Wladimir - die ganze Wahrheit
- Автор: Belkowski Stanislaw
- Год: 2013
- Язык: немецкий
- Год: mvg verlag
- ISBN: 978-3-86414-439-4
- Жанр: Биографии и мемуары
Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
Man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass Kadyrow seitdem einen bedeutenden Teil der russischen nationalistischen Bewegung kontrolliert. Mit ihrer Hilfe kann er jederzeit realen nationalistischen Protest neutralisieren, wenn dieser wie auch immer geartete tschetschenische Interessen bedroht. Es ist kein Zufall, dass Below-Potkin und der Nationalist Dmitri Demuschkin (Bewegung »Russkie«) 2011 eine regelrechte Werbetour nach Tschetschenien unternahmen, wobei sie Ramsans Politik über den grünen Klee lobten und sich die Bemerkung erlaubten, das russische Russland müsse sich hinsichtlich der Verteidigung seiner Interessen und der seiner Nation ein Beispiel an der Bergrepublik nehmen.
Durch den gekonnten und schlauen Einsatz von selbst ernannten Führern des russischen Straßennationalismus kann das Oberhaupt Tschetscheniens demonstrieren, dass die interethnischen Widersprüche zwischen Russen und Tschetschenen im modernen Russland eigentlich gar nicht existieren – es gibt lediglich Intriganten (wie zum Beispiel den Autor dieses Buches), die auf die Erfolge der Tschetschenischen Republik neidisch sind und versuchen, einen Konflikt ohne objektive oder subjektive Prämissen aus dem Nichts zu schaffen.
Am 7. Oktober 2006 wurde die bekannte Journalistin Anna Politkowskaja im Eingang zu ihrem Wohnhaus in Moskau getötet. Viele Jahre hatte sie sich mit Tschetschenien befasst und Kadyrow Junior offen der Menschenrechtsverletzungen und anderer Verbrechen bezichtigt. Wie aus den Machtstrukturen durchsickerte, richtete der Premier von Tschetschenien kurz vor dem Tod der Journalistin eine Anfrage an eine juristische Firma, die durch eine seltsame Verkettung der Umstände ebenfalls den einflussreichen russischen Nationalisten nahesteht.
Kadyrow wollte eine Einschätzung zu der Frage, ob man Politkowskaja für ihre Aussagen über Kadyrow vor Gericht zur Verantwortung ziehen kann. Die Antwort der Juristen war nicht sonderlich beruhigend für Ramsan: Nein, die Journalistin habe ausschließlich fachkundige, umschreibende Formulierungen gewählt, die keinen Anlass für eine formale gerichtliche Verfolgung böten. Kurz danach krachte der Schuss im Hauseingang.
Unter den nennenswerten Theorien zu diesem Verbrechen gehören sowohl ein Mord auf Bestellung Kadyrows als auch eine Provokation gegen ihn. Politkowskaja hatte in einem Interview gesagt, Kadyrow drohe ihr mit Mord. Kadyrow selbst stritt dies ab und meinte, dass »jene, die diesen Mord bestellt haben, ihn wieder einmal in den Dreck« ziehen wollten. Am 14. Dezember 2012 wurde im Mordfall Politkowskaja das erste Urteil gesprochen: Der ehemalige Leiter der Abteilung operativer Fahndung der Hauptverwaltung des Innenministeriums von Moskau D. Pawljutschenkow wurde zu elf Jahren Gefängnis verurteilt; der Auftraggeber des Mordes war zu diesem Zeitpunkt immer noch unbekannt.
Besonders pikant ist das Verbrechen durch den Umstand, dass Anna Politkowskaja ausgerechnet am Geburtstag Wladimir Putins getötet wurde. Viele Beobachter sahen das nicht einfach nur als Zufall, sondern als rituelle Opfergabe. Denn die Journalistin hatte sich oft kritisch über den russischen Präsidenten geäußert. Übrigens wurde dem tschetschenischen Anführer weder offiziell noch halb offiziell eine Beteiligung an diesem Mord zur Last gelegt. Die Auftraggeber dieses Verbrechens sind bis heute unbekannt.
Heute ist Ramsan bekannt und einflussreich, und es bleibt nur wenigen vorbehalten, ihn der Beteiligung an schweren Verbrechen zu verdächtigen. Er ist schließlich nicht Putin, dem nur ein äußerst träger Vertreter der russischen Opposition nicht längst alle schrecklichen Vergehen im Russland des 21. Jahrhunderts angehängt hätte. Zum Beispiel kann man heute bei uns ganz offen darüber räsonieren, dass Putin die Terroranschläge im Theaterzentrum an der Dubrowka (Nord-Ost) und in der Schule Nr. 1 im nordossetischen Beslan speziell in Auftrag gegeben hat, um damit seine Macht zu festigen, insbesondere durch Unterstützung der Gewaltorgane. Niemand, der so etwas behauptet, ist bisher umgekommen oder ins Gefängnis geraten. Man sollte einmal versuchen, etwas Ähnliches über Ramsan Kadyrow zu verbreiten!
In jenem schrecklichen Oktober des Jahres 2006 wurde Kadyrow Junior 30 Jahre alt. Damit war für ihn juristisch der Weg frei zum Posten des Präsidenten von Tschetschenien. Im Februar 2007 verkündete der amtierende Präsident Alu Alchanow völlig freiwillig seinen Rücktritt und wechselte auf den bescheidenen Posten des stellvertretenden Justizministers von Russland. Ramsan Kadyrow brachte daraufhin seine faktischen Befugnisse mit seiner formalen Stellung in Übereinstimmung. In den folgenden Jahren verschwanden alle Gegner des jungen tschetschenischen Anführers, die eine potenzielle Gefahr für ihn darstellten, mit fataler Unausweichlichkeit vom Antlitz dieser Erde.
•Als der Ex-Kommandeur der Einheit Gorez und Oberstleutnant des FSB Mowladi Baissarow am 18. November 2006 in Moskau aus seinem Auto stieg, wurde er erschossen. Fünf Tage zuvor hatte das tschetschenische Innenministerium ihn wegen Raubes und Mordes zur Fahndung ausgeschrieben. Vor seinem Tod wollte er angeblich in seiner Sache und gegen seine politischen Feinde eine Aussage bei der Hauptmilitärstaatsanwaltschaft machen. Nach Angaben der tschetschenischen Gewaltorgane war man gezwungen zu schießen, weil Baissarow angeblich eine Granate zünden wollte. Baissarows Anhänger und eine Reihe von Journalisten werteten den Vorfall als geplanten Mord. Am 29. November stellte der Südliche Verwaltungsbezirk von Moskau die Strafverfolgung ein und schloss, die tschetschenischen Milizionäre seien gesetzestreu vorgegangen. Allerdings konnte Sulim Jamadajew noch öffentlich aussagen, dass mit der Abrechnung niemand anderes betraut worden war als Adam Delimchanow, ein Vertrauter von Ramsan Kadyrow und seine »rechte Hand«. Delimchanow habe geschossen, ohne dass irgendjemand eine Granate hatte zünden wollen. Aber niemand wollte hören, was der »Held Russlands« und Offizier der Hauptverwaltung Aufklärung zu sagen hatte.
•Bei einem Entführungsversuch wurde am 13. Januar 2009 in Wien der ehemalige Mitarbeiter von Kadyrows Leibwache Umar Israilow getötet. 2008 war er nach Österreich geflohen und hatte erwähnt, es gäbe eine Liste mit 300 Feinden des tschetschenischen Anführers, die man vernichten wolle. Am 27. April 2010 erklärte die österreichische Staatsanwaltschaft, Ramsan Kadyrow habe die Entführung in Auftrag gegeben. 2011 befand ein österreichisches Gericht drei Personen des Mordes schuldig, einer von ihnen wurde zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt. Nach Worten des Staatsanwalts kam die Anklage zum Schluss, der Überfall sei im Auftrag von Kadyrow erfolgt, aber es gäbe nicht ausreichend Beweise für eine Anklage gegen ihn.
•Am 15. Juli 2009 wurde in Grosny eine Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation »Memorial« entführt – die Journalistin Natalja Estemirowa. Am selben Tag fand man ihre Leiche in einem Wald unweit des Dorfes Gasi-Jurt in Inguschetien. Der Vorsitzende von »Memorial« Oleg Orlow erklärte: »Ich weiß, wer den Mord an Natalja Estemirowa zu verantworten hat. Wir kennen diesen Menschen sehr gut. Er heißt Ramsan Kadyrow, er ist Präsident der Tschetschenischen Republik.« Kadyrow legte bei Gericht Klage gegen Orlow und »Memorial« ein, »Memorial« musste öffentlich dementieren. In inoffiziellen Gesprächen sagten Menschen aus dem Umfeld von »Memorial«, Estemirowa habe über das Schicksal der Ältesten verschiedener tschetschenischer Familien recherchiert, die Kadyrow ins Jenseits befördert habe. Ein Durchsickern solcher Informationen, zudem in der entsprechenden Form, hätte überaus schmerzlich für den tschetschenischen Anführer und für ganz Tschetschenien sein können, wo man die ältere Generation immer noch ehrt. Und der Tod ist in bestimmten Kulturen die beste Medizin gegen Schmerzen.
Schließlich waren auch Kadyrows gefährlichste Gegner an der Reihe – die Brüder Jamadajew.