Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
Bremer starrte mit klopfendem Herzen zum Haus zurück. Der Schwarze Engel (Engel?!) war immer noch nicht zu sehen, aber der infernalische Tanz der Schatten hatte zugenommen. Hinter der geöffneten Haustür zuckten schwarze Blitze hin und her, als beobachte er den Veitstanz eines höllischen Schattenspielers.
Der Fiat zitterte, als Angela sich hinter das Lenkrad fallen ließ, den Schlüssel ins Zündschloß rammte und sich praktisch gleichzeitig über den Beifahrersitz warf, um die Tür auf Bremers Seite aufzustoßen. Bremer verlor eine weitere, kostbare Sekunde, weil er den Türgriff bereits aufzog und das Schloß auf diese Weise blockierte.
»Laß los!« schrie Angela. Bremer riß die Hand fast erschrocken zurück, und die Tür flog mit einem Ruck auf. Hastig warf sich Bremer auf den Beifahrersitz, und Angela rammte den Gang hinein und trat das Gaspedal rücksichtslos bis zum Boden durch. Der Uno schoß mit durchgedrehten Reifen und protestierend aufheulendem Motor los, noch ehe Bremer Gelegenheit fand, die Tür zu schließen. Der Ruck, mit dem der Wagen lospreschte, ließ sie mit einem Knall zufallen, und Bremer fand gerade noch Gelegenheit, seine Hand zurückzuziehen, ehe ihm die Finger abgequetscht wurden.
Während Angela hektisch schaltete und den Motor erbarmungslos bis über seine Grenzen hinaus belastete, drehte sich Bremer im Sitz herum. Das Haus und die offene Tür, hinter der sich Licht und Schatten noch einen erbitterten Zweikampf lieferten, fielen rasch hinter ihnen zurück. Niemand verfolgte sie. Trotzdem ließ Angela den Uno in einem fast perfekten Powerslide um die nächste Biegung schlittern, schaltete auf eine Art herunter, die das Getriebe ihres Wagens mindestens ein Jahr Lebenszeit kostete, und ließ den Motor noch schriller aufheulen. Bremer wurde zur Seite und mit dem Kopf gegen das Fenster geschleudert, klammerte sich instinktiv irgendwo fest und konnte gerade noch verhindern, daß er zur anderen Seite kippte, wodurch er unweigerlich auf Angela gestürzt wäre und sie möglicherweise die Gewalt über den Wagen verloren hätte.
»Schnall dich an!« sagte Angela hektisch. Sie fuhrwerkte wie wild mit dem Ganghebel herum, kurbelte mit der anderen Hand am Lenkrad und ließ den Wagen in die entgegengesetzte Richtung schleudern. Bremer wurde zum zweitenmal gegen die Tür geworfen, aber diesmal war er darauf vorbereitet und konnte sich rechtzeitig festhalten. Wortlos griff er nach dem Sicherheitsgurt und ließ den Verschluß einrasten. Seine Hände zitterten so heftig, daß er drei Versuche brauchte.
»Verdammt noch mal, was war das?« fragte Angela. »Was zum Teufel war das?« Sie nahm ein wenig Gas weg, was allerdings nur dazu führte, daß sich der Motor des Wagens jetzt nicht mehr anhörte wie eine überdrehte Küchenmaschine; nicht, daß der Fiat deutlich langsamer wurde. Immerhin schaltete sie das Licht ein, nahm die rechte Hand vom Lenkrad und angelte ungeschickt nach ihrem eigenen Sicherheitsgurt. Als er immer noch nicht antwortete, warf sie ihm einen bösen Blick zu und sagte: »Meinst du nicht, daß du mir allmählich eine gottverdammte Antwort schuldig bist?!« Die letzten vier Worte hatte sie fast geschrien. Bremer nahm sie trotzdem kaum wahr.
»Es ist kein Engel«, flüsterte er. »Großer Gott. Es ist kein Engel. Es ist ein ... ein Dämon!«
Angela sah ihn verstört an. Ihr Blick flackerte. »Wovon sprichst du?« fragte sie.
»Es ist kein Engel mehr«, murmelte Bremer. Die unmittelbare Gefahr war vorbei, und trotzdem schlug die Angst jetzt erst richtig zu. Nach einem Moment zitterten nicht nur seine Hände. Er zitterte am ganzen Leib. »Es ist kein Engel -«
»Azrael.« Angela schaltete herunter und trat behutsam auf die Bremse. Sie fuhren noch immer schnell genug, um jeden Wagen zu überholen, der vor ihnen auftauchte, verloren aber weiter an Geschwindigkeit. »Ich glaube, wir müssen uns unterhalten«, sagte sie grimmig.
11
»Was zum Teufel war jetzt schon wieder los?« Brauns Stimme war nur noch einen Deut davon entfernt, in ein lächerlich-hysterisches Quietschen umzuschlagen und ihre Lautstärke höchstens noch ein halbes Dezibel davor, wirklich zu schreien. Er stürmte mit gesenkten Schultern und kampflustig vorgerecktem Kinn herein und versuchte, die Tür hinter sich zuzuwerfen, vermutlich um seinem Auftritt auf diese Weise noch mehr Nachdruck zu verleihen. Da die Tür aus zwölf Zentimeter dickem Panzerstahl bestand und annähernd eine Tonne wog, mißlang der Versuch kläglich - Braun wurde von seiner eigenen Kraft zurückgerissen und stürzte mehr ins Labor hinein, als er ging, bevor es ihm gelang, sein Gleichgewicht mit einem raschen Schritt zurückzuerlangen. Wäre die letzte halbe Stunde nicht gewesen, hätte es absolut lächerlich ausgesehen.
Weder Mecklenburg noch seinen beiden Assistenten war im Moment allerdings zum Lachen zumute.
»Verdammt noch mal!« polterte Braun weiter. »Muß ich hier wirklich alles selbst machen? Kann man euch nicht einmal einen einzigen Abend allein lassen, ohne daß sofort eine Katastrophe losbricht?!« Er redete Unsinn. Mecklenburg wußte es, und Braun wußte natürlich auch, daß Mecklenburg es wußte. Braun war so nervös (und erschrocken) wie sie alle. Sein Wutausbruch war eben nur seine ganz persönliche Art, mit dem Schrecken fertig zu werden. Was es allerdings kein bißchen leichter machte, ihn zu ertragen. Mecklenburgs Assistenten zogen erschrocken die Köpfe ein und taten ihr Möglichstes um auf der Stelle unsichtbar zu werden, und selbst Mecklenburg fiel es schwer, Brauns Blick standzuhalten. Offensichtlich bekam er an diesem Abend nicht nur eine Lektion über die Grenzen seiner Fähigkeiten als Wissenschaftler, sondern auch als Mensch. Noch vor einer Stunde hatte er geglaubt, Braun trotzen zu können. Schließlich war er sein Auftraggeber, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Das war die Theorie. In der Praxis war es ein ziemlich beunruhigendes Gefühl, einem Mann gegenüberzustehen, der nicht nur buchstäblich Macht über Leben und Tod hatte, sondern von dem er auch wußte, daß ihm ein Menschenleben nicht besonders viel galt. Der lebende Beweis (lebend?) dafür befand sich in dem schwarz verchromten Sarkophag auf der anderen Seite der Glasscheibe.
Braun gab es endlich auf, eine Tür zuknallen zu wollen, die sich nicht zuknallen ließ, fuhr mit einer wütenden Bewegung auf dem Absatz herum und sah sich kampflustig um. »Also?!«
»Es ist ... alles wieder in Ordnung.« Es war schon fast grotesk: Mecklenburg brauchte fast eine Sekunde, um zu begreifen, daß es nicht seine Stimme war, die geantwortet hatte, sondern die Grinners.
Braun schien es wohl ähnlich zu ergehen, denn er würdigte ihn nicht einmal eines Blickes, sondern fuhr direkt an ihn gewandt und in kaum weniger scharfem Ton fort: »Ich habe nicht gefragt, was jetzt los ist. Ich habe gefragt, was war.«
»Das wissen wir nicht.« Mecklenburg kam zu dem Schluß, daß er nur eine einzige Wahl hatte, nämlich die, in die Offensive zu gehen. Er stand auf, konnte gerade noch dem Wunsch widerstehen, sich zu räuspern, um seiner Stimme mehr Sicherheit zu verleihen, und schlug mit der flachen Hand wahllos auf einen der Computerbildschirme vor sich. »Wir werten noch die Daten aus. Eine Menge Daten. Es wird eine Weile dauern.« Braun war nicht in der Stimmung für Wortklauberei. Er mußte es nicht sagen. Sein Blick sprach Bände. »Es hat vor zwanzig Minuten angefangen.« Grinner verbesserte sich. »Fünfundzwanzig. Seine zerebralen Aktivitäten sind plötzlich angestiegen.« Das war die Untertreibung des Jahres, dachte Mecklenburg. Ebensogut hätte man sagen können, daß es auf der Sonne warm wäre. Er kam nicht dazu, Grinner zu korrigieren (Er würde den Teufel tun, verdammt noch mal!), aber Brauns Aufmerksamkeit verlagerte sich endlich von ihm zu seinem unglückseligen Assistenten - der ganz offensichtlich keine Ahnung hatte, worauf er sich einließ. Es gab Menschen, deren Aufmerksamkeit man besser nicht weckte, und Braun gehörte dazu. Er führte diese Spezies an.