18 Gaensehaut Stories
- Автор: Kluge Manfred
- Серия: Heyne Anthologie #53
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
»Wer ist jetzt oben?« fragte Mrs. Teters, als sie mit ihrem Mann in die Küche kam. »Wir haben gerade einen furchtbaren Krach gehört.«
»Irgend etwas muß umgefallen sein«, murmelte der Gastgeber; aber er schaute bei den Worten seine Frau nicht an, und sie vermied es ebenfalls, ihm in die Augen zu blicken.
»Wie wäre es mit noch einem Drink?« fragte sie. Sie mixte und goß hastig ein, und ehe die Gläser halb leer waren, bereitete er schon den nächsten Drink vor. Der Alkohol löste die Zungen, und solange die Leute redeten, überhörten sie vielleicht andere Geräusche.
Die Kriegslist bewährte sich. Die Gäste verzogen sich nach und nach wieder ins Wohnzimmer. Das Radio plärrte, und das Gelächter schwoll an. Das Stimmengewirr verscheuchte die Geräusche der Nacht.
Er schenkte ein, und sie reichte die Gläser herum, und beide tranken. Aber der Alkohol verfehlte bei ihnen seine Wirkung. Sie bewegten sich so vorsichtig, als wären ihre Körper aus Glas, das nur darauf wartete, durch einen plötzlichen gellenden Schrei am Boden zu zerschmettern. Sie konnten soviel trinken, wie sie wollten, sie wurden nicht betrunken.
Ihre Gäste waren gewiß nicht aus zerbrechlichem Glas. Sie tranken und fürchteten nichts. Sie blieben auch nicht sitzen, sondern wanderten herum, und es dauerte gar nicht lange, bis sich Mr. Valliant und Mrs. Talmadge auf eigene Faust auf Entdeckungsreisen in das obere Stockwerk verzogen. Das war zweifellos nicht ganz korrekt, aber glücklicherweise bemerkte niemand weder ihr Verschwinden noch ihre Abwesenheit. Die anderen wurden erst aufmerksam, als Mrs. Talmadge die Treppe heruntergestürzt kam und sich im Badezimmer einriegelte.
Die Gastgeberin bemerkte den Vorfall und folgte Mrs. Talmadge. Sie rüttelte an der Badezimmertür, bat um Einlaß und bereitete sich auf ein paar diskrete Fragen vor. Aber nichts dergleichen war notwendig, denn Mrs. Talmadge fiel ihr förmlich entgegen. Sie weinte und rang die Hände.
»Das ist eine solche Gemeinheit«, schluchzte sie, »uns nachzuschleichen und zu belauern. Dieser widerliche Kerl … ich gebe zu, wir haben ein wenig geschmust, aber das war auch alles. Er mußte sich auch noch verkleiden. Ich möchte nur wissen, wo er den Bart herbekommen hat. Ich habe mich zu Tode erschrocken.«
»Ich verstehe überhaupt nichts«, sagte die Gastgeberin und verstand alles. Sie fürchtete die nächsten Worte.
»Jeff und ich waren im Schlafzimmer. Wir standen nur im Dunkeln – weiter nichts –, ich schwöre es. Auf einmal schaute ich über meine Schulter in den Spiegel, weil vom Flur her Licht kam.
Jemand hatte die Tür geöffnet, und ich konnte das Glas und sein Gesicht sehen. Oh, natürlich, es war mein Mann, aber er trug einen Bart – und die Art, wie er hereingeschlichen kam und uns anstarrte …«
Die nächsten Worte gingen in Schluchzen unter. Mrs. Talmadge zitterte so heftig, daß sie gar nicht bemerkte, wie sehr der Körper ihrer Gastgeberin bebte. Aber sie riß sich gewaltsam zusammen, um den Rest der Geschichte mit einiger Fassung anhören zu können. »… und wie er heimlich wieder hinausschlüpfte, ehe wir etwas sagen oder tun konnten. Du lieber Gott, wenn wir zu Hause sind, wird er mir die Hölle heiß machen und mir die Seele aus dem Leibe fragen – er ist so schrecklich eifersüchtig …« Mrs. Talmadge vergrub ihr Gesicht in die Hände. »Wenn Sie wüßten, wie sein Gesicht im Spiegel ausgesehen hat.« Sie beruhigte Mrs. Talmadge. Sie tröstete Mrs. Talmadge. Sie beschwichtigte Mrs. Talmadge. Aber für ihre eigene Unruhe und Angst gab es keine Beruhigung, keinen Trost, keine Beschwichtigung.
Als sie sich nach ein paar Minuten wieder unter die Gäste mischten, schienen beide ihr seelisches Gleichgewicht wiedergefunden zu haben. Aber in dem Augenblick, als sie das Wohnzimmer betraten, dröhnte ihnen Mr. Talmadges erregte Stimme entgegen.
»Wenn ich eine kurze Verschnaufpause einlege, dann bedanke ich mich für Aufregungen!« Er leerte sein Glas in einem Zug. »Was soll das bedeuten, wenn ich im Badezimmer in den Spiegel sehe, und diese alte Hexe schneidet hinter meinem Rücken Grimassen?« Er schaute in die Runde, dann lachte er dröhnend. »Was für ein Haus unterhalten Sie hier?« fragte er den Gastgeber.
Er hielt das Ganze für einen Witz, und die anderen schienen ebenfalls seiner Meinung zu sein. Nur der Gastgeber und die Gastgeberin standen erstarrt da und wagten nicht, sich in die Augen zu schauen. Ihr Lächeln war verzerrt und brüchig. Glas ist so zerbrechlich. »Ich glaube kein Wort«, lallte Gwen Hacker. Sie hatte einen oder drei zuviel getrunken. »Ich muß das gleich mal prüfen.« Sie winkte den Gastgebern herzlich zu und verschwand in Richtung Treppe. Er hob ruckartig die Hände. »He! Bleiben Sie hier!«
Aber es war sinnlos. Sie rauschte, oder besser gesagt, sie wankte davon.
Talmadge stieß ihm mit dem Ellenbogen in die Seite. »Aprilscherze, wie? – Na, schön. Aber trotzdem: Was wird hier eigentlich gespielt?« Er begann hilflos irgend etwas Sinnloses zu stammeln. Sein Gehirn arbeitete fieberhaft.
Er mußte alles tun, um die Gespräche in Gang zu halten. Sie rückte dicht zu ihm und hörte zu. Sie wollte um alles in der Welt nicht an Gwen Hacker denken, die alleine oben war, in einen Spiegel starrte und wartete –
Die Schreie übertönten die Gespräche. Das war kein Schluchzen und kein Lachen – das waren gellende Schreie.
Er nahm immer zwei Stufen auf einmal, als er die Treppe hinaufraste. Der dicke Mr. Hacker folgte ihm keuchend.
Die anderen Gäste waren plötzlich verstummt und gingen zögernd zur Treppe.
Man konnte die Stufen unter den Füßen knarren hören und das schwere Atmen der Gäste. Aber alles wurde übertönt von den fortgesetzten gellenden Schreien einer Frau, die etwas gesehen oder erlebt haben mußte, was sie schier um den Verstand gebracht hatte. Gwen Hackers Gesicht war verzerrt. Sie hatte keine Kontrolle über ihren Körper, als sie auf den Flur herausstakte und ihrem Mann fast in die Arme sank. Das Licht, das aus dem Badezimmer kam, fiel auf einen Spiegel, der keine Spiegelungen hatte, und auf das Gesicht einer Frau, das keinen Ausdruck hatte.
Sie und er waren an Gwen Hackers Seite. Die Gäste standen dicht gedrängt ein paar Schritte entfernt. Sie brachten die Frau in ihr Schlafzimmer und legten sie mit Mr. Hackers Hilfe auf ihr Bett.
Gwen Hacker war ohnmächtig geworden. Irgend jemand murmelte etwas von einem Arzt, ein anderer meinte, ach nein, sie wird schon wieder zu sich kommen, und wieder ein anderer räusperte sich und sagte, es wäre ohnehin langsam an der Zeit, zu gehen. Zum erstenmal schienen sich alle des alten Hauses und der Dunkelheit, der knackenden Dielen, der klappernden Fenster und der rasselnden Fensterläden bewußt zu werden.
Mit einem Schlage waren alle nüchtern, erschreckt und bestrebt, so schnell wie möglich abzufahren. Hacker beugte sich über seine Frau, rieb ihre Handgelenke und flößte ihr ein paar Schlucke Wasser ein. Sie erwachte langsam wimmernd aus ihrer Ohnmacht. Währenddessen halfen die Gastgeber ihren Gästen schweigend in die Mäntel und ließen die höflichen Entschuldigungen, die hastig gemurmelten Gute-Nacht-Wünsche und die Phrase: ›Es war ein reizender Abend, meine Lieben‹ über sich ergehen.
Die Nacht verschluckte die Teters, die Valliants und die Talmadges. Sie und er kehrten in das Schlafzimmer, in dem die Hackers waren, zurück. Es war auf dem Flur zu dunkel und im Schlafzimmer zu hell.
Gwen Hacker wimmerte immer noch leise. Dann setzte sie sich mit einem Ruck auf und begann zu sprechen. Zu ihrem Mann und zu ihnen.