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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Aber die auffallendste Erscheinung, was die Unwirksamkeit höherer Verordnungen anbetrifft, waren während jener Zeit doch die Bemühungen Napoleons, dem Plündern Einhalt zu tun und die Disziplin wiederherzustellen.

Militärische Beamte meldeten:

»Die Plündereien in der Stadt werden fortgesetzt trotz des Befehls, ihnen ein Ende zu machen. Die Ordnung ist noch nicht wiederhergestellt, und es gibt noch keinen Kaufmann in der Stadt, der seine Ware auf gesetzliche Art feilhält. Nur die Marketender wagen den Verkauf, aber sie handeln nur mit geraubten Sachen.«

»Ein Teil meines Bezirkes wird immer noch von plündernden Soldaten des dritten Korps heimgesucht, die, nicht damit zufrieden, den armen Flüchtlingen in den Kellern das wenige, was ihnen noch geblieben ist, zu entreißen, auch noch die Grausamkeit besitzen, sie mit Säbelhieben zu verletzen, wovon ich mehrere Beispiele gesehen habe.«

»Nichts Neues, außer daß die Soldaten sich zu stehlen und zu plündern erlauben. Den 9. Oktober.«

»Das Stehlen und Plündern dauert fort. Es gibt eine Diebesbande in unserm Bezirk, die man durch starke Abteilungen festnehmen lassen müßte. Den 11. Oktober.«

»Der Kaiser ist äußerst unzufrieden, daß man trotz seines strengen Befehls, Plünderungen zu verhindern, nichts anderes sieht als marodierende Gardetrupps, die nach dem Kreml zurückkehren. – Bei der alten Garde trat gestern, vorige Nacht und heute die Zuchtlosigkeit und Raublust wieder stärker als je zutage. Der Kaiser sieht zu seinem Leidwesen, daß diese Elitesoldaten, welche die Ehre haben, seine Person zu bewachen, und der ganzen Armee ein Vorbild straffer Manneszucht sein sollten, die Zuchtlosigkeit soweit treiben, daß sie auch in jene Keller und Magazine einbrechen, die für die Armee bestimmt sind. Andere sind so tief gesunken, daß sie den Wachen und diensthabenden Offizieren den Gehorsam verweigert, sie beschimpft und geschlagen haben.«

»Der Oberzeremonienmeister beklagt sich lebhaft«, schrieb der Gouverneur, »daß die Soldaten trotz wiederholter Verbote immer wieder in allen Höfen und selbst unter den Fenstern des Kaisers ihre Bedürfnisse befriedigen.«

Dieses Heer, das wie eine zerstreute Herde die Nahrung mit Füßen trat, die es vorm Hungertod hätte retten können, verfiel und verdarb zusehends mit jedem Tag, den es länger in Moskau blieb. Aber es rührte sich nicht vom Fleck.

Erst dann brach es auf, als es plötzlich von einem panischen Schrecken ergriffen wurde, den die Nachrichten von der Wegnahme einiger Fuhren auf der Smolensker Landstraße und von der Schlacht bei Tarutino hervorriefen. Diese Nachricht von der Schlacht bei Tarutino, die Napoleon unerwartet bei einer Besichtigung erhielt, erweckte in ihm, wie Thiers sagt, den Wunsch, die Russen zu bestrafen, und er gab den Befehl zum Aufbruch, wie es das ganze Heer verlangte.

Als die Truppen von Moskau abzogen, schleppten sie alles mit fort, was sie in der Stadt gestohlen hatten. Selbst Napoleon führte seinen eigenen trésor mit sich. Als er die Fuhren erblickte, die der Armee überall den Weg versperrten, soll er, wie Thiers berichtet, doch etwas erschrocken gewesen sein. Aber bei all seiner Kriegserfahrung befahl er nicht, all diese überflüssige Bagage zu verbrennen, wie er es auf dem Hinweg nach Moskau mit den Gepäckwagen eines Marschalls hatte tun lassen, sondern sah sich all diese Wagen und Karren, in denen Soldaten fuhren, an und sagte, das sei ganz schön, diese Fuhrwerke könne man noch einmal für Proviant oder für Kranke und Verwundete brauchen.

Die französische Armee befand sich in derselben Lage wie ein angeschossenes Wild, welches fühlt, daß es sterben muß, und nicht mehr weiß, was es tut. Die künstlichen Manöver und Pläne Napoleons und seiner Truppen von der Zeit ihres Einzuges in Moskau bis zu ihrer Vernichtung eingehend zu erörtern, wäre dasselbe, wie wenn man die Bedeutung der letzten Sprünge und Zuckungen eines tödlich verwundeten Wildes vor seinem Verenden einer Betrachtung unterziehen wollte. Meist stürzt sich solch ein verwundetes Tier, wenn es ein Rascheln hört, dem Jäger gerade vor den Schuß, rennt vor und wieder zurück und führt dadurch selber sein Ende um so schneller herbei. Dasselbe tat Napoleon, von seinem ganzen Heer dazu gedrängt. Das Geräusch der Schlacht bei Tarutino machte das Wild aufschrecken, es stürzte dem Jäger vor den Schuß, rannte auf ihn zu, drehte sich wieder um und floh dann wie jedes Wild auf dem ungünstigsten, gefährlichsten Weg zurück, nur weil er die ihm bekannte, alte Spur war.

Napoleon aber, der uns als Leiter dieser ganzen Bewegung erscheint, wie die Wilden die geschnitzte Figur am Schiffsschnabel für die Kraft ansehen, die das Schiff lenkt, Napoleon war während der ganzen Zeit seines Wirkens wie das Kind, das die Riemen im Inneren des Wagens in der Hand hält und sich einbildet, es lenke den Wagen.

11

Am 6. Oktober ging Pierre frühmorgens aus dem Schuppen, kehrte wieder um, blieb an der Tür stehen und spielte mit dem langen, grauschwarzen Hündchen, das auf seinen kurzen, krummen Beinen um ihn herumsprang. Dieser kleine Hund lebte bei ihnen in der Baracke, schlief nachts bei Karatajew, lief manchmal in die Stadt, kehrte aber immer wieder zurück. Wahrscheinlich hatte er niemals einen Herrn gehabt, gehörte auch jetzt keinem und hatte nicht einmal einen Namen. Die Franzosen nannten ihn Azor, der Soldat, der immer die Märchen erzählte, Femgalka, und Karatajew und andere riefen ihn »Grauer« oder manchmal auch »Zwerg«. Daß es keinem gehörte, keinen Namen, keine Rasse, ja nicht einmal eine bestimmte Farbe hatte, bekümmerte das grauschwarze Hündchen nicht im geringsten. Seine buschige Rute stand wie ein Helmbusch fest und rund nach oben, seine krummen Beine leisteten ihm so gute Dienste, daß er oft, als verschmähe er es, alle viere zu gebrauchen, das eine Hinterbein anmutig hob und äußerst gewandt und schnell auch auf drei Beinen lief. Alles war ihm Anlaß, vergnügt zu sein. Bald wälzte er sich auf dem Rücken und winselte vor Freude, bald aalte er sich mit nachdenklicher, bedeutsamer Miene in der Sonne, bald trieb er Schabernack und spielte mit einem Hölzchen oder Strohhalm.

Pierres Kleidung bestand jetzt aus einem schmutzigen, zerrissenen Hemd, das ihm allein von seinen früheren Sachen verblieben war, aus einer Soldatenhose, die er auf Karatajews Rat an den Knöcheln mit Bindfaden zusammengebunden hatte, damit sie wärmer hielt, aus einem Kaftan und einer Bauernmütze. Pierre hatte sich während dieser Zeit körperlich stark verändert. Er schien nicht mehr dick, obgleich man ihm noch die Kernigkeit und Kraft, die in seinem Geschlecht erblich war, ansah. Der untere Teil seines Gesichtes war ganz mit Bart bewachsen, sein langes, wirres Kopfhaar, das von Läusen wimmelte, umgab sein Haupt wie eine lockige Mütze. Der Ausdruck seiner Augen war fest, ruhig und lebhaft bereit, ein Ausdruck, wie ihn seine Augen früher nie gehabt hatten. Sein früheres Sichgehenlassen, das in seinem Blick zum Ausdruck gekommen war, hatte jetzt einer energischen, zu Tat und Widerstand bereiten Sammlung Platz gemacht. Seine Füße waren nackt.

Pierre blickte bald über die Felder, über die an diesem Morgen Fuhren und Reiter dahinzogen, bald über den Fluß in die Ferne, bald auf das Hündchen, das tat, als wolle es ihn im Ernst beißen, und bald auf seine nackten Füße, die er mit einem gewissen Behagen bald so, bald so hinstellte, wobei er seine großen, dicken, schmutzigen Zehen bewegte. Und jedesmal, wenn er auf seine nackten Füße schaute, huschte ein Lächeln lebhafter Zufriedenheit über sein Gesicht. Der Anblick dieser nackten Füße rief ihm alles wieder ins Gedächtnis zurück, was er während dieser ganzen Zeit erlebt und begriffen hatte, und diese Erinnerung war ihm angenehm.

Das Wetter war schon seit einigen Tagen still und klar. Frühmorgens zeigten sich leichte Fröste. Es war der sogenannte Altweibersommer. Die Luft in der Sonne war warm, und diese Wärme zusammen mit der stärkenden Frische des Morgenfrostes wirkte besonders wohltuend.

Auf allem, was man fern oder nah erblicken konnte, lag jener zauberhafte Kristallglanz, den man nur in dieser herbstlichen Jahreszeit findet. In der Ferne sah man die Sperlingsberge

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