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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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So geschah es von Anfang an, daß sie es sich angewöhnten, jedes Jahr seltener mit seiner Zahl als mit einem Namen zu bezeichnen, der sich auf irgend etwas bezog, das während jener Zeit geschehen war.

Im Frühling des zweiten Jahres pflanzte Ish seinen ersten Garten. Er hatte sich nie viel aus Gartenarbeit gemacht, und wahrscheinlich konnte das als Erklärung dafür dienen, daß er trotz löblicher Entschlüsse und zweier mit halbem Herzen unternommener Versuche während des ersten Jahres nichts geerntet hatte. Dennoch empfand er eine tiefe Befriedigung, es wieder mit urtümlichen Dingen zu tun zu haben, als er mit dem Spaten die dunkle, feuchte Erde umgrub.

Diese Befriedigung war das Bedeutsamste, was der Garten ihm eintrug. Das Saatgut, um damit zu beginnen (es hatte ihn große Mühe gekostet, überhaupt welches aufzutreiben), war mehrere Jahre alt, und vieles ging nicht auf. Alle möglichen Arten von Schnecken krochen nur zu bald herbei; aber er vertrieb sie, indem er eine Büchse »Schneckentod« ausstreute, und fühlte sich als Triumphator. Als dann gerade der Salat im besten Wachsen war, sprang ein Rehbock über den Zaun und richtete Verwüstungen an. Ish erhöhte den Zaun. Dann wühlten sich Kaninchen unter ihm durch, was abermals zu Verwüstungen und gesteigerter Arbeit führte. Eines Abends hörte er krachende Geräusche, stürzte hinaus und konnte gerade noch eine räuberische Kuh vertreiben, die durch den Zaun zu dringen versuchte. Abermals Arbeit!

Im Juni kamen dann die Insekten. Er streute und spritzte Gift, bis er zu fürchten anfing, er könnte es nicht wagen, den Salat zu essen, wenn auch sämtliche Schmarotzer vertilgt waren.

Als letzte entdeckten die Krähen den Garten. Ish hielt Wache und schoß ein paar ab. Aber sie schienen selber auch Wachtposten ausgestellt zu haben und kamen wieder herbeigeflattert, sobald er den Rücken gekehrt hatte, und den ganzen Tag konnte er beim besten Willen nicht Posten stehen. Seine Vogelscheuchen und sich bewegende Blinkspiegel hielten sie einen Tag fern; danach aber hatten sie keine Angst mehr davor.

Schließlich spannte er Fliegendraht über die paar Gemüsereihen, die der Rettung wert schienen, und erntete ein bißchen Salat und ein paar jämmerliche Tomaten und Zwiebeln. Aber gewissenhaft ließ er ein paar der Pflanzen Samen treiben, den er für die Zukunft aufbewahrte.

Er war so mutlos und enttäuscht, wie nur ein Liebhaber-Gärtner es sein konnte. Augenscheinlich war es etwas anderes, Gemüse zu züchten, wenn Tausende das gleiche taten, als wenn man es als einziger tat und aus Meilen in der Runde jedes auf frisches Grün erpichte Tier, jeder Vogel, jedes Weichtier, jedes Insekt herangaloppiert, geflogen, gekrochen oder gehüpft kam und wohl gar noch Signale an seinesgleichen aussandte: »Kommt! Hier gibt's was zu fressen!«

Gegen Ende des Sommers wurde das zweite Baby geboren. Sie nannten es Mary, gerade wie sie sich schließlich entschieden hatten, das erstgeborene John zu nennen, damit die alten Namen nicht von der Erde verschwänden.

Als das neue Baby erst ein paar Wochen alt war, geschah etwas Denkwürdiges …

Und das ging folgendermaßen zu: Obwohl Ish und Em sich während der ersten Jahre beständig im Hause oder ganz in seiner Nähe aufhielten, bekamen sie dann und wann Besuch von Wanderern, die den Rauch in der San-Lupo-Promenade gesehen und darauf zugehalten hatten. Diese Menschen schienen ausnahmslos noch unter dem Schock zu leiden. Sie waren Schafe ohne Herde. Inzwischen, schloß Ish daraus, mußten diejenigen, die sich anzupassen gewußt hatten, seßhaft geworden sein. So waren Ish und Em denn nur froh, wenn diese ruhelosen, unseligen Leute sich zum Weiterziehen entschlossen.

Eine Ausnahme bildete Ezra. Ish erinnerte sich deutlich, wie Ezra an einem heißen Septembertage die Straße entlanggetrottet kam, hochroten Gesichts, der halbkahle Schädel fast noch röter, mit eingefallenen Wangen; als er Ish erblickt hatte, war er stehengeblieben, hatte gelächelt und dabei seine schlechten Zähne gezeigt.

»Ja, ja, mein Junge!« hatte er gesagt, und obwohl das amerikanische Worte waren, stand dahinter etwas wie der Geist des im nördlichen England gesprochenen Akzents.

Er blieb, bis die ersten Regengüsse vorüber waren. Er war stets liebenswürdig, auch wenn er Zahnschmerzen hatte. Er hatte die große, unerklärliche Gabe, daß die Menschen sich in seiner Gesellschaft behaglich fühlten. Die Babys lächelten stets, wenn Ezra sich über sie beugte.

Ish und Em hätten ihn gern gebeten, für immer bei ihnen zu bleiben; aber sie fürchteten, die »Dreiecks-Situation«, auch wenn der Dritte so leicht zu behandeln und so einsichtig wie Ezra war. So schickten sie ihn eines Tages, als Ruhelosigkeit ihn quälte, davon; sie sagten ihm freundlich scherzend, er solle sich auch ein nettes Mädchen suchen und dann wieder zu ihnen kommen. Als er fort war, waren sie traurig.

Um die Zeit seines Abschieds stand die Sonne schon wieder weit im Süden. Als sie hingingen und in den flachen Felsen die Zahl 2 einmeißelten, trugen sie also Ezra noch in lebendiger Erinnerung, obwohl er fort war und sie nicht damit rechneten, ihn wiederzusehen. Er wäre, so meinten sie, ein guter Helfer gewesen und ein sympathischer Kamerad. Um seines Andenkens willen nannten sie das abgelaufene Jahr »das Ezra-Jahr«.

Das Jahr 3 war »das Jahr der Brände«. Gerade zur Mittsommerzeit trieben unvermittelt Rauchschwaden über Land und Stadt und verblieben, leichter oder schwerer, drei Monate lang. Manchmal wachten die Babys hustend und nach Luft ringend auf, und es tränten ihnen die Augen.

Ish konnte sich denken, was geschehen war. Die westlichen Forste waren nicht mehr große Wälder mit dicken Bäumen, zwischen denen das Feuer, ohne großen Schaden anzurichten, hindurchbrennen konnte. Durch unter Kontrolle gehaltene, von Menschen angelegte Brände hatten die Wälder aus dicken, beinahe unentzündbaren, hohen Bäumen bestanden, und dazwischen hatten geschlagene Stämme und Buschwaldgebiete gelegen. Der Mensch hatte diese Art Wald gezüchtet; der Wald war von ihm abhängig, und er überlebte den Menschen nur, weil er dem Feuer zu widerstehen vermochte. Jetzt aber lagen die Löschschläuche säuberlich aufgerollt; die Bagger und Feuerspritzen wurden rostrot, und in diesem überaus trockenen Sommer hatten im nördlichen Kalifornien, und sicherlich auch in Oregon und Washington, durch Blitzschlag entzündete Brände gewütet, ohne bekämpft zu werden; die zundertrockenen Stapel gefällten Holzes hatten lichterloh gebrannt, und schließlich auch die hohen, alten Bäume. Eine furchtbare Woche hindurch sahen Ish und Em die Brände hell die Nacht durchflackern, an der ganzen Nordseite der Bucht entlang, vom Fuße der Höhenzüge bis zu den Gipfeln; sie waren erst erloschen, als es nichts Brennbares mehr gab. Die breiten Arme der Meeresbucht hielten das Feuer glücklicherweise auf die Nordseite beschränkt, und an der Südseite gingen keine Gewitter nieder, die weitere Waldbrände hätten entfachen können. Als alles vorüber war, glaubte Ish, daß es in Kalifornien nur noch sehr wenige nicht vom Feuer betroffene Wälder gebe und daß es Jahrhunderte dauern würde, bis sie wieder grünten.

Auch begann Ish in diesem Jahr ernsthaft zu lesen — ein weiteres Zeichen, daß er sich endgültig den Gegebenheiten anpaßte. Er holte sich Bücher aus der Stadtbibliothek und ließ die Million Bände der Universitätsbibliothek unberührt als große Reserve, wenn die Zeit reif war. Obwohl er oft meinte, er sollte sich in der Medizin, der Landwirtschaft und der Technik und aus anderen Gebieten Kenntnisse und Fertigkeiten aneignen, erkannte er, daß er sich vorerst über die Geschichte der Menschheit unterrichten mußte. Er durchstöberte unzählige Werke über Anthropologie und Geschichte und ging dann zur Philosophie, insbesondere zur Geschichtsphilosophie über. Er las auch Romane, Gedichte und Dramen, die ja auch ein Teil der Geschichte der Menschheit waren.

Manchmal, wenn er abends las und Em strickte und die Babys oben schliefen und Prinzeß faul am Kaminfeuer lag — dann schaute Ish auf und dachte daran, daß seine Eltern viele Abende auf genau die gleiche Weise verbracht hatten. Doch dann erblickte er die Gasolin-Lampe und wandte die Augen den toten Glühbirnen in den Deckenfassungen zu.

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