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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Der Kapitän wiegte bedenklich den Kopf.

»Ich will Euch ehrlich sagen, daß ich einen Augenblick lang dachte, er sei ein Spion des Königs.

Vielleicht soll er erkunden, ob wir bei unseren Geschäften mit Washington Sondergewinne

erzielen. Es wäre doch immerhin möglich, meint Ihr nicht, Don Escamillo?«

»Wollt Ihr ihn tatsächlich bis an die Küste mitnehmen?«

»Was können wir sonst tun? Er hat ja seine Passage reichlich bezahlt.«

»Wie wäre es, wenn wir ihn auf einer der Antillen aussetzten? Vielleicht gewöhnt er sich an das Piratenleben. Und ich sagte ja bereits vorhin, daß wir solche Burschen brauchen können.« »Hm — und wenn es ihm nun keinen Spaß macht, was dann?« Der Erste Offizier lehnte sich weit über die Reling zurück.

»Dann, Capitan--nun, das Meer ist tief und schweigt.«

»Hm.«

Michel Baum lag lang ausgestreckt auf seiner Hängematte und hielt die Augen geschlossen. Unter sich auf den Boden hatte er das Lederbündel mit seinen kostbaren Waffen gelegt, so daß es jederzeit griffbereit war. Er erwachte erst, als er in der Nachbarkoje gedämpfte Stimmen vernahm. Mit einem Satz war er aus der Hängematte. Erwartungsvoll preßte er sein Ohr an die dünne Trennwand. Er vernahm Garcias Stimme. Dann trat er an das Windauge und überzeugte sich davon, daß das Schiff bereits die Anker gelichtet hatte. Die beiden waren ihm also sicher. Dennoch fiel es ihm schwer auf die Seele, daß er so gar keine Handhabe besaß, die Gauner dingfest zu machen; denn der Kapitän würde ihn wahrscheinlich auslachen, wenn er eine solche Zumutung an ihn stellte. Die Situation war verzwickt.

Sollte man die Vergangenheit ruhen lassen? Sollte man eine solche Teufelin wieder auf anständige Menschen loslassen?

In Amerika hatten sie sicherlich anderes zu tun, als sich um eine entlaufene Gräfin zu kümmern.

Es war nicht einfach, sich einen Plan zurechtzulegen. Ganz in Gedanken begann Michel zu pfeifen. Laut und durchdringend wirbelten die Passagen durch das Schiff.

Marina ließ sich ermüdet auf einen Strohsack sinken, als das Schiff unter Wind ging.

»Gracias de Dios«, seufzte sie erleichtert, »jetzt haben wir es geschafft, Pablo. Endlich sind die Gefahren zu Ende.«

Garcia grinste grämlich.

»Zu Ende sind sie erst, wenn wir heil und gesund wieder festen Boden unter den Füßen haben.

Ich traue diesen seefahrenden Gaunern nicht weiter, als ich sie sehe.«

»Oh, wenn je etwas dazwischen kommen sollte, so werde ich mein Geheimnis dem Ersten Offizier offenbaren. Wenn ich wieder lächeln darf, wie ich es gewohnt bin, so macht Euch keine Sorge um unsere Überfahrt. Der caballero wird mir aus der Hand fressen.«

»Hoffentlich beißt er sie nicht gleich ab«, spottete der Doktor.

»Ihr seht Gespenster. Neuen Gefahren kann man mit Ruhe entgegenblicken, weil man sie bei einiger Aufmerksamkeit kommen sehen muß. Und den drohenden Hinterhalten, die man uns auf dem Lande hätte stellen können, sind wir ja glücklich entgangen. Der Alcalde von Bielsa mag uns suchen, wo er will. Und ich sagte Euch ja bereits, daß ich sogar die brennende Hoffnung habe, diesen Esteban vor mir im Staub zu sehen.«

»Ich werde nicht recht klug aus dem, was in Euch vorgeht, Verehrteste. Weshalb haßt Ihr Euern

Gemahl mit solcher Wut, wo er Euch doch eigenhändig freigelassen hat?«

»Gerade deshalb. Sein Mitleid und seine Liebe sind mir unerträglich. Fast wäre mir seine Großzügigkeit zu Herzen gegangen. Diesen einen Augenblick, in dem er mir zum letztenmal mit rührseliger Liebe in die Augen blickte, diesen Moment soll er mir büßen. Der Silbador war dagegen ein ganz anderer Kerl. Zuerst nannte er mich gar Madonna. Später aber hätte er mich dem Alcalden mit grausamer Selbstverständlichkeit ans Messer geliefert.«

»Es hört sich fast so an, als ob Ihr dem Kerl, demIhr Euer ganzes Unglück verdankt, mehr zugetan seiet als Euerm Mann, der jetzt wahrscheinlich auf seinem Schlosse sitzt und sich die Seele nach Euch aus dem Leibe grämt. Das verstehe ein anderer.«

»Euch wird die Schönheit des Teuflischen für immer verschlossen bleiben wie den meisten Menschen; denn Ihr seid nur böse aus Geldgier und Gewinnsucht. Ich aber, ich muß böse sein, versteht Ihr, ich muß. Der Teufel hat bei meiner Taufe Pate gestanden. Dafür muß ich mich erkenntlich zeigen. Hört, wer hat da eben gepfiffen?«

Sie lauschte angestrengt. Auch Pablo Garcia wurde aufmerksam; denn die Töne klangen gar zu eindringlich, als daß man sie hätte überhören können.

»Que diablos!« rief Marina aus. »Diesen Pfeifer dort muß ich kennenlernen. Er kann es genau so wie der Silbador.«

»Seht Ihr«, lachte der Doktor, »und Ihr habt den Burschen für ein einmaliges Exemplar gehalten! Einmalig war er aber nur insofern, als er Euch eine kräftige Ohrfeige versetzt hat.« Das Pfeifen schwoll an. Man konnte es bis an Deck hören.

Marina stürzte aus der Koje und sprang die Stufen hinauf. Neugierig blickte sie sich um. Aber sie konnte niemanden mit gespitzten Lippen erspähen. Und dennoch blieb das Pfeifen. Allerdings war es hier oben schwächer als unten.

Marina rannte die Treppe wieder hinab und stieß mit einem Mann zusammen, der aus der Koje neben der ihren trat.

Das Pfeifen war verstummt.

»Buenas noches«, grüßte der Fremde, der nicht zur Besatzung zu gehören schien, höflich und schritt an dem »Arztgehilfen« vorbei, ohne ihm besondere Beachtung zu schenken. Natürlich hatte Michel sofort erkannt, wen er vor sich hatte. Blitzartig war ihm der Gedanke gekommen so zu tun, als wüßte er nicht, wer sich hinter der Gestalt des jungen Mannes verbarg. Marina aber taumelte zurück und hielt sich nur mit Mühe an der Schiffswand aufrecht. Zwar war es nicht möglich gewesen, in dem hier unten herrschenden Zwielicht das Gesicht Michels zu erkennen; aber die Stimme verriet ihr mehr als jede Vorstellung. Völlig verstört gelangte sie in ihren Verschlag.

»Ist Euch nicht gut?« fragte Garcia, machte aber keine Anstalten, ihr irgend eine Hilfeleistung zu gewähren.

»Er ist es — er ist es —«, flüsterte sie fassungslos. »Wer ist — was ist — —« »El Silbador.«

Pablo Garcia ließ sich ganz in Liegestellung zurücksinken.

»Es würde Euch sicherlich guttun, wenn Ihr jetzt ein wenig schliefet. Eure Nerven sind überreizt.«

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