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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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»Fünfundzwanzig Jahre! Inzwischen bin ich eine ganz alte Frau geworden. Es ist jetzt ebenso sonderbar, in die Zukunft zu denken wie in die Vergangenheit. Eine Zeitlang habe ich immer nur zurückgedacht. Aber in die Zukunft zu denken, das ist doch etwas ganz anderes, auch wenn man an die Jahre denkt! Wir wollten die Jahre festlegen und festhalten. Schneiden die Leute auf einsamen Inseln nicht Kerben in die Bäume? Paß nur auf, eines Tages will er wissen, welches Jahr wir schreiben; dann kann er sich einen Paß ausstellen lassen oder Eintragungen in seine Geschäftsbücher machen. Aber vielleicht willst du dergleichen Dinge in unserer neuen Zivilisation gar nicht haben. Welches Jahr haben wir übrigens jetzt?«

Wiederum dachte er, wie weiblich es sei, daß sie etwas so unendlich Bedeutsames wie das richtige Datum und die Zeitrechnung sogleich in Beziehung zu ihrem noch nicht einmal geborenen Kinde setzte. Aber auch diesmal, wie so oft, leitete sie ein richtiger Instinkt — ein großes Bedauern, daß die historische Überlieferung an irgendeinem Punkte unterbrochen werden sollte! Sicherlich konnten im Laufe der Zeit Archäologen die Kontinuität durch Spezialforschungen und Dendrochronologie wiederherstellen; aber es würde sehr viel Arbeit und Mühe sparen, wenn jemand einfach die Tradition aufrechterhielte.

»Du hast recht«, sagte er, »und im Grunde ist es natürlich ganz einfach. Wir wissen, welches Jahr wir jetzt schreiben, und wenn wir festgelegt haben, wann Neujahr ist, brauchen wir die neue Jahreszahl nur in einen geeigneten Felsblock einzumeißeln, und das müssen wir dann jedes Jahr tun. Das Einmeißeln ist dann beinahe eine Aufgabe, ein Beruf, und dann wissen wir immer, ob unsere Zeitrechnung richtig ist oder nicht.«

»Ist das nicht ebenfalls ziemlich dumm?« fragte sie. »Ich meine: mit einer Jahreszahl anzufangen, die aus vier Ziffern besteht? Was mich betrifft …«, sie hielt einen Augenblick inne und schaute mit jener ruhigen Miene umher, die bisweilen so großen Eindruck auf ihn machte, »was mich betrifft, so könnte das vergangene Jahr ebensogut das Jahr Eins heißen.«

An jenem Abend regnete es nicht. Die Wolken hingen noch immer tief, aber die Luft war klar. Man hätte die Lichter von San Francisco sehen können, wenn dort noch welche gebrannt hätten.

Er stand vor der Haustür, sah nach dem dunklen Westen hin und atmete tief die kühle, feuchte Luft. Er befand sich nach wie vor in tief erregter Gemütsverfassung.

»Nun haben wir mit der Vergangenheit abgeschlossen«, dachte er. »Diese letzten paar Monate, das Jahresende — sie mögen der Vergangenheit angehören. Dies ist der Augenblick Null, und wir stehen zwischen zwei Zeitaltern. Jetzt beginnt das neue Leben. Jetzt beginnen wir das Jahr Eins. Das Jahr Eins!«

Nun lag nicht länger einzig das Drama einer menschenlosen Welt in einer ständigen, nur wenig veränderten Wiederholung vor ihm. Nicht länger war die Verbesserung seiner persönlichen Lage das vorherrschende Problem. Nun würde in den vor ihm sich dehnenden Jahren das Drama einer neuen Gesellschaft beginnen, die aus sich selbst erstand und sich weiter entwickelte. Und nun würde er nicht der einzige Zuschauer sein; zumindest war er nicht nur das. Er konnte lesen. Schon jetzt besaß er mancherlei Grundkenntnisse. Er wollte sie ausbauen, in technischer, psychologischer und politischer Hinsicht, sofern sich die Notwendigkeit dafür ergab.

Es mußte noch andere geben, die er auffinden und mit denen er sich zusammentun konnte — gute Menschen, die ihm beim Aufbau der neuen Welt helfen konnten. Er wollte eine Fahrt unternehmen und nochmals nach Menschen Ausschau halten. Er wollte sich wacker umtun und versuchen, allen aus dem Wege zu gehen, die allzusehr unter dem Schock gelitten hatten, deren Seele, Geist und Körper nicht dem entsprachen, was man für den Aufbau der neuen Gesellschaft verlangen mußte.

Irgendwo in seinem Innern lauerte noch immer die eine tiefe Furcht, sie würde die Geburt nicht überstehen, so daß alle Hoffnung auf die Zukunft hinschwände. Und dennoch hegte er im Allertiefsten diese Furcht nicht. Ihr Mut brannte mit zu heller Flamme. Sie war das Leben selbst. Er konnte sie nicht mit dem Tode in Verbindung bringen. Sie war das Licht der Zukunft; sie und alle, die von ihr ausgehen würden. »O Mutter von Nationen! Und ihre Kinder sollen sie segnen!«

Er selbst hätte höchstens den Mut zum Weiterleben aufgebracht in dem steten Gefühl, daß der Tod Jahr für Jahr näher an ihn heranschlich, wie einstmals die Dunkelheit aus den Zimmerwinkeln herangekrochen war, als das Licht erlosch. Ihre stärkere Seele hatte den Tod zurückgeschlagen, und schon erstand in ihr neues Leben. Aus ihren Tiefen schwang der Mut auf ihn über.

Es war seltsam, und zweifellos sogar unlogisch, daß der Gedanke an das künftige Kind alles in so durchaus anderem Licht erscheinen ließ. Doch er erkannte diesen Unterschied an. Er schaute vorwärts, voller Vertrauen auf die Zeit, da die Sonne wieder am südlichen Ende ihres langen Bogens untergehen und sie beide — sie drei — hingehen und in einen Felsblock die Gedächtniszahl des endenden Jahres Eins einmeißeln würden. Es war nicht zu Ende. Alles würde weitergehen.

Ein Satz fiel ihm ein.

»O Leben ohne Ende!« dachte er. Als er dort stand, über die leere, verödete Stadt nach Westen hin ins Dunkel schaute und tief die kühle, feuchte Luft atmete, durchklangen diese Worte seine Seele wie Gesang: »O Leben ohne Ende! Leben ohne Ende!«

Hier endet der Erste Teil. Es folgt das Zwischenkapitel, betitelt »Eilende Jahre«, das nach Ablauf eines Jahres einsetzt.

EILENDE JAHRE

Nicht weit von dem Haus in der San-Lupo-Promenade erstreckte sich das Gebiet, das ehemals ein kleiner öffentlicher Park gewesen war. Hohe Felsen stiegen malerisch auf, und an einer Stelle lehnten die Häupter von zwei dieser Felsen aneinander und bildeten eine schmale, hohe Höhle. Daneben fiel eine sanft geneigte Felsfläche, so groß wie der Fußboden eines kleinen Zimmers, zugleich mit dem Hügelhang ab; sie war indessen nicht allzu steil, und man konnte bequem auf ihr sitzen. In den älteren Zeiten, die denen vorangegangen waren, die wir fortan die Alten Zeiten nennen wollen, hatte ein Stamm einer primitiven Völkerschaft dort in der Gegend gehaust, und auf der sanft geneigten Felsfläche konnte man noch die kleinen Löcher sehen, die jene Menschen mit Steinstößeln gehöhlt hatten, als sie Körner zerstampften.

Eines Tages, als der Ablauf der Jahreszeiten sich vollendet hatte und die Sonne zum zweitenmal genau im Süden des Goldenen Tores sank, stiegen Ish und Em den Hügelhang empor zu den Felsen. Der Nachmittag war still und sonnig, und für einen Tag mitten im Winter recht warm. Em trug das Baby, das in ein weiches Tuch gewickelt war. (Sie war schon wieder guter Hoffnung; aber sie schritt noch leichtfüßig einher.) Ish trug seinen Hammer und einen Meißel. Prinzeß war mit ihnen gekommen, lief jedoch, wie stets, der Spur eines ihrer Kaninchen nach.

Als sie zu dem Felsen kamen, setzte Em sich in die Sonne und stillte das Baby, und Ish arbeitete mit Hammer und Meißeclass="underline" er schlug in die geneigte Felsfläche die erste Jahreszahl ein. Der Felsgrund war hart; doch mit dem schweren Hammer und dem scharfen Meißel brachte er schnell eine senkrechte Linie zustande. Aber es trieb ihn, sein Werk ein bißchen zu verschönern. So meißelte Ish denn einen sauberen Querstrich unter die senkrechte Linie und oben daran einen kleinen Haken, so daß das Ganze einer korrekten 1 ähnelte, wie er sich ihrer aus den Zeiten erinnerte, da noch gedruckt wurde.

Als er fertig war, setzte er sich neben Em in die Sonne. Das Baby hatte getrunken und war glücklich und zufrieden. Sie spielte mit ihm.

»Ja«, sagte Ish. »Das war nun also das Jahr Eins!«

»Stimmt«, sagte Em. »Aber ich glaube, für mich ist es immer das ›Baby-Jahr‹. Namen kann man besser behalten als Zahlen.«

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