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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Er legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter. »Das Wasserrohr – im Keller«, meinte er und lächelte leicht.

»Wir sollten besser nachsehen.« Ihre Stimme zitterte verdächtig, als sie zur Treppe gehen wollte.

»Warum willst du denn hinuntergehen? Komm, laß, ich werde mich darum kümmern.«

Sie schüttelte energisch den Kopf und machte sich auf den Weg. Eben war ihre Angst fast mit ihr durchgegangen, und sie mußte beweisen, daß sie sich nicht fürchtete. Sie mußte es ihm beweisen – und auch dem Es.

»Warte einen Moment«, sagte er. »Ich hole rasch den Schraubenschlüssel aus dem Auto.« Er eilte zur Hintertür hinaus.

Sie blieb erst unschlüssig stehen, dann ging sie achselzuckend auf die Kellertreppe zu. Das Plätschern war mittlerweile immer lauter geworden. Das Wasser, das aus dem undichten Rohr hervorschoß, bedeckte schon die ganze Bodenfläche des Kellers. Das Plätschern und Sprudeln war ein seltsames Geräusch. Es wirkte wie Lachen.

Er hörte es ebenfalls, als er beim Auto angelangt war und den Kofferraum öffnete. Irgend etwas ist mit alten Häusern immer los; er hätte es eigentlich wissen sollen. Mal ein Wasserrohrbruch, mal dieses, mal jenes.

Als er mit dem Schraubenschlüssel in der Hand wieder auf das Haus zuging, konnte er überdeutlich das gurgelnde Wasser und die Schreie seiner Frau hören.

Und wie sie schrie! Die Schreie gellten aus dem Keller, aus der Dunkelheit.

Er rannte und schwang den schweren Schraubenschlüssel. Die gellenden Schreie erschütterten ihn bis ins Mark. Er fiel fast die Treppe, die in die Dunkelheit führte, hinunter. Sie war gefangen. Es hatte sie erwischt. Sie wehrte sich verzweifelt, aber es war zu stark, viel zu stark. Neben dem zerbrochenen Rohr fiel ein Lichtschein in den Keller, der auf der Wasseroberfläche glitzerte und funkelte. Er sah, wie sich nicht nur ihr Gesicht widerspiegelte, sondern auch die Schatten von anderen Gesichtern, die um sie herumwirbelten und sie festhielten.

Er hob die Hand mit dem Schraubenschlüssel und ließ sie auf die Dunkelheit der anderen Gesichter hinabsausen. Er schlug wild darauf los. Er schlug und schlug. Er schlug so lange, bis die Schreie erstarben. Dann erst hörte er auf und blickte auf sie hinunter. Es spiegelten sich keine Schatten mehr, aber sie war immer noch da. Sie war ganz ruhig – und sie würde für immer ruhig bleiben. Das Wasser färbte sich dort, wo ihr Kopf ruhte, rot. Genauso rot, wie das Ende des Schraubenschlüssels, den er in der Hand hatte.

Er machte den Mund auf, um ihr alles zu erklären, aber dann merkte er, daß sie tot war.

Jetzt gab es nur noch ihn und es.

Er schleppte sich die Treppe hinauf. Seine Hand umklammerte immer noch den blutigen Schraubenschlüssel. Er wankte zum Telefon, um die Polizei anzurufen.

Er sank auf den Hocker, der vor dem Telefon stand und grübelte, was er der Polizei sagen sollte, wie er das Ganze erklären könnte. Es würde nicht so einfach sein. Wissen Sie, da war diese Verrückte, die so lange in die Spiegel starrte, bis ihr Spiegelbild lebendiger als ihr Körper war. Deshalb lebte sie auch irgendwie weiter, nachdem sie Selbstmord begangen hat. Sie erscheint in Spiegeln und im Glas und in jedem Material, das etwas reflektiert. Sie tötet andere oder treibt sie in den Tod. Und die Spiegelbilder der Toten vereinen sich mit dem der Verrückten und gewinnen mehr und mehr an Macht. Eitelkeit, dein Name ist Weib. Und darum, meine Herren, habe ich meine Frau umgebracht. War das nicht eine feine Erklärung? Aber sie würde die Flut der Fragen nicht aufhalten. Die Flut! Das Wasser! Er hätte es wissen müssen. Es war doch klar, daß Wasser Spiegelungen hervorruft. Genauso wie die Fensterscheibe, in die er jetzt starrte.

Und auf einmal war es hinter ihm, wollte aus dem Schatten heraus auf ihn zu. Er sah das bärtige Männergesicht, die starren, leeren Augen eines kleinen Mädchens und den glotzenden Blick einer aufgetakelten Greisin. Es war hinter ihm, neben ihm, um ihn herum, als er aufstand, schloß sich seine Hand fest um den Schraubenschlüssel. Es war nicht greifbar, aber er mußte es bekämpfen und sich damit auseinandersetzen.

Er drehte sich um, taumelte zurück, aber der Ring der schattenhaften Gesichter schloß sich immer dichter um ihn. Dann sah er, wie ihr Gesicht durch die anderen hindurch auf ihn zukam. Es war ihr Gesicht – nur mit dem einen Unterschied, daß da, wo ihre Augen gewesen waren, jetzt gleißende Splitter funkelten. Dieses Gesicht konnte er nicht bekämpfen. Er konnte nicht noch einmal auf sie einschlagen.

Es bewegte sich vorwärts. Es bewegte sich rückwärts. Sein Arm schnellte zurück. Er hörte, wie das Fensterglas hinter ihm zersplitterte, und mußte unwillkürlich daran denken, daß die alte Frau so gestorben war. Genauso, wie er jetzt starb: Er fiel durch das Fenster und schnitt sich die Kehle auf. Der Schmerz durchraste seinen Körper und zerriß sein Gehirn. Er baumelte hilflos in den Glasscherben und verblutete langsam.

Dann war es vorbei.

Auf dem Boden bildete sich eine Lache, die sich bewegte und anwuchs. Das Licht, das von draußen auf die Pfütze fiel, ließ eine Spiegelung erkennen.

Irgend etwas erhob sich jetzt deutlich aus dem Schatten, schwoll an und quirlte und wirbelte und taumelte durch die Dunkelheit.

Es hatte das Gesicht einer Greisin, das Gesicht eines Kindes, das Gesicht eines bärtigen Mannes, ihr Gesicht und sein Gesicht. Es veränderte sich ständig, verwischte die einzelnen Gesichter.

Es tanzte und wand sich, bis es auf einmal zum Stillstand kam und ruhig verharrte. Nachdem es endlich allein im Haus war, kauerte es sich in eine Ecke und wartete. Es hatte weiter nichts zu tun, als auf den nächsten zu warten. Bis dahin konnte es sich in dem immer größer werdenden roten Spiegelbild auf dem Fußboden bewundern …

Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett von Alexandre Dumas

Alexandre Dumas (1802-1870), der außerordentlich fruchtbare französische Dramatiker und Erzähler, Enkel eines Kreolen und einer Negerin, Sohn eines Generals der Revolutionszeit, fand mit seinen romantischen Stücken und vor allem mit seinem über 300 Bände umfassenden abenteuerlich bunten Romanwerk bei seinen Zeitgenossen begeisterte Aufnahme und weiteste Verbreitung. Sein größter Erfolg war der Roman »Die drei Musketiere« aus dem Jahre 1844. Dumas überlebte seine unvorstellbare Beliebtheit und starb arm und vergessen in Puy bei Dieppe.

Der Arzt, der mit Walter Scott nach Frankreich kam, hieß Doktor Sympson; er war mit den angesehensten Personen der Stadt befreundet.

Darunter befand sich auch ein Richter, dessen Namen er mir nicht genannt hat. Der Name war das einzige Geheimnis, das er in dieser ganzen Angelegenheit für sich behielt. Dieser Richter, den er gewöhnlich als Arzt behandelte, verfiel sichtlich, ohne daß seine Gesundheit gestört schien; eine finstere Schwermut hatte sich seiner bemächtigt. Seine Familie hatte wiederholt den Doktor befragt, und dieser hatte sich an die Freunde des Richters gewandt, ohne etwas aus ihnen herauszubringen als unbestimmte Antworten, die seine Befürchtung nur noch verstärkten.

Endlich drang Dr. Sympson eines Tages in ihn, worauf der Richter mit traurigem Lächeln seine Hände ergriff und zu ihm sagte: »Ja, ich bin krank, und meine Krankheit, lieber Doktor, ist unheilbar, da sie nur in meiner Einbildung besteht.«

»Wie? In Ihrer Einbildung?«

»Ja, ich bin im Begriff, wahnsinnig zu werden!«

»Sie und wahnsinnig! Ich bitte Sie, Sie haben einen klaren Blick, eine ruhige Stimme« – er ergriff ihn bei der Hand –, »einen ausgezeichneten Puls.«

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