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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Keine Spiegel? Warum? Und warum waren sie hier alle versteckt? Unter Schloß und Siegel?

Das war interessant. Vielleicht würde seine Frau ein paar von den Spiegeln haben wollen. Zum Beispiel den Handspiegel mit dem silbernen Griff. Er mußte ihr das gleich erzählen, wenn sie zurückkam.

Er trat vorsichtig in den Raum und zog die Kleidersäcke hinter sich her. Vielleicht gab es hier eine Kleiderstange oder wenigstens ein paar Haken. Als er nichts dergleichen fand, beschloß er, rasch ein paar Haken einzuschlagen.

Als er sich bückte, um die Kleidersäcke auf einen Haufen zu legen, tanzte der Lichtstrahl der Taschenlampe auf tausend glitzernden Oberflächen. Vor seinen Augen war ein einziges Gleißen und Funkeln.

Auf einmal verschwand das Funkeln. Die glänzenden Spiegel verdunkelten sich eigentümlich. Aber das war nur natürlich, denn sein Spiegelbild füllte sie aus. Sein Spiegelbild – und etwas, was dunkler war. Etwas Wolkiges, Verschwommenes, Quirlendes, etwas, was ein Teil der modrigen Luft war, etwas, was durch seine Gegenwart den Aufenthalt in dem Raum unerträglich werden ließ. Es war hinter ihm – nein, es war neben ihm – nein, vor ihm – es umgab ihn von allen Seiten – es wurde größer und größer und löschte ihn aus. Es verursachte, daß er zitterte und in Schweiß ausbrach. Es raubte ihm jetzt den Atem und zwang ihn, aus dem Raum zu stürzen, die Tür hinter sich zuzuwerfen und sich mit letzter Kraft erschöpft dagegen zu lehnen.

Es hatte auch einen Namen – Platzangst. Genau das war es. Nichts weiter als neurotische Angstzustände … Nichts weiter als das beklemmende Gefühl, in einem engen Raum eingeschlossen zu sein. Außerdem wird jeder Mann nervös, wenn er zu lange in einen Spiegel schaut – geschweige denn in fünfzig Spiegel!

Er zitterte heftig. Nur um seine Gedanken zu beschäftigen, damit sie sich nicht mit dem befassen konnten, was er halb gesehen, halb gefühlt, halb erkannt hatte, dachte er weiter über Spiegel nach. Über das In-den-Spiegel-Schauen. Für Frauen ist es eine Art Lieblingsbeschäftigung; aber Männer sind da anders.

Männer – wobei er sich selbst einschloß – scheinen Spiegeln gegenüber eine Befangenheit zu haben. Er entsann sich an den Schock, den er bekommen hatte, als er sich in einem Bekleidungshaus zum erstenmal in einem jener Spiegel betrachtet hatte, in denen man sich von allen Seiten sehen kann. Ein Mann sieht im Spiegel verändert aus. Nicht mehr so, wie er sich einbildet, auszusehen. Ein Spiegel verzerrt. Warum summen und singen und pfeifen die Männer, wenn sie sich rasieren? Doch nur, um sich nicht mit ihrem Spiegelbild auseinandersetzen zu müssen. Denn sonst könnten sie leicht verrückt werden. Wie war doch der Name des Knaben aus der griechischen Mythologie, der sich in sein eigenes Bild verliebt hatte? Narzissus, richtig, Narzissus, der stundenlang in eine Quelle starrte, um sein Bild zu sehen.

Frauen hinwiederum können es. Aus dem einfachen Grunde, weil sich Frauen selber nie wirklich sehen. Sie sehen einen Wunschtraum, dem sie mit Lippenstift, Puder und Lidschatten näherzukommen versuchen. Aber Frauen sind sowieso etwas verrückt. Hatte sie ihm nicht neulich gesagt, sie hätte ihn im Spiegel gesehen, obwohl er gar nicht da war?

Vielleicht sollte er ihr besser nichts erzählen; zumindest nicht, bevor er mit dem Makler Hacker gesprochen hatte. Denn eine Erklärung wollte er auf alle Fälle haben. Irgend etwas war irgendwie faul. Warum hatten die vorherigen Mieter alle Spiegel hier oben aufbewahrt?

Als er jetzt über den Boden zurückkehrte, zwang er sich, langsam zu gehen und an irgend etwas zu denken. An irgend etwas – nur nicht an die Angst, die er in dem Raum voller Spiegelungen empfunden hatte.

Spiegelungen von etwas. Aber von was? Wer fürchtet sich vorm bösen Wolf? Wer fürchtet sich vor Spiegelungen? Fast ein neues Märchen, wie?

Vampire. Wie wäre es mit Vampiren? Aber die haben keine Spiegelbilder. »Sagen Sie mir die Wahrheit, Mr. Hacker, waren die Leute, die das Haus gebaut haben, Vampire?« Reizende Vorstellung.

Wirklich eine reizende Vorstellung. So recht geschaffen für die Dämmerung, wenn die Dielen knackten, die Fensterläden klapperten und sich die Nacht langsam auf das Haus voller Schatten senkte; auf das Haus, in dem um jede Ecke etwas zu lugen schien, etwas, das einen auf Schritt und Tritt verfolgte und einem aus den Spiegeln entgegengrinste.

Er setzte sich hin und wartete auf ihre Rückkehr. Er schaltete alle Lampen an und stellte das Radio auf volle Lautstärke. Er war heilfroh, daß er keinen Fernsehapparat hatte. Denn der hätte einen Bildschirm, und ein Bildschirm hätte eine Spiegelung, und eine Spiegelung war das letzte, was er jetzt sehen wollte.

Aber heute passierte nichts weiter, und als sie mit Paketen beladen nach Hause kam, hatte er sich schon wieder in der Gewalt. Sie aßen und unterhielten sich ganz natürlich. So natürlich, daß es, wenn es zugehört hätte, nichts von ihrer Furcht gemerkt hätte.

Nach dem Essen machten sie sich an die Vorbereitungen für die morgige Party. Sie riefen ein paar Leute an, und ihm kam der plötzliche Einfall, die Hackers ebenfalls einzuladen. Als dann wirklich nichts mehr zu tun war, gingen sie schlafen. Das Licht war überall aus. Das bedeutete, daß die Spiegel dunkel waren. Sie konnten beruhigt schlafen.

Am nächsten Morgen bereitete ihm nur das Rasieren einige Schwierigkeiten. Und dann ertappte er sie, jawohl, er ertappte sie. Sie erledigte in der Küche hastig ihr Make-up, wobei sie die Hand schützend um den kleinen Taschenspiegel gelegt hatte, um die Spiegelung auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Aber er sagte nichts, und sie sagte nichts, und es unternahm nichts.

Er fuhr zur Arbeit, und sie bereitete die Sandwiches, und wenn das Haus an diesem langen, trüben, trostlosen Sonnabend hin und wieder seufzte und krächzte und flüsterte, dann war das nur natürlich.

Als er wieder nach Hause kam, schwieg das Haus völlig; und das war noch unangenehmer. Es war, als würde irgend etwas auf den Einbruch der Nacht warten. Deshalb machte sie sich auch so zeitig zurecht. Sie summte, während sie sich puderte und schminkte, und wirbelte vor dem Spiegel herum (man kann nicht so klar sehen, wenn man sich dreht). Deshalb mixte er für sie und für sich ein paar kräftige Drinks, ehe sie eine Kleinigkeit aßen (man kann nicht so klar sehen, wenn man trinkt).

Dann strömten die Gäste herbei. Die Teters, die sich über die windigen, verwahrlosten Straßen durch die hügelige Landschaft beklagten. Die Valliants, die sich wortreich über die antike Täfelung und die hohen Decken äußerten. Die Ehrs, die lachten und kreischten, wobei Vic bemerkte, daß das Haus so aussähe, als wäre es von Charles Addams entworfen. Das war das Startzeichen zum Trinken. Als Mr. Hacker mit seiner Frau dazukam, war die Stimmung schon so ausgelassen, daß man nicht wußte, ob das plärrende Radio das Stimmengewirr der Gäste übertönte oder umgekehrt. Er trank, und sie trank, aber sie konnten es nicht aus ihren Gedanken verbannen. Die Bemerkung über Charles Addams machte alles auch nicht gerade besser. Und dann waren da die anderen Dinge, die nicht zu übersehen waren. Kleinigkeiten nur, aber dennoch … Die Talmadges hatten Blumen mitgebracht. Sie war in die Küche gegangen, um die Blumen in eine Kristallvase zu stellen. Als sie Wasser in die Vase füllte, verdunkelte sich plötzlich das geschliffene Glas zwischen ihren Fingern, und irgend etwas reflektierte von dem Kristall. Sie drehte sich rasch um, aber sie war allein. Ganz allein und hielt hundert nackte Augen in ihren Händen.

Die Vase fiel klirrend zu Boden, und die Ehrs und die Talmadges und die Hackers und die Valliants und er stürzten in die Küche und versammelten sich um sie. Talmadge verurteilte sie wegen Trunkenheit, und das war Grund genug für eine neue Runde. Er sagte kein Wort, sondern holte stillschweigend eine andere Vase. Aber er mußte genau wissen, was vorgefallen war, denn als die Gäste lärmend den Wunsch äußerten, das ganze Haus zu besichtigen, bemühte er sich, sie davon abzuhalten. »Oben ist noch nicht alles eingerichtet«, murmelte er. »Es ist ein heilloses Durcheinander, und Sie würden vor Kisten und Koffern nicht treten können.«

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