Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Bates zögerte.»Höchstwahrscheinlich kann es das auch«, sagte er.»Aber es ist bei diesem ersten Modell geblieben. Und bis vor ein paar Tagen war es auch eingemottet.«
Indiana sah sich demonstrativ um.»Was spricht dagegen, mehr Schiffe dieser Art zu bauen?«
«Die Kosten«, antwortete Bates.»Und — «, er lächelte ein flüchtiges Verschwörerlächeln und warf einen raschen Blick zu den beiden Deutschen hinüber, die am anderen Ende der Kabine saßen,»unsere Freunde vom Kontinent.«
Indiana blickte ihn fragend an.
«Die Dinger sind zu groß und zu verwundbar«, fuhr Bates mit gesenkter Stimme und plötzlich sehr ernst fort.»Ein einziger gezielter Schuß aus einer kleinen Kanone, und…«, er schlug sich mit der geballten Faust in die geöffnete Linke, »bumm!«
«Sie wissen eine Menge über diese Dinger«, wunderte sich Indiana.»Ich meine, wenn es sich doch um ein geheimes Forschungsprojekt handelt…«
Plötzlich grinste Bates wieder.»Es ist ein Marineschiff«, erinnerte er.»Und ich gehöre zu demselben Haufen, schon vergessen?«
Erikson sah flüchtig von seinen Papieren auf, blickte von Bates zu Indiana und wieder zurück und versenkte sich dann wieder in seine Lektüre.
«Wenn Sie so viel wissen, dann wissen Sie wohl auch, wohin wir überhaupt fliegen«, sagte Jones.
«Fahren«, korrigierte ihn Bates lächelnd.»Beim Luftschiff spricht man vom Fahren.«
«Meinetwegen auch paddeln«, antwortete Indiana gereizt.»Aber allmählich reicht mir diese Geheimniskrämerei.«
«Mir auch«, gestand Bates.»Aber glauben Sie mir, ich weiß ebensowenig wie Sie. Niemand hier an Bord weiß etwas.«
Draußen vor den Fenstern hatten sich die Wolken weiter zusammengezogen. Rechts und über der Dragon türmten sich gewaltige schwarze Gebilde auf, in denen es ab und zu unheilvoll wetterleuchtete. Und auch das Zittern und Beben des Bodens hatte zugenommen. Aus dem anfangs gleichmäßigen Grollen der Propellermotoren war ein stampfendes, mühsames und irgendwie drohendes Geräusch geworden, und der Regen klatschte jetzt so heftig gegen die Fenster, daß die Welt draußen wie hinter einem grauen Schleier zu liegen schien. Dann traf die erste richtige Sturmbö das Luftschiff, und nicht nur Indiana klammerte sich erschrocken an die Kante des am Boden festgeschraubten Tisches, als sich der ganze Zeppelin in einer langsamen, aber ungeheuer kraftvollen Bewegung auf die Seite legte und sich ebenso gemächlich wieder aufrichtete. Irgendwo zerbrach klirrend ein Glas.
«Wird das… noch schlimmer?«erkundigte sich Indiana mit einem gequälten Lächeln.
Bates nickte und sog an seiner Zigarette. Er schien der einzige an Bord zu sein, der keinerlei Beunruhigung empfand.»Garantiert«, sagte er.»Aber nicht sehr lange. Keine Angst.«
Indiana blickte mit wachsender Beunruhigung aus dem Fenster. Er war sicher, daß es nur Einbildung war, aber in diesem Moment hätte er einen heiligen Eid geschworen, daß die Wolkenfront bereits sichtbar nähergekommen war, seit er das letzte Mal hinausgesehen hatte.»Können wir diesen Sturm nicht umfahren?«
«Genau das tun wir«, antwortete Bates.»Jedenfalls das Schlimmste.«
«Das Schlimmste?«Indiana mußte sich beherrschen, um in seiner Stimme keinen hysterischen Unterton aufkommen zu lassen. So ganz schien es ihm nicht zu gelingen, denn Bates feixte jetzt ganz unverblümt.»Sie dürfen ein Luftschiff nicht mit einem Flugzeug vergleichen, Doktor Jones«, sagte er.»Die Dragon ist schnell, aber auch ein schnelles Luftschiff ist immer noch langsam. Wir können nicht vor dem Sturm davonfliegen. Ich vermute, daß Lestrade versuchen wird, über die Wolken zu kommen. Aber seine Ausläufer werden uns wohl erwischen.«
Wie um seine Worte zu bestätigen, erzitterte die Dragon in diesem Moment unter einem weiteren dröhnenden Hieb des Sturms, der die gesamte Hülle zum Erbeben brachte. Der Zeppelin schwankte jetzt in sanftem Rhythmus hin und her, wie um der zweiten Hälfte des Wortes Luftschiff gebührende Beachtung zu verschaffen. In Indiana Jones’ Magen begann sich ein flaues Gefühl auszubreiten.
«Sie sollten in Ihre Kabine gehen und sich hinlegen«, riet Bates.
«Oh«, sagte Indiana kleinlaut.»Sieht man es mir so deutlich an?«
Statt sofort zu antworten, deutete Bates mehrmals zu den beiden Deutschen hinüber. Von Ludolf saß mit steinernem Gesicht da und starrte aus dem Fenster, aber Loben war reichlich blaß geworden. Die Haut um seinen Mund herum hatte einen ganz leichten Stich ins Grüne, und er schluckte ununterbrochen.
«Sehen Sie die beiden da?«fragte Bates. Indiana nickte, und der Marineflieger fügte fast fröhlich hinzu:»Gegen Sie sieht der Major aus wie das blühende Leben, Doktor Jones.«
Indiana lächelte gequält, versuchte aufzustehen und fiel unsanft auf seinen Sitz zurück, als sich die Dragon in genau diesem Moment abermals auf die Seite legte.
«Vielleicht haben Sie recht«, gestand er.»Ich sollte wirklich in meine Kabine gehen und mich ein wenig ausruhen. «Und hoffen, daß es nicht noch schlimmer wird, fügte er in Gedanken hinzu.
Aber es wurde noch schlimmer.
Sehr viel schlimmer.
Indiana Jones erinnerte sich hinterher nicht daran, wie lange es gedauert hatte. Von Bates erfuhr er später, daß es Lestrade tatsächlich gelungen war, den Sturm zu umfahren, so daß die Dragon lediglich von ihm gestreift wurde. Aber ihm kam es vor, als tauche das riesige Luftschiff direkt ins Herz eines Tornados ein. Aus dem Zittern und Beben des Bodens wurde ein ununterbrochenes Bocken und Stampfen, und aus dem leichten Unwohlsein, daß sich in seinem Magen ausgebreitet hatte, eine solche Übelkeit, daß er sich nach einer Viertelstunde in seinem Bett wiederfand und sich beinahe wünschte, auf der Stelle zu sterben, nur um endlich erlöst zu sein. Er hatte niemals unter See- oder Luftkrankheit gelitten, aber das hier war selbst für ihn zuviel. Er erinnerte sich kaum daran, daß Bates nach einer Weile wieder zu ihm gekommen war und ihn angesprochen hatte. Ihm war einfach nur übel. So übel wie niemals zuvor im Leben und selten danach. Stöhnend wälzte er sich auf der schmalen Pritsche hin und her, kämpfte abwechselnd gegen Übelkeit, Schwindelgefühl oder auch beides und kehrte erst langsam wieder ins Bewußtsein zurück, als jemand einen Becher an seine Lippen setzte und ihn mit sanfter Gewalt zwang, seinen Inhalt zu schlucken.
Sein Magen revoltierte. Die Flüssigkeit, die ihm eingeflößt wurde, schmeckte scheußlich, und es kostete ihn all seine Kraft, sich nicht zu übergeben.
Aber es half.
Indiana machte noch einmal schreckliche, qualvolle Minuten durch, aber das Rumoren in seinem Leib hörte allmählich auf, und auch das Schwindelgefühl zwischen seinen Schläfen legte sich, wenn es auch nicht ganz verschwand. Immerhin nahm er seine Umgebung nicht mehr als Durcheinander von ineinanderfließenden Farben und Formen wahr, als er das nächste Mal die Augen öffnete.
Trotzdem hatte er Mühe, das Gesicht zu identifizieren, das sich über ihn beugte: ein schmales, blasses Gesicht, das von kurzgeschnittenen dunklen Haaren eingerahmt wurde und aus dem ihn Augen mit einer Mischung von Spott, Schadenfreude und echtem Mitleid anblickten.
«Sie…?«
Dr. Rosenfeld nickte, während das spöttische Glitzern in ihren Augen zunahm.»Haben Sie jemand anderen erwartet? Ich bin der einzige Arzt an Bord.«
«Eigentlich… nicht«, gestand Indiana verwirrt. Er versuchte sich auf die Ellbogen hochzustemmen, aber Dr. Rosenfeld drückte ihn mit sanfter Gewalt zurück und schüttelte den Kopf.
«Lassen Sie das«, warnte sie.»Was ich Ihnen gegeben habe, wirkt nur gegen die schlimmsten Beschwerden.«
«Ich… ich dachte, Sie wären Gehirnklempner«, sagte Jones.
Dr. Rosenfeld lächelte.»So kann man es auch nennen. Aber ein bißchen Allgemeinmedizin habe ich auch studiert. Jedenfalls genug, um Ihnen über das Schlimmste hinwegzuhelfen.«
«Das ist nett«, sagte Indiana schleppend. In seinem Mund war ein bitterer Geschmack, und er mußte ununterbrochen schlucken. Schon diese flüchtige Bewegung hatte seinen Magen wieder in Aufruhr versetzt.»Ich danke Ihnen jedenfalls ganz besonders, daß Sie sich trotzdem um mich bemüht haben«, stöhnte er.