Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
Und der Todesengel kam über sie. Es war, als faltete sich die Dunkelheit auseinander, um die Schwärze der Hölle zu gebären. Seine gewaltigen Schwingen füllten den Gang auf ganzer Breite aus, schlugen in einer schweren, ungeheuer kraftvollen Bewegung aufeinander zu und verschlangen einen der beiden Männer.
Als der erste Schuß fiel, riß Angela ihn endgültig ins Haus und schmetterte die Tür hinter ihm ins Schloß. Bremer taumelte ungeschickt noch einen Schritt weiter, fiel auf ein Knie herab und versuchte sich irgendwie aufzufangen, machte es damit aber nur schlimmer. Er stürzte der Länge nach zu Boden, schlitterte gute zwei Meter weit über rauhen Stein und schlug sich schmerzhaft den Schädel an, als ein unsichtbares Hindernis seiner Rutschpartie ein unsanftes Ende setzte. Er hörte einen dumpfen Knall, als Angela sich mit der Schulter gegen die Tür warf und gleichzeitig den Riegel vorlegte.
Auf der anderen Seite der Tür fiel ein weiterer Schuß, dann noch einer, und noch einer und noch ein weiterer. Er hörte Schreie, unmenschliche, spitze Schreie, ein furchtbares Bersten und Krachen, Schläge, wieder ein Schuß und eine Reihe gräßlicher, reißender Laute... Etwas traf die Wand hinter Angela so hart, daß Staub aus den Fugen wirbelte.
Sein erster Versuch, sich wieder aufzurichten, scheiterte kläglich. Er hatte sich die Stirn angeschlagen. Warmes Blut lief über sein Gesicht. Er spürte überhaupt keinen Schmerz, aber seine Handgelenke hatten auch nicht mehr die Kraft, das Gewicht seines Körpers in die Höhe zu stemmen. Mühsam wälzte er sich auf die Seite, setzte sich schwankend hoch und wischte sich mit dem Handrücken das Blut aus den Augen.
Der Lärm draußen hatte abgenommen, war jedoch noch nicht ganz verstummt. Er hörte jetzt keine Schüsse mehr, aber immer noch dieses furchtbare Reißen und Krachen, und darunter groteske, unglaublich laute Freßgeräusche. Dann hörte es auf. Der Boden, auf dem er lag, begann zu zittern.
»Paß auf!« brüllte Bremer. Angela konnte unmöglich verstehen, was er meinte. Aber sie reagierte augenblicklich. Wahrscheinlich rettete es ihr das Leben.
Sie warf sich ansatzlos und mit einer schier unvorstellbar schnellen Bewegung zur Seite und herum, landete mit einer eleganten Judorolle auf dem Boden und katapultierte sich noch aus der gleichen Bewegung heraus wieder in die Höhe.
Noch bevor sie den Boden berührte, erbebte die Tür unter einem berstenden Schlag, und ein gebogener, rostfarbener Dorn von der Länge eines Fingers bohrte sich durch das morsche Holz. Ein schriller, kreischender Laut erklang, das Geräusch einer Kreissäge auf Stein, und die Kralle wurde zurückgerissen und fetzte Splitter und kleine Holzstückchen aus der Tür.
Bremer wartete nicht ab, ob sie zu einem zweiten Hieb ausholte. Das absolute Grauen, das ihn gepackt hatte, verlieh ihm neue Kraft. Er sprang in die Höhe, wirbelte herum und riß Angela mit sich, ehe sie auch nur richtig begriff, wie ihr geschah. Sie rasten los.
Angela schrie irgend etwas, was er nicht verstand, dann erscholl hinter ihnen ein schrilles, ungeheuer zorniges Brüllen, und er konnte hören, wie die Tür unter einem gewaltigen Hieb zersplitterte.
Angela schrie erneut. Bremer sah aus den Augenwinkeln, daß sie den Kopf gedreht hatte und zu dem Ding zurücksah, das sich stets mit der gleichen Geschwindigkeit bewegte wie er, und in dem er sicher war, solange er sich nur nicht zu dem Ding herumdrehte, nur, daß es kein Traum war, sondern alptraumhafte Realität, und daß er wußte, daß die Chimäre ihn vernichten würde, wenn er sich ihr zuwandte, nicht weil sie ihn einholte, sondern weil ihr bloßer Anblick ausreichen würde, ihn zu töten.
Er rannte noch schneller, zerrte Angela so rücksichtslos hinter sich her, daß sie kaum noch mit ihm Schritt halten konnte und stürzte blindlings durch die nächste Tür. Er machte sich nicht die Mühe, sie zu öffnen, sondern sprengte sie einfach in vollem Lauf mit der Schulter aus dem Rahmen; ein Kraftakt, den er unter normalen Umständen niemals bewerkstelligt hätte. Jetzt spürte er ihn kaum. Er stürmte einfach weiter. Ein harter Ruck ging durch seinen linken Arm, an dem er Angela hinter sich herzerrte. Sie schrie, als sie gegen den Türrahmen, vielleicht auch die Wand prallte, aber der Laut ging in einem weiteren, noch lauteren Splittern und Brechen unter, als sich der Koloß mit rücksichtsloser Gewalt hinter ihnen hindurchzwängte. Seine Präsenz füllte den Raum aus wie ein erstickender, klebriger Geruch, schien Bremer zu ersticken, drang wie ein tödliches Gift durch jede Pore seines Körpers. Er konnte regelrecht fühlen, wie nicht etwas aus, sondern die Dunkelheit selbst materialisierte, um zu etwas Neuem und zugleich Uraltem, durch und durch Bösem zu werden.
Blind vor Angst stolperte er weiter. Vor ihnen lag jetzt ein heruntergekommener, schmaler Hausflur, der nur von einer einzelnen nackten Glühbirne erhellte wurde. Ein halbes Dutzend schäbiger Wohnungstüren nahm die rechte Seite ein; Bremer ertappte sich bei der geradezu absurden Überlegung, daß die Appartements dahinter kaum größer als Schuhkartons sein konnten, so dicht, wie die Türen beieinanderlagen - als ob das in einem Moment wie diesem irgendeine Rolle spielte!
Trotzdem beeinflußte dieser Gedanke seine weiteren Handlungen. Statt weiter durch den Flur und auf die Treppe an seinem gegenüberliegenden Ende zuzustürmen, was sein allererster, instinktiver Impuls gewesen wäre, machte er abrupt auf der Stelle kehrt, wodurch Angela endgültig das Gleichgewicht verlor und so wuchtig auf ein Knie herabfiel, daß ein lautstarkes Knirschen erklang und ihr erschrockenes Keuchen in einen Schmerzenslaut überging. Bremer stürmte weiter, riß sie mit nun eindeutig brutaler Kraft wieder in die Höhe und zerrte sie einfach hinter sich her. Er wußte nicht, ob sie lief, stolperte oder er sie vielleicht einfach hinter sich herschleifte. Er mußte aus diesem Haus heraus, das war der einzige Gedanke, der zählte, fort von diesem Ort des Grauens, weg von diesem Ungeheuer, das gekommen war, um seinen einzigen Daseinszweck zu erfüllen: zu töten.
Als hätte sie seine Gedanken gelesen (Natürlich hatte sie es. Sie war ein Teil seiner Gedanken!), stieß die Bestie hinter ihm ein wütendes, markerschütterndes Gebrüll aus. Das Haus erbebte unter ihren Schritten. Holz und Stein zerbarsten unter Krallenhieben und dem Schlagen gewaltiger, stachelbewehrter Schwingen. Bremer sah sich nicht um. Er stolperte weiter, zerrte Angela rücksichtslos hinter sich her, ohne auf ihre Schreie und ihre mittlerweile fast verzweifelte Gegenwehr zu achten. Wie in einem Rausch gefangen, taumelte er auf die Haustür zu, sprengte sie wie die andere mit der Schulter auf und registrierte einen dumpfen, betäubenden Schmerz irgendwo am Rande seines Bewußtsein, während er haltlos ins Freie torkelte. Er fiel, ließ endlich Angelas Hand los und rollte zwei-, dreimal über das nasse Straßenpflaster. Die Dunkelheit stürzte sich auf ihn wie ein Raubtier, das auf ihn gelauert hatte, und der Schmerz in seiner Schulter kroch endlich aus seinem Versteck heraus und breitete sich qualvoll und betäubend in seiner ganzen rechten Körperhälfte aus.
Und plötzlich war es Angela, die ihn in die Höhe riß und einfach vor sich herstieß. In seinen Ohren pochte das Blut. Er hörte Schreie, sinnlose, durcheinanderhallende Laute, aber er konnte nicht sagen, ob es seine eigenen Schreie waren oder die Angelas, das Brüllen des Ungeheuers oder nur pure Einbildung. Haltlos taumelte er vor Angela her, drohte immer wieder zu stürzen und schaffte es irgendwie, auf den Beinen und in Bewegung zu bleiben. Vielleicht war Bewegung ihre einzige Chance, denn Bewegung war Leben, während die Dunkelheit und Stille den Tod brachten. Er humpelte weiter und brachte jetzt zum erstenmal den Mut auf, einen Blick über die Schulter zurückzuwerfen. Sie waren gute zwanzig, vielleicht schon dreißig Meter von der Tür entfernt. Von ihrem unheimlichen Verfolger war noch nichts zu sehen, und mit Ausnahme der Treppenhausbeleuchtung blieb das Haus weiter vollkommen dunkel; dabei hatten sie im wahrsten Sinne des Wortes genug Lärm gemacht, um Tote aufzuwecken. Hier und da in den Häusern ringsum gingen Lichter an, und er konnte hören, wie ein oder vielleicht auch zwei Fenster geöffnet wurden. Alles, was sich in dem Hausflur bewegte, waren Schatten; als hätte die bloße Anwesenheit des Dings schon ausgereicht, um alles Leben in dem Gebäude zum Erlöschen zu bringen. Angela versetzte ihm einen weiteren Stoß, als er langsamer zu werden drohte. Bremer stolperte weiter, prallte (natürlich mit seiner ohnehin geprellten Schulter) gegen einen Wagen, der am Straßenrand geparkt war, und begriff erst durch ihr heftiges Gestikulieren, daß es sich um Angelas grünen Fiat handelte. Sie ließ endlich seine Schulter los, hetzte mit kleinen, aber rasend schnellen Schritten um den Wagen herum und zerrte rasch im Laufen den Schlüsselbund aus der Tasche.