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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Das eigenartige Gefühl, das sie beschlich, hatte nichts damit zu tun, daß weit und breit keine Menschenseele war und das Haus des nächsten Nachbarn eine halbe Meile entfernt an der einsamen schmutzigen Straße lag. Sie kam sich auf einmal wie ein unerwünschter Eindringling vor – ein Eindringling in die Vergangenheit. Der kalte Wind, die sterbenden Bäume und der finstere Himmel waren willkommen – sie gehörten zum Haus. Sie war der Außenseiter. Weil sie jung war. Weil sie lebte.

Das alles fühlte sie mehr, als daß sie es dachte. Solange sich ihr Verstand gegen diese Gedanken sträubte, konnte auch keine Angst bei ihr aufkommen. Die Angst, alleine zu sein, oder, was noch viel schlimmer war, die Angst, nicht alleine zu sein.

Denn gerade jetzt, als sie auf das Haus schaute, schloß sich die Tür.

Das war natürlich der Herbstwind. Selbstverständlich. Aber die Tür war weder zugefallen noch zugeschlagen. Sie hatte sich ganz einfach geschlossen. Aber trotzdem: Es war das Werk des Windes. Es mußte sein Werk sein! Denn es war keiner im Haus, der die Tür hätte schließen können.

Sie griff in die Tasche ihres Hauskleides. Dann zuckte sie die Achseln, denn ihr fiel ein, daß sie den Hausschlüssel in die Küche gelegt hatte.

Sie hatte nicht die Absicht gehabt, so bald wieder ins Haus zu gehen, denn sie wollte sich den Garten genau ansehen und überlegen und ausmessen, wo man im nächsten Frühjahr Gemüsebeete anlegen und Blumen pflanzen konnte.

Als sich jetzt aber die Tür geschlossen hatte, fühlte sie, daß sie zurückgehen mußte. Irgend etwas versuchte, sie auszuschließen. Aus ihrem eigenen Haus auszuschließen! Und dem durfte sie keinesfalls nachgeben. Irgend etwas kämpfte gegen sie. Irgend etwas war gegen ihre Anwesenheit und gegen jede mögliche Änderung. Sie mußte sich wehren und ihren Platz behaupten.

Sie ging entschlossen auf das Haus zu, rüttelte am Türgriff und fand ihre Ahnung bestätigt, daß sie ausgeschlossen war. Die erste Runde hatte sie verloren. Aber es gab ja noch das Fenster.

Das Küchenfenster befand sich in Augenhöhe und war einen Spalt geöffnet. Als sie auf eine kleine Kiste stieg, konnte sie es mühelos erreichen.

Sie hob die Hand, um das Fenster weiter in die Höhe zu schieben.

Es rührte sich nicht von der Stelle. Es mußte irgendwo klemmen. Aber es hatte vorher nicht geklemmt, denn ehe sie in den Garten ging, hatte sie es ohne Schwierigkeiten aufschieben können. Außerdem hatten sie bei ihrem Einzug alle Fenster ausprobiert und keine Mängel festgestellt.

Sie versuchte es noch einmal. Mit großer Anstrengung konnte sie das Fenster vielleicht fünfzehn Zentimeter hochschieben, dann … Als das Fenster mit der Wucht einer Guillotine herabsauste, konnte sie gerade noch rechtzeitig ihre Hand zurückreißen. Sie biß sich auf die Lippen. Dann straffte sie die Schultern und versuchte es erneut mit dem Fenster.

Dieses Mal schaute sie dabei in die Scheibe. Es war normales, durchsichtiges Fensterglas. Sie hatte es erst gestern geputzt und wußte, daß es sauber sein mußte. Es hatte keine Verschleierungen, keine Schatten und ganz gewiß keine Bewegungen gehabt.

Aber jetzt war es voller Bewegung!

Irgend etwas Wolkiges, Verschwommenes, irgend etwas eigenartig Undurchsichtiges schien sie anzustarren und die Fensterscheibe herunterzudrücken. Irgend etwas wollte ihr den Eintritt ins Haus verwehren.

Plötzlich lachte sie hysterisch auf, denn ihr war zum Bewußtsein gekommen, daß sie auf ihr eigenes Spiegelbild zwischen den Schatten der Bäume starrte. Natürlich, es mußte ihr eigenes Spiegelbild sein, und es bestand überhaupt keine Veranlassung für sie, die Augen zu schließen und zu schluchzen und – als das Fenster endlich offen war – fast in die Küche zu taumeln.

Sie war im Haus, und sie war allein. Ganz allein. Alles war in bester Ordnung. Sie brauchte ihn mit der Geschichte nicht zu beunruhigen. Sie würde ihm nichts erzählen.

Er würde ihr auch nichts erzählen.

Als sie am Freitag nachmittag den Wagen nahm, um in der Stadt Einkäufe für die morgige Party zu machen, blieb er zu Hause, um die letzten Dinge nach dem Umzug in Ordnung zu bringen.

Aus diesem Grund schaffte er auch die Kleidersäcke auf den Boden. Die Sommersachen nahmen in den Schränken so viel Platz in Anspruch, daß er sie aus dem Wege haben wollte.

Auf dem Boden war es dunkel. Er setzte die Kleidersäcke ab und arbeitete sich mit der Taschenlampe an der Wand entlang. Dabei stieß er auf einen Verschlag unter einem der Giebel. Er starrte auf die Tür und das Vorhängeschloß.

Der Staub und der Rost sprachen ihre eigene Sprache. Hier oben war seit Ewigkeiten keiner gewesen. Er mußte an Hacker, den zungenfertigen Makler, der ihnen dieses Haus vermittelt hatte, denken. »Das Haus ist ein paar Jahre lang nicht bewohnt gewesen und muß etwas aufgemöbelt werden«, hörte er Hacker sagen. So wie es hier aussah, würde er eher sagen, daß das Haus einige Jahrhunderte lang nicht bewohnt gewesen war. Das hatte allerdings den Vorteil, daß er für dieses Schloß nichts weiter als eine einfache Feile benötigte.

Er ging rasch hinunter und kam gleich darauf mit einer Feile zurück.

Der Staub und Schmutz sprachen wirklich ihre eigene Sprache. Die vorigen Mieter mußten das Haus etwas überstürzt verlassen haben. Auf dem Boden herrschte ein heilloses Durcheinander. Überall waren Schutt und Gerümpel verstreut. Die tiefen Schrammen auf dem Fußboden deuteten daraufhin, daß jemand seine Kisten und Koffer in hektischer Eile zur Treppe geschleift hatte.

Nun ja, er hatte den ganzen Winter über Zeit, alles wieder herzurichten. Jetzt wollte er nur die Sommersachen unterbringen. Er klemmte sich die Taschenlampe an den Gürtel und beugte sich mit der Feile in der Hand über das Vorhängeschloß.

Es war wirklich ein Kinderspiel. Das Schloß sprang auf, und er drückte gegen die Tür. Als sie quietschend aufging, mußte er die Luft anhalten. Ihm strömte eine Woge von Moder und Fäulnis entgegen. Dann richtete er den Strahl der Taschenlampe in den engen, schmalen Verschlag.

Ein tausendfaches Glitzern und Funkeln stach ihm in die Augen. Goldenes, glühendes Feuer brannte in seinen Pupillen. Er zuckte mit der Taschenlampe zurück und schloß geblendet die Augen. Dann richtete er den Lichtstrahl nach oben. Und wieder stach ihm gleißendes Licht wie Lanzen in die Augen.

Er sprang zurück. Sein Atem ging rasch. Dann zwang er sich zur Ruhe und Vernunft und lugte noch einmal in den Verschlag. Auf einmal wußte er, woher dieses Glitzern und Funkeln kam. Er blickte in einen Raum voller Spiegel. Sie hingen von der Decke, lehnten in Ecken und standen an den Wänden. Da waren ein großer stattlicher Spiegel, der einmal eine Tür ausgefüllt haben mußte, zwei ovale Spiegel von einer altmodischen Frisierkommode, ein Spiegel, der aus einem Rahmen gebrochen war, und sogar ein komplettes, auseinandergenommenes Medizinschränkchen – fast haargenau das gleiche, das er gerade im Badezimmer angebracht hatte. Der Fußboden war mit Handspiegeln in allen Größen und Formen bedeckt. Er entdeckte einen zierlichen Handspiegel mit silbernem Griff, der einst auf der Frisiertoilette einer Frau gelegen haben mußte. Dahinter lehnte der eigentliche Spiegel der Frisiertoilette. Und rund herum Taschenspiegel, Spiegel aus Puderdosen und aus allen möglichen Etuis. An der gegenüberliegenden Wand stand gleich eine ganze Serie von gleichgroßen ungerahmten Spiegeln, die wahrscheinlich einmal in eine Schlafzimmerwand eingebaut gewesen waren.

Er schaute auf ein halbes Hundert silbriger Oberflächen; er schaute auf ein halbes Hundert Wiedergaben seines bestürzten Gesichtes.

Er mußte wieder an Hacker denken und an den Tag, an dem sie das Haus besichtigt hatten. Er hatte damals Hacker auf das Fehlen des Badezimmerschränkchens aufmerksam gemacht, aber Hacker war nicht näher darauf eingegangen. Es war ihm damals gar nicht aufgefallen, daß im ganzen Haus kein einziger Spiegel vorhanden war. Schön, sie hatten das Haus nicht möbliert gemietet, aber man sollte doch bei so einem alten Bau einen Spiegel in irgendeiner Türfüllung vermuten.

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