Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Русская классическая проза » Aufzeichnungen aus einem toten Hause

Электронная книга - «Aufzeichnungen aus einem toten Hause». Краткое содержание книги:

Aufzeichnungen aus einem toten Hause
1 ... 35 36 37 38 39 40 41 42 43 ... 96
Перейти на страницу:

Als die Türe zum eigentlichen Baderaum aufgemacht wurde, glaubte ich, daß wir in die Hölle kämen. Man stelle sich einen Raum von etwa zwölf Schritt Länge und von der gleichen Breite vor, in dem sich vielleicht an die hundert, mindestens aber achtzig Menschen angesammelt haben: alle Arrestanten waren ja in nur zwei Schichten eingeteilt, ins Bad waren aber im ganzen rund zweihundert Mann gekommen. Der Dampf umnebelte die Augen, es war qualmig, schmutzig und so eng, daß man keinen Schritt machen konnte. Ich erschrak und wollte schon umkehren, aber Petrow beeilte sich, mich zu ermutigen. Wir drängten uns irgendwie mit großer Mühe zu den Bänken zwischen den Köpfen der Menschen durch, die auf dem Boden saßen und die wir baten, sich zu bücken, damit wir durchkönnten. Aber alle Plätze auf den Bänken waren besetzt. Petrow erklärte mir, daß man sich den Platz erst kaufen müsse, und trat sofort in Verhandlungen mit einem Sträfling, der am Fenster saß. Jener trat für eine Kopeke seinen Platz ab, empfing von Petrow das Geld, das dieser vorsorglich in der Faust mitgenommen hatte, und glitt sofort unter die Bank, direkt unter meinen Platz, wo es dunkel und schmutzig war und sich ein klebriger Schlamm, fast einen halben Finger dick angesetzt hatte. Aber auch unter den Bänken waren alle Plätze besetzt; auch dort wimmelte es von Menschen. Auf dem ganzen Fußboden war keine Handbreit Platz frei, wo nicht zusammengekrümmte Arrestanten saßen, die sich aus ihren Holzeimern begossen. Andere standen, die Holzeimer in den Händen, zwischen ihnen und wuschen sich im Stehen; das schmutzige Wasser lief von ihnen direkt auf die rasierten Köpfe der unter ihnen Sitzenden. Auf der Schwitzbank und auf allen zu ihr emporführenden Vorsprüngen saßen und wuschen sich zusammengekrümmte Menschen. Sie wuschen sich aber recht nachlässig. Einfache Menschen waschen sich bei uns selten mit heißem Wasser und Seife; sie schwitzen nur entsetzlich im heißen Dampfe und begießen sich darauf mit kaltem Wasser, – darin besteht ihr ganzes Bad. Auf der Schwitzbank hoben und senkten sich an die fünfzig Badebesen im gleichen Takt; alle bearbeiteten sich mit diesen Besen bis zur Berauschung. Jede Minute wurde neuer Dampf gegeben. Das war keine Hitze mehr; es war die Hölle. Alles schrie und krakeelte, vom Klirren der hundert auf dem Boden schleifenden Ketten begleitet... Manche, die durchgehen wollten, verfingen sich in den fremden Ketten, streiften mit den eigenen die Köpfe der unter ihnen Sitzenden, fielen hin, fluchten und zogen die anderen mit. Der Schmutz strömte von allen Seiten. Alle waren wie in einem Rausche, in einer seltsam erregten Gemütsverfassung; man hörte Schreien und Kreischen. Am Fenster im Vorraume, durch das man das heiße Wasser reichte, war ein Gedränge, ein Lärm und Handgemenge. Das empfangene heiße Wasser wurde auf die Köpfe der unten Sitzenden verschüttet, noch ehe man es aus seinen Platz brachte. Jeden Augenblick blickte durch dieses Fenster oder durch die halb geöffnete Türe das schnurrbärtige Gesicht des Soldaten herein, der mit einem Gewehr in der Hand aufpaßte, ob es nicht irgendeine Unordnung gäbe. Die rasierten Schädel und die vom Dampfe rot gewordenen Körper der Arrestanten erschienen noch abstoßender. Auf den vom Dampfe geröteten Rücken treten gewöhnlich scharf die Narben von den früher erhaltenen Ruten- und Stockschlägen hervor, und nun erschienen alle diese Rücken aufs neue verwundet. Die schrecklichen Narben! Es überlief mich kalt, als ich sie sah. Man gibt wieder Dampf, und er füllt als eine dichte heiße Wolke wieder die ganze Badestube; alles schreit und krakeelt. In der Dampfwolke bewegen sich die wundgeprügelten Rücken, die rasierten Köpfe, die gekrümmten Arme und Beine; zur Vollendung des Bildes schnattert auf der höchsten Schwitzbank Issai Fomitsch aus voller Kehle. Er genießt das Dampfbad bis zur Bewußtlosigkeit, aber kein noch so heißer Dampf scheint ihm zu genügen; er mietet sich für eine Kopeke einen Bader, aber auch der hält es schließlich nicht aus, wirft den Besen weg und läuft davon, um sich mit kaltem Wasser zu begießen. Issai Fomitsch läßt aber den Mut nicht sinken und mietet sich einen zweiten, einen dritten: er hat sich schon entschlossen, bei einer solchen Gelegenheit keine Kosten zu scheuen, und wechselt an die fünf Bader nacheinander. »Wie der aufs Dampfbad versessen ist, ein tapferer Kerl, dieser Issai Fomitsch!« schreien ihm die Arrestanten von unten zu. Issai Fomitsch findet auch selbst, daß er in diesem Augenblick über alle erhaben ist und alle übertroffen hat; er triumphiert und kräht mit scharfer, verrückter Stimme seine Arie »la la la«, die alle anderen Stimmen übertönt. Mir kam der Gedanke: wenn wir alle miteinander einmal in die Hölle kommen, so wird sie diesem Orte sehr ähnlich sehen. Ich konnte mich nicht beherrschen und teilte diese Vermutung Petrow mit; der sah sich nur in der Runde um und sagte nichts.

Ich hatte schon die Absicht, auch ihm einen Platz neben mir zu kaufen, aber er ließ sich zu meinen Füßen nieder und erklärte, daß er es sehr bequem habe. Bakluschin kaufte uns indessen Wasser und reichte es uns, wenn wir es brauchten. Petrow erklärte, er wolle mich vom Kopf bis zu den Füßen waschen, so daß ich »blitzsauber« sein würde, und forderte mich eifrig auf, auf die Schwitzbank zu gehen. Aber ich wagte mich nicht hin. Petrow rieb mich ganz mit Seife ein. »Und jetzt will ich Ihnen die Füßchen waschen,« fügte er am Schlüsse hinzu. Ich wollte ihm schon sagen, daß ich sie mir auch selbst waschen könne, aber ich widersprach ihm nicht mehr und ergab mich ganz in seinen Willen. Im Diminutiv »Füßchen« lag durchaus nichts Knechtisches; Petrow konnte ganz einfach nicht meine Füße »Füße« nennen, weil die anderen, die gewöhnlichen Menschen Füße, ich aber nur »Füßchen« hatte.

Nachdem er mich gewaschen, brachte er mich mit den gleichen Zeremonien, d. h. indem er mich stützte und bei jedem Schritt warnte, als wäre ich von Porzellan, in den Vorraum zurück und half mir die Wäsche anziehen; erst als er mit mir ganz fertig geworden war, eilte er selbst in die Badestube zurück, um ordentlich den Dampf zu genießen.

1 ... 35 36 37 38 39 40 41 42 43 ... 96
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)