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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»Legt ihn vorsichtig nieder, Senor Jardin. Die Schmerzen in dem Stumpf werden jetzt erst richtig beginnen.«

Sie ließen den Verwundeten behutsam auf das Lager in seiner Kabine gleiten. Eigentlich müßte ich jetzt hier wohnen, dachte Jardin. Dann aber schüttelte er den Kopf. Unsinn, auf die Umgebung kam es nicht an, wenn man Erster Offizier sein wollte, sondern nur auf die Leistung ...

Die »Trueno« segelte unter guten Winden zunächst nordwestlichen Kurs. Als sie sich etwa auf 45 Grad nördlicher Breite und 8 Grad westlicher Länge befand, ging sie ziemlich genau auf Südwestkurs. Man hatte offensichtlich die Absicht, den 43. Breitengrad zu erreichen, um dann mit direkter Westroute Boston anzulaufen, um das die Engländer eine scharfe Seeblockade gelegt hatten.

Nicht sehr klug, dachte Michel Baum. Wenn er Kapitän gewesen wäre, hätte er die Galeone viel weiter südlich fahren lassen, um dann von Süden her nach Norden an der amerikanischen Küste entlangzukreuzen. Direkten Westkurs auf Boston würde vermutlich jedes englische Schiff nehmen. So war die Gefahr eines Zusammentreffens weiter westlich stets gegeben. Nun, Michel Baum war zahlender Fahrgast. Für ihn galt es, so bald wie möglich in jenes Land der Freiheit zu gelangen, dessen Verfassung er fast auswendig kannte. Als man den offenen Atlantik erreicht hatte, trat ein unvorhergesehenes Ereignis ein. Eines Abends sackte ein Wachtposten stöhnend zusammen. Man brachte ihn in die Koje des ermordeten Arztes und bedeutete dem »Arztgehilfen«, ihm zu helfen. Marina hatte geschickte Hände, wenn es galt, kleine, äußere Wunden zu verbinden, Blutungen zu stillen und Hautabschürfungen zu verpflastern.

Der Kranke aber klagte wimmernd über furchtbare Schmerzen in der Blinddarmgegend. Marina, deren Verkleidung bisher noch niemand außer Michel durchschaut hatte, wußte sich keinen Rat und zuckte nur die Schultern.

»Caramba«, meinte sie in der derben Ausdrucksweise, die sie sich hier angewöhnt hatte, »der Kerl will bloß krank spielen. Gießt ihm einen Eimer Wasser über den Kopf. Dann gehen die Schmerzen von selber wieder weg.«

Die Leute standen unschlüssig. Zum Kapitän getrauten sie sich nicht wegen dieser »Kleinigkeit«. Zudem hatten sie vor jedem Menschen, der einen sauberen Verband anzulegen wußte, einen Heidenrespekt.

»Muy bien, Senor Medico«, meinte Diaz Ojo, ein vierschrötiger Vollmatrose, der seit zehn Jahren schon zur See fuhr, »sollen wir ihn an einen Strick binden und ins Wasser hinunterlassen?« Marina lachte rauh.

»Kein schlechter Gedanke. Am besten, Ihr gebt ihm anschließend auch noch die neunschwänzige Katze, damit sich die Schmerzen vom Bauch auf den Hintern verlagern.« Michel war zufällig draußen vorbeigegangen; denn er hatte noch immer die Kabine neben Marina inne. Da die Tür offenstand, konnte er jedes Wort hören.

Jetzt trat er mit festem Schritt ein und betrachtete den Kranken, ohne Marina oder die übrigen Umstehenden eines Blicks zu würdigen.

»Wo hast du Schmerzen, companero?« fragte er freundlich und bückte sich zu dem in Angstschweiß gebadeten Mann nieder.

»Oh, Senor, macht Euch keine Gedanken. Ich bin schon wieder ganz gesund«, antwortete der mit fieberheißer Stirn; denn der Vorschlag des »Arztgehilfen« hatte ihm einen gehörigen Schrecken eingejagt.

»Rede kein dummes Zeug, hombre«, meinte Michel streng. »Es sieht doch ein Blinder, daß es dir schlecht geht.« »Aber der Senor Medico sagte, ich verstelle mich nur. Es wäre mein Tod, wenn man mich jetzt ins Wasser tauchte. Ich leide wahnsinnige Schmerzen.«

»Zeig mir die Stelle genau.«Der Mann deutete auf die Blinddarmgegend.

»Verdammt, amigo, das ist schlimm.«

»Werde ich sterben müssen?« fragte der Kranke ängstlich. »Was habe ich?« Michel blickte Marina mit zusammengekniffenen Augen an. Dann sagte er auf französisch: »Ich hätte nie für möglich gehalten, daß man so entmenscht sein kann wie Ihr, Monsieur Arztgehilfe.«

Marina lief rot an vor Zorn.

»Was wollt Ihr«, antwortete sie in derselben Sprache. »Ich bin kein Chirurg und kann nicht operieren. Man weiß bei diesen Burschen nie, ob sie wirklich krank sind oder ob sie sich verstellen.«

»Auf den Gedanken, die Leute mit dem Kranken zu mir zu schicken, seid Ihr wohl bisher noch nicht gekommen.«

»Pah, Ihr seid nicht der Schiffsarzt. Über die Kranken an Bord bestimme ich. Packt Euch!« Michel wandte sich an Diaz Ojo.

»Wollt Ihr mir Euern companero zur Behandlung übergeben? Ich weiß nicht, ob ich ihm werde helfen können; aber den Versuch will ich wagen. Ich bin Arzt.« Diaz Ojo kratzte sich vor Verlegenheit hinterm Ohr.

»Bueno, Senor, aber ich weiß nicht recht; nicht, daß jemand von uns was gegen Euch hätte; aber der Kapitän — — ich weiß nicht, Senor — — —«

»Muy bien«, sagte Michel entschlossen, »lassen wir den Patienten selbst entscheiden. Nun, companero, wie ist's, soll ich dich in die Kur nehmen?«

Der Kranke, dem alles recht war, nickte schwach. Zumindest entging er damit einer Behandlung, wie sie der »Medico« angeordnet hatte.

Michel sah sich in der Arztkoje um. Bald hatte er einen kleinen Koffer mit wenigen Instrumenten entdeckt. Sehr gut ausgerüstet war Doktor Garcia nicht gewesen. Eine Sonde gab es da, ein scharfes Messer, viel zu groß, als daß man damit sorgfältig hätte operieren können, eine stumpfe Knochensäge und Binden zum Abschnüren der Venen, doch kein einziges schmerzlinderndes Medikament. Michel packte die »Instrumente« wieder in den Koffer. Zu jener Zeit kannte man die heute sehr einfache Blinddarmoperation noch nicht. Damals gehörte eine Blinddarmentzündung zu den gefährlichsten Darmerkrankungen und war, wenn überhaupt, dann nur durch eine langwierige innere Behandlung zu heilen.

Michel schickte die Leute, die den Kranken gebracht hatten, fort und befahl dem Arztgehilfen in unfreundlichem Ton, lauwarmes Wasser heranzuschaffen.

Widerwillig fügte sich Marina diesem Befehl. Sie glaubte sich immer noch unerkannt von Michel und wollte es deshalb nicht auf eine Auseinandersetzung ankommen lassen. Michel verfertigte sich mittels eines ausgetrockneten Ziegendarms eine Art Klistierspritze, die er dem Kranken in den Darm einführte. Marina mußte aus einem Topf durch einen Trichter langsam lauwarmes Wasser in den Darm gießen.

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