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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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Kora

»Warum sind Sie erst jetzt gekommen?«, hatte Dr. Sen gefragt — in einem Tonfall, als spräche er zu einem zurückgebliebenen Kind.

»Der übliche Grund«, antwortete Morgan, während er mit dem gesunden Daumen den Haftsaum seines Hemdes entlangfuhr. »Ich hatte zu viel zu tun, und wenn mir der Atem ausging, dann gab ich der Höhe die Schuld.«

»Die Höhe hat natürlich etwas damit zu tun. Am besten lassen Sie alle Ihre Leute, die auf dem Berg arbeiten, überprüfen. Trotzdem — wie konnten Sie etwas derart Offensichtliches einfach übersehen?«

»Ja, wie?«, fragte sich Morgan hilflos.

»All die Mönche — viele von ihnen waren über achtzig! Sie wirkten so gesund, dass es mir nie in den Sinn kam …«

»Die Mönche leben dort droben seit Jahren — sie sind vollständig angepasst. Aber Sie sind ein paar Mal am Tag hinauf- und heruntergefahren …«

»Zweimal, nicht mehr!«

»… von Meereshöhe bis zu einer halben Atmosphäre innerhalb weniger Minuten. Na schön, noch ist der Schaden nicht zu groß — falls Sie sich nach meinen Anweisungen richten — und Koras.«

»Kora?«

»Koronaralarm.«

»Aha — eins von den Dingern.«

»Ja, eines von den Dingern. Sie retten ungefähr zehn Millionen Menschenleben pro Jahr. Zumeist hohe Beamte, Topmanager, ausgezeichnete Wissenschaftler, hervorragende Ingenieure und ähnliche Schafsköpfe. Ich frage mich oft, ob es der Mühe wert ist. Vielleicht versucht die Natur, uns ihren Standpunkt klarzumachen, und wir hören nicht hin.«

»Denken Sie an Ihren hippokratischen Eid, Bill«, mahnte Morgan grinsend. »Außerdem müssen Sie zugeben, dass ich mich immer streng nach Ihren Anweisungen richte. Ich habe zum Beispiel mein Gewicht im Lauf der vergangenen Jahre um kein Kilogramm geändert.«

»Hm, ja — Sie sind nicht der schlimmste unter meinen Patienten«, gab der Arzt halbversöhnt zu. Er suchte in seinem Schreibtisch und brachte schließlich ein großes Hologramm zum Vorschein. »Suchen Sie sich eines aus — dies sind die Standardmodelle. Sie haben die Wahl der Farbe — solange es Medizin-Rot ist.«

Morgan rief die einzelnen Darstellungen ab und musterte sie mit Abscheu.

»Wo muss ich das Ding tragen?«, fragte er. »Oder wollen Sie es unter die Haut operieren?«

»Das ist vorläufig noch nicht nötig. In fünf Jahren vielleicht, aber auch dann noch nicht mit Sicherheit. Ich schlage vor, Sie nehmen zuerst dieses Modell. Es wird unter dem Schlüsselbein getragen und bedarf daher keiner zusätzlichen Sensoren. Nach einer Weile werden Sie vergessen, dass Sie es tragen. Es macht sich nicht bemerkbar, solange es nicht gebraucht wird.«

»Aber dann?«

»Hören Sie zu!«

Der Arzt betätigte einen der vielen Schalter auf seiner Schreibtischkonsole. Eine liebliche Mezzosopranstimme ließ sich in beiläufigem Tonfall hören: »Ich meine, Sie sollten sich hinsetzen und ungefähr zehn Minuten lang ausruhen.« Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: »Es wäre angemessen, wenn Sie sich eine halbe Stunde hinlegten.« Und dann: »Sobald es geht, treffen Sie eine Verabredung mit Dr. Sen.«

Schließlich:

»Bitte nehmen Sie unverzüglich eine von den roten Tabletten.«

»Ich habe den Krankenwagen gerufen; legen Sie sich hin, und entspannen Sie sich. Es ist alles in Ordnung.«

Morgan hielt die Hände gegen die Ohren, als plötzlich ein gellendes Pfeifen ertönte.

»KORA ALARM! JEDER, DER MICH HÖRT, IST AUFGEFORDERT, SOFORT ZU HILFE ZU KOMMEN. KORA ALARM! JEDER, DER MICH HÖRT …«

»Sie sehen, wie das funktioniert«, sagte der Arzt und stellte mit einem Knopfdruck wieder Ruhe in seiner Ordination her. »Das Programm und die Antworten sind selbstverständlich auf den individuellen Patienten zugeschnitten. Es gibt eine Menge Stimmen zur Auswahl, darunter einige von Berühmtheiten.«

»Danke, diese hier wird's tun. Wann ist das Gerät fertig?«

»Ich rufe Sie in etwa drei Tagen an. Oh, und außerdem — die auf der Brust getragenen Geräte bringen einen Vorteil mit sich, den ich nicht unerwähnt lassen darf.«

»Welcher ist das?«

»Einer meiner Patienten ist begeisterter Tennisspieler. Er sagt, wenn er sein Hemd öffnet, hat der Anblick der kleinen roten Box einen absolut vernichtenden Effekt auf das Spiel seines Gegners …«

Schwindel

Es hatte mal eine Zeit gegeben, da oblag es jedem zivilisierten Menschen, sein Adressbüchlein jeweils auf dem neuesten Stand zu halten. Die Einführung des Universalcodes hatte dieser Pflicht ein Ende gemacht, da die Anschrift eines jeden Individuums, dessen für die gesamte Lebensdauer ausgestellte Identitätschiffre bekannt war, sich innerhalb von Sekunden ermitteln ließ. Und selbst wenn die Chiffre nicht bekannt war, so konnte sie mit Hilfe eines Suchprogramms gefunden werden, solange man nur das ungefähre Geburtsdatum des Individuums, seinen Beruf und die eine oder andere Einzelheit wusste. (Natürlich gab es ein paar Probleme, wenn der Name des Gesuchten Smith oder Singh oder Mohammed lautete …)

Die Entwicklung globaler Informationssysteme hatte auch mit einer weiteren, ärgerlichen Pflicht aufgeräumt. Man brauchte die Speichereintragung derjenigen Bekannten, denen man einen Glückwunsch zum Geburtstag oder sonst einem Jubiläum zu senden wünschte, nur mit einer entsprechenden Markierung zu versehen, und der Heimcomputer erledigte den Rest. Am passenden Tag (es sei denn, die Programmierung enthielt einen Fehler, was leider oft genug der Fall war) erhielt der also Auserwählte automatisch die ihm zugedachte Botschaft. Zwar mochte sich der Empfänger denken, dass die warmen Worte, die sich auf der Bildfläche seines Empfängers spiegelten, ein Produkt der Elektronik waren — und dass der angebliche Verfasser seiner womöglich seit Jahren nicht mehr gedacht habe —, aber die Geste wurde nichtsdestoweniger mit Dankbarkeit entgegengenommen.

Aber dieselbe Technologie, der diese Pflichten zum Opfer gefallen waren, hatte einer Reihe neuer und womöglich anstrengenderer Aufgaben zur Geburt verholfen. Die womöglich wichtigste unter ihnen war die Planung — und Aufrechterhaltung — eines Individuellen Interessen-Profils.

Viele warteten bis zum Jahresende oder bis zu ihrem Geburtstag, um ihr IIP auf den neuesten Stand zu bringen. Morgans Liste enthielt fünfzig Eintragungen; er hatte von Leuten mit Hunderten gehört. Sie mussten jede wache Stunde mit dem Kampf gegen die unablässige Informationsflut verbringen, es sei denn, sie gehörten zu jener Gruppe von notorischen Spaßmachern, die von ihren Heimkonsolen aus Nachrichtenalarme für derart klassische Unwahrscheinlichkeiten einrichteten wie zum Beispieclass="underline"

Eier, Dinosaurus, Ausbrüten von

Kreis, Quadratur des

Atlantis, Wiederauftauchen von

Christus, zweite Ankunft des

Loch Ness Monster, Gefangennahme des

oder schließlich:

Welt, Ende der

Normalerweise führten Egoismus oder berufliche Notwendigkeit — oder beide — dazu, dass der Name des Konsolenbesitzers als Erster auf der Liste erschien. Morgan war in dieser Hinsicht keine Ausnahme, aber die weiteren Einträge waren ein wenig ungewöhnlich: 

Turm, Orbital-

Turm, Weltraum-

Turm, (geo)synchron

Aufzug, zu den Sternen

Aufzug, Orbital-

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Главный герой
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