18 Gaensehaut Stories
- Автор: Kluge Manfred
- Серия: Heyne Anthologie #53
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
»Es war Asaphs Sarg, Birch, wie ich es mir gedacht habe! Ich habe sein Gebiß wiedererkannt, in dem die oberen Vorderzähne fehlten – um Gottes willen, zeigen Sie niemals jemand Ihre Wunden! Die Leiche ist schon ziemlich verwest, aber dieser rachsüchtige Ausdruck auf dem Gesicht – oder dem, was früher einmal ein Gesicht war! … Sie wissen doch, wie er sich für alles rächte – wie er den alten Raymond dreißig Jahre nach ihrem Grenzstreit ruinierte, wie er einmal einen Hund erschoß, der als Welpe nach ihm geschnappt hatte … Er war der leibhaftige Teufel, Birch, und ich glaube wirklich, daß seine Rachgier den Tod überwunden hat! Gott, dieser haßerfüllte Gesichtsausdruck!
Warum haben Sie das getan, Birch? Sawyer war ein Schuft, und ich kann verstehen, daß Sie ihm den schlechten Sarg gegeben haben, aber mußten Sie denn gleich so weit gehen? Niemand hätte es Ihnen übelgenommen, wenn Sie das Ding für jemand anderen genommen hätten, aber Sie wußten doch, wie klein der alte Fenner war.
Diesen Anblick werde ich nie wieder vergessen können, selbst wenn ich hundert Jahre alt werden sollte. Sie haben verzweifelt um sich geschlagen, als Ihre Sehnen zerbissen wurden, denn Asaphs Sarg lag auf dem Boden.
Ich habe schon viel mitgemacht und gesehen, aber dieser Anblick war schauerlicher als alles andere je zuvor. Auge um Auge, Zahn um Zahn! Der zertrümmerte Schädel allein wäre schon genug gewesen, aber das andere war noch viel schlimmer – die säuberlich abgetrennten Füße, damit die Leiche in den für Matt Fenner vorgesehenen Sarg paßte!«
Das unersättliche Haus von Robert Bloch
Robert Bloch, 1917 geboren, gehört zu jenen amerikanischen Schriftstellern, die der lange Zeit vernachlässigten phantastischen Literatur wieder zu literarischem Ansehen verholten haben. In seiner »Einführung in die Alpträume« schreibt er: »Manchmal können wir nicht umhin, die Existenz der Furcht einzugestehen. Und wenn es nur aus dem Grunde geschieht, um unsere eigene Existenz erträglicher zu machen. Dann suchen wir Ritter ohne Furcht und Tadel nach einem offenen Ventil für unsere Furcht; nach einer Möglichkeit, unseren ängstlichen Gefühlen – die im ›wirklichen‹ Leben für uns nicht existieren – freien Lauf zu lassen. Und so kommen wir unweigerlich zu den Gruselgeschichten. Ich habe viele solcher Geschichten für den Film, das Fernsehen, den Funk und die Zeitschriften geschrieben. Damit habe ich mich wahrscheinlich von meinen eigenen Ängsten befreit. Und den Lesern helfe ich mit meinen Geschichten …«
Als sie das Haus übernommen hatten, waren sie zu zweit. Sie und er.
Dann kam es dazu.
Vielleicht aber war es schon immer im Haus und hatte nur auf sie gewartet. Wie dem auch sei: Es war da, und man konnte nichts dagegen unternehmen.
Es wäre natürlich eine Möglichkeit gewesen, aus dem Haus wieder auszuziehen; aber sie hatten einen Fünfjahresvertrag abgeschlossen und freuten sich über die billige Miete. Außerdem wäre es absurd, sich darüber beim Makler zu beschweren. Sie konnten es nicht einmal ihren Freunden erklären.
Wohin hätten sie auch ziehen sollen? Sie hatten nach monatelanger Suche endlich dieses Haus gefunden.
Zudem weigerten sich zu Beginn sowohl sie als auch er, die Gegenwart von es zur Kenntnis zu nehmen. Aber beide wußten, daß es existierte.
Sie bekam es gleich am allerersten Abend zu spüren. Sie saß vor dem hohen, altmodischen Spiegel im Schlafzimmer und kämmte sich. Der Spiegel war noch nicht abgestaubt und hatte schmierige Flecke. Außerdem flackerte das Licht über dem Spiegel ein wenig.
Darum dachte sie auch zuerst, es wäre ein zufälliger Schatten oder ein Fleck auf dem Glas. Sie runzelte die Brauen, als sie die schwankenden, verschleierten und schemenhaften Umrisse im Hintergrund wahrnahm. Dann glättete sich ihre Stirn, weil sie wußte, daß sich ihr spezielles Verheiratet-sein-Gefühl wieder einmal bemerkbar machte. Dieses Gefühl bestand darin, die Gegenwart des anderen zu spüren, ohne mit Bewußtsein gemerkt zu haben, daß der andere den Raum betreten hatte.
Das war es. Er mußte jetzt genau hinter ihr stehen. Er mußte den Raum lautlos betreten haben. Gleich würde er versuchen, sie zu überraschen und die Arme um sie zu legen.
Sie drehte sich um, um ihm entgegenzulächeln.
Ihr Lächeln fror ein, denn der Raum war leer. Sie schaute wieder in den Spiegel. Die schemenhaften Umrisse waren immer noch da – genauso wie das Gefühl, daß sich noch jemand im Raum befinden mußte.
Sie zuckte die Achseln, schüttelte den Kopf und schnitt eine Grimasse. Sie lächelte ihrem Spiegelbild zu, aber es war ein verunglücktes Lächeln. Durch das fleckige Glas und die schwache Beleuchtung wirkte es verzerrt und fremd – es war ein Lächeln, das nicht zu ihrem Gesicht zu gehören schien.
Nun ja, dachte sie, dieser ganze Umzug war doch recht anstrengend. Dann fuhr sie sich energisch mit der Bürste durch die Haare und verbannte jeden abwegigen Gedanken.
Trotzdem atmete sie erleichtert auf, als er plötzlich das Schlafzimmer betrat. Im ersten Augenblick wollte sie es ihm erzählen, aber dann überlegte sie es sich anders. Sie wollte ihn mit ihren »Nerven« nicht beunruhigen.
Er hingegen war nicht so schweigsam.
Er kam am nächsten Morgen aus dem Badezimmer gestürmt. Seine linke Wange blutete; und er fuchtelte mit dem Rasierapparat herum.
»Was soll der Quatsch?« fragte er verdrießlich. »Warum schleichst du hinter mir her und erschreckst mich im Spiegel? Schau dir an, wie ich mich geschnitten habe! Ich finde das überhaupt nicht lustig!«
Sie lag noch im Bett und setzte sich bei seinen Worten ruckartig auf.
»Aber Schatz, wie soll ich dich erschreckt haben?« fragte sie verschlafen. Dann fuhr sie lebhafter fort: »Ich habe mein Bett überhaupt noch nicht verlassen.«
»Nein?« Er hob erstaunt die Augenbrauen. Nachdem er offensichtlich kurze Zeit angestrengt nachgedacht hatte, war auf seinem Gesicht ein bestürzter Ausdruck. »Na ja«, brummte er.
»Was, ›na ja‹?« Sie hatte die Decke beiseite geschleudert und saß auf der Bettkante. Während ihre Füße automatisch nach den Pantoffeln angelten, schaute sie ihn gespannt an. »Was ›na ja‹?« wiederholte sie.
»Ach nichts«, murmelte er, »gar nichts. Als ich beim Rasieren in den Spiegel guckte, hatte ich nur das Gefühl, daß du – oder sonst irgend jemand – mir über die Schulter siehst. Und zwar ganz plötzlich, verstehst du? Das muß wohl an den verdammten Lampen liegen. Ich werde gleich heute neue Birnen besorgen.«
Er tupfte sich mit dem Handtuch das Blut von der Wange und drehte sich um.
Sie holte tief Luft. »Ich hatte gestern abend dasselbe Gefühl«, sagte sie dann und biß sich sofort ärgerlich auf die Lippen.
»Was sagst du da?«
Sie nickte. »Ja, ja –« Dann fuhr sie hastig fort. »Es muß an den Lampen liegen. Du hast recht – es muß ganz bestimmt an den Lampen liegen.«
Er starrte gedankenverloren vor sich hin. Dann räusperte er sich geräuschvoll.
»Nun ja – was sollte es auch sonst sein? – Ich werde die neuen Birnen bestimmt nicht vergessen.«
« Das ist gut.« Sie nickte eifrig. »Bei der Einweihungsparty am Sonnabend muß alles in Ordnung sein.«
Aber es war noch lange nicht Sonnabend. Bis dahin geschahen noch einige Dinge, die sie mehr verwirrten, als sie sich gegenseitig eingestanden haben würden.
Als er am nächsten Morgen zur Arbeit gefahren war, machte sie sich daran, den Garten zu untersuchen. Der Anblick war alles andere als erfreulich. Der große Garten glich einem verwahrlosten Acker mit dunklen Bäumen, die eine drohende Haltung einzunehmen schienen. Der Herbstwind wirbelte die toten Blätter um das alte Haus. Sie stand auf einer kleinen Anhöhe und schaute nachdenklich auf die finsteren Hausgiebel aus einem anderen Jahrhundert.