18 Gaensehaut Stories
- Автор: Kluge Manfred
- Серия: Heyne Anthologie #53
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
Schließlich kam der Frühling, und auf dem Friedhof wurden neun Gräber ausgehoben, denn in der Gruft lagen neun Opfer, die der Sensenmann während des langen Winters abberufen hatte. Birch, der die mit den Umbettungen und Wiederbestattungen verbundene Arbeit scheute, begann an einem trüben Apriltag damit, hörte aber schon bald wieder auf, weil der starke Regen sein Pferd unruhig zu machen schien. Am nächsten Morgen wollte er die zweite Leiche, den alten Matthew Fenner, in das vorbereitete Grab schaffen, hatte aber doch keine Lust dazu und nahm die Arbeit erst wieder am Karfreitag auf. Da er von Natur aus nicht abergläubisch veranlagt war, bedeutete ihm dieser Tag nichts, obwohl er später nie mehr an einem Freitag arbeitete.
Am Nachmittag des fünfzehnten April machte Birch sich also mit Pferd und Wagen auf, um Matthew Fenners Leiche in das Grab zu bringen. Später gab er mir gegenüber zu, daß er dabei nicht ganz nüchtern gewesen sei, obwohl er damals noch nicht die Mengen Alkohol zu sich nahm, mit deren Hilfe er später diesen Tag zu vergessen versuchte. Ein eisiger Wind hatte die Wolken vom Himmel gefegt, und Birch war froh, als er endlich das schwere Eisentor erreicht hatte, das den Eingang zu der Gruft versperrte. Mancher andere hätte die feuchte, nach Moder riechende Kammer nur ungern und zögernd betreten, aber damals war Birch für dergleichen Gefühlsregungen noch völlig unempfindlich und hatte nur eine Sorge – den richtigen Sarg für das vorbereitete Grab zu finden. Nur zu gut konnte er sich noch an den Aufruhr erinnern, der entstanden war, als Hannah Bixbys Verwandte ihre Leiche in die Stadt hatten überführen lassen, wobei sich herausstellte, daß in Wirklichkeit Richter Capwell unter ihrem Grabstein ruhte. Die Beleuchtung innerhalb der Gruft war düster, aber Birch hatte gute Augen und nahm nicht etwa aus Versehen Asaph Sawyers Sarg mit, obwohl er sehr ähnlich aussah. Ursprünglich hatte er diesen Sarg für Fenner vorgesehen gehabt, aber dann hatte er sich daran erinnert, wie freundlich und zuvorkommend der kleine alte Mann stets zu ihm gewesen war. Deshalb hatte er ihn zur Seite gestellt und Matthew Fenner den schönsten und besten Sarg getischlert, den je ein Bürger von Peck Valley bekommen hatte. Andererseits war er aber sparsam genug gewesen, um den schlechten für den Tag aufzuheben, an dem Asaph Sawyer das Zeitliche segnen würde. Sawyer war allgemein unbeliebt und vielen sogar verhaßt, denn seine Rachgier hatte mit zunehmendem Alter geradezu unmenschliche Formen angenommen. Birch hatte keinerlei Gewissensbisse empfunden, als er Sawyers Leichnam in den schlecht gearbeiteten Sarg gelegt hatte, den er jetzt auf der Suche nach Fenners achtlos zur Seite schob.
Er hatte gerade den richtigen Sarg erkannt, als der Wind die Tür ins Schloß warf, wodurch es in der engen Grabkammer noch finsterer als zuvor wurde. Zwischen Tür und Schwelle drang nur ein schwacher Lichtstrahl in das Innere der Gruft, so daß Birch sich mühsam an den Särgen entlangtasten mußte, um wieder an die Tür zu gelangen. Er rüttelte heftig an der Klinke und trat schließlich sogar mit dem Stiefel dagegen, gab diese vergeblichen Bemühungen dann aber wieder auf, als sein vom Alkohol umnebelter Verstand ihm sagte, daß diese Methode wenig erfolgversprechend sei. Das jahrelang vernachlässigte Schloß war offensichtlich durch den heftigen Aufprall gebrochen, wodurch der Totengräber zum Gefangenen der Gruft geworden war – ein Opfer seiner eigenen Sorglosigkeit.
Dieser Vorfall muß sich etwa um vier Uhr nachmittags zugetragen haben. Birch, der von Natur aus phlegmatisch und praktisch veranlagt war, vergeudete keine Zeit mit vergeblichen Hilferufen, sondern machte sich auf die Suche nach einigen Werkzeugen, die er in einer Ecke der Kammer hatte liegen sehen. Es bleibt zu bezweifeln, daß er das Unheimliche und Furchterregende seiner Lage erfaßte, aber er war jedenfalls wütend darüber, sich ausgerechnet in der Gruft eingesperrt zu finden, die in der entferntesten Ecke des Friedhofs lag. Die Arbeit, die er sich für diesen Nachmittag vorgenommen hatte, würde er wohl kaum mehr beenden können, und wenn nicht der Zufall einen Menschen in diese Gegend führte, würde er unter Umständen die ganze Nacht und noch länger hier verbringen müssen. Die Werkzeuge waren schnell gefunden, Birch wählte einen Hammer und einen Meißel und kehrte über die Särge hinweg zur Tür zurück. Die Luft hatte sich bereits merklich verschlechtert, aber er achtete nicht darauf, sondern bearbeitete das schwere Schloß mit heftigen Schlägen.
Als er erkannte, daß das Schloß mit den vorhandenen Mitteln nicht aufzubrechen war – jedenfalls nicht in dem Halbdunkel, in dem er kaum den Meißelkopf erkennen konnte –, suchte Birch nach einem anderen möglichen Ausweg. Die Gruft war in eine Felswand hineingehauen worden, die jeden Ausbruchsversuch nach oben von vornherein als aussichtslos erscheinen ließ. Über der Tür bildete jedoch nur Ziegelmauerwerk den Abschluß, das den Bemühungen eines entschlossenen Mannes keinen allzu großen Widerstand zu bieten versprach; deshalb sah er lange hinauf, während er fieberhaft überlegte, wie er es erreichen könne. In der Gruft befand sich nichts, was als Leiter geeignet gewesen wäre, und die Sargnischen an den Seitenwänden, die Birch selten genug benutzte, waren zu weit entfernt, um als Stufen zu dienen. Nur die Särge selbst blieben nach diesen Überlegungen übrig, und während er darüber nachdachte, suchte er nach der bestmöglichen Anordnung. Drei Särge übereinander, schätzte er, müßten genügen, um ihn das Mauerwerk erreichen zu lassen, aber vier wären bestimmt vorzuziehen. Die einzelnen Särge hatten etwa gleiche Ausmaße und konnten wie Bauklötze aufeinandergestellt werden; Birch überlegte also, wie er mit acht Särgen eine möglichst stabile Plattform errichten könne. Dabei war es unvermeidlich, daß er nachträglich bedauerte, die Einzelteile dieser improvisierten Treppe nicht doch etwas sorgfältiger und solider angefertigt zu haben. Daß er genügend Vorstellungskraft besaß, um sich zu wünschen, die Särge seien leer, muß bezweifelt werden.
Endlich faßte er einen Entschluß und begann die Särge in folgender Anordnung übereinanderzutürmen: drei als Unterlage, dann zwei mal zwei übereinander und schließlich noch einen, von dem aus er arbeiten wollte. Dann benützte er aber doch nur zwei für die unterste Lage, nachdem er sich überlegt hatte, daß er unter Umständen noch einen brauchen würde, um durch das Loch über der Tür hinausklettern zu können. So plagte der unfreiwillige Gefangene sich also in der tiefen Dämmerung ab und errichtete vor Anstrengung keuchend Lage für Lage seinen Turm en miniature. Einige der Särge ächzten bedrohlich, und er hob sich Matt Fenners Sarg bis zuletzt auf, um seinen Füßen später bei der Arbeit eine möglichst sichere Unterlage zu bieten. Dabei mußte er sich vor allem auf seinen Tastsinn verlassen und stieß nur aus Zufall auf den richtigen Sarg, nachdem er ihn zunächst aus Versehen in die dritte Schicht eingebaut hatte.
Nachdem der Turmbau endlich fertiggestellt war, gönnte Birch sich eine kurze Pause, um dann mit Hammer und Meißel bewaffnet an die Arbeit zu gehen. Das leichte Mauerwerk versprach keinen großen Widerstand zu bieten, so daß der wackere Mann nicht daran zweifelte, schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder in Freiheit zu sein. Als die ersten Hammerschläge fielen, wieherte sein Gaul auf, wobei allerdings nicht mit Sicherheit zu unterscheiden war, ob dieser Laut Ermunterung oder Spott bedeuten sollte.
Keine der beiden Auslegungen war von der Hand zu weisen, denn das Mauerwerk erwies sich als überraschend massiv.