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18 Gaensehaut Stories

Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:

Geschichten des Grauens und der Angst
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
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Die Nacht folgte auf die Abenddämmerung, aber Birch arbeitete unermüdlich weiter. Allerdings mußte er sich jetzt weitgehend auf seinen Tastsinn verlassen, denn schwere Wolken verbargen den blassen Mond fast vollständig. Obwohl sein Werk nur langsam Fortschritte machte, fühlte Birch sich durch den allmählich entstehenden Durchbruch ermutigt, den er bis Mitternacht genügend erweitert zu haben hoffte, um hindurchkriechen zu können. Bezeichnend für seine Einstellung diesen Dingen gegenüber muß es genannt werden, daß er sich keine Sekunde lang Gedanken über Zeit, Ort und die leblosen Gestalten zu seinen Füßen machte. Er hämmerte ungerührt weiter, stieß nur ab und zu einen kurzen Fluch aus, wenn ihn ein Splitter ins Gesicht traf, und lachte einmal sogar lauthals, als ein anderer das Pferd streifte, das vor der Gruft unruhig scharrte. Im Laufe der Zeit hatte er die Öffnung so vergrößert, daß er bereits gelegentlich den Versuch unternahm, sich hindurchzuzwängen, wobei die Särge unter seinen Füßen gefährlich knarrten und schwankten. Dabei stellte er fest, daß es nicht nötig sein würde, den bestehenden Stapel um einen Sarg zu erhöhen, denn das Loch befand sich genau in der richtigen Höhe und mußte nur noch erweitert werden. Es muß zumindest bereits Mitternacht gewesen sein, als Birch zu der Überzeugung kam, daß der Durchbruch jetzt groß genug sei. Da er trotz häufig eingelegter Arbeitspausen erschöpft und schweißüberströmt war, stieg er noch einmal in die Gruft hinunter, um seine Kräfte für den bevorstehenden Ausbruchsversuch zu sammeln. Seltsamerweise verspürte er keine rechte Begeisterung mehr dazu und scheute zudem die damit verbundene Anstrengung, denn sein Körper wies bereits die ersten Anzeichen der Korpulenz auf, die bei Männern seines Alters so häufig anzutreffen ist.

Als er wieder über die ächzenden Särge nach oben kletterte, empfand er sein nicht unbeträchtliches Körpergewicht als besonders hinderlich, vor allem als er den obersten erreicht hatte und unter seinen Füßen ein bedrohlich klingendes Krachen vernahm. Offensichtlich hatte er sich einer vergeblichen Hoffnung hingegeben, als er den am besten gebauten Sarg an diese Stelle gedrückt hatte, denn der Deckel gab unter seinem Gewicht nach, so daß Birch einen halben Meter weit in etwas hinabglitt, das nicht einmal er sich vorstellen mochte. Sein Gaul, der schon durch das Krachen erschreckt worden war, wurde durch den ins Freie dringenden unerträglichen Gestank vollends scheu gemacht und raste wie besessen mit dem Wagen davon.

Birch befand sich nun in einer Lage, in der ein leichtes Entkommen durch die erweiterte Öffnung unmöglich war, aber er sammelte seine Kräfte zu einem entschlossenen Versuch. Er umklammerte den unteren Rand des Durchbruchs und wollte sich daran hochziehen, als er feststellen mußte, daß ihn etwas an den Knöcheln zurückzuhalten schien. Jetzt empfand er zum erstenmal in dieser Nacht Angst, denn selbst seine verzweifelten Bemühungen konnten ihn nicht davon befreien, seine Füße blieben umklammert. Gleichzeitig spürte er fast unerträgliche Schmerzen, die ihn noch mehr in Angst und Schrecken versetzten, aber trotzdem behielt er noch klaren Kopf genug, um sich zu vergegenwärtigen, daß die Wunden von Nägeln und Holzsplittern herrühren mußten. Vielleicht schrie er sogar, stieß und schlug aber jedenfalls wild um sich, obwohl er bereits einer Ohnmacht nahe war.

Sein Instinkt muß ihm damals zu Hilfe gekommen sein, denn er brachte es schließlich doch fertig, sich durch die Öffnung zu zwängen und auf dem Boden weiterzukriechen, nachdem er jenseits des eisernen Tors hinabgeglitten war. Es muß schauerlich anzusehen gewesen sein, wie Birch mühsam auf das Häuschen des Friedhofswärters zukroch, während der schwache Mondschein die blutige Spur beleuchtete, die er auf dem kiesbestreuten Weg hinterließ. Seine Hände griffen nach den Grabsteinen, an denen er sich vorwärtszog, während sein Körper nur unwillig gehorchte, wie es immer der Fall zu sein scheint, wenn man sich von einem Wesen aus einem fürchterlichen Alptraum verfolgt fühlt. Offensichtlich gab es diesen Verfolger jedoch nicht, denn Birch war allein und lebendig, als Armington, der Friedhofswärter, ihm auf sein schwaches Klopfen die Haustür öffnete.

Armington trug Birch in ein leerstehendes Bett, dann schickte er seinen Sohn Edwin zu Dr. Davis. Der Verwundete war bei vollem Bewußtsein, aber nicht zu irgendwelchen Auskünften bereit, sondern murmelte nur immer wieder vor sich hin: »Oh, meine Füße! Laß mich los! In der Gruft … eingeschlossen …« Dann kam der Arzt mit seiner schwarzen Tasche, stellte einige Fragen, zog Birch die Stiefel aus und schnitt vorsichtig die blutdurchtränkten Hosen und Socken auf. Die Wunden – beide Knöchel waren an der Achillessehne beträchtlich verletzt – schienen den alten Arzt zunächst in Erstaunen und schließlich sogar in Schrecken zu versetzen. Er stellte immer eindringlichere Fragen, und seine Hände zitterten merklich, als er die Verbände anlegte. Dabei arbeitete er rasch.

Es entsprach keinesfalls dem Wesen des Arztes, der als zurückhaltend bekannt war, daß er den erschöpften Birch mit Fragen über den genauen Hergang des Unglücks bestürmte. Er zeigte sich merkwürdig daran interessiert, ob Birch sicher war – völlig sicher –, welchen Sarg er zuoberst auf den Stapel gestellt hatte, wie er ihn ausgesucht hatte, wie er ihn in der herrschenden Dunkelheit als Fenners Sarg erkannt hatte und wie er ihn von dem schlechteren unterschieden hatte, in dem der rachsüchtige Asaph Sawyer lag. War es tatsächlich möglich, daß der stabil gebaute Sarg Fenners so leicht hatte nachgeben können? Dr. Davis hatte beide Särge bei den jeweiligen Bestattungen gesehen, denen er beigewohnt hatte, da die beiden Verstorbenen zu seinen Patienten gehört hatten. Anläßlich Sawyers Beerdigung hatte er sich sogar darüber gewundert, wie es möglich gewesen war, daß der rachsüchtige Farmer in einem Sarg Platz hatte, der dem des wesentlich kleineren Fenner auffällig glich.

Erst zwei Stunden später stand Dr. Davis von dem Bett des Verwundeten auf, nachdem er Birch eingeschärft hatte, überall und immer zu behaupten, die Wunden rührten ausschließlich von Nägeln und Holzsplittern her. Birch sollte überhaupt jedes Gespräch über diesen unglücklichen Vorfall tunlichst vermeiden und vor allem keinen anderen Doktor seine Verwundungen behandeln lassen. Der Totengräber befolgte diesen Rat für den Rest seines Lebens, bis er sich mir anvertraute, und als ich die Narben zu Gesicht bekam, stimmte ich mit ihm überein, daß er das Richtige getan habe. Er blieb für immer gelähmt, denn die Sehnen waren durchtrennt, aber ich glaube, daß die eigentlichen Wunden in seiner Seele zurückblieben. Sein Verstand war nun auf unerklärliche Weise verwirrt, und seine Reaktion auf Wörter wie Freitag, Gruft, Sarg und andere, die noch unverfänglicher klangen, war geradezu mitleiderregend. Er gab seinen Beruf auf, aber irgend etwas schien ihn zeit seines Lebens zu bedrücken. Es mag nur eine ungewisse Furcht gewesen sein, aber ich habe Grund zu der Annahme, daß sich darunter auch ein verspätetes Bedauern mischte, mit dem er an vergangene Taten zurückdachte.

Nachdem Dr. Davis ihn in jener Nacht verlassen hatte, bat er den Friedhofswärter um eine Laterne und machte sich auf den Weg zu der Gruft. Der Mond warf ein geisterhaftes Licht auf die Ziegeltrümmer und das gähnende Loch oberhalb der eisernen Tür. Das rostige Schloß ließ sich von außen ohne großen Kraftaufwand betätigen, aber Dr. Davis war vorsichtig genug, das Tor durch einen Steinbrocken zu sichern, bevor er sich in die Gruft wagte. Er dachte an die zahllosen Obduktionen zurück, die er mitgemacht hatte, ließ sich von dem entsetzlichen Gestank nicht weiter beeindrucken und richtete den Strahl der Laterne auf die Särge, die wirr durcheinanderlagen. Zuerst stieß er einen lauten Schrei aus, dann gab er einen halb erstickten Laut von sich, der noch schreckerfüllter klang. Einen Augenblick später flüchtete er wie von Furien gehetzt in das Haus des Friedhofswärters zurück und verstieß gegen alle Regeln der ärztlichen Kunst, indem er seinen Patienten aufweckte, ihn bei den Schultern rüttelte und ihm aufgeregt etwas ins Ohr flüsterte. Seine Worte müssen auf Birchs verwirrten Verstand wie die Trompeten des Jüngsten Gerichts gewirkt haben …

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