderisch manche Leute sind und wie viel gutes Essen sie wegwerfen. Wenn die Müllabfuhr gerade gekommen war und die Tonnen leer waren, ging ich eben in einen Supermarkt und zupfte beispielsweise an den Kirschen herum und tat so, als suchte ich mir welche aus, um sie zu kaufen. Ich steckte mir aber nicht die Besten in den Mund, sondern nahm entweder die, die so reif waren, dass man sie hätte wegwerfen müssen, oder die, die noch nicht reif genug waren und den Leuten gar nicht zum Kauf hätten angeboten werden sollen. Vielleicht stibitzte ich ein welkes Kohlblatt oder ein paar Büschelchen Brunnenkresse oder ein paar von diesen kleinen, runden Tomaten, die etwa so groß sind wie Hickorynüsse — ihren richtigen Namen kann ich mir nie merken. Wild etwas in mich hineingefressen hätte ich nie, sondern aß nur genug, um meinen Hunger zu besänftigen. Und so schlug ich mich durch. Wie gesagt, verhungern muss man nicht.

Die einzige Arbeit, die ich finden konnte, brachte mir nie mehr als Unterkunft und Verpflegung ein. Ich war keine ausgebildete Krankenschwester, obwohl ich wusste, wie man Kranke pflegt. Die Leute, die mich anstellten, sagten aber immer, viel erwarten könnte ich nicht, denn ich hätte ja keine Ausbildung und keinen Abschluss. Die wollten bloß jemanden, der über Nacht bei Tante Myrtle oder Cousine Kate oder Mama oder Daddy blieb. Man verlange schließlich keine richtigen Dienste von mir, behaupteten sie und fanden auch wirklich nicht, dass meine Hilfe mehr wert war als Mahlzeiten und einen Schlafplatz. Die Unterkunft war ziemlich improvisiert. Meistens hatte ich nicht einmal ein Plätzchen, an dem ich meine Sachen aufbewahren konnte — allerdings hatte ich ja auch kaum Kleider —, und manchmal musste ich auf einem Klappbett im Flur vor dem Zimmer des Patienten oder auf irgendeiner notdürftig zusammengebastelten Schlafstatt im Krankenzimmer schlafen.

Alle diese kranken Leute hegte und pflegte ich, genau wie ich Mama und Mr. Williams gehegt und gepflegt hatte. Ich wollte nicht, dass sie starben. Ich tat alles, was ich konnte, um ihnen zu verstehen zu geben, dass mir ihr Wohlergehen am Herzen lag — um ihrer selbst willen, aber auch um meinetwillen, damit ich nicht gehen und eine neue Bleibe finden musste.

Also, nachdem ich nun die Argumente zu meiner Verteidigung vorgebracht habe — ein Ausdruck, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich ihn einmal für mich persönlich benutzen musste —, lege ich jetzt die Anklagepunkte dar.

Ich habe gestohlen.

Ich sage es ungern, aber ich war eine Diebin.

Ich bin eigentlich gar nicht langfingrig veranlagt. Nie wollte ich etwas haben, was jemand anderem gehörte.

Doch es kam eine Zeit, in der ich mich gezwungen fühlte zu stehlen. Ein paar Sachen brauchte ich einfach. Meine Schuhe fielen auseinander. Ich brauchte Strümpfe und Unterwäsche. Und wenn ich einen Sohn oder eine Tochter, eine Cousine oder eine Nichte um ein bisschen Geld bat, um das Notwendigste zu kaufen, führten sie sich auf, als wollte ich sie erpressen. Sie erinnerten mich daran, dass ich als Krankenschwester nicht qualifiziert war, dass ich womöglich Scherereien mit den Behörden bekäme, wenn man dort erfuhr, dass ich mich als Krankenschwester ausgab — was ich ja gar nicht tat, und das wussten sie auch.

Jedenfalls sagten sie, ihr Angebot umfasse bloß Unterkunft und Verpflegung.

Also fing ich an, Sachen mitgehen zu lassen – Kleinigkeiten, die in die hinterste Schubladenecke geschoben worden oder in Schachteln hoch auf Regalen aufbewahrt waren, Sachen, die man seit Jahren nicht mehr benutzt oder getragen hatte und wohl auch nie mehr benutzen würde. Die größte Beute ergatterte ich bei Mrs. Bick, wo es einen Dachboden voller Überseekoffer gab, die mit Kleidern und Schnickschnack aus den zwanziger Jahren bis hin zu den Achtzehnhundertneunzigern voll gestopft waren – Uniformen, Fächern aus Straußenfedern, bestickten Umhängetüchern und Perlentäschchen. Ich schmuggelte jedes Mal ein paar Sachen hinaus und verkaufte sie gelegentlich an einen Laden namens Way Out — Hippie-Ausstatter.

Ich versuchte, mir die genaue Summe auszurechnen, die ich verdiente, wenn ich etwas verkaufte. Nun weiß ich ja, dass man Diebstahl nicht wieder gutmachen kann. Aber sagen wir, ich bekam einen Dollar für eine Federboa, die Mrs. Bick gehörte. Dann ging ich wieder hin und nahm mir eine Arbeit vor, die die Putzfrau immer wieder hinausschob, zum Beispiel den oberen Flur bohnern oder das Kaminbesteck polieren oder den Wäscheschrank ordnen.

Trotzdem war das, was ich da tat, stehlen — nicht überall, wo ich wohnte, nicht einmal in den meisten Häusern, doch wenn es sein musste, stahl ich. Das gebe ich zu.

Das silberne Kästchen habe ich aber nicht gestohlen.

Was das Kästchen betraf, war ich so unschuldig wie ein kleines Kind. Als der Polizist damals auf mich zukam und das Kästchen packen wollte, trat ich beiseite, und vielleicht versetzte ich ihm auch den Stoß, der ihn zu Tode kommen ließ. Er hatte keinen Grund, sich so zu verhalten, wo das Kästchen doch mir gehörte, egal was Mrs. Crowes Nichte behauptete.

Und wenn fünfzigtausend Nichten etwas anderes behauptet hätten — das Kästchen gehörte mir.

Der Polizist war jedenfalls tot, und obwohl ich ihm den Tod nicht gewünscht hatte, hatte ich ihm auch nichts Gutes gewünscht. Und dann überlegte ich: Mrs. Crowes Kästchen habe ich zwar nicht gestohlen, dafür aber andere Dinge, und die Mühlen Gottes mahlen nun mal außerordentlich fein, wie ich einen Prediger einmal habe sagen hören, und nun muss ich für die Verfehlungen, die mich eingeholt haben, eben bezahlen.

Sicher begreife ich das, was passiert ist, inzwischen ein bisschen besser, obwohl mir nie ganz genau klar geworden ist, was sich wirklich zugetragen hat.

Mrs. Crowe war die dankbarste Person, für die ich je gearbeitet habe. Sie war bettlägerig und konnte sich kaum rühren. Ich glaube nicht, dass die offizielle Krankenschwester, die sie tagsüber versorgte, es als Teil ihrer Aufgabe betrachtete, Mrs. Crowe zu massieren. Also massierte ich sie abends, was ihr gefiel und sie entspannte.

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