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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Er mußte auch noch andre Dinge retten. Saatgut zum Beispiel. Er mußte dafür sorgen, daß die wichtigsten Kulturpflanzen nicht von der Erde verschwanden.

Plötzlich erkannte er, daß die Zivilisation nicht nur vom Menschen abhing, sondern auch von jenen andern Dingen, die mit ihm als Gefolgsleute, Freunde und Gefährten marschiert waren. Wenn der heilige Franziskus die Sonne als Bruder begrüßt hatte — konnten wir dann nicht ebenfalls sagen: »O Bruder Weizen! O Schwester Gerste!« Er lächelte vor sich hin. Ja, man konnte fortfahren: »O Großvater Rad! O Vetter Kompaß! O Freund Binomischer Lehrsatz!« Alle Errungenschaften der Wissenschaft und der Philosophie, so konnte man meinen, standen Schulter an Schulter mit dem Menschen, obwohl das, wenn er es in Worte umsetzte, vielleicht ein wenig lächerlich klang.

Er beeilte sich, noch immer glühend vor knabenhafter Begeisterung, das alles Em zu erzählen. Doch Em war nicht so begeistert, wie er gehofft hatte. »Zivilisation!« sagte sie. »Ach, du meinst, daß die Flugzeuge immer höher und höher steigen und immer schneller fliegen. So was meinst du.«

»Oh, allerdings. Aber auch die Kunst, weißt du. Musik, Literatur, Kultur.«

»Ja, und Gespenstergeschichten und die komischen Neger-Jazz-Bands, von denen mir die Ohren weh taten.«

Er war niedergeschlagen, obwohl er wußte, daß sie ihn ein bißchen neckte.

»Eine andere Frage«, sagte sie, »die ebenfalls zur Zivilisation gehört. Nämlich die Zeit. Wir wissen nicht einmal, in welchem Monat wir uns befinden. Wir müssen doch wissen, wann er Geburtstag hat, damit wir ihn feiern können, so in zwei Jahren etwa.«

Vielleicht, so empfand er, war das der Unterschied! Das war der Unterschied zwischen Frau und Mann. Sie fühlte nur, was in unmittelbarem Zusammenhang mit ihr stand, und war weit mehr daran interessiert, ihres Kindes Geburtstag festlegen zu können, als an der Zukunft der Zivilisation. Er fühlte sich ihr abermals überlegen.

»Aber wie dem auch sei: eins habe ich heute nicht getan«, sagte er. »Ich habe keinen einzigen Blick in die Geburtshilfe-Bücher geworfen. Es tut mir leid — aber damit ist es ja nicht so eilig, nicht wahr?«

»O nein. Vielleicht brauchen wir sie auch gar nicht. Erinnerst du dich nicht, daß sogar in den Alten Zeiten immerfort Babys in Autotaxen und Krankenwagen geboren wurden? Wenn sie zur Welt wollen, kann niemand sie daran hindern.«

Nachdem er später alles durchdacht hatte, mußte er sich gestehen, daß sie etwas Bedeutsames angeregt hatte. Je mehr er darüber nachdachte, von desto grundsätzlicherer Wichtigkeit wurde ihm ihr Gedanke, die Zeit zu bestimmen und festzulegen. Schließlich war Zeit Geschichte, und Geschichte war Tradition, und Tradition war Zivilisation. Wenn man die Kontinuität der Zeit einbüßte, verlor man etwas, das nie wieder eingeholt werden konnte. Wahrscheinlich war sie schon verlorengegangen, sofern nicht einer der andern Überlebenden in dieser Beziehung achtsamer gewesen war als er. Man brauchte sich beispielsweise nur die Sieben-Tage-Woche anzusehen. Auch wenn man nicht religiös war, mußte man zugeben, daß die Sieben-Tage-Woche mit ihrem einen Ruhetag eine schöne alte Menschheitsüberlieferung war. Sie war während der letzten fünf Jahrtausende in Kraft gewesen, sicherlich von den Zeiten der Babylonier an, und vielleicht gar, niemand wußte es, bereits seit noch längerer Zeit. Ob es ihm wohl gelingen würde, herauszubekommen, welcher Tag Sonntag war?

Was die Bestimmung des Jahrestages betraf, so mußte sie nicht allzu schwierig sein. Er verstand sich zur Genüge auf die Elemente der Astronomie, um das zuwege zu bringen; und wenn er den Zeitpunkt der Sonnenwende korrekt festlegen konnte, dann konnte er auch den Kalender des letzten Jahres rekonstruieren und vielleicht den Wochentag herausbekommen.

Die gegenwärtige Zeit war dazu angetan, sich eifrig mit diesen Problemen zu befassen. Obwohl er es nicht ganz genau wußte, konnte er aus der Witterung und auf Grund seiner allgemeinen Kenntnisse hinsichtlich der seit der Katastrophe vergangenen Zeit schließen, daß man sich in der Dezembermitte befinden müsse. Wenn die Sonnenwende in etwa einer Woche stattfand, so konnte er das unschwer feststellen, indem er den Sonnenuntergang beobachtete.

Am nächsten Tag stöberte er das Besteck eines Landmessers auf, und obwohl er nicht allzuviel über dessen Gebrauch wußte, montierte er es auf das Stativ und richtete es gegen Westen. Er schwärzte die Linsen mit Ruß, damit er die Sonne beobachten konnte, ohne daß ihn die Augen schmerzten. Bei seiner ersten Beobachtung stellte er fest, daß die Sonne hinter den Hügeln von San Francisco unterging, südlich des Goldenen Tors. Er erinnerte sich, daß dies beinahe der südlichste Punkt ihres Untergangs war. Er ließ das Gerät eingestellt und notierte den Winkel des Sonnenuntergangs.

Am nächsten Abend ging sie noch ein bißchen weiter südlich unter. Und dann geschah etwas, was die ganze Systematik über den Haufen warf. Es kam ein heftiger Sturm über den Ozean herüber, und eine ganze Woche lang konnte Ish nicht beobachten, wo die Sonne unterging. Als er sie wieder sehen konnte, ging sie schon wieder weiter nördlich unter.

»Jedenfalls aber«, sagte er, »müssen wir der Sonnenwende noch ganz nahe sein. Wenn wir einen Tag zu der Zeit hinzufügen, da wir die Sonne zum letztenmal gesehen haben, müssen wir unmittelbar an die Sonnenwende herankommen, und wenn wir dem zehn Tage hinzufügen, haben wir Neujahr.«

»Ist das nicht ziemlich dumm?« fragte sie.

»Warum?«

»Ja, ich meine, fängt das Jahr denn nicht wirklich an, wenn die Sonne sich wieder nach Norden wendet? Meinst du nicht, daß die Leute es früher so haben festlegen wollen, und dann ist auf diese oder jene Weise etwas dazwischengekommen, und man hat die zehn Tage hinzugefügt?«

»Ja, ich glaube auch, daß es so gewesen ist.«

»Na, und warum läßt du unser Neujahr dann nicht einfach mit — wie nennst du es? — mit der Sonnenwende zusammenfallen? Das wäre doch viel einfacher.«

»Allerdings. Aber du kannst doch nicht den ganzen Kalender durcheinanderbringen. Der ist schon seit sehr langer Zeit festgelegt. Den kannst du nicht einfach umstoßen.«

»Das hat doch aber einer namens Julian auch schon getan, und es hat deswegen großes Geschrei gegeben. Und dennoch haben sie damals einen anderen Kalender gemacht.«

»Sie haben ihn abgeändert. Ja, da hast du recht — und vermutlich können wir das ebenfalls tun, wenn wir es wollen. Sicherlich gibt einem das ein gewisses Machtgefühl!«

Dann stellten sie in der Ausgelassenheit ihrer schweifenden Phantasie fest, daß sie bei ihrer Art zu leben ein System ausarbeiten könnten, das sie von Monaten und dergleichen Dingen unabhängig machte; denn von ihrer Anhöhe aus konnten sie den ganzen Sonnenbogen verfolgen. Sie brauchten nur das Datum zu markieren, an dem die Sonne in der Mitte des Goldenen Tors unterging, oder die Zeit, da sie den ersten großen Bergbuckel im Norden erreicht hatte, oder die Zeit, da sie bei den mannigfachen Schroffen der langen Gebirgskette angelangt war. Was kam dabei heraus, wenn man Monate hatte?

»Oh!« rief sie plötzlich, »übrigens muß jetzt ungefähr Weihnachten sein. Das hatte ich völlig vergessen. Glaubst du, daß du unten in den Läden einen Schlips für dich auftreiben kannst?«

Er sah sie mit einem kleinen Lächeln an. »Ich glaube, wir hätten allen Grund, an diesem Weihnachtsfest recht bekümmert zu sein; und dennoch: irgendwie kann ich das nicht.«

»Nächstes Jahr«, sagte sie, »wird es lustiger. Dann bekommt er seinen ersten Weihnachtsbaum.«

»Ja, und eine Kinderklapper soll er auch haben, nicht wahr? Ich will auch sehen, daß ich eine elektrische Eisenbahn auftreibe und sie in Gang bekomme. Ach, vermutlich bekommt der arme Junge niemals eine elektrische Eisenbahn. Aber es könnte sein, daß in fünfundzwanzig Jahren, wenn wir Enkelkinder haben, die Elektrizitätswerke wieder arbeiten.«

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