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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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»Eine Frage aus Neugierde«, sagte der Scheich: »Wohin ziehen die Mönche um? Ich könnte ihnen unsere Gastfreundschaft anbieten. Unsere Kultur hat stets andere Glaubensrichtungen willkommen geheißen.«

»Ich weiß es nicht, und selbst Botschafter Radschasinghe hat keine Ahnung. Als ich ihn danach fragte, sagte er: Es wird ihnen nicht schlechtgehen. Ein Orden, der seit dreitausend Jahren ein frugales Leben zelebriert, kann nicht eben arm sein.«

»Hmm. Vielleicht könnten wir ein wenig von ihrem Reichtum gebrauchen. Ihr Projekt wird jedes Mal, wenn wir zusammentreffen, um einen Sprung teurer.«

»Nicht wirklich, Herr Präsident. Die jüngste Schätzung enthält einen reinen Buchhalterposten für Arbeiten im erdfernen Raum, für deren Finanzierung Narodnij Mars sich inzwischen zur Verfügung gestellt hat. Sie finden für uns einen Kohlenstoff enthaltenden Asteroiden und bugsieren ihn in eine Erdumlaufbahn. Sie verstehen davon wesentlich mehr als wir, und wir bekommen damit die Lösung eines unserer größten Probleme geschenkt.«

»Und was ist mit dem Kohlenstoff für ihren eigenen Turm?«

»Sie haben unbegrenzte Vorkommen auf Deimos — genau dort, wo sie sie brauchen. Narodnij vermisst derzeit alle in Frage kommenden Abbauorte. Die eigentliche Fertigung wird jedoch abseits von Deimos stattfinden müssen.«

»Darf ich fragen warum?«

»Wegen der Schwerkraft. Selbst Deimos hat ein paar Zentimeter pro Sekunde im Quadrat. Hyperdraht kann nur unter vollkommenen Null-g-Bedingungen hergestellt werden. Auf andere Weise kann eine perfekte Kristallstruktur von ausreichender Länge nicht garantiert werden.«

»Ich danke Ihnen, Van. Begebe ich mich in Gefahr, wenn ich frage, warum Sie den grundlegenden Entwurf abgeändert haben? Mir gefiel Ihr Bündel von vier Röhren — zwei auf- und zwei abwärts. Unter einer herkömmlichen U-Bahn konnte ich mir etwas vorstellen — selbst wenn sie um neunzig Grad geschwenkt war.«

Nicht zum ersten Mal — und sicher nicht zum letzten — war Morgan überrascht von der Sicherheit, mit der der alte Mann sein Gedächtnis handhabte, und seinem Verständnis für das Detail. Bei ihm durfte man niemals etwas als selbstverständlich voraussetzen. Seine Fragen entstammten zwar manchmal reiner Neugierde — der spitzbübischen Neugierde eines Mannes, der seiner selbst so sicher war, dass er auf seine Würde keine Rücksicht zu nehmen brauchte —, aber er vergaß nichts, was auch nur von der geringsten Bedeutung war.

»Unsere anfänglichen Pläne waren zu sehr erdorientiert. Wir verhielten uns etwa so wie die ersten Automobilbauer, die immerfort pferdelose Wagen produzierten. Unser neuer Entwurf sieht einen quadratischen Turm vor, auf dessen Seiten vier Fahrspuren verlaufen. Stellen Sie sie sich als vier vertikale Eisenbahnen vor. Am oberen Ende misst der Turm vierzig Meter pro Seite, am erdseitigen Ende nur noch zwanzig.«

»Wie ein Stalag… Stalak…«

»Stalaktit, ja. Vom Standpunkt des Ingenieurs aus wäre der Eiffelturm eine brauchbare Analogie — auf den Kopf gestellt und hunderttausendmal in die Länge gezogen.«

»So viel?«

»Ungefähr.«

»Schön. Ich nehme an, es gibt kein Naturgesetz, das besagt, dass man einen Turm nicht nach unten hängen lassen kann.«

»Wir haben auch einen, der aufwärts strebt, erinnern Sie sich? Von der Masseverankerung im Synchronorbit nach draußen. Damit die Struktur stets unter angemessener Spannung steht.«

»Und die Station Mitte? An der haben Sie doch hoffentlich nichts geändert?«

»Nein. Sie befindet sich noch immer am selben Platz — in fünfundzwanzigtausend Kilometern Höhe.«

»Gut. Ich weiß, ich werde sie nie zu Gesicht bekommen; aber ich male es mir gerne aus …« Er murmelte auf arabisch. »Wir haben auch eine Legende, müssen Sie wissen. Die von Mohammeds Sarg, der zwischen Himmel und Erde schwebt — genau wie die Station Mitte.«

»Wir werden dort einen Empfang für Sie veranstalten, Herr Präsident, wenn wir den Turm einweihen.«

»Selbst wenn Sie Ihren Terminplan einhielten — und ich muss zugeben, dass Sie ihn beim Bau der Brücke nur um ein Jahr überzogen —, wäre ich bis dahin achtundneunzig. Nein, ich glaube nicht, dass ich es schaffen werde.«

Aber ich, dachte Vannevar Morgan. Denn jetzt weiß ich, dass die Götter auf meiner Seite sind — was immer Götter sein mögen.

IV — Der Turm

Der Weltraumexpress

»Also — mach schon den üblichen, Witz!«, sagte Warren Kingsley ungeduldig.

Morgan grinste, während er die Attrappe musterte. »Es sieht wirklich aus wie ein in die Höhe gekippter Eisenbahnwagen.«

»Das ist genau die Idee, die wir verkaufen wollen«, antwortete Kingsley. »Man kauft sich sein Billett am Bahnhof, gibt das Gepäck auf, steigt ein, setzt sich in seinen Gelenkstuhl und genießt die Aussicht. Oder man geht zur Salonbar hinauf und widmet die nächsten fünf Stunden der Beschäftigung konsequenten Trinkens. Übrigens, was hältst du von der Idee der Innenausstatter — neunzehntes Jahrhundert, Pullman?«

»Nicht viel. Pullman-Wagen hatten keine fünf übereinander angeordneten Etagen mit kreisförmigem Querschnitt.«

»Am besten sprichst du mit den Ausstattern — sie sind in die Gasbeleuchtung förmlich vernarrt.«

»Wenn sie authentisches Altertum wollen, dann verweise ich sie an einen alten Raumfilm, den ich vor einiger Zeit im Kunstmuseum von Sydney fand. Darin kam eine Raumfähre vor, die einen kreisförmigen Aussichtssalon hatte. Genau das, was wir brauchen.«

»Wie hieß der Film, weißt du es noch?«

»Oh — warte mal — Krieg der Sterne 2000 oder so ähnlich. Du wirst das schon irgendwie herausfinden.«

»Die Ausstatter sollen das tun. Jetzt aber herein. Ein Schutzhelm gefällig?«

»Nein«, antwortete Morgan brüsk. Das war einer der Vorteile, wenn man zehn Zentimeter kleiner war als der Durchschnitt.

Als sie die Attrappe betraten, empfand er eine Art jungenhafter Vorfreude. Er hatte den Entwurf überprüft und dem Computer zugesehen, während er mit Grundrissen und Anordnungen spielte. Es war ihm alles bis ins Letzte vertraut. Aber dies hier war echt, zum Anfassen echt. Die Attrappe würde sich nie bewegen; aber ihre identischen Geschwister würden eines Tages durch die Wolken in den Weltraum hinaufschießen und die Station Mitte, fünfundzwanzigtausend Kilometer über der Erdoberfläche, in nur fünf Stunden erreichen. Und das alles für den Preis von einem Dollar Elektrizität pro Fahrgast.

Auch jetzt war es immer noch unmöglich, sich die volle Auswirkung der kommenden Revolution auszumalen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit würde das Weltall ebenso zugänglich sein wie irgendein beliebiger Punkt auf der Erdoberfläche. In ein paar Jahrzehnten würde es sich der Durchschnittsbürger erlauben können, ein Wochenende auf dem Mond zu verbringen, wenn ihn danach gelüstete. Selbst Mars war nicht mehr so undiskutabel. Den neuen Möglichkeiten waren keine Grenzen gesetzt.

Morgan kehrte schlagartig zur Erde zurück, als er über ein Stück schlecht verlegten Teppich stolperte.

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