Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Molly weinte ein bißchen; sie hatte die Gottesdienste so schön gefunden. Und so endete der Versuch mit der Kirche schließlich doch in eitel Harmonie.
Zu Beginn des Jahres 9 waren sie sieben Erwachsene, dazu kam Evie, und dreizehn Kinder, von den neugeborenen Babys bis hinauf zu Mollys Ralph, der neun, und zu Ishs und Ems Jack, der acht Jahre alt war.
Sie alle hatten das wohltuende Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit, was das Wachstum der Gemeinschaft betraf, oder des »Stammes«, wie sie jetzt immer häufiger sagten. Die Geburt jedes Babys war eine Zeit der Freude, und die Schatten schienen abermals ein wenig vor dem stets größer werdenden Lichtkreis zurückgewichen zu sein.
Bald nach dem Beginn dieses Jahres kam eines Morgens ein anständig aussehender, ältlicher Mann zu Georges Haus. Es war einer jener Wanderer, wie sie nach wie vor, wenngleich immer seltener, vorbeikamen.
Er wurde gastfreundlich aufgenommen; doch es war wie bei den andern, was für ihn getan wurde, machte nur geringen Eindruck auf ihn. Er blieb nur eine Nacht da und zog dann weiter, ohne sich auch nur zu verabschieden; er ging den ziellosen Weg der vom Schock Verstörten.
Kaum war er fort, schien es, als gerieten die Menschen in einen gereizten Zustand. Alle Babys fingen an zu weinen. Dann hatten alle Halsentzündung; die Nasen liefen ihnen und sie litten unter Kopfschmerzen und geschwollenen Augen. Plötzlich zeigten sich im ganzen »Stamm« die Anzeichen einer Epidemie.
Das war um so auffälliger, als während der ganzen vorhergegangenen Jahre der Gesundheitszustand unglaublich gut gewesen war. Ezra und ein paar der andern hatten unter schlechten Zähnen gelitten; George, der Älteste, hatte über mancherlei Schmerzen geklagt, die er mit dem althergebrachten Ausdruck als »Rheumatismus« bezeichnete, dann und wann hatte eine Schramme zu Entzündungen geführt. Aber selbst die üblichen Erkältungen schienen gänzlich verschwunden zu sein. Nur zwei Krankheiten wirkten sich nach wie vor aus. Die eine befiel früher oder später sämtliche Kinder; sie war in ihren Symptomen den Masern ähnlich; sicherlich waren es auch die Masern, und sie nannten sie so, obwohl es keinen Arzt gab, der es ihnen bestätigen konnte. Die andere Krankheit begann mit heftigen Halsschmerzen, die indessen nach dem Einnehmen von Sulfa-Tabletten so schnell vergingen, daß niemand den eigentlichen Verlauf der Krankheit kannte. Solange es in den Drugstores hinlängliche Mengen von Sulfa-Tabletten gab, die trotz ihres Alters wirksam blieben, sah Ish nicht ein, weshalb er auf experimentellem Wege herausbekommen sollte, wohin jene Halsentzündungen sich entwickelten, wenn nichts dagegen unternommen wurde.
Warum nur so wenige Krankheiten übriggeblieben waren — das erschien Menschen wie George und Maurine als ein Wunder, und sie neigten, was das betraf, zu abergläubischen Vorstellungen. Sie meinten, Gott habe in einem furchtbaren Zornausbruch durch eine Seuche das Menschengeschlecht nahezu gänzlich ausgelöscht, und nun sei er zufrieden und lasse die kleinen Krankheiten als eine Art Ausgleich wirken, gerade wie er nach der Sintflut am Himmel den Regenbogen als ein Zeichen gespannt habe, daß nie wieder eine solche Flut sich ereignen solle.
Ish indessen war sich klar darüber, wie das zuging. Da ein so großer Teil der Menschen gestorben war, war die Kette der meisten Infektionen abgerissen, und man konnte sagen, viele individuelle Krankheiten seien »ausgestorben«, als die besonderen Bakterienarten erloschen. Natürlich würde es nach wie vor Krankheiten geben, die einzig der Entartung des menschlichen Körpers entsprangen, wie Herzkrankheiten und Krebs und Georges »Rheumatismus«, und sicherlich auch Infektionen, die ihren Ursprung von Tieren nahmen, wie etwa das Fleckfieber. Auch konnte es hier und dort Überlebende geben, die irgendeine Krankheit in ihrer chronischen Form bewahrten und sie auf andere übertrugen, gerade wie einige von ihnen wohl für das Fortdauern der »Masern« verantwortlich zu machen waren.
Der alte Mann hatte, wie alle sich zu spät erinnerten, sich häufig die Nase geputzt. Zweifellos hatte er sich in einem infektionsfähigen Stadium befunden und sie samt und sonders mit dem angesteckt, was man »eine gewöhnliche Erkältung« zu nennen pflegte, obwohl eine solche inzwischen so ungewöhnlich geworden war, daß sie als erloschen galt.
Auf jeden Fall lag etwas beinahe Komisches in der Art, wie dermaßen viele bis dahin so überaus gesunde Menschen nun plötzlich zu Niesern und Hustern und Räusperern und Naseputzern geworden waren.
Glücklicherweise nahm die Erkältung ihren Verlauf ohne alle Komplikationen, und nach ein paar Wochen waren alle wieder wohlauf. Den ganzen Rest des Jahres hindurch lebte Ish in steter Furcht vor einem neuen Ausbruch. Es bestand, wie er wußte, sehr wohl die Möglichkeit, daß die Infektion in einem von ihnen latent blieb und sich wieder auswirken würde, wenn die kurze Zeit der Immunität der anderen vorüber war. Doch zweifellos half der lange, trockene Sommer (es war in jenem Jahr besonders sonnig) allen die letzten Spuren der Infektion zu überwinden. Das war ein großes Glück! Ish war in den Alten Zeiten höchst empfänglich für dergleichen gewesen. Manchmal hatte er gesagt, und beileibe nicht lediglich im Scherz, der Verlust der »gewöhnlichen Erkältung« wiege den gleichzeitig erfolgten Verlust der Zivilisation auf.
Im Herbst nun aber war es mit dem großen Glück aus. Keiner wußte genau, wie es geschah: aber drei der Kinder erkrankten an heftigem Durchfall und starben. Das wahrscheinlichste war, daß sie beim Spielen in eins der unbewohnten Nachbarhäuser gegangen waren und Gift gefunden hatten — vielleicht Ameisengift. Neugierig hatten sie davon gekostet, hatten gemerkt, daß es süß schmeckte, und es gegessen.
Eines der Kinder war Ishs Sohn gewesen. Von je hatte er voller Angst einem solchen Geschehnis entgegengesehen, nicht um seinet—, sondern um Ems willen. Doch obwohl sie um das Kind trauerte, erkannte er, daß er ihre Stärke unterschätzt hatte. Sie war dem Leben so innig verbunden, daß sie paradoxerweise den Tod ebenfalls als einen Teil des Lebens hinnehmen konnte. Sowohl Molly als Jean, die beiden andern eines Kindes beraubten Mütter, wanden sich in hysterischem Schmerz und waren viel tiefer verstört.
In jenem Jahr wurden zwei Kinder geboren; aber dennoch war die Zahl des »Stammes« am Ende des Jahres kleiner als an seinem Beginn. Sie nannte es »das Jahr des Sterbens«.
Das Jahr 10 wies keine besonderen Ereignisse auf, und keiner wußte recht, wonach man es benennen sollte. Doch als sie auf der flachen Felsplatte saßen und Ish den Hammer schwang und die Jahreszahl einzumeißeln begann, taten zum erstenmal einige der Kinder ihre Meinung kund und sagten, es müsse »das Jahr des Fischens« genannt werden. Das geschah, weil sie während jenes Jahres in der Meeresbucht ganze Schwärme schöner, gestreifter Seebarsche entdeckt hatten, die zu fischen und zu fangen ihr Hauptvergnügen gebildet hatte. Abgesehen von der prächtigen Abwechslung in den Mahlzeiten war das Fischen für alle ein wahrer Quell des Vergnügens gewesen. Im allgemeinen freilich war Ish überrascht, wie gering für sie alle die Notwendigkeit war, sich Vergnügen zu verschaffen. Bei der Art ihrer Lebensführung gab es hinlänglich viel zu tun, wenn man für Nahrungsmittel und eine gewisse Behaglichkeit sorgte; schon darin lag sehr viel Befriedigung, so daß einem kaum der Sinn nach Vergnügungen im eigentlichen Sinne stand.
Im Jahre 11 gebaren Molly und Jean Kinder; aber das Mollys starb bei der Geburt. Das war eine große Enttäuschung; denn es war das erste, das sie bei der Geburt verloren, und im Lauf der Jahre hatten die Frauen große Geschicklichkeit darin erlangt, einander gegenseitig zu helfen. Sie waren der Ansicht, daß Mollys hohes Alter wahrscheinlich die Ursache dieses Todes sei.