Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Im Jahre 18 bekam Jean noch ein Kind. Es war das letzte, das eine der älteren Generation Angehörende gebar; doch um jene Zeit fanden innerhalb der zweiten Generation zwei weitere Heiraten statt, und es wurden zwei weitere Enkelkinder geboren.
Das Jahr erhielt den Namen »das Jahr des Schulunterrichts«. Bereits als die ersten Kinder alt genug dazu gewesen waren, hatte Ish auf eine mehr oder weniger planlose Weise versucht, ihnen eine Art Unterricht zu erteilen, so daß sie wenigstens lesen und schreiben, ein bißchen rechnen konnten und ein paar Kenntnisse in der Geographie hatten. Doch es war immer recht schwierig gewesen, die Kinder zusammenzubekommen, und sie hatten allem Anschein nach stets so viel zu tun, sei es im Spiel oder im Ernst, daß bei dem Schulunterricht nicht allzuviel herausgekommen war, obwohl die meisten der älteren Kinder leidlich lesen konnten. Wenigstens hatten sie einmal lesen können; doch Ish bezweifelte, daß einige unter ihnen — beispielsweise Mary, die jetzt Mutter zweier Babys war — jetzt noch zu anderem imstande war, als mühsam einsilbige Wörter zu buchstabieren. (Obwohl sie seine älteste Tochter war und er sie sehr liebhatte, gestand er sich, daß Mary nicht intelligent — um nicht zu sagen: dumm war.)
In diesem Jahre 18 nun aber unternahm Ish den ernsthaften Versuch, alle Kinder im geeigneten Alter zusammenzutrommeln, damit sie nicht gänzlich ohne alle Kenntnisse aufwüchsen. Eine Zeitlang ging alles gut; dann aber schlief es nach und nach wieder ein, und man vermochte nicht zu sagen, ob er etwas erreicht hatte oder nicht. Er selbst hatte das Gefühl, es sei alles vergeblich gewesen.
Das Jahr 19 war »das Jahr des Elchs«, abermals wegen eines kleinen Zwischenfalles, der den Kindern Eindruck gemacht hatte. Eines Morgens hatten einige Evie erblickt, die inzwischen zur Frau herangewachsen war, wie sie nach etwas hinsah, mit dem Finger darauf zeigte und mit ihrer seltsamen Stimme durchdringende Schreie ausstieß; Wörter konnte sie kaum bilden. Als sie Ausschau hielten, gewahrten sie, daß Evie auf eine neue Art von Tier zeigte. Es ergab sich, daß es ein Elch war, der erste, den sie in all den Jahren zu Gesicht bekamen. Augenscheinlich hatten die Rudel sich jetzt so stark vermehrt, daß sie vom Norden her wieder in diese Gegend gekommen waren, wo sie vor der Ankunft des weißen Mannes gelebt hatten.
Über die Bezeichnung des Jahres 20 war man sich sogleich einig. Es war »das Jahr des Erdbebens«. Der alte San Leandro trat wieder in Tätigkeit, und eines Morgens früh gab es einen heftigen Erdstoß, und dann erscholl das Krachen niederstürzender Schornsteine. Die Häuser, in denen sie wohnten, hielten dem Stoß stand, weil George sie vortrefflich ausbesserte. Die Häuser aber, die von Termiten zernagt, vom Wasser unterspült oder durch Schwamm und Fäulnis beschädigt waren, brachen krachend zusammen. Danach gab es kaum noch eine Straße, auf der nicht hier und dort Haufen von Ziegelsteinen oder andere Trümmer lagen, und infolge des Erdbebens begann der Verfall rasche Fortschritte zu machen.
Ish hatte gemeint, sie würden das Jahr 21 als »das Jahr des Kommenden Zeitalters« bezeichnen. Sie waren jetzt sechsunddreißig: sieben, dazu Evie, die der älteren, einundzwanzig, die der zweiten, und sieben, die der dritten Generation angehörten.
Schließlich jedoch erhielt das Jahr, wie so viele voraufgegangene, seinen Namen durch einen kleinen Zwischenfall … Joey war einer der Zwillinge, also eins der jüngsten von den Ish und Em geborenen Kindern. Er war ein aufgeweckter Junge, obwohl klein für sein Alter und nicht so sehr dem Spiel und dem Sport zugetan wie manche andere, die jünger als er waren. Er wurde von seinen Eltern ein bißchen verwöhnt, weil er zusammen mit seiner Zwillingsschwester der Jüngste war. Im großen ganzen indessen hatte ihm keiner besondere Aufmerksamkeit gewidmet, wie es ja auch bei einer so großen Schar von Kindern nicht anders zu erwarten war, und jetzt war er neun Jahre alt. Gegen Ende dieses Jahres nun aber entdeckten sie zu ihrer größten Verblüffung, daß Joey lesen konnte — nicht langsam und stockend wie die andern Kinder, sondern geläufig, klar und nicht ohne Freude daran. Ish spürte, wie ihm angesichts seines jüngsten Sohnes das Herz warm wurde. Er war der einzige, in dem die Flamme des Geistes fortbrannte.
Auch den andern Kindern machte das großen Eindruck, und so riefen sie bei der Feierlichkeit alle, daß das Jahr heißen solle: »Das Jahr, da Joey las.«
Ende des Zwischenkapitels, betitelt »Eilende Jahre«.
ZWEITER TEIL
Das Jahr 22
»Es muß in ihren gesellschaftlichen Bindungen etwas seltsam Bestrickendes sein, etwas, das allem, worauf wir stolz sein könnten, weit überlegen ist, denn Tausende von Europäern sind Indianer geworden; wir kennen aber kein Beispiel dafür, daß auch nur einer dieser Ureinwohner aus freier Wahl Europäer geworden wäre!«
1
Nachdem die Feier am Felsen vorüber war und die Ziffern 2 und 1 scharf umrissen und frisch auf der sanft geneigten Steinfläche standen, gingen die Menschen heim zu ihren Häusern. Die meisten der Kinder liefen mit fröhlichem Geschrei voraus; sie schwelgten schon in dem Gedanken an das Freudenfeuer, mit dem, wie es bereits Überlieferung geworden war, das Neujahrsfest seinen Abschluß fand.
Ish ging an Ems Seite; doch sie sprachen wenig. Wie stets am Tage der Einmeißelung der Jahreszahl hing er tieferen Gedanken als gewöhnlich nach und überlegte, was wohl im Laufe des kommenden Jahres geschehen werde. Er hörte die Kinder rufen:
»Geh nach dem alten, eingestürzten Haus; da liegt haufenweise trockenes Holz … Hoffentlich kann ich einen Kanister Gasolin auftreiben … Ich weiß, wo Klosettpapier ist; das brennt so schön.«
Wie es Brauch war, versammelten sich die älteren Leute in Ishs und Ems Haus und setzten sich zu einer kleinen Plauderei zusammen. Da es ein Festtag war, entkorkte Ish ein paar Flaschen Portwein, und sie tranken einander zu, selbst George, der für gewöhnlich nicht trank. Wieder, wie schon am Felsen, waren alle sich einig, daß das Jahr 21 ein gutes Jahr gewesen sei, und die Aussichten für das kommende dünkten sie gleichfalls nicht schlecht.
Doch inmitten der allgemeinen Selbstbegutachtung überkam Ish wiederum ein Gefühl des Unbefriedigtseins.
»Warum«, so dachte er, »muß gerade ich immer der einzige sein, der an Tagen wie diesem vorausdenken muß? Warum bin gerade ich es, dem zu denken obliegt, oder der wenigstens den Versuch dazu machen muß: fünf Jahre, oder zehn Jahre, oder zwanzig Jahre in die Zukunft? Wenn ich denke, lebe ich nicht! Die Menschen, die nach mir kommen, müssen ja ohnehin ihre Probleme selbst lösen.«
Doch im Weiterdenken erkannte er, daß das letzte gar nicht stimmte. Die Menschen jeder Generation, meinte er, trugen sehr viel dazu bei, für die Menschen der nächsten Generation Probleme entweder zu schaffen oder zu lösen.
Jedenfalls mußte er sich fragen, was wohl aus dem »Stamm« in den vor ihm liegenden Jahren werden würde. Die Gedanken daran machten ihn nicht froh. Nach dem Großen Unheil hatte er gemeint, daß die Menschen, sofern welche mit dem Leben davongekommen waren, sehr bald imstande sein würden, etwas zuwege zu bringen und allmählich den alten Lebensstand wiederherzustellen. Er hatte sogar von einer Zeit geträumt, da das elektrische Licht wieder brennen würde. Doch es war nichts dergleichen geschehen, und die Gemeinschaft war noch immer von dem abhängig, was die Vergangenheit übriggelassen hatte.
Nun ließ er, wie er schon so oft getan hatte, seine Blicke über die hinschweifen, die bei ihm waren. Sie bildeten sozusagen das Fundament, auf dem eine neue Zivilisation aufgebaut werden mußte. Da war beispielsweise Ezra. Ish spürte, wie ihm das Herz aus Freude über seine Freundschaft warm wurde, als er das hagere, freundlich lächelnde Faltengesicht anschaute, obwohl dieses Lächeln schlechte Zähne enthüllte. Ezra besaß vielleicht eine geniale Begabung; aber es war die geniale Begabung, mit den Mitmenschen auf eine leichte, freundliche Weise umzugehen, nicht jedoch der schöpferische Drang, der die Menschheit zu neuen Höhen führt. Nein, Ezra war nicht der Richtige.