Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
«Wäre es Ihnen lieber gewesen, wir hätten tatenlos zugesehen, wie er dort hinaufklettert und sich den Hals bricht?«fragte Indiana mit einer Handbewegung auf den Landemast. Dr. Rosenfeld ignorierte ihn kurzerhand.»Ich überlasse Ihnen die Wahl, Mister Browning«, sagte sie, plötzlich wieder ganz kühl.»Entweder ich begleite Professor van Hesling, oder er begleitet mich!«
Browning musterte sie drei oder vier Sekunden lang ganz ruhig, ehe er leise sagte:»Ich könnte Sie auf der Stelle verhaften lassen, ist Ihnen das klar?«
Doktor Rosenfeld nickte.»Sehr klar. Aber ich gebe Ihnen mein Wort, daß diese Geschichte dann spätestens in vierundzwanzig Stunden in jeder Zeitung des Landes steht.«
Browning wurde bleich.»Das wagen Sie nicht! Das wäre Hochverrat.«
«Was für ein Unsinn!«sagte Dr. Rosenfeld.»Es gibt in diesem Land etwas, was sich Pressefreiheit nennt, Browning. Auch wenn ich fast annehme, daß Sie von diesem Begriff noch nie etwas gehört haben. Aber ich denke, all diese Journalisten und Reporter, die im Hil-ton-Hotel hinter uns her waren, würden sich gierig auf diese Geschichte stürzen. Was sie dann daraus machen, liegt nicht in meiner Hand.«
Browning starrte sie an. Seine Kiefer mahlten, und seine kurzen, dicken Stummelfinger schlossen sich in hilflosem Zorn zu Fäusten. Aber Indiana wußte, daß er verloren hatte. Dr. Rosenfeld gehörte nicht zu den Menschen, die leere Drohungen ausstießen. Und Browning mußte das ebensogut erkannt haben wie er.
«Das ist Erpressung«, sagte er schließlich.
«Nennen Sie es, wie Sie wollen«, erwiderte Dr. Rosenfeld.»Aber entscheiden Sie sich. Ich und Doktor van Hesling, oder keiner von uns.«
Wieder vergingen Sekunden, in denen Browning sie nur anstarrte. Aber schließlich nickte er. Welche Wahl hatte er auch schon?
Die Passagiergondel des Luftschiffs war noch größer, als es von außen den Anschein gehabt hatte. Nachdem Indiana über die wankende Metalltreppe nach oben gestiegen war, hatte er sich unvermittelt in einem weitläufigen, allerdings sehr spartanisch eingerichteten Raum wiedergefunden, der nur einer von vielen war. Außer Quinn und allen anderen Expeditionsteilnehmern, die er bereits im Hilton kennengelernt hatte, befanden sich auch noch zahlreiche Männer in den blauen Uniformen der Marine an Bord. Und obwohl keiner von ihnen eine Waffe trug, erkannte Indiana sie auf den ersten Blick als das, was sie wirklich waren: keineswegs Techniker oder Bordpersonal, sondern Soldaten. Noch dazu eine ganz besondere Art von Soldaten. Keiner von ihnen sagte etwas Verräterisches, keiner machte eine eindeutige Geste oder auch nur eine Andeutung. Aber Indiana Jones war Männern wie ihnen ein paarmal zu oft begegnet, um sie nicht sofort zu erkennen. Die Männer waren Angehörige einer Eliteeinheit, ausgesucht harte Männer, die vor nichts Angst hatten und darauf vorbereitet waren, durch die Hölle zu gehen. Was, um alles in der Welt, hatte Morton auf Odinsland gefunden?
Das nervöse Bellen von Hunden schlug ihm entgegen, als er eine Klappe am oberen Ende einer schmalen Treppe, die aus der Gondel hinaus und ins Innere des eigentlichen Luftschiffrumpfes hinaufführte, öffnete und hindurchstieg. Indiana zögerte einen Moment, um seinen Augen Gelegenheit zu geben, sich an das hier drinnen herrschende Halbdunkel zu gewöhnen, dann kletterte er weiter, ließ die Klappe hinter sich zufallen und sah sich um. Er befand sich in einem gewaltigen, schier endlosen Raum. Über ihm spannten sich die mit breiten Metallstegen verbundenen Gaskammern des Zeppelins, zwischen denen sich ein ganzes Gewirr von Laufgängen, schmalen eisernen Leitern und Stegen entlang zog. Aber das Innere des Zeppelins bestand nicht zur Gänze aus gasgefüllten Kammern. Rechts und links des schmalen, mit einem zerbrechlich wirkenden Eisengeländer versehenen Steges, auf das die Leiter hinausgeführt hatte, befanden sich große, offensichtlich nachträglich eingebaute Kabinen. Das Licht reichte nicht aus, um den riesigen Zeppelin ganz zu überblicken, aber Indiana schätzte, daß es gut zehn bis fünfzehn dieser Verschlage geben mußte; und das auf jeder Seite.
Das Hundegebell drang aus einem dieser Aufbauten. Indiana ging hin, öffnete die Tür, ohne anzuklopfen, und hob grüßend die Hand, als er Quinn inmitten eines nervösen Hunderudels entdeckte.
Der Eskimo erwiderte seinen Gruß knapp. Quinn war niemals ein Mann vieler Worte gewesen, und er schwieg auch jetzt, bis Indiana sich durch das Durcheinander aus unruhig auf und ab laufenden Hunden zu ihm durchgekämpft und sich neben ihn auf den Boden gehockt hatte. So groß der Verschlag war — Indiana schätzte seine Länge auf mindestens zwanzig Meter —, herrschte hier drinnen doch fast eine erdrückende Enge. Außer Quinn und seinen Hunden waren auch die beiden Schlitten sowie eine große Anzahl in Segeltuch eingeschlagener Bündel hier untergebracht. Offensichtlich enthielten sie eine komplette Polarausrüstung: Indiana erkannte ein gutes Dutzend zusammengerollter Zelte, einige Gaskocher und — heizungen samt einer großen Anzahl dazugehöriger Flaschen, eine komplette tragbare Funkanlage sowie ganze Paletten voller kältefest eingepackter Nahrungsmittel. Er fragte sich, was in den anderen Verschlagen sein mochte und warum man es Quinn zumutete, sich mitsamt seinen Hunden den Platz hier drinnen zu teilen.
«Was hältst du von alldem, mein Freund?«fragte er.
Quinn zuckte mit den Schultern, wandte gemächlich den Kopf und blickte aus der Höhe seiner gut sieben Fuß auf Indiana herab.»Nichts«, sagte er auf seine gewohnt bündige Art.
Indiana lächelte. Quinn drückte sich manchmal — selbst für seinen Geschmack — etwas zu wortkarg aus, aber diesmal kam er mit seiner Antwort der Wahrheit ziemlich nahe. Auch Indiana bedauerte längst, Browning an jenem Tag in Saint Claire nicht kurzerhand rausgeworfen zu haben. Er ahnte, daß das, was sie auf dem treibenden Eisberg erwarten würde, wirklich wichtig sein mußte. Spätestens seit seinem Gespräch mit dem Präsidenten wußte er, daß es sich diesmal nicht um ein x-beliebiges Abenteuer, sondern um eine Sache handelte, von der vielleicht das Wohl und Wehe dieses ganzen Landes abhing. Und trotzdem wäre ihm wohler gewesen, er wäre nicht dabei. Dieses ganze Unternehmen schien von Anfang an unter einem schlechten Stern zu stehen. Das begann damit, daß es von Doktor Browning geleitet wurde, einem Mann, der nicht einfach nur einen schlechten Ruf hatte, sondern sozusagen die Verkörperung dieses Begriffs war. Jones war ihm niemals zuvor persönlich begegnet, aber er hatte genug von ihm gehört, um zu wissen, daß er nicht nur im übertragenen, sondern auch im wortwörtlichen Sinne über Leichen ging. Es ging weiter mit dem wahnsinnigen van Hesling, von dem Indiana ahnte, daß er ihnen noch so manche unangenehme Überraschung bereiten würde, und seiner zwar nicht wahnsinnigen, dafür aber reichlich hysterischen Betreuerin, die mit Sicherheit auch für die eine oder andere Abwechslung während der Reise gut war. Und letztlich diese beiden deutschen Soldaten: zwei Männer, die sich nicht einmal mehr sonderliche Mühe gegeben hatten zu verheimlichen, wer sie wirklich waren. Nämlich Männer, die für die SS oder gar die Gestapo arbeiteten. Was, um alles in der Welt, war dort, nördlich von Grönland?
Ein leichtes Beben lief durch den Rumpf des Luftschiffs, und die Hunde wurden noch nervöser. Einige von ihnen begannen schrill und ängstlich zu jaulen, andere drängten sich schutzsuchend an Quinn und Indiana, und Fenris, das Leittier des Rudels, bleckte die Zähne und begann tief und drohend zu knurren. Quinn streckte die Hand aus, berührte ihn zwischen den Ohren und begann leise, beruhigende Worte in seiner Muttersprache zu murmeln. Der Husky beruhigte sich sofort. Er hörte auf zu knurren, aber er hatte immer noch Angst; sein Nackenfell war gesträubt und die Ohren angelegt.