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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Auf die älteren Kinder schien das, was geschah, kaum Einfluß zu haben. Auch beim tollsten Gestank tranken sie gierig ihre Kondensmilch. John, der bereits Jack genannt wurde, hielt vertrauensvoll des Vaters Hand fest und blickte mit dem einfältigen Interesse eines Sechsjährigen auf eine Kuh, die die Straße entlanggestrauchelt war und nun sterbend in der Sonne lag. Er nahm das alles augenscheinlich als zu seiner Welt gehörig hin.

Aber die Säuglinge, ausgenommen derjenige Ems, sogen durch die Muttermilch eine Art Empfindlichkeit gegen das Unheil ringsum ein. Sie weinten kläglich und gereizt. Doch gerade dadurch verstörten sie ihre Mütter, und alles wurde noch schlimmer.

Der Oktober war ein Schreckensmonat.

Dann kam das Wunder! Zwei Wochen nach dem ersten Regen schauten sie hinaus, und die Hügel waren mattgrün von sprossendem Gras. Plötzlich überkam sie alle ein Glücksgefühl, und Molly und Maurine weinten vor Freude. Selbst Ish fühlte sich erleichtert; denn während der letzten Wochen hatte die Verzweiflung der andern sein Vertrauen in die der Erholung fähigen Kräfte der Erde erschüttert, und er hatte bezweifelt, daß irgendwelcher Samen übrigbleiben würde.

Als zur Zeit der Wintersonnenwende die Menschen sich alle abermals bei dem sanft geneigten Felshang versammelten, um die Jahreszahl einzumeißeln und das Jahr zu benennen, schwankten sie, welcher Name ihm gegeben werden sollte. Als gutes Omen hätte man es als »das Jahr der vier Babys« bezeichnen können. Doch ebensogut war es »das Jahr des Viehsterbens« oder »das Jahr der Heuschrecken« gewesen. Schließlich gewannen die bösen Geschehnisse des Jahres in ihrer Erinnerung die Oberhand. So nannten sie es denn einfach »das Schlimme Jahr«.

Das Jahr 7 war ebenfalls sonderbar. Plötzlich tauchten überall Berglöwen auf. Kaum konnte man zwischen den Häusern spazierengehen, ohne ein Gewehr oder einen Hund bei sich zu haben, der warnen konnte, und für gewöhnlich hielt sich der Hund dicht neben einem. Die Löwen wagten niemals den Angriff auf einen Menschen, aber sie stürzten sich auf die Hunde, und man war nie ganz sicher, ob nicht plötzlich einer von einem Baum herabspringen würde. Die Kinder durften das Haus nicht verlassen. Ish war sich einigermaßen klar darüber, was geschehen war. Während der Jahre der starken Vermehrung des Viehbestandes mußten die Löwen sich ebenfalls schnell vermehrt haben, und nun das Vieh während der Dürre umgekommen war, mangelte es den Löwen an Nahrung, und sie unternahmen Raubzüge.

Zu allem Überfluß ereignete sich ein Unfall; denn Ish schoß fehclass="underline" anstatt den Löwen zu töten, streifte er ihn nur an der Schulter, und das Tier sprang ihn an und verletzte ihn gefährlich, ehe Ezra zum Schuß kam. Danach hinkte Ish ein bißchen und wurde sehr schnell müde, wenn er lange in der gleichen Stellung sitzen mußte, wie etwa beim Autofahren. (Freilich waren die Straßen mittlerweile in einen elend schlechten Zustand geraten; die Autos funktionierten kaum noch; und überdies: wohin hätte man fahren sollen? Infolgedessen wurden die Wagen nur noch sehr selten benutzt.) Natürlich bekam das Jahr den Namen »das Jahr der Löwen«.

Das Jahr 8 verlief verhältnismäßig ruhig. Sie nannten es »das Jahr unseres Kirchgangs«. (Der Name machte Ish Spaß, des stillschweigend einbegriffenen Nebensinns wegen, daß die Sache damit ein für allemal abgetan war.)

Das war folgendermaßen zugegangen: Da sie sieben Durchschnittsamerikaner waren, gehörten sie unterschiedlichen religiösen Sekten an, oder überhaupt keiner; aber keiner von ihnen, auch wenn er Mitglied einer Kirche war, hatte je ein ausgesprochen religiöses Gefühl gehabt. Ish war als Kind zur Sonntagsschule gegangen; doch als Maurine ihn fragte, welcher Kirche er angehöre blieb ihm nichts zu antworten, als daß er Skeptiker sei. Maurine kannte das Wort nicht, zog einen falschen Schluß daraus und sagte hinfort stets, Ish sei ein Mitglied der Skeptiker-Kirche gewesen.

Maurine selbst war Katholikin, und ebenso Molly. Nach wie vor konnten sie sich bekreuzigen und ein Ave Maria sprechen, aber in allem, was darüber hinausging, waren sie in einer üblen Lage, da sie keinen Beichtvater hatten und keine Messe besuchen konnten. Wie Ish nun feststellte, hatte die katholische Kirche nahezu alle Möglichkeiten in Betracht gezogen, nur nicht die eine, auf welche Weise sie neu geschaffen werden konnte, wenn die Nachfolge Petri unterbrochen war und es nur noch zwei Frauen gab, die der Kirche angehörten.

Von den andern war George Methodist gewesen, und zwar Gemeindehelfer. Aber er war zu ungeschickt im mündlichen Ausdruck als daß er hätte predigen können, und besaß zu wenig Führereigenschaften, um eine Gemeinde zu organisieren. Ezra verhielt sich tolerant gegenüber jedermanns Glauben, ließ sich jedoch auf keinen festlegen und besaß somit wahrscheinlich überhaupt keine religiösen Überzeugungen. Jean war Mitglied einer laut betenden modernen Sekte namens »Christi Eigentum« gewesen. Doch sie hatte es erlebt, daß die Gemeinde in der Zeit des Großen Unheils vergebens gebetet hatte, und nun war sie völlig antireligiös geworden. Em, die niemals Neigung verspürte, zurück in die Vergangenheit zu schauen, schwieg sich aus. Soweit Ish es beurteilen konnte, hatte sie nie gebetet. Dann und wann, sicherlich aber, ohne dabei an religiöse Dinge zu denken, sang sie mit ihrem vollen, etwas kehligen, tiefen Alt Choräle oder andere fromme Lieder.

George und Maurine hatten die Unterschiede zwischen Methodisten und Katholiken hintangestellt; sie waren es, die Gottesdienste anregten, »um des Seelenheils der Kinder willen«. Sie trugen ihre Bitte Ish vor, der so etwas wie ein Führer war, zumal in geistigen Dingen. Die wohlmeinende Maurine sagte ihm sogar, daß sie sich »dem Ritus der Skeptiker beim Gottesdienst« nicht widersetzen würde.

Ish fühlte sich versucht, darauf einzugehen. Mit Leichtigkeit konnte er ein paar harmlose religiöse Bruchstücke zusammenfügen und den Menschen Trost spenden und sie zum Vertrauen aufrufen, was beides ihnen wohl oft bitter gefehlt hatte; er konnte in der Gemeinschaft den Boden zu bereiten suchen, auf dem Wahrhaftigkeit und Einigkeit gedeihen konnten. George, Maurine und Molly würden das begrüßen; Jean würde keine Bedenken haben, wieder zur Religion zurückzukehren; Ezra würde keine Schwierigkeiten machen. Doch Ish haßte die Unaufrichtigkeit und wollte nicht in dieser Weise Religion und Moral zu neuem Leben verhelfen; und er wußte, daß Em alles durchschauen würde.

Schließlich wurde jeden Sonntag ein Gottesdienst abgehalten. George wußte noch, wann Sonntag war, oder er glaubte es wenigstens zu wissen. Sie sangen Choräle, lasen aus der Bibel vor und standen barhäuptig in stummem Gebet, jeder für sich.

Doch Ish betete niemals während dieser Minuten des Schweigens, und er glaubte auch nicht, daß Em oder Ezra es täten. Überdies verharrte Jean in ihrer Verstocktheit und nahm niemals an den Gottesdiensten teil. Ish hatte die Empfindung, daß er Jean hätte bekehren können, wenn er mehr Eifer oder mehr Heuchelei aufgebracht hätte. Nun aber war es so, daß die Gottesdienste mehr Uneinigkeit als Gemeinschaft des Empfindens zuwege brachten, und mehr trügerischen Schein als wahre Religiosität.

Eines Tages nahm Ish die Gelegenheit wahr und machte ihnen ein Ende. Er tat es, wie er meinte, ziemlich unumwunden, indem er seine Ansprache mit dem Gedanken schloß, sie wollten die Gottesdienste nicht völlig aufgeben, sondern lediglich die Minuten des stummen Gebets bis ins Unendliche ausdehnen: »Dann kann jeder von uns in seinem Herzen damit fortfahren, solange ihm der Sinn danach steht.«

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