18 Gaensehaut Stories
- Автор: Kluge Manfred
- Серия: Heyne Anthologie #53
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Жанр: Ужасы
Электронная книга - «18 Gaensehaut Stories». Краткое содержание книги:
herausgegeben von Manfred Kluge
Algernon Blackwood
Die Spuk-Insel
Honoré de Balzac
Die Zaubernacht in den Hochlanden
Lalcadio Hearn
Der Fall Chugoro
Philip Latham
Jeanettes Hände
Washington Irving
Die Geschichte vom schläfrigen Tal
Jonas Lie
Das Seegespenst
Nikolaj Gogol
Die Johannisnacht
Guy de Maupassant
Die Angst
Villiers de l’Isle-Adam
Folter durch Hoffnung
Edgar Allen Poe
Der schwarze Kater
H. P. Lovecraft
In der Gruft
Robert Bloch
Das unersättliche Haus
Alexandre Dumas
Die Katze, der Gerichtsdiener und das Skelett
H. G. Wells
Spuk im Klub
Andrew J. Offutt
Sareva, meine Hexe
Jack Sharkey
Die Dämonin
Lewis Hammond
Die Witwe vom Belgrave Square
I. M. Rymer
Vampir zu sein dagegen sehr …
Der zweite und dritte Tag verging – mein Peiniger kam nicht wieder. Noch einmal atmete ich in Freiheit auf. Das Untier war vor Schrecken aus meinem Hause entflohen! Ich würde es nicht mehr sehen! Mein Glück war unbeschreiblich. Das Andenken an meine schwarze Tat beunruhigte mich so gut wie gar nicht. Man hatte einige Nachforschungen angestellt, doch hatte ich sie bald zu erledigen gewußt. Sogar eine Haussuchung hatte stattgefunden, die natürlich ergebnislos verlaufen war. Ich fühlte mich vollständig ruhig und sicher.
Am vierten Tage nach dem Mord erschienen jedoch ganz unerwartet noch einige Abgesandte der Polizei und nahmen von neuem eine sorgfältige Haussuchung vor. Da ich jedoch vollkommen überzeugt war, daß man das verhängnisvolle Versteck nicht auffinden werde, blieb ich ganz kaltblütig. Die Beamten forderten mich auf, sie bei der Durchsuchung zu begleiten. Sie ließen keinen Winkel, keine Ecke außer acht. Endlich stiegen sie zum dritten- oder viertenmal in den Keller hinab. Ich zuckte mit keiner Wimper, und mein Herz schlug so ruhig wie das eines Menschen, der in Unschuld schläft. Ich durchschritt den Keller von einem Ende zum andern, kreuzte die Arme über die Brust und ging seelenvergnügt auf und ab. Die Beamten schienen befriedigt und schickten sich an, wieder hinaufzugehen. Die Freude meines Herzens war zu groß, als daß ich sie ganz hätte verbergen können. Es stachelte mich förmlich, meinem Triumph, wenn auch nur durch ein Wort, Ausdruck zu verleihen und sie in ihrer Überzeugung von meiner Unschuld zu bestärken.
»Meine Herren«, sagte ich endlich, als die Gesellschaft schon die Stufen hinaufschritt, »ich freue mich, daß sich Ihr Verdacht als unbegründet erwiesen hat. Ich wünsche Ihnen ein herzliches Lebewohl und für die Zukunft etwas mehr Höflichkeit. Im übrigen, meine Herren, ist dies ein sehr solide gebautes Haus!« (In dem wahnsinnigen Verlangen, irgend etwas Anzügliches leicht hinzuwerfen, wußte ich kaum selbst mehr, was ich sprach.) »Man könnte es fast ein außerordentlich solide gebautes Haus nennen! Diese Mauern – Sie gehen schon, meine Herren? – diese Mauern sind fest gefügt.« Und hier klopfte ich aus purer Prahlerei mit einem Stocke, den ich in der Hand hielt, heftig gerade gegen den Teil der Mauer, hinter dem der Leichnam jener Frau verborgen war, die ich von Herzen geliebt hatte.
Aber möge Gott mir gnädig sein und mich aus den Klauen des Erzfeindes befreien! Kaum war der Nachklang der Schläge in der Stille verhallt, als eine Stimme aus dem Innern des Grabes antwortete. – Es war ein Geschrei, anfangs gebrochen und halb erstickt, wie das Schluchzen eines Kindes, ein Geschrei, das dann zu einem langen, anhaltenden Laut anschwoll, der übernatürlich und unmenschlich klang – einem Geheul, einem kreischenden Wehklagen, in dem sich Schreck und Frohlocken zu mischen schienen, wie es sich nur den Kehlen der Verdammten in ihren Qualen und der Brust triumphierender Teufel entringen kann.
Es wäre unnütz, von meinen Empfindungen sprechen zu wollen. Einer Ohnmacht nahe, taumelte ich gegen die Rückwand des Kellers. Einen Augenblick standen die Polizisten im Übermaß des Entsetzens und Grausens regungslos und starr, im nächsten jedoch arbeiteten bereits ein Dutzend kräftige Arme an der Mauer.
Sie war bald niedergerissen, und der schon stark in Verwesung übergegangene, mit geronnenem Blut bedeckte Leichnam meiner Frau stand aufrecht vor ihren Augen da. Auf dem Kopf, mit aufgerissenem rotem Maul und seinem einzigen glühenden Auge, hockte das scheußliche Tier, dessen Gebaren mich zum Morde verleitet hatte und dessen verräterische Stimme mich jetzt dem Henker überlieferte.
Ich hatte das Ungeheuer mit in das Grab eingemauert.
In der Gruft von H. P. Lovecraft
Howard Phillips Lovecraft (1890-1937), legendärer amerikanischer Chronist des Grauens, der in Providence, Long Island, das Leben eines Sonderlings führte, konnte zu seinen Lebzeiten nur ein einziges Buch veröffentlichen; seine Kurzgeschichten und Erzählungen erschienen in Magazinen, vor allem in der Zeitschrift »Weird Tales«. Lovecraft wurde erst nach seinem Tode berühmt, als seine unheimlichen Geschichten gesammelt zu erscheinen begannen und in viele Sprachen übersetzt wurden. Als in der von Kalju Kirde herausgegebenen »Bibliothek des Hauses Usher« die ersten Lovecraft-Bände erschienen, schrieb der Rezensent der »Kölnischen Rundschau« : »Was da aus den Schächten der Phantasie, aus den schwarzen Abgründen des Grauens auftaucht, wird mit exaktem, peniblem Realismus festgehalten, wie in der surrealistischen Malerei, die ihre Visionen mit naturalistischer Genauigkeit einfängt.«
Meiner Ansicht nach gibt es nichts Absurderes als die gedankliche Assoziation der Begriffe ländlich und lebensfroh, obwohl die Psychologie der breiten Masse seit jeher zu diesem Irrtum neigt. Berichtet man eine Begebenheit aus New England und erwähnt als Hauptperson den tolpatschigen Totengräber, dem durch seine Sorglosigkeit ein Mißgeschick in einer Gruft zustößt, dann erwartet der Durchschnittsleser wohl selten mehr als eine herzhafte Komödie. Aber Gott weiß, daß diese Geschichte, die ich jetzt nach George Birchs Hinscheiden erzählen kann, Aspekte aufweist, im Vergleich zu denen einige der bekannteren klassischen Tragödien fast harmlos wirken müssen.
Birch bat im Jahre 1881 plötzlich um seine Entlassung und gab seinen Beruf gänzlich auf, sprach aber niemals über die Gründe, die zu diesem Entschluß geführt hatten. Auch sein Hausarzt, Dr. Davis, der nun schon seit Jahren tot ist, bewahrte striktes Stillschweigen. Allgemein bekannt war nur, daß Birch Verletzungen und einen Schock erlitten hatte, als er neun Stunden in der Gruft des Friedhofs von Peck Valley zubringen mußte, bis er sich endlich selbst aus dieser mißlichen Lage befreien konnte. Die wahren Hintergründe dieser Geschichte erfuhr ich erst von Birch persönlich während der häufigen Krankenbesuche, die ich ihm in den letzten Wochen vor seinem Tod abstattete. Er hatte Vertrauen zu mir, weil ich sein Arzt war, vielleicht aber auch nur, weil er sich mit niemandem mehr aussprechen konnte, nachdem Dr. Davis gestorben war. Birch war Junggeselle geblieben und besaß keine Verwandten.
Bis zum Jahre 1881 hatte Birch das Amt des Totengräbers von Peck Valley ausgeübt und war selbst für diesen Menschenschlag ungewöhnlich abgebrüht. Seine Arbeitsweise muß für unsere Verhältnisse geradezu unglaublich erscheinen, und die biederen Bürger von Peck Valley wären vermutlich entsetzt gewesen, hätten sie je erfahren, wie weitherzig dieser Mann den Eigentumsbegriff auslegte, wenn es sich um Wertgegenstände handelte, die ohnehin nicht mehr sichtbar waren, nachdem der Sargdeckel sich über den Toten geschlossen hatte. Dazu kam noch, daß Birch keine langen Umstände zu machen pflegte, wenn einmal eine Leiche nicht in den Sarg paßte, bei dessen Herstellung er es an der nötigen Sorgfalt hatte fehlen lassen. Er war verantwortungslos, roh und für seine Stellung denkbar ungeeignet, aber trotzdem glaubte ich nicht, daß er von Grund auf schlecht und böse war. Gedankenlosigkeit, Leichtsinn und Trunksucht im Verein mit seinem grobschlächtigen und ungebildeten Wesen führten schließlich jenen Unfall herbei, der bestimmt zu verhindern gewesen wäre.
Ich weiß nicht recht, an welchem Punkt ich Birchs Geschichte beginnen soll, denn ich bin kein geübter Erzähler. Zu Anfang sollte man wohl den bitterkalten Dezember des Jahres 1880 erwähnen, in dem das Erdreich so tief gefror, daß bis zum Frühjahr keine Gräber mehr ausgehoben werden konnten. Glücklicherweise war das Dorf klein und die Zahl der Toten in diesem Winter besonders niedrig, wodurch Birch in der Lage war, seine leblosen Schützlinge in der leerstehenden Gruft auf dem Friedhof unterzubringen. Das kalte Wetter machte ihn noch mürrischer als sonst, und er schien sich selbst in bezug auf schlechte Arbeit übertreffen zu wollen. Nie zuvor hatte er schiefere Särge zusammengehämmert oder sich weniger um das rostige Schloß in der Tür zu der Gruft gekümmert, wenn er wieder einmal einen Toten zur vorläufigen Ruhe zu betten hatte.