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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Und neben Ezra saß George, der gute, alte George — schwerfällig und watschelbeinig, noch immer kräftig und mächtig, obwohl sein Haar inzwischen ganz grau geworden war. Auf seine Art war George ebenfalls ein guter Kerl. Er war ein erstklassiger Zimmermann und hatte klempnern und malen gelernt; alle Reparaturen an den Häusern führte er aus. Er war ein überaus nützlicher Mensch und von Haus aus geschickt in jeder nur möglichen Handarbeit. Doch Ish wußte nur zu gut, daß George im Grunde dumm war; wahrscheinlich hatte er in seinem ganzen Leben kein einziges Buch gelesen. Nein, auch George war nicht der Richtige.

Dann kam Evie, die Schwachsinnige. Molly hielt sie in guter Hut, und Evie in ihrer blonden Schlankheit sah hübsch aus, wenn man sich über die Leere ihres Gesichts hinwegsetzen konnte. Sie saß da und schaute begierig nach rechts und links auf denjenigen, der gerade sprach. Das machte sogar den trügerischen Eindruck der Gewecktheit; aber Ish wußte, daß sie von allem, was gesprochen wurde, wenig oder vielleicht nichts verstand. Sie war kein Grundstein der Zukunft. Nein, Evie war ganz bestimmt nicht die Richtige.

Dann kam Molly, Ezras ältere Frau. Molly war durchaus nicht dumm, aber ihre Schulbildung war mäßig, und sie konnte schwerlich als gebildet bezeichnet werden. Überdies hatte sie, wie die anderen Frauen, ihre Kräfte beim Gebären, Nähren und Aufziehen von Kindern erschöpft; fünf ihrer Kinder waren jetzt noch am Leben. Das war ein hinlänglicher Beitrag, was man auch sagen mochte. Nein, auch Molly war nicht die Richtige.

Neben Molly saß Em. Als Ish zu Em hinüberschaute, wallte eine solche Fülle von Gefühlen in ihm auf, daß er wußte, jedes Urteil, das er sich zu bilden versuchte, würde wertlos sein. Sie ganz allein hatte sich als erste entschlossen, ein Kind in die Welt zu setzen. Während des »Schreckensjahres« hatte sie Mut und Vertrauen bewahrt. An sie wandten sich alle in Stunden der Wirrnis. Es wohnte ihr eine starke Macht inne, zu bestätigen und niemals abzulehnen. Ohne sie wäre wahrscheinlich aus ihnen allen nichts geworden. Dabei lag ihre Macht tief in den Ursprüngen alles Tuns beschlossen; obwohl sie in anderen Mut und Vertrauen entfachen konnte, äußerte sie bei besonderen Gelegenheiten nur selten einen Gedanken. Ish wußte, daß er sich stets an sie wenden würde und daß sie größer war als er; aber er wußte auch, daß sie keine Hilfe war, wenn es galt, Pläne für die Zukunft zu schmieden. Nein, und wenn es auch an Verrat zu grenzen schien: nicht einmal Em war die Richtige!

Zu Ems Füßen fläzten sich Ralph, Jack und Roger auf dem Fußboden herum, die alle drei noch als »die Jungs« bezeichnet wurden, obwohl sie schon verheiratet waren und Kinder hatten. Ralph, Mollys Sohn, war mit Ishs Tochter Mary verheiratet; Jack und Roger waren Ishs Söhne. Doch als er jetzt zu ihnen hinblickte, fühlte Ish sich ihnen sehr fern, obwohl er an seiner Familie hing. Wenngleich er nur zwanzig und einige Jahre älter als sie war, schienen ihn Jahrhunderte von ihnen zu trennen. Sie hatten die Alten Zeiten nicht gekannt, und so konnten sie auch nicht wissen, wie alles in der Zukunft hätte sein können. Nein, wahrscheinlich waren auch die Jungs nicht die Richtigen.

Ishs Blicke hatten den Kreis durchwandert, und nun sah er auf Jean, Ezras jüngere Frau. Sie hatte zehn Kinder geboren, von denen noch sieben am Leben waren. Sie hatte ihren Kopf für sich, wie ihre Weigerung, an den Gottesdiensten teilzunehmen, bewiesen hatte. Doch es gingen von ihr keine neuen Gedanken aus. Nein Jean war nicht die Richtige.

Was nun Maurine betraf, Georges Frau, so hatte sie es nicht einmal für der Mühe wert gehalten, zu der Versammlung zu kommen, sondern sie war vom Felsen weg stracks in ihr eigenes Haus gegangen, wo sie aller Wahrscheinlichkeit nach jetzt beim Fegen oder Staubwischen oder einer anderen ihrer geliebten Hausarbeiten war, denen sie unablässig oblag. Maurine kam noch weniger als alle anderen in Frage.

Noch drei andre Erwachsene fehlten. Das waren Mary, Martha und die junge Jeanie, die mit den drei Jungs verheiratet waren. Mary war Ish stets als das schwerfälligste und beschränkteste aller seiner Kinder erschienen, und nun sie schnell hintereinander Kinder bekam, wurde sie von Jahr zu Jahr träger. Martha und Jeanie waren ebenfalls Mütter, und die Mutterpflichten beanspruchten sie vollauf. Nein, nicht diese drei.

Anwesende und Fehlende — das ergab zusammen zwölf Erwachsene! Es fiel ihm immer noch schwer, sich einzugestehen daß kein eben großes Reservoir zur Verfügung stand, daraus die künftige Menschheit sich entwickeln sollte.

Ein halbes Dutzend Kinder saß zwischen den Erwachsenen oder tummelte sich außerhalb des Kreises. Anstatt bei der Errichtung des Holzstoßes für das Freudenfeuer zu helfen, hielten diese wenigen sich zu den Erwachsenen — ein bißchen gelangweilt, aber augenscheinlich doch der Meinung, daß eine dermaßen große Versammlung der Älteren bedeutsam war und belauscht werden mußte. Ish wandte seine Aufmerksamkeit ihnen zu und hing Zukunftsgedanken nach. Manchmal horchten sie auf das, was die älteren Leute sagten; manchmal versetzten sie einander nur Püffe oder balgten sich. Ja, auf ihnen, so unbeschwert sie zu sein schienen, ruhte die Hoffnung. Die älteren Leute konnten sich wahrscheinlich mit allem abfinden, wie es gegenwärtig war, solange sie lebten; aber die Kinder mußten umlernen und zu neuen Formen kommen. Ob eins von ihnen den Funken zur Flamme entfachen konnte?

Und nun, als Ish begann, sein Augenmerk auf die Kinder zu richten, bemerkte er, daß eins von ihnen sich nicht mit den andern herumbalgte, sondern dasaß, aufmerksam dem lauschte, was die Älteren sagten, während es seine großen Augen hin und her wandern ließ; es schimmerte darin ein lichter Schein von Intelligenz und Anteilnahme. Das war Joey.

Kaum hatten Ishs Blicke sich auf Joey gerichtet, als Joeys behend schweifende Augen wahrnahmen, daß sein Vater auf ihn aufmerksam geworden war. Er rückte voll Entzücken auf dem Stuhl hin und her, und sein Gesicht wurde verklärt durch das allumfassende Lächeln eines Neunjährigen. Ish gab der Regung des Augenblicks nach und nickte seinem jüngsten Sohn leise zu. Joeys Grinsen konnte. Kaum noch breiter werden, als es bereits war; aber er brachte es dennoch fertig. Ish sah, daß auch der Junge ihm zuzwinkerte. Da schaute Ish, um den Jungen nicht verlegen zu machen, weg.

George, Ezra und die Jungs redeten gerade langsam und stockend hin und her. Ish hatte es während der ganzen Zeit gehört, aber es hatte ihn nicht genug interessiert, um sich einzumischen oder auch nur ernsthaft zuzuhören.

»Eins von den Dingern wiegt übrigens mindestens seine fünfhundert Pfund, meine ich«, sagte George gerade.

»Ja, das kann sein«, antwortete Jack. »Aber auf jeden Fall ist es eine gehörige Last, wenn man es hier heraufwuchtet.«

»Ach was, halb so schlimm«, sagte Ralph, der stämmig und stark war und gern seine Kraft zeigte.

Und so, meinte Ish, würde das Gerede weitergehen, wie er es schon wer weiß wie oft gehört hatte: darüber, ob es möglich sei, einen Gaskühlschrank aufzutreiben, ihn aufzustellen, ihn mit den noch gefüllten Preßgasflaschen zu betreiben und auf diese Weise wieder Eis zu bekommen. Am Ende jedoch würde nicht das mindeste geschehen, nicht, weil das Vorhaben unmöglich gewesen wäre oder ungewöhnlich schwierig, sondern einzig, weil sie alle vollauf zufrieden mit dem gegenwärtigen Zustand waren und in einer Gegend lebten, wo die Sommer verhältnismäßig kühl blieben, so daß kein allzu großer Antrieb bestand, sich Eis zu verschaffen. Irgendwie machte diese alte Rederei Ish mißgestimmt.

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